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BAG: Kün­di­gung im Na­men ei­ner GbR

Kün­di­gung durch Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR): Drei Ge­sell­schaf­ter, aber nur zwei Un­ter­schrif­ten?: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil 21.04.2005, 2 AZR 162/04
15.05.2005. Die Kün­di­gung ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses ist ei­ne sog. Wil­lens­er­klä­rung, und zwar ei­ne ein­sei­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung, weil sie vom Ge­kün­dig­ten nicht an­ge­nom­men wer­den muss, um die ge­wünsch­te Ver­trags­be­en­di­gung her­bei­zu­füh­ren. Au­ßer­dem ist ei­ne Kün­di­gung emp­fangs­be­dürf­tig, d.h. sie muss dem Ge­kün­dig­ten im Re­gel­fall zu­ge­hen. Schließ­lich muss sie schrift­lich er­klärt wer­den, denn das ver­langt § 623 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB).

Aus al­len die­sen Grün­den ist es er­for­der­lich, dass ei­ne Kün­di­gung sorg­fäl­tig aus­ge­fer­tigt, von al­len er­for­der­li­chen Per­so­nen un­ter­schrie­ben und dem Ge­kün­dig­ten über­ge­ben oder ihm per Post zu­ge­stellt wer­den muss.

Zu der Fra­ge, was das in Fal­le ei­ner aus drei Per­so­nen be­ste­hen­den Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) mit drei Ge­sell­schaf­tern be­deu­tet, hat sich vor kur­zem das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ge­äu­ßert: BAG, Ur­teil 21.04.2005, 2 AZR 162/04.

Was müssen die Gesellschafter einer GbR bei der Kündigung eines Arbeitnehmers beachten?

Kündi­gun­gen von Ar­beits­verhält­nis­sen müssen gemäß § 623 BGB seit dem 01.01.2005 zwin­gend schrift­lich erklärt wer­den. "Schrift­lich" heißt: Der Kündi­gen­de muss die in ei­ner Ur­kun­de verkörper­te Erklärung ei­genhändig un­ter­schrei­ben.

Frag­lich ist, wie der Schrift­form genüge ge­tan wird, wenn der Kündi­gen­de ei­ne Per­so­nen­ge­sell­schaft ist, d.h. ein Zu­sam­men­schluss meh­re­rer Per­so­nen. Über die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor kur­zem am Bei­spiel ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) ent­schie­den.

Der Streitfall: Gemeinschaftspraxis von drei Zahnärzten kündigt einer Zahntechnikerin, aber nur zwei Gesellschafter unterschreiben die Kündigung

In dem vom BAG ent­schie­de­nen Fall ging es um ei­ne Zahn­tech­ni­ke­rin, die seit 10.11.2001 bei ei­ner Ge­mein­schafts­pra­xis drei­er Zahnärz­te beschäftigt war. Die Ge­mein­schafts­pra­xis wur­de als Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) be­trie­ben.

Mit Schrei­ben vom 26.04.2002 er­hielt die Kläge­rin ei­ne Kündi­gung zum 10.05.2002. Das Kündi­gungs­schrei­ben war nur von zwei Zahnärz­ten un­ter­schrie­ben. Über dem ma­schi­nen­schrift­lich in der Un­ter­schrif­ten­zei­le auf­geführ­ten Na­men des drit­ten Zahn­arz­tes fehl­te des­sen Un­ter­schrift.

Die Kläge­rin hielt die Kündi­gung man­gels Schrift­form für un­wirk­sam und mach­te vor dem Ar­beits­ge­richt Zah­lungs­ansprüche gel­tend. Im Lau­fe der Aus­ein­an­der­set­zung kündig­te sie ih­rer­seits das Ar­beits­verhält­nis zum 30.09.2002.

Das Ar­beits­ge­richt wie die Kla­ge ab. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schied eben­so, d.h. es wies die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück.

