Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Hart­nä­cki­ge Ver­let­zung der An­zei­ge­pflicht kann au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen.

Ar­beit­ge­ber müs­sen krank­heits­be­ding­te Ver­hin­de­run­gen und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er recht­zei­tig er­fah­ren, um Stell­ver­tre­tung or­ga­ni­sie­ren zu kön­nen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 09.02.2009, 5 Sa 926/08

16.04.2009. Ver­letzt ein Ar­beit­neh­mer wie­der­holt und hart­nä­ckig die Pflicht, sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­un­fä­hig­keit an­zu­zei­gen, und hat der Ar­beit­ge­ber die­ses Fehl­ver­hal­ten mehr­fach ab­ge­mahnt, kann ei­ne sol­che Ver­let­zung der An­zei­ge­pflicht ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen.

Die Pflicht, den Ar­beit­ge­ber mög­lichst früh­zei­tig zu Be­ginn des ers­ten Krank­heits­ta­ges über die Krank­heit und ih­re vor­aus­sicht­li­che Dau­er zu in­for­mie­ren, ist zwar nur ei­ne eher un­wich­ti­ge Ne­ben­pflicht aus dem Ar­beits­ver­hält­nis. Trotz­dem muss der Ar­beit­ge­ber na­tür­lich mög­lichst früh wis­sen, wer krank­heits­be­dingt ab­we­send ist, um Er­satz­maß­nah­men tref­fen zu kön­nen.

Da­her kann der Ar­beit­ge­ber in letz­ter Kon­se­quenz auch ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung aus­spre­chen. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln in ei­nem ak­tu­el­len Fall ent­schie­den: LAG Köln, Ur­teil vom 09.02.2009, 5 Sa 926/08.

Kann der Arbeitgeber fristlos kündigen, weil sich der Arbeitnehmer immer wieder verspätet krankmeldet?

Gemäß § 5 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) sind Ar­beit­neh­mer da­zu ver­pflich­tet, dem Ar­beit­ge­ber ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er un­verzüglich mit­zu­tei­len (An­zei­ge­pflicht).

Dau­ert die Ar­beits­unfähig­keit länger als drei Ka­len­der­ta­ge, hat der Ar­beit­neh­mer ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung über das Be­ste­hen der Ar­beits­unfähig­keit so­wie de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er spätes­tens am dar­auf fol­gen­den Ar­beits­tag vor­zu­le­gen (Nach­weis­pflicht).

Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, die Vor­la­ge früher zu ver­lan­gen. Dau­ert die Ar­beits­unfähig­keit länger als in der Be­schei­ni­gung an­ge­ge­ben, muss ei­ne neue Be­schei­ni­gung vor­ge­legt wer­den.

So klar die­ser Grundsätze sind, so oft wer­den sie im Ar­beits­all­tag miss­ach­tet. Da­bei können be­reits ver­ein­zel­te Vorfälle ei­ne Ab­mah­nung und wie­der­hol­te Verstöße so­gar ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen recht­fer­ti­gen.

Sch­ließlich kommt so­gar, spe­zi­ell bei unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mern, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung in Be­tracht. Die Fra­ge ist im Ein­zel­fall, wel­che Re­ak­tio­nen des Ar­beit­ge­bers recht­lich zulässig sind, d.h. ob der Ar­beit­ge­ber ir­gend­wann ein­mal ei­nen Schluss­strich zie­hen darf - und wenn ja, in wel­cher Form.

Ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln hat sich mit die­sen Fra­gen beschäftigt (LAG Köln, Ur­teil vom 09.02.2009, 5 Sa 926/08).

Der Streitfall: Alkoholkranker Justizhelfer missachtet trotz mehrfacher Abmahnungen immer wieder die Pflicht zur pünktliche Krankmeldung

Der als Jus­tiz­hel­fer beim be­klag­ten Land Nord­rhein-West­fa­len seit 1988 beschäftig­te, auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Vor­schrif­ten or­dent­lich unkünd­ba­re Kläger fiel An­fang 2005 ne­ga­tiv auf: Am Mor­gen des 12.02.2005 rief er ge­gen 10:00 Uhr bei ei­ner Kol­le­gin an und teil­te mit, er ha­be ver­schla­fen. Es loh­ne sich nun nicht mehr, zum Dienst an­zu­tre­ten. Ei­ni­ge Ta­ge später leg­te er auch ei­ne bis zum 23.03.2005 aus­ge­stell­te Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung vor.

Nach­dem er sich nach Ab­lauf der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit nicht zur Ar­beit mel­de­te, er­hielt er An­fang April von dem be­klag­ten Land ei­ne ord­nungs­gemäße Ab­mah­nung. Da­nach be­fand sich der Kläger für ein Jahr in ei­ner The­ra­pie zur Be­hand­lung sei­ner Al­ko­hol­sucht, aus der er Mit­te April 2006 als ar­beitsfähig ent­las­sen wur­de. Zum Dienst er­schien er nicht und erklärte auf ent­spre­chen­de Nach­fra­ge An­fang Mai 2006, er fühle sich hier­zu nicht in der La­ge. Dar­auf­hin wur­de der Kläger Mit­te Mai 2006 er-neut ord­nungs­gemäß ab­ge­mahnt.

