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Arbeitsrecht aktuell
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Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen 1,30 EUR be­stä­tigt.

Auch nach lan­ger Be­schäf­ti­gungs­dau­er kön­nen Ver­mö­gens­de­lik­te im Ba­ga­tell­be­reich ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung recht­fer­ti­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 24.02.2009, 7 Sa 2017/08

25.02.2009. We­gen des Be­trugs mit Hil­fe zwei­er un­ter­schla­ge­ner Leer­gut­bons wur­de die Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin Bar­ba­ra "Em­me­ly" E. frist­los ge­kün­digt. In der ers­ten In­stanz wur­de ih­re Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vom Ar­beits­ge­richt Ber­lin ab­ge­wie­sen.

Mit ei­nem ges­tern be­kannt ge­wor­de­nen Ur­teil be­stä­tig­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kla­ge­ab­wei­sung.

Bei der Be­ur­tei­lung des Vor­gangs spiel­te der ge­rin­ge Wert der miss­brauch­ten Leer­gut­bons (1,30 EUR) kei­ne Rol­le.

Denn die Kas­sie­re­rin hat­te, so das LAG, durch ihr ge­sam­tes Ver­hal­ten, ins­be­son­de­re auch durch be­stän­di­ges Leug­nen nach Ent­de­ckung der Tat, das Ver­trau­en ih­res Ar­beit­ge­bers zer­stört: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 24.02.2009, 7 Sa 2017/08.

Kann der Arbeitgeber wegen eines Bagatell-Diebstahls oder eines Bagatell-Betrugs nach langer Beschäftigungsdauer kündigen?

Wenn ein Ar­beit­neh­mer im be­gründe­ten Ver­dacht steht, in er­heb­li­cher Wei­se ge­gen sei­ne Pflich­ten ver­s­toßen zu ha­ben, kann der Ar­beit­ge­ber ei­ne sog. Ver­dachtskündi­gung aus­spre­chen.

Die Ver­dachtskündi­gung wird prak­tisch im­mer als außer­or­dent­li­che Kündi­gung und zu­gleich auch als frist­lo­se Kündi­gung aus­ge­spro­chen, d.h. der Ar­beit­ge­ber be­ruft sich auf ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne von § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB).

An­ders als ei­ne sog. "Tatkündi­gung" be­ruht die Ver­dachtskündi­gung nicht auf ei­nem er­wie­se­nen Pflicht­ver­s­toß, son­dern eben auf dem drin­gen­den Tat­ver­dacht. Er ist es, der als sol­cher die wei­te­re Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses für den Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar macht.

Da die Ent­las­sung auf­grund ei­nes bloßen Ver­dachts wie­der­um für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne Zu­mu­tung dar­stellt, for­dert die Recht­spre­chung „drin­gen­de“ Ver­dachts­mo­men­te und ver­langt außer­dem, dass der Ar­beit­ge­ber vor Aus­spruch der Kündi­gung al­les ge­tan hat, um die Ver­dachts­mo­men­te auf­zuklären. Ins­be­son­de­re muss er den Ar­beit­neh­mer vor der Kündi­gung zu den ihn be­las­ten­den Umständen anhören, d.h. er muss ihm ei­ne fai­re Chan­ce ge­ben, den ge­gen ihn auf­ge­kom­me­nen Ver­dacht aus­zuräum­en.

Frag­lich ist, ob der Ver­dacht ei­nes Dieb­stahls, Be­trugs oder ei­ner Un­ter­schla­gung auch dann für ei­ne außer­or­dent­li­che Ver­dachtskündi­gung aus­reicht, wenn der (mögli­cher­wei­se!) beim Ar­beit­ge­ber ent­stan­de­ne Scha­den ex­trem ge­ring ist, d.h. im Be­reich von ei­ni­gen Eu­ro bzw. Cent liegt.

Mit die­ser Fra­gen hat­te sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg in ei­nem am 24.02.2009 ent­schie­de­nen Fall zu be­fas­sen (Ur­teil vom 24.02.2009, 7 Sa 2017/08). Das Ur­teil liegt der­zeit nur in Ge­stalt ei­ner Pres­se­mel­dung vor, d.h. die Ur­teils­gründe sind noch nicht be­kannt.