BAG: Fehlt eine notwendige Unterschrift, ist die Kündigung nicht schriftlich erklärt und daher unwirksam

Das BAG gab der Kla­ge da­ge­gen - an­ders als die Vor­in­stan­zen - statt. Die­se Ent­schei­dung be­gründet es mit fol­gen­den Über­le­gun­gen:

Für die Ein­hal­tung der Schrift­form der Kündi­gung gemäß § 623 BGB ist es er­for­der­lich, dass der Kündi­gen­de die Kündi­gung ei­genhändig un­ter­zeich­net, so das BAG. Wird die Kündi­gung durch ei­nen Ver­tre­ter un­ter­schrie­ben, muss dies in der Kündi­gung durch ei­nen Zu­satz, der das Ver­tre­tungs­verhält­nis an­zeigt, hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck kom­men.

Wenn in ei­nem Kündi­gungs­schrei­ben ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) al­le Ge­sell­schaf­ter so­wohl im Brief­kopf als auch ma­schi­nen­schrift­lich in der Un­ter­schrifts­zei­le auf­geführt wer­den, so reicht es nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Wah­rung der Schrift­form nicht aus, wenn nur ei­ni­ge der GbR-Ge­sell­schaf­ter oh­ne wei­te­ren Ver­tre­tungs­zu­satz das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­nen.

Ei­ne sol­che Kündi­gungs­erklärung enthält dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­fol­ge kei­nen aus­rei­chend deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass es sich nicht le­dig­lich um den Ent­wurf ei­nes Kündi­gungs­schrei­bens han­delt, der ver­se­hent­lich von den übri­gen Ge­sell­schaf­tern noch nicht un­ter­zeich­net ist.

Fazit: Beim Ausfertigen von Kündigungserklärungen muss sorgfältig auf alle Formalitäten geachtet werden

Das Ur­teil des BAG macht wie­der ein­mal deut­lich, wie wich­tig die Ein­hal­tung al­ler recht­lich vor­ge­schrie­be­nen For­ma­litäten bei der Erklärung ei­ner Kündi­gung ist.

Im vor­lie­gen­den Fall hätte nur ei­ner der bei­den Zahnärz­te, die die Kündi­gung un­ter­schrie­ben ha­ben, ne­ben sei­ner im ei­ge­nen Na­men ab­ge­ge­be­nen Un­ter­schrift ein zwei­tes mal - und zwar ober­halb der ma­schi­nen­schrift­li­chen An­ga­be des Na­mens sei­nes ab­we­sen­den Kol­le­gen - un­ter­schrei­ben müssen, wo­bei er den Zu­satz "in Ver­tre­tung" ("i.V.") hätte ver­wen­den müssen.

Dann hätte die gekündig­te Zahn­tech­ni­ke­rin die Kündi­gung zwar um­ge­hend un­ter Ver­weis auf die der Kündi­gung nicht bei­gefügte schrift­li­che Be­vollmäch­ti­gung zurück­wei­sen können, doch be­steht ei­ne sol­che Zurück­wei­sungsmöglich­keit nur zeit­lich be­grenzt, d.h. sie muss "un­verzüglich" er­fol­gen (§ 174 BGB); nach der Recht­spre­chung heißt "un­verzüglich" "in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge". Ei­ne sol­che Zurück­wei­sung hätte da­her nur da­zu geführt, dass die Zahnärz­te (dies­mal al­le drei zu­sam­men) die Kündi­gung ein bis zwei Wo­chen später noch­mals aus­ge­spro­chen hätten, so dass das Ar­beits­verhält­nis ma­xi­mal zwei Wo­chen später be­en­det wor­den wäre.

Auf­grund der be­reits for­mal fal­schen Erklärung muss­ten die drei Zahnärz­te rich­tig "blu­ten", d.h. sie muss­ten den Lohn bis En­de Sep­tem­ber bzw. für mehr als vier Mo­na­te (!) über den ge­plan­ten Be­en­di­gungs­ter­min hin­aus fort­ent­rich­ten. An­ge­sichts des kur­zen Be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses ist ei­ne Be­las­tung mit so ho­hen An­nah­me­ver­zugs­kos­ten natürlich bit­ter.

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Letzte Überarbeitung: 6. Oktober 2016

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