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An­walts­ge­büh­ren nur im Er­folgs­fall?

Künf­tig ist es in eng be­grenz­ten Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, den An­walt durch ei­ne Be­tei­li­gung am Er­folg zu be­zah­len: Ge­setz zur Neu­re­ge­lung des Ver­bo­tes der Ver­ein­ba­rung von Er­folgs­ho­no­ra­ren vom 12.06.2008

29.08.2008. Für ame­ri­ka­ni­sche An­wäl­te ist es in be­steimm­ten An­ge­le­gen­hei­ten üb­lich, dass sie an dem wirt­schaft­li­chen Er­folg ih­rer Be­mü­hun­gen be­tei­ligt wer­den.

Nach dem in Deutsch­land gel­ten­den Ge­büh­ren­recht ist ei­ne wirt­schaft­li­che Be­tei­li­gung des An­walts am Ver­fah­rens­er­folg bis­lang ver­bo­ten.

Das Ver­bot ei­ner Er­folgs­be­tei­li­gung gilt al­ler­dings mitt­ler­wei­le nicht mehr oh­ne je­de Aus­nah­me. Denn nach dem in das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz (RVG) ein­ge­füg­ten § 4a sind er­folgs­ab­hän­gi­ge Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen sei seit Ju­li die­ses Jah­res aus­nahms­wei­se zu­läs­sig.

Ob An­wäl­te auf die­ser Grund­la­ge aber auch an ei­ner von ih­nen aus­zu­han­deln­den Ab­fin­dung be­tei­ligt wer­den kön­nen, ist frag­lich: Ge­setz zur Neu­re­ge­lung des Ver­bo­tes der Ver­ein­ba­rung von Er­folgs­ho­no­ra­ren, vom 12.06.2008.

Was hat sich geändert?

Seit ei­ni­gen Wo­chen ist es Anwälten auch in Deutsch­land un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­stat­tet, mit ih­ren Man­dan­ten ein Er­folgs­ho­no­rar zu ver­ein­ba­ren. Die am 01.07.2008 in Kraft ge­tre­te­ne Ände­rung des Rechts­an­walts­vergütungs­ge­set­zes (RVG) bzw. die Einfügung ei­nes neu­en § 4a RVG mar­kiert ei­nen wei­te­ren Schritt hin zur recht­li­chen De­re­gu­lie­rung der An­walts­gebühren.

Zu die­sem hat sich der Ge­setz­ge­ber al­ler­dings nicht ganz frei­wil­lig ent­schlos­sen, hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) doch mit Ur­teil vom 12.12.2006 (1 BvR 2576/04) ent­schie­den, dass das ge­setz­li­che Ver­bot an­walt­li­cher Er­folgs­ho­no­ra­re mit Art.12 Abs.1 Grund­ge­setz (GG) nicht ver­ein­bar ist, wenn es kei­ne Aus­nah­me für den Fall zulässt, dass der Rechts­an­walt mit der Ver­ein­ba­rung ei­ner er­folgs­ba­sier­ten Vergütung be­son­de­ren Umständen in der Per­son des Auf­trag­ge­bers Rech­nung trägt, die die­sen sonst da­von ab­hiel­ten, sei­ne Rech­te zu ver­fol­gen

Haben Anwälte und Auftraggeber ab jetzt freie Hand bei der Vereinbarung von Erfolgshonoraren?

Nein, denn die geänder­te Ge­set­zes­fas­sung hält an dem Ver­bot des Er­folgs­ho­no­rars zwar im Grund­satz fest (§ 49b Abs.2 Satz 1 Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung - BRAO), doch gilt nun­mehr ei­ne ge­setz­li­che, in § 4a RVG ent­hal­te­ne Aus­nah­me. Sie be­sagt, dass ein Er­folgs­ho­no­rar im Sin­ne von § 49b Abs.2 Satz 1 BRAO im Ein­zel- bzw. Aus­nah­me­fall ver­ein­bart wer­den kann, wenn der Auf­trag­ge­ber auf­grund sei­ner wirt­schaft­li­chen Verhält­nis­se bei verständi­ger Be­trach­tung oh­ne die Ver­ein­ba­rung ei­nes Er­folgs­ho­no­rars von der Rechts­ver­fol­gung ab­ge­hal­ten würde.

