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EuGH dis­tan­ziert sich er­neut vom Man­gold-Ur­teil.

Kei­ne Pflicht zum Schutz vor Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor Ab­lauf der Frist für die Um­set­zung der Gleich­be­hand­lungs­richt­li­nie: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 23.09.2008, C-427/06 - Bartsch gg. Bosch und Sie­mens Haus­ge­rä­te (BSH) Al­ters­für­sor­ge GmbH

23.10.2008. Vor drei Jah­ren hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) mit sei­nem Man­gold-Ur­teil (Ur­teil vom 22.11.2005, C-144/04) das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung als ei­nen „all­ge­mei­nen Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts“ auf­ge­wer­tet und da­mit auch sei­ne ei­ge­nen rich­ter­li­chen Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen ge­stärkt.

Seit­dem ist das Man­gold-Ur­teil viel­fach kri­ti­siert wor­den und auch der EuGH ist mehr­fach auf Dis­tanz zu die­sem Ur­teil ge­gan­gen.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ist der EuGH noch­mals von sei­ner Man­gold-Ent­schei­dung ab­ge­rückt und hat klar­ge­stellt, dass die Mit­glied­staa­ten der EU vor Ab­lauf der Frist für die Um­set­zung der Gleich­be­hand­lungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2000/78/EG) nicht da­zu ver­pflich­tet sind, ei­nen recht­li­chen Schutz von Er­werbs­per­so­nen vor Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen ih­res Al­ters zu ge­währ­leis­ten: EuGH, Ur­teil vom 23.09.2008, C‑427/06 (Bartsch gg. Bosch und Sie­mens Haus­ge­rä­te (BSH) Al­ters­für­sor­ge GmbH).

Ist das Verbot der Altersdiskriminierung schon während der Frist für die Umsetzung der Richlinie 2000/78/EG von den Mitgliedsstaaten in das nationale Recht aufzunehmen?

Die eu­ropäische Richt­li­nie 2000/78/EG vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf dient dem Zweck, un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen von Er­werbstäti­gen, ins­be­son­de­re von Ar­beit­neh­mern, we­gen be­stimm­ter persönli­cher Merk­ma­le wie bei­spiels­wei­se des Al­ters zu ver­hin­dern.

Nicht je­de Schlech­ter­stel­lung aus Gründen des Al­ters ist al­ler­dings ei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung. Viel­mehr ge­stat­tet Art.6 der Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ni­ge tra­di­tio­nell be­ste­hen­de al­ters­be­ding­te Un­gleich­be­hand­lun­gen, so et­wa im Be­reich der Ent­loh­nung oder bei den Ent­las­sungs­be­din­gun­gen.

Deutsch­land hat­te die Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/78/EG bis zum 02.12.2006 in na­tio­na­les Recht um­zu­set­zen und kam die­ser Um­set­zungs­pflicht im We­sent­li­chen mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) vom 14.08.2006 nach.

Über die aus der Richt­li­nie 2000/78/EG fol­gen­de Pflicht der Mit­glied­staa­ten zur Ver­hin­de­rung von (Al­ters-)Dis­kri­mi­nie­run­gen hin­aus ermäch­tigt Art.13 des Ver­trags zur Gründung der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft (EGV) den Rat zur Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen u.a. aus Gründen des Al­ters.

Die Be­stim­mun­gen des EGV sind ge­genüber den auf sei­ner Grund­la­ge er­las­se­nen Richt­li­ni­en des Eu­ropäischen Rats vor­ran­gig, wes­halb der EGV und die ihn mögli­cher­wei­se ergänzen­den un­ge­schrie­be­nen Rechts­grundsätze zum eu­ropäischen Primärrecht gezählt wer­den, wo­hin­ge­gen die EU-Richt­li­ni­en zum Se­kundärrecht gehören.

Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat in sei­nem berühm­ten Man­gold-Ur­teil (Ur­teil vom 22.11.2005, C-144/04) die The­se ent­wi­ckelt, das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung sei als ein „all­ge­mei­ner Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts“ an­zu­se­hen und da­her von den Mit­glied­staa­ten ge­ne­rell, d.h. auch oh­ne ent­spre­chen­de Ver­pflich­tun­gen aus der Richt­li­nie 2000/78/EG zu be­ach­ten.

Da­mit hat der EuGH das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung zum eu­ropäischen Primärrecht gezählt und sei­ne recht­li­che Be­deu­tung er­heb­lich ge­stei­gert.

