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BAG ur­teilt zu Mi­les and Mo­re Bo­nus­mei­len.

Durch dienst­li­che Flug­rei­sen ge­sam­mel­te Bo­nus­mei­len ste­hen dem Ar­beit­ge­ber zu: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 11. 04.2006, 9 AZR 500/05

05.05.2006. Wer als Ar­beit­neh­mer oft dienst­lich im Flug­zeug sitzt, sam­melt im Lau­fe der Zeit ein di­ckes Bo­nus­mei­len­kon­to an.

Und na­tür­lich gibt es ent­spre­chen­de Auf­merk­sam­kei­ten der Lieb­lings-Air­lines, z.B. in Form per­sön­li­cher Chip­kar­ten, auf den der Viel­flie­ger-Sta­tus ver­merkt ist.

Frag­lich ist, wem die Bo­nus­mei­len ei­gent­lich zu­ste­hen - dem Ar­beit­ge­ber oder dem Ar­beit­neh­mer? Ge­hö­ren sie dem Ar­beit­neh­mer, könn­te er über sein "per­sön­li­ches" Mei­len­kon­to frei ent­schei­den. Ge­hö­ren sie dem Ar­beit­ge­ber, kann er da­mit die be­trieb­li­chen Flug­kos­ten sen­ken.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die­sen Streit ent­schie­den: BAG, Ur­teil vom 11.04.2006, 9 AZR 500/05.

Wem gehören die Bonusmeilen, die Arbeitnehmer durch dienstliche Flugreisen sammeln?

Die Deut­sche Luft­han­sa gewährt sog. Viel­flie­gern im Rah­men des Bo­nus­sys­tems "Mi­les and Mo­re" Bo­nus­mei­len, d.h. sie schreibt die bei Luft­han­sa ge­flo­ge­nen Mei­len ei­nem persönli­chen Mei­len­kon­to als Bo­nus­punk­te gut. Die­se Bo­nus­mei­len ha­ben ei­nen teil­wei­se er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Wert. Ins­be­son­de­re können sie zur Be­zah­lung von Flug­rei­sen bei der Luft­han­sa ein­ge­setzt wer­den.

Frag­lich ist, ob Ar­beit­neh­mer, die häufig vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­te dienst­li­che Flug­rei­sen un­ter­neh­men, über die Ver­wen­dung der Bo­nus­mei­len, die ih­rem "persönli­chen" Mei­len­kon­to gut­ge­schrie­ben wer­den, frei ent­schei­den können - oder ob viel­mehr dem Ar­beit­ge­ber die Verfügung über die Bo­nus­mei­len zu­steht.

Für das Verfügungs­recht des Ar­beit­neh­mers spricht, daß die Bo­nus­mei­len gemäß den Re­geln des Bo­nus­sys­tems "Mi­les and Mo­re" nun ein­mal den Fluggästen persönlich gut­ge­schrie­ben wer­den. Für das Verfügungs­recht des Ar­beit­ge­bers spricht da­ge­gen, daß er ja schließlich "den Spaß be­zahlt". Über die­se Fra­ge hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem Ur­teil vom 11.04.2006 zu ent­schei­den.

Der Streitfall: Verkaufsleiter sitzt oft dienstliche im Flieger und möchte sein "persönliches" Meilenkonto für Privatreisen nutzen

In dem vom BAG ent­schie­de­nen Fall ging es um fol­gen­den Sach­ver­halt:

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer mußte als Ver­kaufs­lei­ter häufig dienst­li­che Flug­rei­sen un­ter­neh­men, die der Ar­beit­ge­ber be­zahl­te. Als Viel­flie­ger nahm der Ar­beit­neh­mer am Mi­les and Mo­re-Pro­gramm der Luft­han­sa teil. Auf­grund der persönli­chen Aus­rich­tung die­ses Bo­nus­sys­tems wur­den die dienst­li­chen Flug­mei­len sei­nem persönli­chen Mei­len­kon­to gut­ge­schrie­ben. Zu­letzt wies das Mei­len­kon­to des Klägers stol­ze 350.000 Bo­nus­punk­te auf, die ei­nem Wert von 9.700,00 EUR ent­spre­chen.