In ei­nem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren darf da­bei für den Fall des Miss­er­folgs ver­ein­bart wer­den, dass kei­ne oder ei­ne ge­rin­ge­re als die ge­setz­li­che Vergütung zu zah­len ist, wenn für den Er­folgs­fall ein an­ge­mes­se­ner Zu­schlag auf die ge­setz­li­che Vergütung ver­ein­bart wird (§ 4a Abs.1 RVG). Zu­dem schreibt § 4a Abs.2 RVG vor, dass die Ver­ein­ba­rung über ein Er­folgs­ho­no­rar auch die „vor­aus­sicht­li­che ge­setz­li­che Vergütung“ ent­hal­ten muss, so dass der Auf­trag­ge­ber zu ei­nem Ver­gleich zwi­schen der ge­setz­li­chen und der ver­ein­bar­ten er­folgs­abhängi­gen Vergütung in der La­ge ist.

Zu­dem sind wei­te­re For­ma­litäten zu be­ach­ten. So muss die Vergütungs­ver­ein­ba­rung die we­sent­li­chen Gründe ent­hal­ten, die für die Be­mes­sung des Er­folgs­ho­no­rars be­stim­mend sind, so­wie ei­nen Hin­weis dar­auf, dass die Ver­ein­ba­rung kei­nen Ein­fluss auf die vom Auf­trag­ge­ber im ungüns­ti­gen Fall zu zah­len­den Ge­richts­kos­ten, Ver­wal­tungs­kos­ten und zu er­stat­ten­den Kos­ten an­de­rer Be­tei­lig­ter hat.

Wird die Änderung des Vergütungsrechts in der arbeitsrechtlichen Praxis eine Rolle spielen?

§ 4a RVG lässt er­ken­nen, dass der Ge­setz­ge­ber der Ver­ein­ba­rung von Er­folgs­ho­no­ra­ren nach wie vor ab­leh­nend ge­genüber­steht. Den­noch lohnt aus ar­beits­recht­li­cher Sicht ein ge­naue­rer Blick auf die­se Vor­schrift, da Ar­beits­recht­ler häufig (und oh­ne ei­ge­nes Zu­tun!) von ih­ren Man­dan­ten mit dem Vor­schlag der Ver­ein­ba­rung ei­ner Er­folgs­ho­no­rie­rung kon­fron­tiert wer­den.

Ins­be­son­de­re Ar­beit­neh­mer schla­gen nämlich im Zu­sam­men­hang mit der Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ih­rem Rechts­an­walt oft­mals ei­ne Be­tei­li­gung an der vom An­walt aus­zu­han­deln­den Ab­fin­dung vor, ins­be­son­de­re dann, wenn sie an ei­ner wei­te­ren Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses kein In­ter­es­se mehr ha­ben. Dann soll der An­walt von vorn­her­ein nur ei­ne möglichst ho­he Ab­fin­dung „her­aus­schla­gen“ bzw. ein ggf. be­reits vor­lie­gen­des Ab­fin­dungs­an­ge­bot möglichst nach oben trei­ben.