An­fang Ju­ni 2006 teil­te der Haus­arzt des Klägers dem be­klag­ten Land mit, es be­ste­he wei­ter­hin Ar­beits­unfähig­keit und es sei ei­ne wei­te­re The­ra­pie er­for­der­lich. Kur­ze Zeit später bat der Kläger hand­schrift­lich um Ausfüllung ei­ner Ar­beits­be­schei­ni­gung zwecks Kran­ken­geld­an­spruch so­wie um ei­ne Ko­pie sei­ner Lohn­steu­er­kar­te 2006 und ent­schul­dig­te sich für sein Ver­hal­ten.

Ei­ne wei­te­re The­ra­pie fand bis ein­sch­ließlich 25.01.2007 statt. Vor de­ren Ab­schluss teil­te der Kläger mit, er wer­de sei­nen Dienst im Rah­men ei­ner Wie­der­ein­glie­de­rung am 29.01.2007 wie­der auf­neh­men. Dies ge­schah al­ler­dings nicht. An­fang Fe­bru­ar 2007 mahn­te das be­klag­te Land den Kläger des­halb zum drit­ten Mal ab. Erst da­nach er­hielt es ei­ne Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung für die Zeit bis zum 23.02.2007.

An den dar­auf fol­gen­den Ar­beits­ta­gen, dem 26. und 27. Fe­bru­ar, er­schien der Kläger wie­der­um un­ent­schul­digt nicht zum Dienst.

Dar­auf­hin erklärte das be­klag­te Land nach Anhörung des Per­so­nal­rats die außer­or­dent­li­che Kündi­gung. Sie ging dem Kläger kurz dar­auf, fast auf den Tag ge­nau zwei Jah­re nach sei­ner ers­ten Ab­mah­nung, zu. Da sei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge in ers­ter In­stanz (ArbG Köln, Ur­teil vom 13.02.2008, 3 Ca 2444/07) er­folg­los blieb, leg­te er beim LAG Köln Be­ru­fung ein.

LAG Köln: Arbeitgeber müssen krankheitsbedingte Verhinderungen und deren voraussichtliche Dauer rechtzeitig erfahren, um Stellvertretung organisieren zu können

Das LAG Köln bestätig­te das Ur­teil der Vor­in­stanz in Be­gründung und Er­geb­nis (Ur­teil vom 09.02.2009, 5 Sa 926/08).

In sei­ner Be­gründung setzt sich das LAG zu-nächst mit der Fra­ge aus­ein­an­der, ob die wie­der­hol­te Ver­let­zung der An­zei­ge­pflicht ein "an sich" ge­eig­ne­ter Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist.

Das Ge­richt er­in­nert hier dar­an, dass ein Ar­beit­ge­ber ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an hat, recht­zei­tig die krank­heits­be­ding­te Ver­hin­de­rung und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er mit­ge­teilt zu be­kom­men, um Er­satz für den aus­ge­fal­le­nen Ar­beit­neh­mer ein­pla­nen zu können. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be ent­schie­den (Ur­teil vom 15.01.1986, 7 AZR 128/83), dass selbst die ge­genüber der An­zei­ge­pflicht we­ni­ger wich­ti­ge Nach­weis­pflicht bei er­schwe­ren­den Umständen im Ein­zel­fall ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung recht­fer­ti­gen könne.

Das LAG zieht hier ei­nen Erst-Recht-Schluss: Wenn schon die Ver­let­zung der Nach­weis­pflicht für ei­ne Kündi­gung aus­rei­chen könne, dann müsse dies erst recht für ei­ne Ver­let­zung der - wich­ti­ge­ren - An­zei­ge­pflicht gel­ten.

Das Ver­hal­ten des Klägers sei im übri­gen trotz sei­ner Al­ko­ho­lerkran­kung schuld­haft, be­fand das LAG wei­ter. Er ha­be sei­ne ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten wahr­neh­men können. Dies zei­ge sei­ne auf Mit­te Ju­ni 2006 da­tie­ren­de Ent­schul­di­gung.

Bei der auf ei­ner zwei­ten Stu­fe der recht­li­chen Prüfung er­for­der­li­chen In­ter­es­sen­abwägung berück­sich­tig­te das LAG zwar zu­guns­ten des Klägers des­sen lan­ge Beschäfti­gungs­dau­er. Zu sei­nen Las­ten schlug aber zu Bu­che, dass er trotz mehr­fa­cher Ab­mah­nun­gen, d.h. in hartnäcki­ger Wei­se ge­gen sei­ne An­zei­ge­pflicht ver­s­toßen hat­te.

An die­ser Stel­le ver­nein­te das LAG Köln ei­ne Er­kun­di­gungs­pflicht des be­klag­ten Lan­des. Auch un­ter Be­ach­tung von Fürsor­ge­ge­sichts­punk­ten sei es ge­ra­de der Sinn der Pflicht aus § 5 Abs. 1 EFZG, dass der Ar­beit­neh­mer von sich aus sei­ne krank­heits­be­ding­te Ver­hin­de­rung mit­teilt.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880