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Arbeitsrecht aktuell
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Neu­re­ge­lung der ge­ring­fü­gi­gen Be­schäf­ti­gung

Die wich­tigs­ten Än­de­run­gen zur ge­ring­fü­gi­gen Be­schäf­ti­gung: Zwei­tes Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23.12.2002

07.04.2003. Zu An­fang April die­ses Jah­res wur­den die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen über die ge­ring­fü­gi­ge Be­schäf­ti­gung in we­sent­li­chen Punk­ten ge­än­dert. Grund­la­ge der Än­de­run­gen ist das "Zwei­te Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt", vom 23.12.2002 (BGBl I 2002, S.4621 ff.). Die Kon­zep­te ge­hen zu­rück auf die Vor­schlä­ge der Kom­mis­si­on um Pe­ter Hartz, die Bun­des­kanz­ler Ger­hardt Schrö­der als Ide­en­ge­ber für Ar­beits­markt­re­for­men ein­ge­setzt hat.

Die Än­de­run­gen für Mi­ni­job­ber und ih­re Ar­beit­ge­ber sind er­heb­lich und wer­den da­zu füh­ren, dass es künf­tig deut­lich mehr Mi­ni­jobs ge­ben wird als bis­her. So wur­de die Ent­gelt-Gren­ze von 325,00 EUR auf 400,00 EUR an­ge­ho­ben und die bis­he­ri­ge Be­gren­zung der Wo­chen­ar­beits­zeit auf höchs­tens 15 St­un­den ist fort­ge­fal­len.

Im fol­gen­den fin­den Sie ei­nen Über­blick über die we­sent­li­chen Än­de­run­gen.

Was hat sich am 01.04.2003 geändert?

Die Ände­run­gen be­tref­fen vor al­lem die fol­gen­den drei Punk­te:

1. Bei den in Form der "Ent­gelt­ge­ringfügig­keit" aus­geübten Mi­ni­jobs wird die Ein­kom­mens­gren­ze von von bis­her 325 EUR auf 400 EUR pro Mo­nat an­ge­ho­ben. Außer­dem entfällt die Gren­ze von 15 Ar­beits­stun­den pro Wo­che, die der Mi­ni-Job­ber bis­her be­ach­ten mußte, d.h. es kommt künf­tig nur noch dar­auf an, daß man die Ein­kom­mens­gren­ze von 400,00 EUR pro Mo­nat nicht über­schrei­tet.

Außer­dem wird "ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung" an­ders als bis­her de­fi­niert: Ne­ben die bis­her und auch wei­ter­hin be­ste­hen­den bei­den For­men der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung (Ent­gelt­ge­ringfügig­keit und der Zeit­ge­ringfügig­keit) tritt als drit­te Va­ri­an­te die so­ge­nann­te "ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten".

2. Die Vor­schrif­ten über die Abführung von Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben wur­den geändert. An die Stel­le der bis­her nur "im Prin­zip" bzw. nur un­ter be­stimm­ten Umständen gewähr­ten Steu­er­frei­heit tritt ei­ne prak­tisch ein­fa­cher zu hand­ha­ben­de so­ge­nann­te Pausch­steu­er von 2 %.

Außer­dem gel­ten bei der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten neu­ar­ti­ge Steu­er­vergüns­ti­gun­gen für den Ar­beit­ge­ber.

3. Bis­her wa­ren nor­ma­le ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Ar­beits­verhält­nis­se von ge­ringfügi­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen durch ei­ne star­re Gren­ze von­ein­an­der ge­trennt. Ab dem 01.04.2003 gibt es ei­ne Gleit­zo­ne zwi­schen Ge­ringfügig­keit und vol­ler So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht. Die vol­le Bei­trags­pflicht zur So­zi­al­ver­si­che­rung greift nun­mehr erst ab ei­nem Ein­kom­men von 800 EUR pro Mo­nat ein. Die Gleit­zo­ne er­faßt Ar­beits­ein­kom­men von 400,01 EUR bis 800,00 EUR.

Was heißt "geringfügige Beschäftigung"?

Nach den neu­en, ab dem 01.04.2003 gel­ten­den Re­geln heißt "ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung", daß ei­ner der fol­gen­de drei Fälle vor­liegt:

1.) Ent­gelt­ge­ringfügig­keit oder ei­ne "dau­er­haft ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung" lag nach der bis­her gel­ten­den Re­geln vor, wenn die Beschäfti­gung re­gelmäßig we­ni­ger als 15 St­un­den pro Wo­che aus­geübt wur­de und das Ar­beits­ent­gelt re­gelmäßig 325 EUR pro Mo­nat nicht über­stieg.

