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Be­triebs­teil­über­gang auch oh­ne Wah­rung der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Selb­stän­dig­keit

Ein Be­triebs­teil kann auch dann "un­ter Wah­rung sei­ner Iden­ti­tät" über­ge­hen, wenn er beim Er­wer­ber nicht mehr or­ga­ni­sa­to­risch selb­stän­dig ist: Schluss­an­trä­ge des Ge­ne­ral­an­walts Pao­lo Men­goz­zi, vom 06.11.2008, C-466/07 (Diet­mar Kla­ren­berg ge­gen Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH)
Europafahne

17.12.2008: Bei der Über­nah­me von Be­triebs­tei­len um­ge­hen Ar­beit­ge­ber im­mer wie­der die Ar­beit­neh­mer­schutz­vor­schrift des § 613a Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB).

Nach die­ser Schutz­vor­schrift ge­hen die Ar­beits­ver­hält­nis­se der Ar­beit­neh­mer, die im über­nom­me­nen Be­triebs­teil be­schäf­tigt sind, kraft Ge­set­zes auf den Er­wer­ber über - was der al­ler­dings oft ver­mei­den möch­te.

Der bis­lang von der Recht­spre­chung ak­zep­tier­te Trick be­steht dar­in, dem über­nom­me­nen Be­triebs­teil im Er­wer­ber­be­trieb sei­ne bis­he­ri­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selb­stän­dig­keit zu neh­men, d.h. ihn im Er­wer­ber­be­trieb un­ter ei­ne an­de­re Lei­tung zu stel­len und/oder ihm pro for­ma an­ders zu­ge­schnit­te­ne Auf­ga­ben zu­zu­wei­sen. Dann sind die über­nom­me­nen Teams von Ar­beit­neh­mern zwar wei­ter­hin in­takt, aber ein Be­triebs­teil­über­gang im Rechts­sin­ne liegt nicht vor und der Er­wer­ber hat freie Hand, sich die ihm ge­neh­men Ar­beit­neh­mer her­aus­zu­pi­cken und mit ih­nen neue Ar­beits­ver­trä­ge ab­zu­schlie­ßen.

Da­mit könn­te künf­tig Schluss sein. Denn in ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düs­sel­dorf dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) vor­ge­leg­ten Fall hat der EuGH-Ge­ne­ral­an­walt Men­goz­zi die An­sicht ver­tre­ten, dass ein Be­triebs­teil­über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG auch dann vor­lie­gen kann, wenn die über­nom­me­nen Be­triebs­mit­tel und Ar­beits­kräf­te nach ih­rer Über­tra­gung ih­re bis­he­ri­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selb­stän­dig­keit ver­lie­ren: Schluss­an­trä­ge des Ge­ne­ral­an­walts Pao­lo Men­goz­zi, vom 06.11.2008, C‑466/07 (Diet­mar Kla­ren­berg ge­gen Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH).

Liegt ein Betriebsteilübergang auch vor, wenn der übernommene Betriebsteil beim Erwerber nicht mehr als organisatorisch selbständiger Bereich weitergeführt wird?

Die Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12.03.2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len schreibt vor, dass die Mit­glied­staa­ten der Eu­ropäischen Uni­on die von Be­triebs- oder Un­ter­neh­mens­veräußerun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer durch den Fort­be­stand ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Rech­te schützen müssen.

In Um­set­zung die­ser Richt­li­nie hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber in 613a Abs.1 Satz 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) fol­gen­de Grund­re­gel fest­ge­schrie­ben: Geht ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über, so tritt die­ser in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein.

Zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Umständen von ei­nem sol­chen Be­triebsüber­gang die Re­de sein kann, sind im Lau­fe der Jah­re vie­le Ge­richts­ent­schei­dun­gen er­gan­gen, wo­bei die wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen Ur­tei­le des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) und des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) sind. In der im we­sent­li­chen gleich­ge­rich­te­ten Recht­spre­chung von EuGH und BAG ist an­er­kannt, dass es für das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils letzt­lich auf sämt­li­che Umstände des Ein­zel­falls an­kommt.