Der Fall Emmely: Kassiererin wird nach über 30 Jahren Beschäftigung wegen eines Bagatellvergehens verhaltensbedingt gekündigt

Die Kläge­rin, ei­ne et­wa 50jähri­ge Verkäufe­r­in, war seit April 1977 bei dem be­klag­ten Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men Kai­ser´s als Verkäufe­r­in mit Kas­siertätig­keit zu ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt von zu­letzt 1.713,23 EUR in Ber­lin beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin fand das Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) An­wen­dung.

Am 12.01.2008 wur­den in der Fi­lia­le, in der die Kläge­rin ar­bei­te­te, zwei Leer­gut­bons mit Da­tum vom sel­ben Tag auf­ge­fun­den. Ei­ner die­ser Bons be­schei­nig­te ei­ne For­de­rung we­gen Leer­gutrück­ga­be in Höhe von 0,48 EUR, der an­de­re ei­ne For­de­rung von 0,82 EUR. Die­se bei­den Leer­gut­bons, die laut Auf­druck im zeit­li­chen Ab­stand von et­wa ei­ner Drei­vier­tel­stun­de aus­ge­stellt wor­den wa­ren und da­her ver­mut­lich von zwei ver­schie­de­nen Kun­den herrühr­ten, wur­den an die Kläge­rin über­ge­ben und dann zunächst im Kas­senbüro auf­be­wahrt, um sie Kun­den, die sie mögli­cher­wei­se ver­lo­ren hat­ten, auf Nach­fra­gen hin zurück­zu­ge­ben.

Am 22.01.2008 un­ter­nahm die Kläge­rin ei­nen Per­so­nal­ein­kauf bei ei­ner an der Kas­se sit­zen­den Ar­beits­kol­le­gin, der Frau K., und löste da­bei aus­weis­lich des elek­tro­ni­schen Kas­sen­jour­nals zwei Leer­gut­bons ein, die vom 12.01.2008 da­tier­ten und über 0,48 EUR und 0,82 EUR lau­te­ten. Die am 12.01.2008 ge­fun­de­nen und im Büro auf­be­wahr­ten Leer­gut­bons wa­ren da­nach nicht mehr auf­find­bar.

Die Be­klag­te verdäch­tig­te dar­auf­hin die Kläge­rin, dass sie die am 12.01.2008 auf­ge­fun­de­nen Leer­gut­bons zu ei­gennützi­gen Zwe­cken bei ih­rem Per­so­nal­ein­kauf vom 22.01.2008 ver­wen­det hat­te. Der Ver­dacht gründe­te sich im we­sent­li­chen auf die Übe­rein­stim­mung der auf den Bons aus­ge­wie­se­nen Beträge (0,48 EUR bzw. 0,82 EUR) so­wie fer­ner dar­auf, dass die am 12.01.2008 auf­ge­fun­de­nen Bons nicht mehr im Kas­senbüro la­gen.

Im Ver­lauf der wei­te­ren Er­mitt­lun­gen der Be­klag­ten stell­te sich her­aus, dass ei­ner der bei­den Leer­gut­bons am 12.01.2008 um 10:06 Uhr er­stellt wur­de, als die Kläge­rin an der Kas­se ar­bei­te­te und da­her kein Leer­gut ab­ge­ben konn­te.

Am 25.01.2008 hörte die Be­klag­te die Kläge­rin erst­mals zu den Ver­dachts­mo­men­ten an. Da­bei räum­te sie ein, sie selbst auf­grund ih­rer Kas­sentätig­keit am 12.01.2009 den um 10:06 Uhr er­stell­ten Bon nicht an­ge­fer­tigt ha­ben könn­te.

In ei­nem wei­te­ren Gespräch am 06.02.2008 wur­de die Kläge­rin be­fragt, wie die bei­den Leer­gut­bons in ih­ren Be­sitz ge­langt sein könn­ten. Sie gab an, die Bons könn­ten ihr von ih­rer Toch­ter in das Porte­mon­naie ge­steckt wor­den sein. Der Kläge­rin wur­de Ge­le­gen­heit ge­ge­ben, dies mit ih­rer Toch­ter zu be­spre­chen.