Ab dem 01.04.2003 kommt es auf die An­zahl der pro Wo­che ge­ar­bei­te­ten St­un­den nicht mehr an. Außer­dem wird die Ein­kom­mens­gren­ze auf 400 EUR pro Mo­nat an­ge­ho­ben. Ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in Form der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit heißt al­so ab dem 01.04.2003, daß man dau­er­haft beschäftigt ist und dafür ein ma­xi­mal 400 EUR pro Mo­nat be­tra­ge­nes Ein­kom­men be­zieht.

2.) Zeit­ge­ringfügig­keit oder "Kurz­frist­beschäfti­gung" heißt ähn­lich wie bis­her, daß die Beschäfti­gung in­ner­halb ei­nes Ka­len­der­jah­res auf längs­tens 2 Mo­na­te oder 50 Ar­beits­ta­ge be­grenzt ist. Hier gilt die Ver­dienst­gren­ze von 400 EUR pro Mo­nat im all­ge­mei­nen nicht bzw. nur dann, wenn die­se Form der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung "be­rufsmäßig" aus­geübt wird.

3.) Ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten ist ei­ne neue, ab 01.04.2003 in das Ge­setz auf­ge­nom­me­ne Form der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung. Sie setzt vor­aus, daß die Beschäfti­gung "durch ei­nen pri­va­ten Haus­halt be­gründet ist und die Tätig­keit sonst gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts er­le­digt wird". Auch hier gilt die 400-EU­RO-Gren­ze wie bei der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit. Der we­sent­li­che Un­ter­schied zwi­schen die­sen bei­den For­men der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung be­steht dar­in, daß die "ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten" in (noch) ge­rin­ge­rem Um­fang mit Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben be­las­tet wird als die ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in Form der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit.

Was hat sich bei der Zusammenrechnung von Jobs geändert?

Wie nach bis­her gel­ten­dem Recht wer­den meh­re­re ge­ringfügi­ge Beschäfti­gun­gen zu­sam­men­ge­rech­net, so daß zwei Mi­ni-Jobs zu­sam­men­ge­nom­men ei­ne "ganz nor­ma­le" Beschäfti­gung er­ge­ben (können).

An­ders als bis­her wer­den aber ei­ne nor­ma­le ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge und ei­ne da­ne­ben aus­geübte ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung nicht mehr zu­sam­men­ge­rech­net. Die Pri­vi­le­gie­rung von Mi­ni-Jobs bleibt al­so an­ders als nach bis­he­ri­gem Recht auch dann er­hal­ten, wenn der Ar­beit­ne­her ne­ben dem Mi­ni-Job ei­ne re­guläre bzw. nicht ge­ringfügi­ge Tätig­keit ausübt. Wer­den ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Tätig­keit und Mi­ni­job al­ler­dings bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber aus­geübt, wer­den bei­de Beschäfti­gun­gen zu­sam­men­ge­rech­net, d.h. auch der Mi­ni­job ist dann ganz nor­mal ver­si­che­rungs­pflich­tig.

Welche Abgaben und Steuern sind bei Geringfügigkeit zu entrichten?

Die we­sent­li­che recht­li­che Fol­ge ei­ner nur ge­ringfügig aus­geübten Beschäfti­gung be­steht dar­in, daß der Beschäftig­te im all­ge­mei­nen, d.h. von Aus­nah­men ab­ge­se­hen, im Hin­blick auf die ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung in der So­zi­al­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei ist. Im ein­zel­nen be­steht da­her we­gen ei­ner ge­ringfügig aus­geübten Beschäfti­gung Ver­si­che­r­uns­gfrei­heit in der ge­setz­li­chen Ren­ten-, Ar­beits­lo­sen-, Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Ei­ne Aus­nah­me gilt für die Un­fall­ver­si­che­rung, an die der Ar­beit­ge­ber auch für ge­ringfügig Beschäftig­te die nor­ma­len Beiträge abführen muß. Aus­zu­bil­den­de sind im­mer, d.h. auch dann, wenn sie nicht mehr als 400 EUR im Mo­nat ver­die­nen, ver­si­che­rungs­pflich­tig.