Die­se Umstände sind dar­auf­hin zu über­prüfen, ob man von ei­ner „wirt­schaft­li­chen Ein­heit“ re­den kann, was wie­der­um nicht al­lein von sach­li­chen Be­triebs­mit­teln abhängt, son­dern auch von be­ste­hen­den Kun­den­be­zie­hun­gen, von tech­ni­schem Wis­sen, von der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur so­wie von der An­zahl und den Kennt­nis­sen der Ar­beit­neh­mer. Al­le die­se Fak­to­ren sind wich­tig für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob ein über­g­angsfähi­ger, d.h. der Vor­schrift des § 613a BGB ent­spre­chen­der Be­trieb oder Be­triebs­teil vor­liegt und von ei­nem auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über­geht (mit der recht­li­chen Fol­ge des Fort­be­stands der Ar­beits­verhält­nis­se).

Die Recht­spre­chung zum The­ma Be­trieb bzw. „wirt­schaft­li­che Ein­heit“ ist stark fall­be­zo­gen, so dass man all­ge­mei­ne recht­li­che Aus­sa­gen nicht oder nur in sehr „schwam­mi­ger“ Form fin­det. So kann zum Bei­spiel die Über­nah­me von 70 % der Be­leg­schaft ei­nes Be­triebs für das Vor­lie­gen ei­ner „wirt­schaft­li­chen Ein­heit“ nicht aus­rei­chen, wenn der Be­trieb ein rei­ner Dienst­leis­tungs­be­trieb mit prak­tisch kei­nen sach­li­chen Be­triebs­mit­teln ist und wenn die über­nom­me­nen Mit­ar­bei­ter ge­ring qua­li­fi­zier­te Tätig­kei­ten ver­rich­ten (zum Bei­spiel Rei­ni­gung, Be­wa­chung). Da­ge­gen kann die Über­nah­me von 40 % der Be­leg­schaft aus­rei­chen, wenn zu­gleich wich­ti­ge Be­triebs­mit­tel und Kun­den­be­zie­hun­gen über­nom­men wer­den und wenn die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer über sehr spe­zi­el­le Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten verfügen.

In der Recht­spre­chung ist wei­ter­hin an­er­kannt, dass die wirt­schaft­li­che Ein­heit „als iden­ti­sche Ein­heit“ über­ge­hen muss. Auch in der Richt­li­nie 2001/23/EG heißt es nämlich (Art.1 Abs.1 b)), dass ein Be­triebs- bzw. Un­ter­neh­mensüber­gang den Über­gang „ei­ner ih­re Iden­tität be­wah­ren­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit“ vor­aus­setzt.

Dies wird in ei­ni­gen neue­ren Ent­schei­dun­gen des BAG in der Wei­se aus­buch­sta­biert, dass von dem Über­gang ei­nes Be­triebs­teils nicht ge­spro­chen wer­den könne, wenn be­trieb­li­che Un­ter­ein­hei­ten beim Er­wer­ber nicht mehr in ih­rer bis­he­ri­gen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Selbständig­keit er­hal­ten blei­ben, son­dern vollständig in die ei­ge­ne bzw. an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des auf­neh­men­den Be­triebs ein­ge­glie­dert wird (so et­wa BAG, Ur­teil vom 14.08.2007, 8 AZR 1043/06).

Das hat da­zu geführt, dass ein „ab­wei­chen­des Er­wer­ber­kon­zept“ oft als Ar­gu­ment ge­gen das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs im Sin­ne von § 613a BGB an­geführt wird: Über­nimmt der Er­wer­ber zum Bei­spiel ein hoch­spe­zia­li­sier­tes Tech­ni­ker­team mit­samt den lau­fen­den Ent­wick­lungs­auf­ga­ben und Kun­den­be­zie­hun­gen, so kann ein Be­triebs­teilüber­gang den­noch be­strit­ten wer­den, wenn dem Team sei­ne bis­he­ri­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit ge­nom­men wird, in­dem die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer im auf­neh­men­den Be­trieb je­weils an­de­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­hei­ten zu­ge­ord­net wer­den.

