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Dis­kus­si­ons­ent­wurf für ein mo­der­nes ein­heit­li­ches Ar­beits­ver­trags­ge­setz

Zum Köl­ner Pro­fes­so­ren­ent­wurf zum Ar­beits­ver­trags­recht: Mar­tin Hens­s­ler / Ul­rich Preis, Dis­kus­si­ons­ent­wurf ei­nes Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes (ArbVG), Stand Ok­to­ber 2007

28.09.2007. Im Auf­trag der Ber­tels­mann Stif­tung ha­ben die Köl­ner Ju­ra-Pro­fes­so­ren Mar­tin Hens­s­ler und Ul­rich Preis ei­nen Dis­kus­si­ons­ent­wurf für ein ein­heit­li­ches, ver­ein­fach­tes und be­schäf­ti­gungs­för­dern­des Ar­beits­ver­trags­ge­setz er­ar­bei­tet und der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt (Mar­tin Hens­s­ler / Ul­rich Preis, Dis­kus­si­ons­ent­wurf ei­nes Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes (ArbVG) (Stand Ok­to­ber 2007)).

Seit mehr als hun­dert Jah­ren gibt es im­mer neue An­läu­fe, das Ar­beits­ver­trags­recht und da­mit die Rechts­grund­la­ge für die heu­te ca. 30 Mil­lio­nen Ar­beits­ver­hält­nis­se in ei­nem ein­heit­li­chen Ge­setz zu­sam­men­zu­fas­sen und so zu aus­zu­ge­stal­ten, dass so­wohl die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer als auch die der Ar­beit­ge­ber an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt wer­den. Das ist bis heu­te nicht ge­lun­gen.

Das deut­sche Ge­set­zes­recht zum Ar­beits­ver­trag ist da­her im­mer noch lü­cken­haft, auf­grund ei­ner Viel­zahl von Ein­zel­ge­set­zen zer­split­tert und auf­grund man­gel­haf­ter Ge­set­zes­grund­la­ge weit­ge­hend von der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te ge­prägt. Trotz der her­aus­ra­gen­den Be­deu­tung die­ses Rechts­ge­bie­tes ist es bis­her nie zu ei­ner ein­heit­li­chen ver­ständ­li­chen Ko­di­fi­ka­ti­on ge­kom­men.

Der vor­lie­gen­de Dis­kus­si­ons­ent­wurf ei­nes Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes von Hens­s­ler und Preis führt un­ter Ver­zicht auf sie­ben ar­beits­recht­li­che Son­der­ge­set­ze und wei­te­re rund 70 Nor­men in zehn ar­beits­recht­li­chen „Quer­schnitts­ge­set­zen“ die zer­split­ter­te Ge­set­zes­la­ge in ei­nem ein­zi­gen Ge­setz zu­sam­men.

Der Ent­wurf hat nach der­zei­ti­gem Stand nur 149 Pa­ra­gra­phen und ent­hält ei­ne knap­pe und prä­zi­se For­mu­lie­rung der wich­tigs­ten Grund­sät­ze der Recht­spre­chung und die Prä­zi­sie­rung von Ge­ne­ral­klau­seln. Es ist klar struk­tu­riert, da sei­ne Re­ge­lun­gen dem Ver­lauf ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses zeit­lich fol­gen, d.h. die Re­ge­lun­gen be­gin­nen bei der Ver­trags­an­bah­nung und en­den beim The­ma Kün­di­gung und Zeug­nis. Auf­grund die­ses Glie­de­rungs­prin­zips wird das Auf­fin­den der je­weils in­ter­es­sie­ren­den Rechts­nor­men auch für Nicht­ju­ris­ten er­leich­tert.

In­halt­lich be­rück­sich­tigt der vor­ge­leg­te Ent­wurf auch die­Vor­ga­ben des eu­ro­päi­schen Ar­beits­rechts so­wie die Recht­spre­chung zur AGB-Kon­trol­le im Ar­beits­recht. Re­ge­lun­gen zur Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf so­wie zur För­de­rung der Be­schäf­ti­gung äl­te­rer Ar­beit­neh­mer sind auch im Ent­wurf ent­hal­ten. Erst­mals wird auch der Ar­beit­neh­mer­be­griff ge­setz­lich de­fi­niert.

Ein­zel­ne Vor­schrif­ten, die po­li­tisch be­son­ders um­strit­ten sind wie die Reich­wei­te des Kün­di­gungs­schut­zes wer­den in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen an­ge­bo­ten.

Eher zweit­ran­gi­ge Streit­fra­gen wer­den mit ei­nem ei­ge­nen Vor­schlag ge­löst. So wird z.B. vor­ge­schla­gen, dass Ar­beit­neh­mer Auf­he­bungs­ver­trä­ge bin­nen ei­ner Frist von sie­ben Ta­gen oh­ne An­ga­be von Grün­den wi­der­ru­fen kön­nen (Ent­wurf § 134).

Die Ent­wurf­ver­fas­ser ha­ben sich bei der Aus­ar­bei­tung von ei­nem mehr­stu­fi­gen Ziel­sys­tem lei­ten las­sen, das als Zie­le die Ver­ein­heit­li­chung, Ver­ein­fa­chung, Kal­ku­lier­bar­keit, Eu­ro­pa­rechts­kon­for­mi­tät, Mit­tel­stands- und Be­schäf­ti­gungs­för­de­rung so­wie Zu­kunfts­fä­hig­keit nennt.

Auf der Web­sei­te der Ber­tels­mann-Stif­tung steht der Fach­öf­fent­lich­keit, den Ver­bän­den, der Po­li­tik, ins­be­son­de­re aber auch Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern ein In­ter­net­fo­rum zum Mei­nungs­aus­tausch über den Dis­kus­si­ons­ent­wurf zur Ver­fü­gung.

Auf der Ba­sis der ge­sam­mel­ten An­mer­kun­gen soll der Ent­wurf wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Das Ziel ist es, mög­lichst vie­le Sicht­wei­sen der Ge­sell­schaft in den Ent­wurf ein­zu­be­zie­hen, um da­mit die Aus­ge­wo­gen­heit des Ent­wurfs zu ge­währ­leis­ten.

Die Chan­cen des Ent­wur­fes, rea­li­siert zu wer­den, ste­hen al­ler­dings nicht gut. Denn ob­wohl ein ein­heit­li­ches Ge­setz­buch zum Ar­beits­ver­trags­recht "ju­ris­tisch mach­bar" wä­re, wä­re er po­li­tisch zu ris­kant. Denn wel­che Par­tei auch im­mer sich ein Herz fas­sen und den Ent­wurf zum Ge­setz ma­chen wür­de, wür­de da­mit in ein po­li­ti­sches Wes­pen­nest ste­chen. Zu ge­win­nen gibt es für ei­ne so mu­ti­ge Tat al­ler­dings we­nig, denn der Ent­wurf hat be­wusst kei­ne kla­re ar­beits­po­li­ti­sche Stoß­rich­tung, so dass man sich als Ge­setz­ge­ber we­der "pro Ar­beit­neh­mer" noch "pro Ar­beit­ge­ber" pro­fi­lie­ren könn­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier: 

 

Letzte Überarbeitung: 13. September 2016

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