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Bun­des­ar­beits­ge­richt: War­te­frist für Kün­di­gungs­schutz Schwer­be­hin­der­ter

Wird das Ar­beits­ver­hält­nis ei­ner an­ge­stell­ten Lehr­kraft für die sech­wö­chi­gen Som­mer­fe­ri­en un­ter­bro­chen, be­steht ei­ner en­ger sach­li­cher Zu­sam­men­hang: Bun­des­ar­beits­ge­richt: Ur­teil vom 19.06.2007, 2 AZR 94/06

23.07.2007. Will der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­ver­hält­nis ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen kün­di­gen, braucht er die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes (§ 85 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB IX). Oh­ne Zu­stim­mung ist die Kün­di­gung un­wirk­sam.

Der be­son­de­re Kün­di­gungs­schutz Schwer­be­hin­der­ter be­steht aber erst, wenn der Schwer­be­hin­der­te län­ger als sechs Mo­na­te be­schäf­tigt war (§ 90 Abs.1 Nr.1 SGB IX).

Kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chun­gen las­sen da­bei die Sechs­mo­nats­frist nicht neu be­gin­nen. Da­her ist es prak­tisch wich­tig zu wis­sen, un­ter wel­chen Um­stän­den ei­ne nur kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chung vor­liegt bzw. ein "en­ger sach­li­cher Zu­sam­men­hang" bei­der Ar­beits­ver­hält­nis­se. Da­zu hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil Stel­lung ge­nom­men: BAG, Ur­teil 19.06.2007, 2 AZR 94/06.

Welche Unterbrechungen lassen die sechsmonatige Wartezeit für den Kündigungsschutz Schwerbehinderter neu beginnen?

Nach § 85 SGB IX be­darf die Kündi­gung des Ar­beit­verhält­nis­ses ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen durch den Ar­beit­ge­ber der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts.

Al­ler­dings greift die­ser Son­derkündi­gungs­schutz für Schwer­be­hin­der­te erst nach ei­ner ge­setz­li­chen War­te­frist von mehr als sechs Mo­na­ten ein: Nach § 90 Abs.1 Nr.1 SGB IX muss das Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gungs­erklärung oh­ne Un­ter­bre­chung länger als sechs Mo­na­te be­stan­den ha­ben.

Die­se Vor­schrift ent­spricht der eben­falls sechs­mo­na­ti­gen War­te­frist des § 1 Abs.1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), die für die In­an­spruch­nah­me der Rech­te nach dem KSchG ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben ist.

Frag­lich ist, wie sich "kurz­fris­ti­ge" Un­ter­bre­chun­gen auf den Son­derkündi­gungs­schutz aus­wir­ken. Zu die­ser Fra­ge hat sich das BAG vor kur­zem geäußert (BAG, Ur­teil 19.06.2007, 2 AZR 94/06).

Der Fall des BAG: Das Arbeitsverhältnis einer Lehrerin wurde auf Betreiben des Schulträgers für die sechswöchigen Sommerferien unterbrochen

In dem Streit­fall des BAG war ei­ne schwer­be­hin­der­te Leh­re­rin, die für das Lehr­amt für Son­derpädago­gik aus­ge­bil­det war, zunächst auf der Grund­la­ge ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags vom 10.02.2004 bis zum Be­ginn der Som­mer­fe­ri­en am 21.07.2004 an ei­ner Schu­le für Lern­be­hin­der­te ein­ge­setzt.

Zu Be­ginn des neu­en Schul­jahrs - am 06.09.2004 - schlos­sen die Par­tei­en ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag über die Beschäfti­gung der Kläge­rin als Leh­re­rin an öffent­li­chen Son­der­schu­len mit 27,5 Pflicht­stun­den. Der Ein­satz der Kläge­rin er­folg­te an ei­ner Schu­le für geis­tig Be­hin­der­te in ei­nem an­de­ren Schul­amts­be­zirk.

Dann erklärte der Schulträger mit Schrei­ben vom 25.02.2005 die Kündi­gung zum 31.05.2005, oh­ne zu­vor die Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts ein­ge­holt zu ha­ben.

Hier­ge­gen er­hob die Ar­beit­neh­me­rin Kündi­gungs­schutz­kla­ge und hat­te da­mit vor dem Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal und dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf Er­folg.

BAG: Sechs Wochen Unterbrechung schließen einen engen sachlichen Zusammenhang der beiden Arbeitsverträge nicht unbedingt aus

Das BAG hat sich der Mei­nung der Vor­in­stan­zen an­ge­schlos­sen und ge­gen den Ar­beit­ge­ber ent­schie­den. Zur Be­gründung heißt es:

Die An­nah­me ei­nes "en­gen sach­li­chen Zu­sam­men­hangs" zwi­schen bei­den Ar­beits­verhält­nis­sen schei­te­re nicht dar­an, dass das be­klag­te Land die Kläge­rin während der Schul­fe­ri­en nicht beschäftigt ha­be und der Ein­satz an ver­schie­de­nen Schu­len in ver­schie­de­nen Schul­amts­be­zir­ken er­folgt sei.

Wer­de nämlich das Ar­beits­verhält­nis ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen al­lein auf Ver­an­las­sung des Ar­beit­ge­bers für ei­nen verhält­nismäßig kur­zen Zeit­raum un­ter­bro­chen, so könne sich der Ar­beit­ge­ber je nach den Umständen auf die von ihm selbst ge­setz­te Ur­sa­che der Un­ter­bre­chung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht be­ru­fen.

Zei­ten ei­nes frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber sei­en dann an­zu­rech­nen, wenn das neue Ar­beits­verhält­nis in ei­nem "en­gen sach­li­chen Zu­sam­men­hang" mit dem frühe­ren Ar­beits­verhält­nis steht. Ob dies der Fall sei, be­ur­tei­le sich ins­be­son­de­re nach dem An­lass und der Dau­er der Un­ter­bre­chung so­wie der Art der Wei­ter­beschäfti­gung.

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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