Da­nach wur­de die Anhörung am 11.02.2008 fort­geführt. Als wei­te­re Möglich­keit gab die Kläge­rin in die­sem Gespräch an, ei­ne Ar­beits­kol­le­gin, Frau V., könne ihr die Leer­gut­bons zu­ge­steckt ha­ben. Sie ha­be nämlich Frau V. 21. oder 22. Ja­nu­ar ihr Porte­mon­naie aus­gehändigt, und zwar mit der Bit­te, die­ses in den Spind zu le­gen.

Es wur­de ein wei­te­rer Gesprächs­ter­min für den 15.02.2008 ver­ein­bart, in dem auch der Toch­ter der Kläge­rin die Möglich­keit ge­ge­ben wer­den soll­te zu bestäti­gen, dass die frag­li­chen Bons von ihr stamm­ten. Zu dem Gespräch brach­te die Kläge­rin ih­re Toch­ter nicht mit, über­reich­te aber ei­ne schrift­li­che Erklärung ih­rer Toch­ter vom 14.02.2008, mit der die Toch­ter „bestätig­te“, dass sie bei Kai­ser´s ein­kau­fe, hin und wie­der Einkäufe für ih­re Mut­ter er­le­di­ge, da­bei auch Leer­gut einlöse und Um­gang mit der Geldbörse ih­rer Mut­ter pfle­gen dürfe. Die Mit­ar­bei­te­rin V. erklärte auf Be­fra­gen der Be­klag­ten, sie ha­be zu kei­nem Zeit­punkt die Geldbörse der Kläge­rin er­hal­ten.

Am 18.02.2008 hörte die Be­klag­te den Be­triebs­rat zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten frist­lo­sen Kündi­gung der Kläge­rin an. Der Be­triebs­rat äußer­te sich mit Schrei­ben vom 20.02.2008 im Sin­ne ei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me. Dar­auf­hin kündig­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 22.02.2008 das Ar­beits­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich frist­ge­recht zum 30.09.2008.

Ge­gen die­se Kündi­gung setz­te sich die Kläge­rin mit Kündi­gungs­schutz­kla­ge vom 27.02.2008 zur Wehr. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ber­lin wies die Kla­ge mit Ur­teil vom 21.08.2008 (2 Ca 3632/08) ab, da es die Kündi­gung für wirk­sam hielt.

Zur Be­gründung führt das Ar­beits­ge­richt im we­sent­li­chen aus, der nach Be­weis­er­he­bung zur Über­zeu­gung des Ge­richts fest­ste­hen­de Sach­ver­halt be­gründe den drin­gen­den Ver­dacht, dass die Kläge­rin sich durch betrüge­ri­sche Vor­spie­ge­lung ei­nes in Wahr­heit nicht be­ste­hen­den Ei­gen­tums an den bei­den Bons ei­nen Vermögens­vor­teil in Höhe von 1,30 EUR bei ih­ren Per­so­nal­ein­kauf vom 22.01.2008 ha­be ver­schaf­fen wol­len. Die­ser Ver­dacht sei mehr als ei­ne bloße Verdäch­ti­gung, da er durch ver­schie­de­ne, von der Be­klag­ten be­wie­se­ne Tat­sa­chen un­ter­mau­ert wor­den sei. Außer­dem ha­be die Be­klag­te al­le ihr ab­zu­ver­lan­gen­den An­stren­gun­gen ei­ner Aufklärung des Sach­ver­hal­tes un­ter­nom­men, ins­be­son­de­re die Kläge­rin mehr­fach an­gehört.

So­mit sei der hier fest­ge­stell­te Sach­ver­halt an sich ge­eig­net, das Ver­trau­en der Be­klag­ten in die Verläss­lich­keit der Kläge­rin zu zerstören und ei­ne außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen.