Un­ter dem Ein­druck der brei­ten und hef­ti­gen Kri­tik an die­ser „Man­gold-Dok­trin“ ist der EuGH mit ei­ni­gen späte­ren Ent­schei­dun­gen in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung ge­gan­gen, d.h. er hat dem Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung kei­ne so ho­he Be­deu­tung mehr bei­ge­legt. Cha­rak­te­ris­tisch für die­se Ge­gen­be­we­gung ist das Ur­teil des EuGH vom 16.10.2007 (C-411/05 - Pa­la­ci­os de la Vil­la), dem zu­fol­ge die Mit­glied­staa­ten al­ters­be­ding­te Un­gleich­be­hand­lun­gen mit weit­ge­hend be­lie­bi­gen ar­beits­markt­po­li­ti­schen „Zie­len“ recht­fer­ti­gen können.

Noch un­ter dem fri­schen Ein­druck der Man­gold-Ent­schei­dung leg­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem dem Man­gold-Fall ver­gleich­ba­ren Rechts­streit dem EuGH ei­ne Rei­he von Fra­gen vor, um den Ge­richts­hof zu ei­ner noch­ma­li­gen Stel­lung­nah­me zu sei­nen im Man­gold-Ur­teil ent­hal­te­nen Aus­sa­gen zu be­we­gen (BAG, Vor­la­ge­be­schluss vom 27.06.2006, 3 AZR 352/05).

Im Kern ging es dem BAG bei sei­nem Vor­la­gen­be­schluss um die Fra­ge, ob das eu­ropäische Primärrecht, al­so vor al­lem der EGV, wirk­lich ein all­ge­mei­nes Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung enthält, das - mögli­cher­wei­se auch oh­ne ent­spre­chen­de Kon­kre­ti­sie­rung durch Richt­li­ni­en wie die Richt­li­nie 2000/78/EG - viel­leicht so­gar im Rechts­ver­kehr zwi­schen Pri­vat­leu­ten zu be­ach­ten wäre.

Über den Vor­la­ge­be­schluss des BAG wur­de be­reits vor dem EuGH ver­han­delt, und auch die Ge­ne­ral­anwältin E. Sharps­ton veröffent­lich­te ih­re Schluss­anträge. Die Schluss­anträge ent­hal­ten im Er­geb­nis ei­ne Dis­tan­zie­rung von der „Man­gold-Dok­trin“ (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/059 Ver­s­toß ge­gen EU-Recht durch Schlech­ter­stel­lung jun­ger Hin­ter­blie­be­ner beim Be­triebs­ren­ten­be­zug?).

Nun­mehr hat der EuGH über die vom BAG vor­ge­leg­ten Fra­gen mit Ur­teil vom 23.09.2008, Rs. C-427/06 (Bartsch gg. Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH) ent­schie­den.

Der Vorlagefall: Witwe eines Bosch-Betriebsrentners klagt auf Witwenrente und scheitert an einer Spätehenklausel

In dem vom EuGH zu ent­schei­den­den, in Deutsch­land vor der Ar­beits­ge­richts­bar­keit ver­han­del­ten Aus­gangs­fall war die Kläge­rin, Frau Bartsch, im Jah­re 1965 ge­bo­ren und seit 1986 mit ei­nem mehr als 20 Jah­re älte­ren Ar­beit­neh­mer ver­hei­ra­tet.

Der Ehe­mann der Kläge­rin ar­bei­te­te bis zu sei­nem Tod im Jah­re 2004 bei ei­nem Un­ter­neh­men, das sei­nen Mit­ar­bei­tern ei­ne Be­triebs­ren­te auf der Grund­la­ge der Leis­tun­gen der Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH ver­spro­chen hat­te.

Die Ren­ten­be­rech­ti­gung der Kläge­rin rich­te­te sich da­her nach den für die BSH Al­tersfürsor­ge GmbH gel­ten­den Ver­sor­gungs­richt­li­ni­en, die die Zah­lung ei­ner - im All­ge­mei­nen vor­ge­se­he­nen - Hin­ter­blie­be­nen­ren­te an Wit­wen ver­stor­be­ner Ar­beit­neh­mer aus­schlos­sen, falls der oder die Hin­ter­blie­be­ne über 15 Jah­re jünger als der ver­stor­be­ne Ar­beit­neh­mer ist.

Frau Bartsch ver­klag­te die BSH Al­tersfürsor­ge GmbH auf Zah­lung ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Ih­re Kla­ge wur­de so­wohl vom Ar­beits­ge­richt Es­sen (Ur­teil vom 22.02.2005, 7 Ca 4881/04) als auch vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf ab­ge­wie­sen (LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 19.05.2005, 5 Sa 509/05).