Ob ei­ne sol­che Kon­se­quenz noch im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG ist, muss al­ler­dings be­zwei­felt wer­den, da Be­triebs­er­wer­bern da­mit ein recht weit­ge­hen­der Spiel­raum für Ma­ni­pu­la­tio­nen eröff­net wird. Es stellt sich da­her die Fra­ge, ob der Über­gang ei­nes Be­triebs­teils auf ei­nen neu­en In­ha­ber im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG not­wen­dig vor­aus­setzt, dass die über­nom­me­nen be­trieb­li­chen Un­ter­ein­hei­ten bei ih­rem neu­en In­ha­ber in ih­rer bis­he­ri­gen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Selbständig­keit fort­geführt wer­den - oder ob der Weg­fall ih­rer bis­he­ri­gen Selbständig­keit in­fol­ge ab­wei­chen­der Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen des Er­wer­bers da­zu führt, dass von ei­nem Be­triebs­teilüber­gang im Rechts­sin­ne nicht ge­spro­chen wer­den kann, weil im Zu­ge des Über­gangs die „Iden­tität“ der über­ge­gan­ge­nen Ein­heit ver­lo­ren ge­gan­gen ist.

Mit die­ser Fra­ge hat sich ei­ner der Ge­ne­ral­anwälte des EuGH, Pao­lo Men­goz­zi, in sei­nen Schlus­anträgen vom 06.11.2008 in der Rechts­sa­che Kla­ren­berg gg. Fer­ro­tron (C-466/07) aus­ein­an­der­ge­setzt.

Der Streitfall: Dietmar Klarenberg gegen Ferrotron Technologies GmbH

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer, Herr Kla­ren­berg, war seit 1989 bei der ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH beschäftigt. Seit 1992 war er Lei­ter der Ab­tei­lung „F E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS“, die aus meh­re­ren Un­ter­ab­tei­lun­gen oder Grup­pen be­stand. Ei­ner von die­sen Grup­pen stand der Kläger - ne­ben sei­ner Ver­ant­wor­tung für die ge­sam­te Ab­tei­lung - vor, nämlich der Grup­pe F E/ET-Sys­te­me. Der Stell­ver­tre­ter des Klägers, Herr O., lei­te­te zu­gleich die Grup­pe Pro­duk­ti­on/Schalt­schränke/Pla­ti­nen.

Die ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH rüste­te Hütten­wer­ke mit ei­gen­ent­wi­ckel­ten me­tall­ur­gi­schen Mess- und Re­gel­sys­te­men, Au­to­ma­ti­sie­rungs­sys­te­men und sog. „EMSR-Tech­nik“ aus. Zu ih­ren Kun­den gehörten Stahl-, Alu­mi­ni­um- und Kup­ferhütten. Im No­vem­ber 2005 ver­ein­bar­te sie mit der Be­klag­ten, der Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH, und de­ren in den USA ansässi­ger Mut­ter­ge­sell­schaft ei­nen Kauf­ver­trag, dem zu­fol­ge die Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH die Ent­wick­lungs­hard­ware, das Pro­dukt­ma­te­rial­in­ven­tar, ei­ne Lie­fe­ran­ten- und ei­ne Kun­den­lis­te er­wer­ben soll­te und die ame­ri­ka­ni­sche Mut­ter­ge­sell­schaft die Ei­gen­pro­dukt­soft­ware, Pa­ten­te, Pa­tent­an­mel­dun­gen und Er­fin­dun­gen so­wie die Pro­dukt­na­men und das tech­ni­sche Know-how bezüglich der o.a. Pro­duk­te und Tech­no­lo­gie.

Im Zu­ge die­ses Kauf­ver­trags über­nahm die Be­klag­te ei­ni­ge Ar­beit­neh­mer der ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH, nämlich den stell­ver­tre­ten­den Ab­tei­lungs­lei­ter O. und ei­ni­ge In­ge­nieu­re der Grup­pe F E/ET-Sys­te­me, nicht da­ge­gen den Kläger, der wei­ter­hin bei der ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH ar­bei­te­te.

Die be­klag­te Fer­ro­tron GmbH ent­wi­ckelt, fer­tigt und ver­treibt ne­ben den von der ET er­wor­be­nen Pro­duk­ten wei­te­re Pro­duk­te im Be­reich der me­tall­ur­gi­schen Mess­tech­nik. Sie ord­ne­te Herrn O. der Ab­tei­lung Tech­ni­cal Sa­les Sup­port zu und die über­nom­me­nen Ent­wick­lungs­in­ge­nieu­re den Ab­tei­lun­gen For­schung und Ent­wick­lung, „Pro­ject Ma­na­ger“ und „Tech­ni­cal Sup­port Soft­ware“. Al­le über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer er­le­dig­ten bei der Be­klag­ten auch Auf­ga­ben im Zu­sam­men­hang mit Pro­duk­ten, die die Be­klag­te nicht von der ET er­wor­ben hat.

