Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Neue Un­ter­rich­tungs­pflich­ten bei Un­ter­neh­mens­über­nah­men

Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter müs­sen künf­tig über Un­ter­neh­mens­käu­fer in­for­miert wer­den: Ge­setz zur Be­gren­zung der mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken (Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz), vom 18.08.2008, BGBl. I, S.1666

22.09.2008. Das vor kur­zem be­schlos­se­ne "Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz" be­inhal­tet auch ei­ni­ge Än­de­run­gen im Be­reich der wirt­schaft­li­chen Mit­be­stim­mung.

Künf­tig ist der Wirt­schafts­aus­schuss über die Über­nah­me des Un­ter­neh­mens zu in­for­mie­ren, falls mit dem Kauf der "Er­werb der Kon­trol­le" ver­bun­den ist.

Das folgt aus ei­ner neu in das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ein­ge­füg­ten Vor­schrift (§ 106 Abs.3 Nr.9a Be­trVG neue Fas­sung).

Die Ge­set­zes­än­de­rung ist Teil ei­nes um­fas­sen­de­ren Ver­suchs, die mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken zu be­gren­zen: Ge­setz zur Be­gren­zung der mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken (Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz), vom 18.08.2008, BGBl. I, S.1666.

Geht ein Be­trieb oder Be­triebs­teil auf ei­nen neu­en In­ha­ber über, rückt die­ser kraft Ge­set­zes in die Ar­beits­verhält­nis­se als neu­er Ar­beit­ge­ber ein (§ 613a Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch – BGB). Auf­grund des­sen be­steht die Pflicht zur vor­he­ri­gen Un­ter­rich­tung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer (§ 613a Abs.5 BGB). Wird hin­ge­gen das Un­ter­neh­men, al­so zum Bei­spiel ei­ne den Be­trieb führen­de GmbH oder AG, an ei­nen neu­en In­ha­ber veräußert oder er­wirbt ein In­ves­tor Ge­sell­schafts­an­tei­le, ändert sich die Per­son des Ar­beit­ge­bers nicht: Ar­beit­ge­ber ist nach wie vor die­sel­be GmbH bzw. AG, nur dass die­se nun­mehr ei­nen neu­en (Mit-)Ei­gentümer hat.

Bei Un­ter­neh­mensüber­nah­men be­stand bis­lang nur dann die Pflicht zur In­for­ma­ti­on der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bzw. ih­rer be­trieb­li­chen In­ter­es­sen­ver­tre­tung, wenn börsen­no­tier­te Un­ter­neh­men über­nom­men wer­den soll­ten: Gemäß §§ 10, 11 und 14 Abs.4 des Wert­pa­pie­rer­werbs- und Über­nah­me­ge­set­zes (WpÜG) hat der Bie­ter An­ge­bots­un­ter­la­gen zu er­stel­len und zu veröffent­li­chen. Dar­in hat er un­ter an­de­rem An­ga­ben über sei­ne Ab­sich­ten bezüglich der künf­ti­gen Geschäftstätig­keit des zu er­wer­ben­den Un­ter­neh­mens zu ma­chen. Die An­ge­bots­un­ter­la­gen wie­der­um sind dem Be­triebs­rat des zu kau­fen­den Un­ter­neh­mens von des­sen Vor­stand zu über­mit­teln (§ 14 Abs.4 WpÜG).

Da das WpÜG für mit­telständi­sche, nicht börsen­no­tier­te Un­ter­neh­men nicht gilt, hat­ten Be­triebs­rat und Wirt­schafts­aus­schuss bis­lang kein Recht zur In­for­ma­ti­on über ei­nen ge­plan­ten Kauf von An­tei­len an „ih­rem“ Un­ter­neh­men. Le­dig­lich der vollständi­ge Über­gang des ge­sam­ten Un­ter­neh­mens bzw. der Ver­kauf sämt­li­cher An­tei­le wa­ren dem Wirt­schafts­aus­schuss mit­zu­tei­len, da die­ser Vor­gang nach der Recht­spre­chung un­ter die Ge­ne­ral­klau­sel des § 106 Abs.3 Nr.10 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) fällt. Nach § 106 Abs.3 Nr.10 Be­trVG gehören zu den wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, über die der Wirt­schafts­aus­schuss un­ter Vor­la­ge der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen zu in­for­mie­ren ist, „sons­ti­ge Vorgänge und Vor­ha­ben, wel­che die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer des Un­ter­neh­mens we­sent­lich berühren können“.