Das BAG setz­te das Ver­fah­ren aus und leg­te dem EuGH fol­gen­de Fra­gen zur Ent­schei­dung vor (BAG, Vor­la­ge­be­schluss vom 27.06.2006, 3 AZR 352/05):

"1. a)

Enthält das Primärrecht der EG ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, des­sen Schutz die Ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten auch dann zu gewähr­leis­ten ha­ben, wenn die mögli­cher­wei­se dis­kri­mi­nie­ren­de Be­hand­lung kei­nen ge­mein­schafts­recht­li­chen Be­zug auf­weist?

b)

Falls die Fra­ge zu a) ver­neint wird:

Wird ein sol­cher ge­mein­schafts­recht­li­cher Be­zug her­ge­stellt durch Art. 13 EG oder - auch vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist - durch die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf?
2. Ist ein sich aus der Be­ant­wor­tung der Fra­ge zu 1. er­ge­ben­des ge­mein­schafts­recht­li­ches Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters auch an­wend­bar zwi­schen pri­va­ten Ar­beit­ge­bern ei­ner­seits und ih­ren Ar­beit­neh­mern oder Be­triebs­rent­nern und de­ren Hin­ter­blie­be­nen an­de­rer­seits?
3. Falls die Fra­ge zu 2. be­jaht wird:
a) Wird von ei­nem sol­chen Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ei­ne Re­ge­lung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung er­fasst, nach der ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­nem hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten nicht gewährt wird, wenn er mehr als 15 Jah­re jünger ist als der ver­stor­be­ne ehe­ma­li­ge Ar­beit­neh­mer?
b) Falls die Fra­ge zu a) be­jaht wird:
Kann es ein Recht­fer­ti­gungs­grund für ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung sein, dass der Ar­beit­ge­ber ein In­ter­es­se an der Be­gren­zung der aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung fol­gen­den Ri­si­ken hat?
c) Falls die Fra­ge zu 3 b) ver­neint wird:
Kommt dem mögli­chen Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters im Be­triebs­ren­ten­recht un­be­grenz­te Rück­wir­kung zu oder ist es für die Ver­gan­gen­heit be­grenzt und falls ja in wel­cher Wei­se?"

Die­se Fra­gen des BAG set­zen - ers­tens - vor­aus, dass das deut­sche Recht der Kläge­rin kei­nen An­spruch auf Zah­lung der Hin­ter­blie­be­nen­ren­te ver­schafft.

Zwar ist der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auf Be­triebs­ren­ten­ver­spre­chen an­zu­wen­den, doch ist die Schlech­ter­stel­lung ei­nes Hin­ter­blie­be­nen auf­grund ei­ner Al­ters­ab­stands­klau­sel nach der Recht­spre­chung des BAG mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­ein­bar. Ei­ne aus­rei­chen­de sach­li­che Recht­fer­ti­gung für ei­ne sol­che Schlech­ter­stel­lung sieht das BAG nämlich in dem Ziel ei­ner Be­gren­zung fi­nan­zi­el­ler Be­las­tun­gen des Ar­beit­ge­bers.

Die­se Vor­la­ge­fra­gen des BAG set­zen - zwei­tens - vor­aus, dass die Richt­li­nie 2000/78/EG auf den Fall der Frau Bartsch nicht an­zu­wen­den sind. In der Tat war beim Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls im Jah­re 2004 und zum Zeit­punkt der - eben­falls 2004 ein­ge­leg­ten - Kla­ge die Um­set­zungs­frist noch nicht ab­ge­lau­fen, die viel­mehr erst am 02.12.2006 en­de­te.

Auch an­de­re, spe­zi­ell für die Aus­ge­stal­tung von Ver­sor­gungs­zu­sa­gen gel­ten­de eu­ro­pa­recht­li­che Rechts­vor­schrif­ten exis­tie­ren nicht, so dass der Fall der Frau Bartsch - je­den­falls auf den ers­ten Blick - kei­nen Be­zug zum EU-Recht hat­te.

Da­her hing die Ent­schei­dung des Fal­les durch das BAG da­von ab, ob das eu­ropäische Primärrecht ein Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung enthält oder nicht.

Die Kla­ge der Frau Bartsch könn­te nämlich nur dann Er­folg ha­ben, wenn es ein sol­ches Ge­bot gäbe und wenn die Ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten es auch dann zu be­ach­ten hätten, wenn ei­ne viel­leicht dis­kri­mi­nie­ren­de Be­hand­lung kei­nen Be­zug zum Ge­mein­schafts­recht hat.