Im Rah­men der so­dann vor­ge­nom­me­nen Abwägung der wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen mein­te das Ge­richt, dass mit ei­ner künf­ti­gen Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens nicht ge­rech­net wer­den könne, da die Kläge­rin stets be­tont ha­be, sie se­he das ihr vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten nicht als gra­vie­rend an; im übri­gen könn­ten Straf­ta­ten ge­gen den Ar­beit­ge­ber bei ge­rin­gen Vermögens­de­lik­ten aus ih­rer Sicht ei­ne Kündi­gung nicht recht­fer­ti­gen. Un­ter die­sen Umständen sei ei­ne Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens aus­ge­schlos­sen. Äußere der Ar­beit­neh­mer, dass er ei­ne ge­gen den Ar­beit­ge­ber ge­rich­te­tes Vermögens­de­likt als nicht so gra­vie­rend an­sieht, könne der Ar­beit­ge­ber auch für die Zu­kunft kein Ver­trau­en ha­ben, dass ei­ne Schädi­gung sei­nes Ei­gen­tums und Vermögens in Zu­kunft un­ter­blei­be.

Zu berück­sich­ti­gen sei auch, dass die Kläge­rin als Kas­sie­re­rin in ei­nem be­son­ders sen­si­blen Be­reich beschäftigt wer­de, bei dem das Ver­trau­en auf ein red­li­ches, ver­trags­ge­rech­tes Ver­hal­ten be­son­ders wich­tig sei.

Ge­gen die­ses Ur­teil leg­te die Kläge­rin Be­ru­fung zum LAG Ber­lin-Bran­den­burg ein.

LAG Berlin-Brandenburg: Auch nach langer Beschäftigungsdauer können Vermögensdelikte im Bagatellbereich eine Kündigung rechtfertigen

Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen und da­mit die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts bestätigt.

Das der Kläge­rin vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten stell­te auch nach Auf­fas­sung des LAG ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB dar, der es für den be­klag­ten Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar ma­che, die Kläge­rin auch nur bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Das LAG sah da­bei nicht nur - wie das Ar­beits­ge­richt - die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner „Ver­dachtskündi­gung“ als erfüllt an. Viel­mehr ging das LAG noch ei­nen Schritt wei­ter, in­dem es bei Würdi­gung al­ler Umstände - un­abhängig von der Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung be­reits als Ver­dachtskündi­gung - da­von aus­ging, dass der Kläge­rin die Tat­be­ge­hung nach­ge­wie­sen sei. Der ge­rin­ge Wert der von der Kläge­rin nach Über­zeu­gung des Ge­richts ver­un­treu­ten bzw. zum Be­trugs­ver­such ver­wen­de­ten Leer­gut­bons sei recht­lich un­er­heb­lich.

Bei der In­ter­es­sen­abwägung sei zwar das Al­ter der Kläge­rin und ih­re langjähri­ge Beschäfti­gungs­zeit zu ih­ren Guns­ten zu berück­sich­ti­gen ge­we­sen. Zu ih­ren Las­ten al­ler­dings sei ins Ge­wicht ge­fal­len, dass sie als Kas­sie­re­rin „un­be­ding­te Zu­verlässig­keit und ab­so­lu­te Kor­rekt­heit“ zei­gen müsse.

Durch den hier strei­ti­gen Be­trugs­ver­such ent­ste­he auf sei­ten des Ar­beit­ge­bers „ein ir­re­pa­ra­bler Ver­trau­ens­ver­lust“. Nicht et­wa der Wert des Be­trugs (1,30 EUR), son­dern der Ver­trau­ens­ver­lust ge­genüber ei­ner als Kas­sie­re­rin beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin sei­en der maßgeb­li­che Kündi­gungs­grund.

Der Ver­trau­ens­ver­lust sei hier be­son­ders nach­hal­tig ge­we­sen, weil die Kläge­rin im Ver­lauf der Er­mitt­lun­gen im­mer wie­der fal­sche An­ga­ben ge­macht ha­be. Die­se ha­be sie dann, als sie vom Ar­beit­ge­ber wi­der­legt wa­ren, ein­fach fal­len­ge­las­sen. So ha­be sie et­wa ei­ne Kol­le­gin be­las­tet, die nichts mit der Sa­che zu tun ge­habt hätte.