Trotz die­ser recht­lich be­ste­hen­den Ver­si­che­rungs­frei­heit muß der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings fol­gen­de Pau­schalbeiträge zu zur Kran­ken­ver­si­che­rung und zur Ren­ten­ver­si­che­rung abführen:

1.) Bei Ent­gelt­ge­ringfügig­keit galt bis­her, daß der Ar­beit­ge­ber pau­schal 12 % des Brut­to­ar­beits­ent­gelts an die Ren­ten­ver­si­che­rung und wei­te­re 10 % an die Kran­ken­ver­si­che­rung, zu­sam­men al­so pau­schal 22 % So­zi­al­ab­ga­ben abführen mußte. Dafür war die­se Form der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung "im Prin­zip", d.h. falls der Ar­beit­neh­mer kei­ne wei­te­ren Einkünf­te er­ziel­te, steu­er­frei.

Nach der Neu­re­ge­lung, d.h. ab dem 01.04.2003 muß der Ar­beit­ge­ber wei­ter­hin 12 % an die Ren­ten­ver­si­che­rung zah­len, während der Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung ge­ringfügig von 10 % auf 11 % an­ge­ho­ben wur­de. Wie bis­her schon setzt die Pflicht zur Pau­schal­ab­ga­be an die Kran­ken­ver­si­che­rung vor­aus, daß der Ar­beit­neh­mer aus an­de­ren Gründen be­reits Mit­glied der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist, d.h. die Pau­schal­ab­ga­be von 11 % entfällt, wenn der Ar­beit­neh­mer zum Bei­spiel im Haupt­be­ruf Be­am­ter oder Selbständi­ger ist und da­her nicht kran­ken­ver­si­chert oder pri­vat kran­ken­ver­si­chert ist.

An­ders als bis­her kann ab dem 01.04.2003 die Lohn­steu­er (ein­sch­ließlich der Kir­chen­steu­er und des So­li­da­ritäts­zu­schlags) als sog. Pausch­steu­er in Höhe von 2 % ab­geführt wer­den. Da­mit ist die Ge­samt­be­las­tung leicht, nämlich von 22 % auf 25 % ge­stie­gen.

Die­ser Nach­teil wird aber da­durch aus­ge­gli­chen, daß der un­prak­ti­sche Nach­weis der Vor­aus­set­zun­gen für die Steu­er­frei­heit durch Vor­la­ge ei­ner Frei­stel­lungs­be­schei­ni­gung des Fi­nanz­am­tes entfällt.

Nach neu­em Recht kann der Ar­beit­ge­ber die Pausch­steu­er von 2 % nämlich un­ter Ver­zicht auf die Vor­la­ge ei­ner Lohn­steu­er­kar­te er­he­ben, vgl. § 40a Abs.2 EStG (Ein­kom­mens­steu­er­ge­setz) n.F.

Prak­tisch ge­se­hen heißt dies: Der Ar­beit­neh­mer erhält bei ei­nem 400-Eu­ro-Job die ver­ein­bar­ten 400,00 EUR "brut­to = net­to" aus­ge­zahlt. Der Ar­beit­ge­ber sei­ner­seits legt dar­auf noch ein­mal 100,00 EUR (= 25 %) drauf, wo­von 48,00 EUR auf die Ren­ten­ver­si­che­rung, 44,00 EUR an die Kran­ken­ver­si­che­rung und 8,00 EUR als Steu­ern zu zah­len sind.

2.) Bei Zeit­ge­ringfügig­keit bleibt da­ge­gen auch seit dem 01.04.2003 im we­sent­li­chen al­les beim al­ten: Wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne an­de­ren Jobs hat und bis ma­xi­mal 2 Mo­na­te im Jahr "zeit­ge­ringfügig" beschäftigt ist, dann muß der Ar­beit­ge­ber zwar kei­ne Pau­schal­ab­ga­ben zur Ren­ten- und zur Kran­ken­ver­si­che­rung abführen; dies er­gibt sich aus § 172 Abs.3 SGB VI und aus § 249b SGB V, die ei­ne Pflicht zur Abführung von Pau­schalbeiträgen nur für den Fall der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit an­ord­nen. Dafür ist al­ler­dings für die Kurz­frist­beschäfti­gung Lohn­steu­er ab­zuführen, die der Ar­beit­ge­ber, falls die Vor­aus­set­zun­gen von § 40a EStG vor­lie­gen, pau­scha­lie­ren kann, d.h. die Lohn­steu­er kann un­ter Ver­zicht auf die Vor­la­ge ei­ner Lohn­steu­er­kar­te je nach Fall­kon­stel­la­ti­on pau­schal in Höhe von 25 % oder in Höhe von 20 % ab­geführt wer­den.