EuGH: Gibt es keinen "gemeinschaftsrechtlichen Bezug" bei altersbezogenen Regelungen, ist das Verbot der Altersdiskriminierung erst nach der Umsetzungsfrist für die Richlinie 2000/78/EG zu beachten

Der EuGH hat die Vor­la­ge­fra­gen recht knapp in dem be­reits von der Ge­ne­ral­anwältin Sharps­ton vor­ge­schla­ge­nen Sin­ne be­ant­wor­tet, dass das eu­ropäische Primärrecht kein ge­ne­rell zu be­ach­ten­des Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung enthält, d.h. kein Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, das auch gel­ten würde, wenn ein na­tio­na­ler Fall kei­nen Be­zug zum Eu­ro­pa­recht auf­weist.

Die Ent­schei­dungs­for­mel des Ge­richts­hofs lau­tet:

„Das Ge­mein­schafts­recht enthält kein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters, des­sen Schutz die Ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten zu gewähr­leis­ten ha­ben, wenn die mögli­cher­wei­se dis­kri­mi­nie­ren­de Be­hand­lung kei­nen ge­mein­schafts­recht­li­chen Be­zug auf­weist. Ein sol­cher ge­mein­schafts­recht­li­cher Be­zug wird we­der durch Art. 13 EG her­ge­stellt noch - un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens - durch die Richt­li­nie 2000/78 vor Ab­lauf der dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat für die Um­set­zung die­ser Richt­li­nie ge­setz­ten Frist.“

Mit die­ser Klar­stel­lung fügt sich das Ur­teil des EuGH in Sa­chen Bartsch gut ein in die mitt­ler­wei­le lan­ge Rei­he deut­li­cher Dis­tan­zie­run­gen von der Man­gold-Ent­schei­dung.

Aus die­sem Grun­de - und wohl auch des­halb, weil der Vor­la­ge­be­schluss des BAG sehr drin­gend auf ei­ne Stel­lung­nah­me des EuGH zu sei­nen im Man­gold-Ur­teil ver­tre­te­nen The­sen ab­zielt -, sah sich der EuGH zu ei­ner aus­drück­li­chen Be­zug­nah­me zum Man­gold-Ur­teil ver­an­lasst. Sie be­sagt, dass die im Man­gold-Fall strei­ti­ge Möglich­keit der Al­ters­be­fris­tung gemäß der da­ma­li­gen Fas­sung von § 14 des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) von vorn­her­ein der Um­set­zung ei­ner Eu­ro­pa­richt­li­nie die­nen soll­te und da­her in den „An­wen­dungs­be­reich des Ge­mein­schafts­rechts“ fiel (Ur­teil, Rn.24). Die­ser Ge­sichts­punkt, so der EuGH, un­ter­schei­de

„die vor­lie­gen­de Rechts­sa­che außer­dem von der Rechts­sa­che Man­gold. Denn in der letzt­ge­nann­ten Rechts­sa­che han­del­te es sich bei der in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lung um ei­ne Maßnah­me zur Um­set­zung ei­ner Ge­mein­schafts­richt­li­nie, nämlich der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. L 175, S. 43), wo­durch die be­tref­fen­de Re­ge­lung in den An­wen­dungs­be­reich des Ge­mein­schafts­rechts fiel (vgl. Ur­teil Man­gold, Rand­nr. 75). Da­ge­gen sind die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ver­sor­gungs­richt­li­ni­en kei­ne Maßnah­men zur Um­set­zung von Ge­mein­schafts­be­stim­mun­gen.“

Da die im Aus­gangs­fall zwi­schen den Par­tei­en um­strit­te­nen Ver­sor­gungs­richt­li­ni­en der BSH Al­tersfürsor­ge GmbH nicht der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 dien­ten und sich außer­dem der strei­ti­ge Sach­ver­halt, d.h. der to­des­fall­be­ding­te Be­zug der strei­ti­gen Ren­ten­be­rech­ti­gung und die hier­auf ge­rich­te­te ar­beits­ge­richt­li­che Kla­ge, vor Ab­lauf der am 06.12.2006 en­den­den Um­set­zungs­frist er­eig­ne­te, wies der Fall nach An­sicht des EuGH kei­nen Be­zug zum Eu­ro­pa­recht auf.

In ei­nem der­ar­ti­gen Fall will der EuGH nicht (mehr), wie dies mögli­cher­wei­se noch aus der Be­gründung des Man­gold-Ur­teils her­aus­ge­le­sen wer­den könn­te, un­ter Be­ru­fung auf (an­geb­li­che) all­ge­mei­ne Rechts­grundsätze des eu­ropäischen Primärrechts in die Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten hin­ein­re­gie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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