Als die ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH im Som­mer 2006 in­sol­vent wur­de, er­hob der Kläger vor dem Ar­beits­ge­richt We­sel Kla­ge auf Wei­ter­beschäfti­gung als Ab­tei­lungs­lei­ter bei der Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH. Das Ar­beits­ge­richt wies die Kla­ge ab (Ur­teil vom 29.11.2006, 4 Ca 1826/06).

Mit sei­ner beim Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf ein­ge­leg­ten Be­ru­fung ver­folgt der Kläger sein Be­geh­ren wei­ter, wo­bei er zur Be­gründung dar­auf ver­weist, sein Ar­beits­verhält­nis sei im De­zem­ber 2005 auf­grund Be­triebs­teilüber­gangs gemäß § 613a Abs.1 BGB von der ET Elec­tro­tech­no­lo­gy GmbH auf die Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH über­ge­gan­gen. Die­se ist da­ge­gen der An­sicht, die von ihr er­wor­be­nen Un­ter­neh­mens­be­stand­tei­le sei­en kei­ne Ein­heit, die Ge­gen­stand ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs sein könn­ten.

Das LAG Düssel­dorf setz­te das Ver­fah­ren mit Be­schluss vom 10.08.2007 (9 Sa 303/07) aus und leg­te dem EuGH die fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung gemäß Art.234 des Ver­trags zur Gründung der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft (EGV) vor:

„Liegt ein Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teils auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber im Sin­ne von Art.1 Nr.1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23/EG nur vor, wenn der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil bei dem neu­en In­ha­ber als or­ga­ni­sa­to­risch selbständi­ger Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil fort­geführt wird?“

Zur Be­gründung die­ser Vor­la­ge­fra­ge führt das LAG aus, die von der Be­klag­ten über­nom­me­ne Ab­tei­lung F E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS stel­le ei­nen Be­triebs­teil im Sin­ne von § 613a Abs.1 Satz 1 BGB dar, dem der Kläger als Ab­tei­lungs­lei­ter auch zu­zu­rech­nen sei. Die­ser Be­triebs­teil sei auch we­gen des Er­werbs der we­sent­li­chen ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel, der Kun­den- und Lie­fe­ran­ten­lis­te und der Über­nah­me ei­nes Teils der im Be­triebs­teil beschäftig­ten Know-how-Träger durch die Be­klag­te so­wie we­gen des Er­werbs der Rech­te an den we­sent­li­chen Pro­duk­ten und Tech­no­lo­gi­en durch de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen - falls für den Über­gang nicht auch er­for­der­lich sein soll­te, dass die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit des Be­triebs­teils bei der Be­klag­ten er­hal­ten blieb.

Das wie­der­um war nach An­sicht des LAG hier nicht der Fall, da die Be­klag­te die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer in ver­schie­de­ne Ab­tei­lun­gen ein­ge­glie­dert hat. Außer­dem wur­den die über­nom­me­nen Auf­ga­ben im Rah­men ei­ner an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur wahr­ge­nom­men.

EuGH-Generalanwalt Mengozzi: Ein Betriebsteil kann auch ohne Wahrung der organisatorischen Selbständigkeit beim Erwerber übergehen

Nach An­sicht des Ge­ne­ral­an­walts ist der An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2001/23/EG nicht auf Fälle be­schränkt, in de­nen der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil bei dem neu­en In­ha­ber als or­ga­ni­sa­to­risch selbständi­ger Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil fort­geführt wird.

Im Rah­men sei­ner Stel­lung­nah­me setzt sich der Ge­ne­ral­an­walt zunächst mit dem Ein­wand der be­klag­ten Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH aus­ein­an­der, dass die Vor­la­ge­fra­ge für den vor dem LAG Düssel­dorf anhängi­gen Fall gar nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich sei, da - an­geb­lich - kei­ne über­g­angsfähi­ge be­trieb­li­che Ein­heit vor­ge­le­gen ha­be und der Kläger, falls doch, ei­ner sol­chen Ein­heit je­den­falls nicht zu­zu­ord­nen wäre.

Die­sen Ein­wen­dun­gen hält der Ge­ne­ral­an­walt ei­ne „Ver­mu­tung der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit“ (Rn.17) ent­ge­gen, die nur bei of­fen­sicht­li­cher Zu­sam­men­hang­lo­sig­keit von Fall und Vor­la­ge­fra­ge wi­der­legt ist. Hier­von konn­te Fer­ro­tron den Ge­ne­ral­an­walt aber - er­war­tungs­gemäß - nicht über­zeu­gen.

