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Un­wirk­sa­me Haus­halts­be­fris­tung

Be­fris­tung von 5.000 Zeit­ver­trags­stel­len bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit un­wirk­sam: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.03.2010, 7 AZR 843/08
10.05.2010. Ar­beits­ver­trä­ge dür­fen oh­ne Sach­grund nur bis zu zwei Jah­ren be­fris­tet wer­den. Soll das be­fris­te­te Ar­beits­ver­hält­nis län­ger dau­ern, braucht es ei­nen Sach­grund. Ei­ner die­ser im Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz bei­spiel­haft auf­ge­lis­te­ten Sach­grün­de ist ei­ne Ver­gü­tung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Be­schäf­ti­gung be­stimmt sind.

Vie­le Be­schäf­tig­te bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ha­ben ei­nen aus die­sem Grund be­fris­te­ten Ver­trag. Im­mer wie­der sind der Bun­des­agen­tur für Ar­beit da­bei Feh­ler un­ter­lau­fen, so dass die Be­fris­tun­gen un­wirk­sam wa­ren.

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über die (Un-)Wirk­sam­keit von Ar­beits­ver­trags­be­fris­tun­gen bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit zu ent­schei­den, die 5.000 Ar­beit­neh­mer be­tref­fen könn­te: BAG, Ur­teil vom 17.03.2010, 7 AZR 843/08.

"Haushalts"-Befristung von Arbeitsverträgen

Be­fris­te­te Verträge dürfen, das re­gelt das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG), grundsätz­lich nur bei Neu­ein­stel­lun­gen und für ei­ne Höchst­dau­er von zwei Jah­ren oh­ne Sach­grund ab­ge­schlos­sen wer­den.

An­sons­ten, u.a. bei Be­fris­tun­gen, die (zu­sam­men­ge­nom­men) die Höchst­dau­er von zwei Jah­ren über­schrei­ten, be­darf es ei­nes sach­li­chen Grun­des nach § 14 Abs.1 Satz 2 Tz­B­fG. Ein in die­ser Vor­schrift ge­nann­ter im öffent­lich-recht­li­chen Be­reich re­le­van­ter Be­fris­tungs­grund ist die Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln, die nach haus­halts­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten nur für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­reit ge­stellt wer­den. Dann rich­tet sich die be­fris­te­te Beschäfti­gung nach den haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG).

Die An­for­de­run­gen, die hier­bei an die haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben zu stel­len sind, sind im Ein­zel­nen um­strit­ten.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) müssen die für die be­fris­te­te Beschäfti­gung be­reit­ge­stell­ten Haus­halts­mit­tel für Auf­ga­ben vor­ge­se­hen sein, die nur von vorüber­ge­hen­der Dau­er sind (BAG, Ur­teil vom 07.05.2008, 7 AZR 198/07). Da­bei ist ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Pro­gno­se des Haus­halts­ge­bers er­for­der­lich, dass die Auf­ga­ben tatsächlich nur von be­stimm­ter Dau­er sind. Vor­wie­gen­de Dau­er­auf­ga­ben, die der Haus­halts­ge­ber ständig erfüllen muss, dürfen nicht auf be­fris­tet Beschäftig­te über­tra­gen wer­den (BAG, Ur­teil vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05).

Ak­tu­ell hat­te das BAG ei­nen Fall zu ent­schei­den, bei dem es um die Wirk­sam­keit ei­ner Haus­halts­be­fris­tung ging, die ei­ne große Zahl von Ar­beit­neh­mern be­traf (BAG, Ur­teil vom 17.03.2010, 7 AZR 843/08).

Der Fall des Bundesarbeitsgerichts: "Haushalts"-Befristung bei der Bundesagentur für Arbeit. Haushaltsmittel befristet für Aufgaben nach dem SGB II bereitgestellt.

Die kla­gen­de Ar­beit­neh­me­rin war bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) be­fris­tet beschäftigt. Der im Ok­to­ber 2005 ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag sah ei­ne Be­fris­tung bis En­de 2007 vor. Sach­grund für die Be­fris­tung soll­te da­bei die „Vergütung aus Haus­halts­mit­teln“ gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sein.

Auf­ga­be der kla­gen­den Ar­beit­neh­me­rin war die Ak­ten­hal­tung im Job­cen­ter. Der maßgeb­li­che Haus­halts­plan 2005 der BA re­gel­te ei­ne fi­nan­zi­el­le „Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“, in de­ren An­la­ge zu dem ein­schlägi­gen Haus­halts­ti­tel 42502 es heißt:

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 für Auf­ga­ben nach dem SGB II sind 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs.1 Nr.7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“

En­de 2007 er­hob die Ar­beit­neh­me­rin Ent­fris­tungs­kla­ge mit dem Ziel, dass das Ge­richt die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung und da­mit das Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ver­tra­ges an­neh­men soll­te. Während sie von dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin Recht be­kam (Ur­teil vom 14.03.2008, 91 Ca 18818/07), un­ter­lag sie im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg.

Das LAG war nämlich der An­sicht, dass die frag­li­che Re­ge­lung im Haus­halt 2005 der BA kon­kret ge­nug sei. Al­ler­dings ließ es die Re­vi­si­on zum BAG zu (Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08, wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/139 Ar­beits­verträge von Hartz IV-Sach­be­ar­bei­tern wirk­sam be­fris­tet).

Bundesarbeitsgericht: Befristung unwirksam

Das BAG gab der Ar­beit­neh­me­rin Recht und hielt die Be­fris­tung für un­wirk­sam. Dies be­gründet es, so­weit aus der bis­her al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung er­sicht­lich, mit ei­ner nicht nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung in dem Haus­halts­ti­tel.

Nach­voll­zieh­bar ist die Zweck­set­zung nach Auf­fas­sung des BAG nämlich nur dann, wenn sich an ihr über­prüfen lässt, ob die be­fris­te­te Beschäfti­gung tatsächlich der De­ckung ei­nes nur vorüber­ge­hen­den Be­darfs dient. Die­sen An­for­de­run­gen genügte die For­mu­lie­rung nicht, dass die bun­des­weit 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­tet Beschäftig­te für drei Jah­re „für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ ein­ge­plant sei­en. Ob die „Auf­ga­ben nach dem SGB II“ vorüber­ge­hend oder dau­er­haft sind, lässt sich aus der all­ge­mei­nen For­mu­lie­rung nämlich nicht er­se­hen, so das BAG.

Eben­falls nicht kon­kret ge­nug ist nach An­sicht des BAG die Pro­gno­se, dass die Auf­ga­ben nach dem SGB II we­gen der Ar­beits­markt­ent­wick­lung sin­ken wer­den und, nicht näher be­gründet, per­so­nel­le Ent­las­tungsmöglich­kei­ten im SGB III ge­nutzt wer­den könn­ten, Dau­er­auf­ga­ben nach dem SGB II zu über­neh­men.

Fa­zit: Mitt­ler­wei­le ist die Recht­spre­chung zum The­ma Haus­halts­be­fris­tung re­la­tiv de­tail­liert. Den­noch lohnt es sich für auf­grund ei­ner Haus­halts­be­fris­tung Beschäftig­te, die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung durch die Ge­rich­te prüfen zu las­sen. Ins­be­son­de­re die Haus­halts­be­fris­tun­gen der BA sind von den Ge­rich­ten im­mer wie­der als un­wirk­sam an­ge­se­hen wor­den.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe fin­den Sie im Voll­text hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

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