3.) Bei ge­ringfügi­ger Beschäfti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten wer­den nur 10 % So­zi­al­ab­ga­ben fällig, nämlich 5 % für die Ren­ten­ver­si­che­rung und wei­te­re 5 % für die Kran­ken­ver­si­che­rung. Hin­zu kommt wie bei der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit ei­ne Pausch­steu­er von 2 %, so daß die Be­las­tung mit ins­ge­samt nur 12 % deut­lich ge­rin­ger ist als bei den an­de­ren bei­den For­men der ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung.

Ei­ne wei­te­re Pri­vi­le­gie­rung die­ser Form der Beschäfti­gung be­steht dar­in, daß der Ar­beit­ge­ber ei­nen Teil sei­ner Lohn­kos­ten, nämlich 10 %, ma­xi­mal je­doch 510 EUR pro Jahr von sei­ner persönli­chen Steu­er­schuld (nicht: vom zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men!) ab­set­zen kann.

Von die­sen Re­ge­lun­gen ver­spricht sich der Ge­setz­ge­ber, daß die bis­her zu­meist "schwarz" beschäftig­ten Putz­frau­en, Ba­by­sit­ter und an­de­ren Haus­halts­hil­fen nun­mehr bei der So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­mel­det wer­den. Da aber gar kei­ne Steu­ern und Ab­ga­ben im­mer noch bes­ser sind als die al­ler­ge­rings­ten, dürf­te die­ser Ef­fekt eher un­wahr­schein­lich sein.

Wie wird die Vergütung abgerechnet?

Die oben gann­ten Pau­schal­ab­ga­ben von 12 % an die Ren­ten­ver­si­che­rung und von 11 % an die Kran­ken­ver­si­che­rung (bzw. von je­weils 5 % an die Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung bei Haus­halts-Jobs) und die Pausch­steu­er von 2 % hat der Ar­beit­ge­ber zu tra­gen. Die­se "Abzüge" können al­so vom Lohn nicht ein­be­hal­ten wer­den, son­dern sind vom Ar­beit­ge­ber "drauf­zu­le­gen".

Die So­zi­al­ab­ga­ben ein­sch­ließlich der Pausch­steu­er von 2 % wer­den für al­le ge­ringfügig Beschäftig­ten nach neu­em Recht an die Bun­des­knapp­schaft als dafür zuständi­ge Ein­zugs­stel­le ab­geführt. Die An­schrift lau­tet:

Bun­des­knapp­schaft
Ver­wal­tungs­stel­le Cott­bus
Au­gust-Be­bel-Str. 85
03046 Cott­bus

Tel: 0355/357-0
e-mail: cott­bus@bun­des­knapp­schaft.de
web: www.bun­des­knapp­schaft.de

Wie werden die Sozialabgaben in der Gleitzone berechnet?

Mit der ab dem 01.04.2003 gel­ten­den neu­en Gleit­zo­ne möch­te der Ge­setz­ge­ber er­rei­chen, daß es für die Par­tei­en des Ar­beits­ver­trags kei­nen fi­nan­zi­el­len An­reiz mehr dafür gibt, die Gren­ze von 400 EUR auf Bie­gen und Bre­chen ein­zu­hal­ten, d.h. die Beschäfti­gung bei ei­nem Um­fang von ma­xi­mal 400 EUR auch dann "ein­zu­frie­ren", wenn bei­de Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an sich ei­ne Aus­deh­nung der Beschäfti­gung wünschen.

Der glei­ten­de Über­gang von der ge­rin­gen Be­las­tung mit Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben bei 400-Eu­ro-Jobs zur nor­ma­len Be­las­tung mit Steu­ern und Ab­ga­ben ab ei­nem Ein­kom­men von 800 EUR wird so be­werk­stel­ligt:

Der Ar­beit­ge­ber zahlt den auf ihn ent­fal­len­den An­teil an den ver­schie­de­nen So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen voll, d.h. er zahlt wie je­der Ar­beit­ge­ber 9,75 % für die Ren­ten­ver­si­che­rung, 3,25 % für die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, je nach Kas­se un­gefähr 7 % für die Kran­ken­ver­si­che­rung so­wie schließlich 0,85 % für die Pfle­ge­ver­si­che­rung, d.h. ins­ge­samt 20,85 % und da­mit die Hälf­te der der­zei­ti­gen So­zi­al­ab­ga­ben­quo­te von et­wa 41,70 %. Die auf den Ar­beit­ge­ber ent­fal­len­den So­zi­al­ab­ga­ben wer­den außer­dem ganz nor­mal, d.h. nach dem ver­ein­bar­ten Brut­to­lohn des Ar­beit­neh­mers be­rech­net.