Die in ei­ni­gen Kanz­lei­en übli­che Pra­xis, in sol­chen Fällen ei­ne Streit­wert­ver­ein­ba­rung un­ter Ein­be­zie­hung der ggf. aus­ge­han­del­ten Ab­fin­dung vor­zu­schla­gen, weicht zwar von § 42 Abs.4 Ge­richts­kos­ten­ge­setz (GKG) ab, da die­se Vor­schrift für Strei­tig­kei­ten über Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ein Quar­tals­ge­halt als Streit­werto­ber­gren­ze vor­sieht, doch liegt in die­ser vom GKG her zulässi­gen Ab­wei­chung kein Ver­s­toß ge­gen das Er­folgs­ho­no­rar­ver­bot, so­weit der An­walt nicht primär mit dem Aus­han­deln ei­ner Ab­fin­dung be­auf­tragt wird.

An­ge­sichts der neu­ge­schaf­fe­nen Vor­schrift des § 4a RVG stellt sich die Fra­ge, ob Anwälte nun­mehr auf den Vor­schlag von Ar­beit­neh­mer­man­dan­ten, an ei­ner aus­zu­han­deln­den Ab­fin­dung in ei­nem be­stimm­ten pro­zen­tua­len Um­fang be­tei­ligt zu wer­den, ein­ge­hen könn­ten oder ob ei­ne sol­che Art der Er­folgs­ho­no­rie­rung nach wie vor un­zulässig wäre.

Ge­gen die Zulässig­keit ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung spricht, je­den­falls für den prak­tisch häufigs­ten Fall der außer­ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­hand­lun­gen, zunächst der Wort­laut des § 4a Abs.1 RVG, der die Er­folgs­ho­no­rie­rung nur in Fällen der (ge­richt­li­chen?) „Rechts­ver­fol­gung“ zu er­lau­ben scheint, wo­hin­ge­gen das all­ge­mei­ne Ver­bot der Er­folgs­vergütung in § 49b Abs.2 BRAO je­de „an­walt­li­che Tätig­keit“ er­fasst. Ein sol­ches, en­ges Verständ­nis von § 4a Abs.1 RVG würde aber den Vor­ga­ben des BVerfG nicht ge­recht, das in dem o.g. Ur­teil vom 12.12.2006 (1 BvR 2576/04) ganz all­ge­mein ei­ne von der Ver­fas­sung her ge­bo­te­ne Aus­nah­me­re­ge­lung für jeg­li­che „In­an­spruch­nah­me qua­li­fi­zier­ter an­walt­li­cher Hil­fe“ ge­for­dert hat­te.

Im Übri­gen spricht der Wort­laut des § 4a Abs.1 RVG eher für die Zulässig­keit ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung, würde der Auf­trag­ge­ber doch an­sons­ten von der „Rechts­ver­fol­gung“, d.h. dem Ein­for­dern ei­ner Ab­fin­dung un­ter Ein­schal­tung ei­nes An­walts ab­ge­hal­ten: Da ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für Ab­fin­dungs­for­de­run­gen in den meis­ten Fällen nicht be­steht, wäre der Auf­trag­ge­ber an ei­ner „Rechts­ver­fol­gung“ im Sin­ne des Ge­set­zes be­reits recht­lich ge­hin­dert. Darüber hin­aus ist auch der Streit­wert für ei­ne ju­ris­tisch „in der Luft hängen­den“ Ab­fin­dungs­for­de­rung nur schwer zu er­mit­teln: Soll man hier ei­ne ma­xi­ma­le „Wunsch­vor­stel­lung“ des Ar­beit­neh­mers, den sog. Re­gel­satz oder nur ei­ne Un­ter­gren­ze zu­grun­de le­gen?

An­ge­sichts die­ser Pro­ble­me scheint die Be­auf­tra­gung ei­nes An­walts mit ei­ner von vorn­her­ein und al­lein auf die Ab­fin­dungshöhe be­zo­ge­nen Ziel­vor­ga­be wie ge­schaf­fen für ei­ne Er­folgs­ho­no­rar­ver­ein­ba­rung un­ter Be­zug­nah­me auf § 4a RVG. Ob die Recht­spre­chung der Zi­vil­ge­rich­te dem im Streit­fall auch fol­gen würde, ist al­ler­dings frag­lich.

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Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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