So­dann folgt ein kur­zer Ab­riss der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des EuGH zum Be­griff des Be­triebsüber­gangs im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG. Die­ser Über­blick en­det mit der rich­ti­gen, trotz­dem aber we­nig er­gie­bi­gen Fest­stel­lung, dass der EuGH bis­lang da­von ab­ge­se­hen ha­be, den „We­sens­kern des Be­griffs des Un­ter­neh­mensüber­gangs“ im Sin­ne ei­nes not­we­ni­gen Mi­ni­mal­ge­halts zu de­fi­nie­ren, so dass die Gren­zen des durch die Richt­li­nie ver­mit­tel­ten Schut­zes fließend sei­en (Rn.37).

Im­mer­hin kann man der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des EuGH ent­neh­men, dass kei­nes der ver­schie­de­nen Kri­te­ri­en, die für das Vor­lie­gen und den „iden­titäts­wah­ren­den“ Über­gang ei­ner „wirt­schaft­li­chen Ein­heit“ im Sin­ne der Richt­li­nie be­deut­sam sein können, für das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs be­griffs­not­wen­dig oder ge­genüber an­de­ren Kri­te­ri­en ab­so­lut vor­ran­gig wäre.

Dies gilt dem­nach auch für die vom BAG in letz­ter Zeit be­ton­te Fra­ge nach der Wah­rung der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Selbständig­keit ei­ner über­tra­ge­nen Ein­heit: Wird die­se Selbständig­keit bei der Über­nah­me von Be­triebs­be­stand­tei­len ge­wahrt, so ist die­ser Um­stand (ne­ben an­de­ren) ein In­diz für das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs. Wird sie hin­ge­gen nicht ge­wahrt, weist dies zwar eher in Rich­tung Nicht­vor­lie­gen ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs, doch ist da­mit ein Be­triebs­teilüber­gang noch nicht not­wen­dig aus­ge­schlos­sen (Rn.37, 44).

Fa­zit: Nicht auf die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit ei­ner über­tra­ge­nen Ein­heit kommt es an, son­dern auf die „Bei­be­hal­tung des Funk­ti­ons- und Zweck­zu­sam­men­hangs zwi­schen den ver­schie­de­nen über­tra­ge­nen Fak­to­ren, der es dem Er­wer­ber er­laubt, die­se Fak­to­ren, auch wenn sie in ei­ne an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ein­ge­glie­dert wer­den, zur Ver­fol­gung ei­ner be­stimm­ten wirt­schaft­li­chen Tätig­keit zu nut­zen.“ (Rn.44).

Der Ent­schei­dungs­vor­schlag des Ge­ne­ral­an­walts lau­tet da­her:

„Art. 1 Nr. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len ist da­hin aus­zu­le­gen, dass der Um­stand, dass der über­tra­ge­ne Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­teil vom neu­en In­ha­ber nicht als or­ga­ni­sa­to­risch selbständi­ger Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­teil wei­ter­geführt wird, der Be­ja­hung ei­nes Über­gangs nicht ent­ge­gen­steht, so­fern die über­tra­ge­ne Ein­heit ih­re ei­ge­ne Iden­tität behält.“

Da der EuGH in den meis­ten Fällen den Ent­schei­dungs­vor­schlägen der Ge­ne­ral­anwälte folgt und sich der Vor­schlag des Ge­ne­ral­an­walts Men­goz­zi in die­ser An­ge­le­gen­heit gut in die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des EuGH einfügt, wird der EuGH mit großer Wahr­schein­lich­keit dem Ent­schei­dungs­vor­schlag fol­gen. In der wei­te­ren Fol­ge dürf­te ei­ne sol­che Ent­schei­dung des EuGH auch Ein­fluss auf die der­zei­ti­ge Recht­spre­chung des BAG zur or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ei­genständig­keit über­nom­me­ner Be­triebs­ab­tei­lun­gen und zum sog. Er­wer­ber­kon­zept ha­ben, und zwar im Sin­ne ei­ner - rich­ti­gen - Ab­wer­tung der Be­deu­tung die­ser Merk­ma­le.

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Letzte Überarbeitung: 17. September 2016

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