Während der Kläger lan­ge Zeit mit Dul­dung des Ar­beit­ge­bers sei­ne Bo­nus­mei­len für pri­va­te Zwe­cke nut­zen durf­te, un­ter­sag­te der Ar­beit­ge­ber dies im Ja­nu­ar 2003, d.h. er ver­lang­te, daß die an­ge­sam­mel­ten Bo­nus­mei­len künf­tig zur Be­zah­lung dienst­li­cher Flüge ein­ge­setzt würden.

Dar­auf­hin klag­te der Ar­beit­neh­mer mit dem Ziel der Fest­stel­lung, daß er auch wei­ter­hin be­rech­tigt sei, "sei­ne" Bo­nus­mei­len für pri­va­te Zwe­cke zu nut­zen. Das Ar­beits­ge­richt gab der Kla­ge statt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wies auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten die Kla­ge ab, d.h. es gab dem Ar­beit­ge­ber recht.

BAG: Durch dienstliche Flugreisen gesammelte Bonusmeilen stehen dem Arbeitgeber zu

Das BAG hat sich der Mei­nung des LAG an­ge­schlos­sen, d.h. es hat ge­gen den Ar­beit­neh­mer ent­schie­den. Zur Be­gründung be­rief sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf § 667 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Die­se Vor­schrift lau­tet:

"§ 667 Her­aus­ga­be­pflicht

Der Be­auf­trag­te ist ver­pflich­tet, dem Auf­trag­ge­ber al­les, was er zur Ausführung des Auf­trags erhält und was er aus der Geschäfts­be­sor­gung er­langt, her­aus­zu­ge­ben."

Nach Auf­fas­sung des BAG ste­hen die Vor­tei­le aus dem Mi­les and Mo­re-Pro­gramm gemäß § 667 Alt.2 BGB dem Ar­beit­ge­ber als dem "Auf­trag­ge­ber" zu. Er nämlich ist es, der den Ar­beit­neh­mer mit Flug­rei­sen be­auf­tragt und die­se auch be­zahlt.

Der Grund­satz des § 667 Alt.2 BGB fin­det dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­fol­ge auch im Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung. Kon­kret gilt die Her­aus­ga­be­pflicht für al­le Vor­tei­le, die dem Ar­beit­neh­mer von ei­nem Drit­ten auf­grund des aus­geführ­ten Geschäfts gewährt wor­den sind.

Vor­aus­set­zung die­ser Her­aus­ga­be­pflicht ist al­ler­dings, daß der Auf­trag­neh­mer nicht nur rein zufällig bzw. "bei Ge­le­gen­heit" der Ausführung des Auf­trags, son­dern auf­grund ei­nes "in­ne­ren Zu­sam­men­hangs" mit dem Auf­trag et­was er­langt.

Wer al­so aus Lan­ge­wei­le während ei­ner War­te­zeit auf dem Flug­ha­fen Lot­to spielt und ge­winnt, muß den Lot­to­ge­winn nicht her­aus­ge­ben, da die­ser nur zufällig, d.h. "bei Ge­le­gen­heit" der Ausführung des Auf­trags an­ge­fal­len ist. An­ders verhält es sich da­ge­gen mit den Bo­nus­mei­len: Sie wer­den auf­grund ei­nes "in­ne­ren Zu­sam­men­hangs" mit den Flug­rei­sen bzw. un­mit­tel­bar auf­grund der Er­le­di­gung des Auf­trags er­wor­ben.

Fa­zit: Dem Ar­beit­ge­ber, für des­sen Rech­nung und auf des­sen Kos­ten ein Ar­beit­neh­mer Geschäfte führt, gebühren die ge­sam­ten Vor­tei­le aus dem vom Ar­beit­neh­mer aus­geführ­ten Geschäft.

Da­her durf­te der Ar­beit­ge­ber im vor­lie­gen­den Fall dem Ar­beit­neh­mer un­ter­sa­gen, die Bo­nus­mei­len zu pri­va­ten Zwe­cken zu nut­zen. Er konn­te ver­lan­gen, daß sie in sei­nem wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se, d.h. zur Be­zah­lung von Dienstflügen ein­ge­setzt würden.

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Letzte Überarbeitung: 22. August 2014

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