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Fäl­lig­keit des Ab­fin­dungs­an­spruchs aus ge­richt­li­chem Ver­gleich

Die in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich zu­ge­sag­te Ab­fin­dung wird im All­ge­mei­nen so­fort fäl­lig: Ar­beits­ge­richt Frei­burg, Ur­teil vom 04.07.2008, 3 Ca 263/08
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31.07.2008. Ver­ein­ba­ren Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer vor Ge­richt ei­nen Ver­gleich, dem zu­fol­ge das Ar­beits­ver­hält­nis be­en­det wird und der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung er­hal­ten soll, möch­te der Ar­beit­neh­mer auf die Ab­fin­dung nicht lan­ge war­ten müs­sen.

Da in ei­nem sol­chen Ver­gleich meist kein Fäl­lig­keits­da­tum fest­ge­legt ist, fragt sich, wann die Pflicht zu Ab­fin­dungs­zah­lung fäl­lig wird. Die meis­ten Ar­beit­ge­ber wer­den die Ab­fin­dung hier zu­sam­men mit dem nächs­ten Lohn­lauf zah­len, was aber be­deu­ten wür­de, dass der Ar­beit­neh­mer manch­mal ei­ni­ge Wo­chen auf sein Geld war­ten muss.

Zu die­ser Fra­ge hat das Ar­beits­ge­richt Frei­burg ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen. Die­ser zu­fol­ge wird der Ab­fin­dungs­an­spruch so­fort fäl­lig, d.h. am Tag des Ver­gleichs­ab­schlus­ses: Ar­beits­ge­richt Frei­burg, Ur­teil vom 04.07.2008, 3 Ca 263/08.

Wann wird die Abfindung fällig, die in einem gerichtlichen Vergleich vereinbart ist?

Kündi­gungs­schutz­pro­zes­se en­den oft mit ei­nem Ab­fin­dungs­ver­gleich, d.h. kla­gen­der Ar­beit­neh­mer und be­klag­ter Ar­beit­ge­ber ei­ni­gen sich gütlich dar­auf, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers be­en­det wur­de und der Ar­beit­neh­mer für die­ses recht­li­che Zu­geständ­nis ei­ne Ab­fin­dung er­hal­ten soll.

Liegt der Be­en­di­gungs­zeit­punkt zum Zeit­punkt des Ver­gleichs­ab­schlus­ses in der Zu­kunft, nimmt die Recht­spre­chung über­wie­gend an, dass der Ab­fin­dungs­an­spruch erst zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses fällig wer­den soll. Hat man sich da­her zum Bei­spiel über die Wirk­sam­keit ei­ner mit lan­ger Kündi­gungs­frist aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung noch vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist ver­bind­lich durch Ver­gleich ge­ei­nigt, muss sich der Ar­beit­neh­mer auf die Zah­lung der Ab­fin­dung bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist ge­dul­den.

An­ders ist die Rechts­la­ge, wenn bei Ver­gleichs­ab­schluss der im Ver­gleich fest­ge­leg­te Be­en­di­gungs­ter­min be­reits in der Ver­gan­gen­heit liegt. Dann ist in der Re­gel an­zu­neh­men, dass die Par­tei­en die so­for­ti­ge Fällig­keit der Ab­fin­dung ge­wollt ha­ben, was der ge­setz­li­chen Re­ge­lung über die Fällig­keit ver­trag­li­cher Leis­tun­gen (§ 271 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) ent­spricht.

Die in sol­chen Fällen im all­ge­mei­nen ein­tre­ten­de so­for­ti­ge Fällig­keit der Ab­fin­dung kann aber natürlich durch Par­tei­ver­ein­ba­rung im Ver­gleich an­ders ge­re­gelt wer­den, et­wa im Sin­ne ei­nes kon­kre­ten, erst in der Zu­kunft lie­gen­den Fällig­keits­ter­mins.

Frag­lich ist, ob ei­ne sol­che hin­aus­ge­scho­be­ne Fällig­keit be­reits dann an­zu­neh­men ist, wenn der Ver­gleich zum Mo­nats­an­fang ver­ein­bart wird und der Ar­beit­ge­ber be­triebs­ein­heit­lich Lohn­ab­rech­nun­gen und Lohn­zah­lun­gen erst zum Mo­nats­en­de vor­nimmt. In sol­chen Fällen neh­men Ar­beit­ge­ber es als mehr oder we­ni­ger selbst­verständ­li­ches Recht in An­spruch, die Ab­fin­dung erst ei­ni­ge Wo­chen nach Ver­gleichs­ab­schluss, d.h. im übli­chen „Lohn­lauf“ ab­zu­rech­nen und aus­zu­zah­len.

Zu der Fra­ge, ob dies rech­tens ist, hat das Frei­burg mit Ur­teil vom 04.07.2008 (3 Ca 263/08) Stel­lung ge­nom­men.

