Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Kei­ne Kün­di­gung nach nicht ein­schlä­gi­ger Ab­mah­nung

Un­rich­ti­ge und ver­spä­te­te Krank­mel­dung sind nicht das­sel­be: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 18.12.2009, 6 Sa 1239/09

09.02.2010. Ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te or­dent­li­che Kün­di­gung darf in der Re­gel erst er­fol­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer durch ei­ne ein­schlä­gi­ge Ab­mah­nung be­reits vor­ge­warnt war, dass er bei ei­ner Wie­der­ho­lung sei­nes Ver­hal­tens die Kün­di­gung ris­kie­ren wür­de.

Gar nicht so ein­fach zu be­ant­wor­ten ist je­doch die Fra­ge, wann ei­ne Ab­mah­nung "ein­schlä­gig" ist. Da­mit be­fasst sich die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 18.12.2009, 6 Sa 1239/09 .

Verhaltensbedingte Kündigung nur nach "einschlägiger" Abmahnung

Wenn ein Ar­beit­neh­mer in vor­werf­ba­rer Wei­se ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten verstößt, kann der Ar­beit­neh­mer ihm grundsätz­lich ver­hal­tens­be­dingt kündi­gen. Die Kündi­gung dient je­doch nicht der „Ab­stra­fung“ des Fehl­ver­hal­tens son­dern ist nur dann be­rech­tigt, wenn bei ei­ner Pro­gno­se mit ei­ner Fort­set­zung des Fehl­ver­hal­tens zu rech­nen ist und dem Ar­beit­ge­ber des­halb die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht zu­mut­bar ist.

Wann ein der­ar­tig düste­rer Blick in die Zu­kunft ge­recht­fer­tigt ist, hängt von ei­ner Viel­zahl von Fak­to­ren ab. Nor­ma­ler­wei­se ist dies je­den­falls nur dann der Fall, wenn der Ar­beit­neh­mer für ein gleich­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten schon ein­mal ab­ge­mahnt wur­de, er al­so „Wie­der­ho­lungstäter“ ist.

In der Ab­mah­nung wird der Ar­beit­neh­mer nämlich dar­auf hin­ge­wie­sen, wor­in sein Fehl­ver­hal­ten liegt und dass er die­ses in Zu­kunft un­ter­las­sen soll, da ihm an­dern­falls ei­ne Kündi­gung dro­he. Erst wenn ein Ar­beit­neh­mer ei­ne der­ar­ti­ge War­nung igno­riert, muss auch in Zu­kunft mit gleich­ar­ti­gen Verstößen ge­rech­net wer­den, wird übli­cher­wei­se an­ge­nom­men.

Die Warn­funk­ti­on kann sich aber nur auf das ab­ge­mahn­te Fehl­ver­hal­ten be­zie­hen. Mit an­de­ren Wor­ten: Wird der Ar­beit­neh­mer we­gen ei­nes kon­kre­ten Fehl­ver­hal­tens ab­ge­mahnt, kann ihm dies nicht als War­nung die­nen, ein völlig an­de­res Fehl­ver­hal­ten zu un­ter­las­sen. Es zählen al­so nur „ein­schlägi­ge“ Ab­mah­nung bei der Pro­gno­se.

Vor al­lem in der Pra­xis schwer zu be­ur­tei­len ist je­doch die Fra­ge, wann ei­ne Ab­mah­nung „ein­schlägig“ ist, d.h. wann das Ver­hal­ten, auf das die Kündi­gung gestützt wird, als Wie­der­ho­lung schon ab­ge­mahn­ten Ver­hal­tens gel­ten kann. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) for­dert die „ma­te­ri­ell Ver­gleich­bar­keit“ der Pflicht­verstöße. Dass die­ses Merk­mal nicht klar de­fi­niert ist und wie stark es hier­bei auf den kon­kre­ten Fall an­kommt, zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg (Ur­teil vom 18.12.2009, 6 Sa 1239/09).

