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Be­schäf­ti­gungs­chan­cen­ge­setz, Teil 1: Kurz­ar­beit

Kurz­ar­bei­ter­geld wird bis 31.03.2012 ver­län­gert: BT-DRS 17/1945 und BT-DRS 17/2454
Taschenrechner auf Geldscheinen
20.08.2010. In wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten ha­ben op­ti­mis­ti­sche Ge­set­zes­be­zeich­nun­gen Kon­junk­tur.

Das Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­setz und das Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz be­kom­men da­her dem­nächst Ge­sell­schaft.

Vor kur­zem hat der Bun­des­tag das Be­schäf­ti­gungs­chan­cen­ge­setz ver­ab­schie­det. Es wird zum Jah­res­wech­sel 2010/2011 in Kraft tre­ten.

Im we­sent­li­chen bringt das Ge­setz ei­ne Ver­län­ge­rung der Son­der­re­ge­lung zum Kurz­ar­bei­ter­geld.

Robuste offizielle Arbeitslosenzahlen in Deutschland dank Kurzarbeit

Die Ex­port­na­ti­on Deutsch­land wur­de von der glo­ba­len Wirt­schafts- und Fi­nanz­markt­kri­se schwer ge­trof­fen.

Trotz­dem ist die Ar­beits­lo­sen­quo­te im Ver­gleich zum Be­ginn der Re­zes­si­on um 0,9 Pro­zent ge­fal­len, wie ei­ne ak­tu­el­le Stu­die der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) zeigt (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/157 OECD-Beschäfti­gungs­aus­blick 2010).

Den Rück­gang der of­fe­nen Ar­beits­lo­sig­keit führt die OECD da­bei zu großen Tei­len auf Kurz­ar­beit zurück. Die Or­ga­ni­sa­ti­on schätzt, dass durch die­ses Ar­beits­markt­in­stru­ment bis zum drit­ten Quar­tal 2009 durch sie et­wa 200 000 Ar­beitsplätze ge­ret­tet wer­den konn­ten. In deut­schen Un­ter­neh­men fand statt ei­ner Ent­las­sungs­wel­le eher ei­ne „Ar­beits­kräft­ehor­tung“ statt. Da­durch wur­de die (of­fi­zi­el­le) Ar­beits­markt­la­ge deut­lich sta­bi­li­siert.

Die­se Stu­die ist nur ei­ne von vie­len Hin­wei­sen, die po­si­ti­ve Ef­fek­te der Kurz­ar­beit in der kon­junk­tu­rel­len Schwäche­pha­se be­le­gen. Auch wenn zwi­schen­zeit­lich ers­te An­zei­chen wirt­schaft­li­cher Er­ho­lung sicht­bar wer­den, kann von ei­ner Ent­span­nung noch nicht die Re­de sein. Ei­ne Rei­he von Un­ter­neh­men wer­den die Aus­wir­kun­gen der Kri­se erst in der nächs­ten Zeit zu spüren be­kom­men.

Der kürz­lich vom Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes für bes­se­re Beschäfti­gungs­chan­cen am Ar­beits­markt - Beschäfti­gungs­chan­cen­ge­setz“ greift die­se Über­le­gun­gen auf.

Mit dem Ge­setz, dass in sei­nen we­sent­li­chen Tei­len zum Jah­res­an­fang 2011 in Kraft tre­ten wird, wer­den die we­sent­li­chen Er­stat­tungs­re­ge­lun­gen der So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge und er­leich­ter­ten Vor­aus­set­zun­gen bei Kurz­ar­beit verlängert.

Wei­te­re Schwer­punk­te sind die Verlänge­rung und Er­wei­te­rung der Möglich­kei­ten zur frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung für ar­beits­lo­se Exis­tenz­gründer so­wie Verände­run­gen an den Re­ge­lun­gen über die Förde­rung der Teil­nah­me an Trans­fer­maßnah­men und des Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­gel­des. Da­ne­ben wer­den un­ter an­de­rem ei­ne Rei­he wei­te­rer Ar­beits­markt­in­stru­men­te verlängert.

Sonderregelung für Kurzarbeitergeld gilt im Wesentlichen unverändert bis 31.03.2012 weiter

Po­li­ti­scher und öko­no­mi­scher Schwer­punkt des Ge­set­zes ist die Son­derförde­rung bei Kurz­ar­beit (§ 421t Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB III). Sie war ursprüng­lich auf den 31.12.2010 be­fris­tet und wird nun bis zum 31.03.2012 verlängert.

Die bis­he­ri­ge Re­ge­lung (wir be­rich­te­ten hierüber in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/017 Kurz­ar­bei­ter­geld 2010) wird da­bei weit­ge­hend fort­geführt.

Es fal­len al­ler­dings die in § 421t Abs.4 SGB III bis­her noch ge­re­gel­te, aber we­nig ge­nutz­te Möglich­keit der Wei­ter­bil­dungsförde­rung für Leih­ar­beit­neh­mer so­wie die Wei­ter­bil­dungsförde­rung nach § 421t Abs.5 SGB III weg.

Auch die Pri­vi­le­gie­rung von Un­ter­neh­men mit meh­re­ren Stand­or­ten wird Op­fer des Rot­stif­tes. Bis­lang wur­den ei­nem Ar­beit­ge­ber mit meh­re­ren Stand­or­ten schon dann ab dem sie­ben­ten Mo­nat al­le vom ihm zu­tra­gen­den So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge er­stat­tet, wenn an nur ei­nem Stand­ort Kurz­ar­beit durch­geführt wur­de. Die­se in § 421 Abs.1 S.1 Nr.3 SGB III ge­re­gel­te Kon­zern­re­ge­lung läuft da­mit zum Jah­res­en­de 2010 aus.

Eben­falls bis zum 31.03.2012 verlängert wur­de § 11 Abs.4 Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz (AÜG), der es er­laubt, in Leih­ar­beits­verhält­nis­sen Kurz­ar­bei­ter­geld zu ver­ein­ba­ren und da­mit das Recht auf die ei­gent­li­che Vergütung aus­zu­sch­ließen.

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Letzte Überarbeitung: 7. Mai 2016

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