Da der Ar­beit­ge­ber so­mit nach An­sicht des LAG Ber­lin-Bran­den­burg ei­ne Tatkündi­gung aus­spre­chen konn­te, hätte das Ge­richt sich Ausführun­gen zu den zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­dachtskündi­gung ei­gent­lich spa­ren können.

Hier sah sich das LAG aber trotz­dem ver­an­lasst, Flag­ge zu zei­gen, in­dem es die ge­gen die Be­den­ken, die die Kläge­rin „ge­gen das in der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts völlig un­an­ge­foch­te­ne In­sti­tut der Ver­dachtskündi­gung“ geäußert hat­te, als nicht ge­recht­fer­tigt zurück­wies. Für ei­ne Ver­dachtskündi­gung genügten kei­nes­wegs bloße Verdäch­ti­gun­gen. Außer­dem grei­fe die Un­schulds­ver­mu­tung nicht zu­guns­ten des aus Ver­dachts­gründen gekündig­ten Ar­beit­neh­mers ein, da die­ser Ge­sichts­punkt nur im Straf­recht gel­te. Der Ar­beit­neh­mer müsse da­her kei­nes­wegs im Streit um die Wirk­sam­keit ei­ner Ver­dachtskündi­gung „sei­ne Un­schuld be­wei­sen“.

Die Be­wer­tung der Be­weis­la­ge durch das LAG ist nach­voll­zieh­bar und da­her hin­zu­neh­men. In der wei­te­ren Kon­se­quenz stellt sich für das LAG dann nur noch die Fra­ge, ob zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers verübte Vermögens­de­lik­te im Ba­ga­tell­be­reich für ei­ne außer­or­dent­li­che Tatkündi­gung aus­rei­chen, was der völlig herr­schen­den Mei­nung ent­spricht.

Ist man dem­ge­genüber der An­sicht, die von der Be­klag­ten nach­ge­wie­se­nen Tat­sa­chen könn­ten al­len­falls ei­nen drin­gen­den Tat­ver­dacht un­ter­mau­ern, nicht aber den Tat­vor­wurf be­wei­sen, fragt sich schon, ob ei­ne ganz ge­rin­ge Vermögens­beschädi­gung auf sei­ten des Ar­beit­ge­bers auch dann für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus­rei­chen, wenn die­se als bloße Ver­dachtskündi­gung aus­ge­spro­chen wird.

Den Grund­satz der Un­schulds­ver­mu­tung ein­fach als Straf­rechts­grund­satz ab­zu­tun, wird den ex­tre­men Un­ter­schie­den der Sank­ti­onsschärfe nicht ge­recht: Während ein Be­trug, ein Dieb­stahl oder ei­ne Un­ter­schla­gung im Ba­ga­tell­be­reich von ei­ni­gen Eu­ro auch bei wie­der­hol­ter Be­ge­hung nur sehr ge­rin­ge straf­recht­li­che Sank­tio­nen nach sich zie­hen, sind die ar­beits­recht­li­chen Sank­tio­nen be­reits bei erst­ma­li­ger Be­ge­hung um ein Viel­fa­ches härter, da sie zum Ver­lust des Ar­beits­verhält­nis­ses und da­mit zum Weg­fall der wirt­schaft­li­chen Exis­tenz­grund­la­ge führen.

An­ge­sichts die­ser Dis­kre­panz kann man sich schon fra­gen, ob die Grundsätze der Ver­dachtskündi­gung auch bei ganz ge­rin­gen Schädi­gun­gen un­ein­ge­schränkt an­zu­wen­den sind.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe im Voll­text und ei­ne Be­spre­chung fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt über den Fall ent­schie­den und zunächst die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen, die das LAG Frau Em­me ver­wehrt hat­te, und so­dann das LAG-Ur­teil auf­ge­ho­ben und der Kläge­rin Bar­ba­ra Em­me Recht ge­ge­ben. Die Ent­schei­dun­gen des BAG und ei­ne Be­spre­chung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 23. August 2016

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