Dem­ge­genüber wird für die Bei­trags­zah­lun­gen des Ar­beit­neh­mers ein künst­lich "her­un­ter­ge­rech­ne­ter" Brut­to­lohn zu­grun­de ge­legt. Die­ser künst­li­che Brut­to­lohn ist am un­te­ren En­de der Gleit­zo­ne er­heb­lich ge­rin­ger als der wirk­li­che Lohn und nähert sich erst am obe­ren En­de der Gleit­zo­ne im­mer mehr dem wirk­li­chen Lohn an. Dar­aus er­gibt sich nach ei­ner im Ge­setz fest­ge­leg­ten Be­rech­nungs­me­tho­de, daß der Ar­beit­neh­mer wie folgt So­zi­al­ab­ga­ben zahlt:

  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 400,01 EUR pro Mo­nat: 4,15 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 450,00 EUR pro Mo­nat: 7,86 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 500,00 EUR pro Mo­nat: 10,83 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 550,00 EUR pro Mo­nat: 13,26 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 600,00 EUR pro Mo­nat: 15,28 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 650,00 EUR pro Mo­nat: 17,00 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 700,00 EUR pro Mo­nat: 18,46 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 750,00 EUR pro Mo­nat: 19,74 % So­zi­al­ab­ga­ben
  • Bei ei­nem Brut­to­lohn von 800,00 EUR pro Mo­nat: 20,85 % So­zi­al­ab­ga­ben

Trotz der ab­ge­senk­ten Bei­trags­last des Ar­beit­neh­mers in der Gleit­zo­ne hat er An­spruch auf al­le Leis­tun­gen der So­zi­al­ver­si­che­rung. Ins­be­son­de­re Geld­leis­tun­gen der ver­schie­de­nen Zwei­ge der So­zi­al­ver­si­che­rung, d.h. Kran­ken­geld und Lohn­er­satz­leis­tun­gen des Ar­beits­am­tes, wer­den nach dem ver­si­cher­ten Brut­to­ein­kom­men be­rech­net. Ei­ne Aus­nah­me gilt nur für die Ren­ten­ver­si­che­rung: Hier er­wirbt der Ar­beit­neh­mer Ent­gelt­punk­te nur auf der Grund­la­ge des "her­un­ter­ge­rech­ne­ten" Brut­to­lohns. Da­her hat er die Möglich­keit, sei­nen Ren­ten­bei­trag zur Ver­mei­dung von Bei­trags­ausfällen frei­wil­lig auf­zu­sto­cken.

Die Be­steue­rung des Ar­beits­ein­kom­mens in der Gleit­zo­ne er­folgt nicht pau­schal, son­dern ganz nor­mal, d.h. auf den Ba­sis des für den Ar­beit­neh­mer maßgeb­li­chen Steu­er­sat­zes. Falls der Ar­beit­neh­mer kei­ne an­de­ren Einkünf­te hat, bleibt das Ar­beits­ein­k­kom­men aber bis zu ei­ner Gren­ze von 603 EUR pro Mo­nat bzw. von 7.236 EUR pro Jahr steu­er­frei.

Auf Aus­zu­bil­den­de sind die Re­geln über die Re­du­zie­rung der So­zi­al­ab­ga­ben in der Gleit­zo­ne (eben­so wie die Vor­schrif­ten über die ge­ringfügi­ge Beschäfti­gung) nicht an­zu­wen­den.

Werden bestehende Verträge zum 01.04.2003 automatisch angepaßt?

Für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die be­reits nach bis­he­ri­gem Recht als ge­ringfügig Beschäftig­te gal­ten, gilt seit dem 01.04.2003 das neue Recht. Das be­deu­tet zum Bei­spiel, daß sich ein be­reits be­ste­hen­der, in Form der Ent­gelt­ge­ringfügig­keit aus­geübter 325-Eu­ro-Job ab April 2003 nach den oben be­schrie­be­nen Re­geln rich­tet.

Wer je­doch am 31.03.2003 ei­nen Ar­beits­ver­trag mit ei­ner Vergütung von mehr als 325 EUR hat­te und ab April 2003 auf­grund der Her­auf­set­zung der Ent­gelt­gren­ze als ge­ringfügig Beschäftig­ter gilt, da er zum Bei­spiel ei­ne Mo­nats­vergütung von 380 EUR be­zieht, bleibt zunächst wie bis­her ver­si­che­rungs­pflich­tigt. Er kann je­doch be­an­tra­gen, von der Ver­si­che­rungs­pflicht be­freit zu wer­den. Die­ser An­trag ist je­weils ge­son­dert für die Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ren­ten­ver­si­che­rung, der Kran­ken­ver­si­che­rung und der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zu stel­len.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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