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Ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ei­nes Bo­nus durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten

Schwei­gen ist manch­mal Gold: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.04.2010, 10 AZR 163/09

17.11.2010. So man­cher Ar­beit­neh­mer geht da­von aus, ein Ar­beits­ver­trag ent­ste­he nur, wenn die­ser von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer un­ter­schrie­ben wor­den ist oder man sich per Hand­schlag ge­ei­nigt hat.

Doch das Zi­vil­recht sieht bei Ar­beits­ver­trä­gen we­der zwin­gend ei­ne Schrift­form vor, noch be­schränkt es Ver­trä­ge auf aus­drück­li­che Ver­ein­ba­run­gen. Selbst bei be­fris­te­ten Ver­trä­gen ist die Schrift­form kei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung des Ver­tra­ges, son­dern nur der Be­fris­tung selbst (§ 14 Abs. 4 Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG).

Es ge­nügt al­so, wenn sich bei­de Sei­ten still­schwei­gend, näm­lich durch so ge­nann­tes schlüs­si­ges Ver­hal­ten, ei­ni­gen. Ei­ne ver­trag­li­che Ei­ni­gung kann da­her schon da­durch zu­stan­de kom­men, dass ei­ne Par­tei still­schwei­gend den still­schwei­gen­den An­trag der an­de­ren Par­tei an­nimmt. Da­bei kommt es nicht ein­mal dar­auf an, ob der Ver­trags­an­trag tat­säch­lich als sol­cher ge­meint war. Es ge­nügt, wenn der An­neh­men­de das Ver­hal­ten sei­nes Ge­gen­übers im Sin­ne ei­nes An­tra­ges ver­ste­hen durf­te.

Die Fra­ge, ob ein be­stimm­tes Ver­hal­ten als An­ge­bot ei­nes Ver­tra­ges ver­stan­den wer­den kann, war auch in ei­nem im April vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ver­han­del­ten Fall ent­schei­dend. Die bis En­de 2007 in ei­ner Füh­rungs­po­si­ti­on tä­ti­ge Klä­ge­rin hat­te hier seit dem Jahr 2000 vor­be­halt­los je­weils im De­zem­ber ei­nen je­des Jahr stei­gen­den Jah­res­bo­nus er­hal­ten.

Die kla­gen­de Ar­beit­neh­me­rin be­haup­te­te, nur die Hö­he der Zah­lung sei je­weils von der be­klag­ten Ge­sell­schaft fest­ge­legt wor­den. Der Ge­sell­schaf­ter ha­be ent­schie­den, dass auch bei ei­nem ge­gen­über dem Vor­jahr schlech­te­ren Jah­res­er­geb­nis kei­ne Kür­zung er­fol­gen sol­le und bei gu­ten Jah­res­er­geb­nis­sen der Bo­nus je­des Mal er­höht wer­de. Er ha­be da­zu ge­äu­ßert, schließ­lich sei der Ein­satz der Klä­ge­rin gleich wie im Vor­jahr ge­we­sen. Ei­ne Kür­zung sei da­her nicht ge­recht­fer­tigt.

Auf die­ser Grund­la­ge blieb die Klä­ge­rin mit ih­rer Kla­ge auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus für das Jahr 2007 so­wohl vor dem Ar­beits­ge­richt Frei­burg (Ur­teil vom 01.07.2008, 7 Ca 89/08) als auch dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg (Ur­teil vom 20.10.2008, 22 Sa 35/08) er­folg­los, da bei­de In­stan­zen mein­ten, es lä­ge kei­ne be­trieb­li­che Übung und auch kei­ne sonst ein­schlä­gi­ge, ein­ge­klag­te An­spruchs­grund­la­ge vor.

Das sah das Bun­des­ar­beits­ge­richt an­ders und ver­wies den Fall zur wei­te­ren Ver­hand­lung zu­rück an das LAG (Ur­teil vom 21.04.2010, 10 AZR 163/09). Das LAG hat­te näm­lich nicht in Be­tracht ge­zo­gen, dass die jähr­li­chen Zah­lun­gen in Ver­bin­dung mit den Äu­ße­run­gen des Ge­sell­schaf­ters als schlüs­si­ges An­ge­bot ei­nes Ver­tra­ges an­ge­se­hen wer­den könn­ten.

Fa­zit: Ob und wel­che fi­nan­zi­el­len An­sprü­che aus ei­nem Ar­beits­ver­hält­nis her­aus be­grün­det sind, lässt sich oft nicht aus dem ge­schrie­be­nen Ar­beits­ver­trag er­se­hen. Ar­beit­neh­mer soll­ten da­her im Zwei­fel ih­re An­sprü­che an­walt­lich prü­fen las­sen, da sie sonst durch Ver­fall­sklau­seln und/oder durch Ver­jäh­rung be­droht sind.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. August 2016

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