Der Fall des LAG Berlin-Brandenburg: Abmahnung wegen falsche Angaben bei Krankmeldung - Kündigung wegen verspäteter Krankmeldung

Die kla­gen­de Ar­beit­neh­me­rin war we­gen ei­ner Er­kran­kung nicht zum Dienst er­schie­nen. Dies teil­te sie ih­rem Ar­beit­ge­ber je­doch nicht un­verzüglich, wie es nach § 5 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) er­for­der­lich ist, zu dem vor­ge­se­he­nen Dienst­be­ginn um 07:00 Uhr mit, son­dern erst ge­gen 09:00 Uhr. Dar­auf­hin kündig­te ihr der Ar­beit­ge­ber or­dent­lich ver­hal­tens­be­dingt.

Ein Jahr vor­her hat­te es ei­nen ähn­li­chen Vor­fall ge­ge­ben. Die Ar­beit­neh­me­rin mel­de­te sich mit einstündi­ger Ver­spätung krank und mach­te ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber zu­dem fal­sche An­ga­ben hin­sicht­lich der vor­aus­sicht­li­chen Dau­er ih­rer Ar­beits­unfähig­keit. Die dar­auf­hin von dem Ar­beit­ge­ber er­teil­te Ab­mah­nung be­zog sich al­ler­dings nur auf die „Lüge“ der Ar­beit­neh­me­rin bezüglich der Dau­er ih­rer Ar­beits­unfähig­keit. Die ver­späte­te Krank­mel­dung wur­de dort nicht gerügt.

Die Ar­beit­neh­me­rin er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt (ArbG) Pots­dam.

Das Ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 12.05.2009, 5 Ca 2535/08) gab der Ar­beit­neh­me­rin recht. Die Kündi­gung war sei­ner Auf­fas­sung nach un­wirk­sam, weil in der zu­vor er­teil­ten Ab­mah­nung kein ein­schlägi­ges Fehl­ver­hal­ten ab­ge­mahnt wor­den war. Der Ar­beit­ge­ber leg­te ge­gen das Ur­teil Be­ru­fung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ein.

LAG Berlin-Brandenburg: Abmahnung nicht einschlägig - Kündigung unwirksam

Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg gab eben­falls der Ar­beit­neh­me­rin recht. Die Kündi­gung war auch nach Auf­fas­sung des LAG un­wirk­sam, weil die zu­vor er­teil­te Ab­mah­nung nicht „ein­schlägig“ ge­we­sen war.

Denn in der Ab­mah­nung wur­de nur erwähnt, dass die Ar­beit­neh­me­rin fal­sche An­ga­ben zu der vor­aus­sicht­li­chen Dau­er ih­rer Ar­beits­unfähig­keit ge­macht hat­te. Al­so ist die Ab­mah­nung ge­ra­de nicht ein­schlägig, was die ver­späte­te Krank­mel­dung be­trifft, so das LAG. Das LAG be­tont da­bei, dass im Ge­gen­teil, der Ar­beit­neh­me­rin nicht be­wusst sein konn­te, wie gra­vie­rend die ver­späte­te Krank­mel­dung für den Ar­beit­ge­ber war, wenn die vor­he­ri­ge dem Ar­beit­ge­ber be­kann­te ver­späte­te Krank­mel­dung aus­drück­lich nicht in der Ab­mah­nung erwähnt wur­de.

Fa­zit: Häufig kran­ken Ab­mah­nun­gen dar­an, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer die Feh­ler nicht kon­kret und um­fas­send ge­nug vorhält. Bei ei­ner späte­ren Kündi­gung wird die Ab­mah­nung dann als nicht ein­schlägig oder so­gar als un­wirk­sam ge­wer­tet. Ar­beit­neh­mer pro­fi­tie­ren in der­ar­ti­gen Fällen, wie die Ar­beit­neh­me­rin im vor­lie­gen­den Fall, von der zu nachlässi­gen For­mu­lie­rung in Ab­mah­nun­gen. Dies soll­te aber nicht da­zu ver­lei­ten, die Pflicht zur un­verzügli­chen Krank­mel­dung nicht ernst zu neh­men. Ein wie­der­hol­ter und zu­vor kor­rekt ab­ge­mahn­ter Ver­s­toß ge­gen die­se Pflicht kann den Ar­beit­ge­ber durch­aus zu ei­ner Kündi­gung be­rech­ti­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880