Mit dem Ziel, die Schlech­ter­stel­lung der Ar­beit­neh­mer nicht börsen­no­tier­ter Un­ter­neh­men ge­genüber börsen­no­tier­ten zu be­sei­ti­gen, hat der Ge­setz­ge­ber mit dem Ge­setz zur Be­gren­zung der mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken (Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz) neue Un­ter­rich­tungs­pflich­ten bei Un­ter­neh­mensüber­nah­men in das Be­trVG ein­gefügt: Gemäß der neu in § 106 Abs.3 Be­trVG ein­gefügten Nr.9a gehört nun­mehr auch „die Über­nah­me des Un­ter­neh­mens“ zu den in­for­ma­ti­ons­pflich­ti­gen wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, dies al­ler­dings nur dann, „wenn hier­mit der Er­werb der Kon­trol­le ver­bun­den ist“.

Steht ein sol­cher Kon­troll­er­werb ins Haus, ha­ben der „Un­ter­neh­mer“ im Sin­ne des § 106 Be­trVG bzw. die Lei­tungs­or­ga­ne des zu kau­fen­den (Ziel-)Un­ter­neh­mens den Wirt­schafts­aus­schuss nach dem eben­falls neu in § 106 Be­trVG ein­gefügten Abs.2 Satz 2 un­ter Vor­la­ge von Un­ter­la­gen (so­weit sol­che vor­han­den sind) über den Er­wer­ber zu in­for­mie­ren so­wie über des­sen „Ab­sich­ten im Hin­blick auf die künf­ti­ge Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens so­wie die sich dar­aus er­ge­ben­den Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beit­neh­mer“ (§ 106 Abs.2 Satz 2 Be­trVG neue Fas­sung). Hier­bei fragt sich al­ler­dings, wie die Lei­tungs­or­ga­ne des zu kau­fen­den Un­ter­neh­mens an In­for­ma­tio­nen über sol­che auf sei­ten des Käufers ge­heg­ten Ab­sich­ten her­an­kom­men sol­len. Ei­ne Rechts­pflicht des Un­ter­neh­menskäufers zur Preis­ga­be sol­cher In­for­ma­tio­nen be­steht bis­lang im All­ge­mei­nen nicht (bzw. nur im An­wen­dungs­be­reich des WpÜG) und wur­de auch durch das Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz nicht ge­schaf­fen.

Sch­ließlich fügt das Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz ei­nen neu­en § 109a in das Be­trVG ein. Nach die­ser Vor­schrift ist in Un­ter­neh­men, in de­nen kein Wirt­schafts­aus­schuss be­steht, im Fal­le ei­nes Un­ter­neh­mens­kaufs bzw. in dem Fall des § 106 Abs.3 Nr.9a Be­trVG der Be­triebs­rat an­stel­le des (nicht be­ste­hen­den) Wirt­schafts­aus­schus­ses zu in­for­mie­ren. Da ein Wirt­schafts­aus­schuss gemäß § 106 Abs.1 Be­trVG in al­len Un­ter­neh­men mit in der Re­gel mehr als ein­hun­dert ständig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern zu bil­den ist, ist der An­wen­dungs­be­reich des neu­en § 109a Be­trVG prak­tisch auf Be­trie­be mit bis zu 100 Ar­beit­neh­mern be­schränkt.

Kri­tisch zu § 109a Be­trVG als Son­der­re­ge­lung für den Un­ter­neh­mens­kauf ist an­zu­mer­ken, dass die hier ge­re­gel­te hilfs­wei­se Zuständig­keit des Be­triebs­rats in Be­trie­ben, in de­nen ein Wirt­schafts­aus­schuss nicht be­steht, nicht gut in das Be­trVG hin­ein­passt, da der Be­triebs­rat bei Nicht­be­ste­hen ei­nes Wirt­schafts­aus­schus­ses in den an­de­ren in § 109 Abs.3 auf­ge­lis­te­ten wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten kei­ne In­for­ma­ti­ons­rech­te hat. Im Er­geb­nis muss der Be­triebs­rat in Be­trie­ben oh­ne Wirt­schafts­aus­schuss zwar über den Kon­troll­er­werb von Un­ter­neh­mens­an­tei­len in­for­miert wer­den, aber zum Bei­spiel nicht über die wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le La­ge des Un­ter­neh­mens (§ 109 Abs.3 Nr.1 Be­trVG) oder über Ra­tio­na­li­sie­rungs­vor­ha­ben (§ 109 Abs.3 Nr.4 Be­trVG).

Das Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz ist in sei­nen we­sent­li­chen Tei­len und ins­be­son­de­re in sei­nen o.g., das Be­trVG be­tref­fen­den Pas­sa­gen am Ta­ge nach sei­ner Verkündung (18.08.2008), d.h. am 19.08.2008 in Kraft ge­tre­ten.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880