Der Streitfall: 55.000,00 EUR Abfindung aus einem Vergleich vom 08. April werden erst am 24. April gezahlt

Der Ar­beit­ge­ber sprach Mit­te De­zem­ber 2007 ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung zum 31.03.2008 aus, mit der sich der Ar­beit­neh­mer im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ein­ver­stan­den erklärte. Der Ab­fin­dungs­ver­gleich wur­de im schrift­li­chen Ver­fah­ren ver­ein­bart und vom Ar­beits­ge­richt Frei­burg mit Be­schluss vom 08.04.2008, d.h. nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses fest­ge­stellt. Der Ver­gleich ent­hielt zwar ei­ne Re­ge­lung über die Höhe der Ab­fin­dung (55.000,00 EUR), nicht je­doch über ih­re Fällig­keit.

Der Ar­beit­neh­mer bat im wei­te­ren mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 22.04.2008 um kurz­fris­ti­ge Aus­zah­lung der Ab­fin­dung, die zwei Ta­ge später, am 24.04.2008, sei­nem Kon­to un­ter Ab­zug der Lohn­steu­er gut­ge­schrie­ben wur­de.

Der Ar­beit­neh­mer ver­trat dar­auf­hin die Auf­fas­sung, der Ar­beit­ge­ber ha­be sich vom 09.04.2008 bis zum 23.04.2008, d.h. in der Zeit zwi­schen dem Ver­gleichs­ab­schluss und der Zah­lung, in Ver­zug be­fun­den und ver­klag­te den Ar­beit­ge­ber auf Zah­lung von 190,67 EUR Ver­zugs­zin­sen.

Arbeitsgericht Freiburg: Die Abfindung war zwar am 08. April fällig, doch war der Arbeitgeber mangels einer Mahnung noch nicht in Verzug

Das Ar­beits­ge­richt Frei­burg hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen, und zwar mit fol­gen­der Be­gründung:

Die Ab­fin­dung ist nach An­sicht des Ge­richts be­reits mit Ab­schluss des Ver­gleichs fällig ge­wor­den, im vor­lie­gen­den Fall da­her mit Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Frei­burg vom 08.04.2008 über das Zu­stan­de­kom­men des Ab­fin­dungs­ver­gleichs. Da­mit wur­de der Ar­beit­ge­ber mit sei­nem Ein­wand nicht gehört, dass die Fällig­keit (still­schwei­gend?) auf den Zeit­punkt des nächs­ten re­gulären Lohn­lau­fes hin­aus­ge­scho­ben wor­den sei.

Al­ler­dings ver­neint das Ar­beits­ge­richt die wei­te­ren, d.h. über die Fällig­keit der Ab­fin­dung hin­aus er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­tritt des Ver­zugs. Ei­ne den Ver­zug be­gründen­de Mah­nung (§ 286 Abs.1 BGB) hat­te der Kläger nämlich nicht aus­ge­spro­chen. Je­den­falls ist ei­ne sol­che Mah­nung dem Ar­beit­ge­ber nicht vor dem 23.04.2008 zu­ge­gan­gen.

Zwar kommt der Ar­beit­ge­ber als Schuld­ner des Zah­lungs­an­spruchs aus­nahms­wei­se auch oh­ne Mah­nung in Ver­zug, wenn für die Leis­tung ei­ne Zeit nach dem Ka­len­der be­stimmt ist (§ 286 Abs.2 Nr.1 BGB), doch ver­nein­te das Ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen für die­sen Aus­nah­me­tat­be­stand. Ei­ne ka­len­da­ri­sche Leis­tungs­be­stim­mung sei nicht vor­ge­nom­men, son­dern der Leis­tungs­zeit­punkt ge­ra­de of­fen ge­las­sen wor­den. Da­her war der Ar­beit­ge­ber hier nicht in Ver­zug ge­ra­ten.

Ergänzend führt das Ge­richt aus, dass auch ei­ne Be­ru­fung des Klägers auf an­de­re ge­setz­li­che Aus­nah­me­tat­bestände, die oh­ne Mah­nung zum Ver­zug führen, hier nicht möglich sei.

Fa­zit: Wird in ei­nem Ab­fin­dungs­ver­gleich ei­ne Ab­fin­dung ver­spro­chen und liegt der Be­en­di­gungs­ter­min be­reits in der Ver­gan­gen­heit, wird der Ab­fin­dungs­an­spruch so­fort mit Ver­gleichs­ab­schluss fällig, d.h. die Fällig­keit ist nicht et­wa „au­to­ma­tisch“ oder still­schwei­gend bis zum nächs­ten re­gulären Lohn­lauf hin­aus­ge­scho­ben. Da­her soll­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter möglichst um­ge­hend die Zah­lung der Ab­fin­dung an­mah­nen, um den Ar­beit­ge­bers mit der Ab­fin­dungs­zah­lung in Ver­zug zu set­zen. Ob man al­ler­dings we­gen ei­ni­ger we­ni­ger Ver­zugs­ta­ge gleich er­neut kla­gen soll­te, ist ei­ne an­de­re Fra­ge.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. März 2014

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