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Kei­ne for­mu­lar­ver­trag­li­che Pflicht zur Rück­zah­lung von Weih­nachts­geld bei be­triebs­be­ding­ter Kün­di­gung

Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gung: Rück­zah­lungs­pflicht von Weih­nachts­geld wirk­sam?: Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen, Ur­teil vom 26.05.2009, 6 Sa 1135/08

17.08.2009. Die Fra­ge ob ei­ne for­mu­lar­ver­trag­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel, die den Ar­beit­neh­mer bei ei­ner ar­beits­ge­ber­sei­tig aus­ge­spro­che­nen be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gung zur Rück­zah­lung des im Vor­jahr er­hal­te­nen Weih­nachts­gel­des ver­pflich­tet, ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs.1, 2 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) dar­stellt und da­mit un­wirk­sam sein könn­te hat­te kürz­lich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Mün­chen zu be­ant­wor­ten.

Frag­lich war, ob ein Ar­beit­neh­mer, der für die Grün­de der Be­en­din­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses zum Jah­res­an­fang nicht ver­ant­wort­lich ist, das er­hal­te­ne Weih­nachts­geld vom Vor­jahr zu­rück­zah­len muss oder be­hal­ten darf: LAG Mün­chen, Ur­teil vom 26.05.2009, 6 Sa 1135/08.

Rückzahlungsklauseln als Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Auf­grund von ar­beits­ver­trag­li­chen Rück­zah­lungs­klau­seln sind Ar­beit­neh­mer da­zu ver­pflich­tet, dem Ar­beit­ge­bers be­stimm­te Zah­lun­gen wie bei­spiels­wei­se ein Weih­nachts­geld zu er­stat­ten, falls das Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nicht mehr be­steht oder vom Ar­beit­neh­mer gekündigt wur­de.

Rück­zah­lungs­klau­seln sind zu­meist sog. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB), da sie vom Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig für ei­ne Viel­zahl von Verträgen aus­ge­ar­bei­tet bzw. „vor­for­mu­liert“ wer­den und der Ar­beit­ge­ber sie dem Ar­beit­neh­mer zur An­nah­me oder Nicht­an­nah­me stellt, aber über Ein­zel­hei­ten nicht ver­han­delt. Als AGB müssen sich for­mu­lar­ver­trag­li­che Rück­zah­lungs­klau­seln ei­ne Rechts­kon­trol­le am Maßstab der §§ 305 ff. Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ge­fal­len las­sen. AGB wer­den nämlich nicht oh­ne wei­te­res in den Ver­trag ein­be­zo­gen und gel­ten auch dann, wenn sie die­se Hürde ge­nom­men ha­ben, nicht oh­ne wei­te­res bzw. dann nicht, wenn sie den Ver­trags­part­ner des AGB-Ver­wen­ders „un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen“ (§ 307 Abs.1, 2 BGB).

In sei­ner Recht­spre­chung der ver­gan­ge­nen Jah­re hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­te for­mu­lar­ver­trag­li­che Rück­zah­lungs­klau­seln oft für un­wirk­sam erklärt. Bis heu­te noch nicht ein­deu­tig ent­schie­den ist je­doch die Fra­ge, ob Ar­beit­neh­mer im We­ge ei­ner Rück­zah­lungs­klau­sel zur Er­stat­tung ei­nes Weih­nachts­gel­des für den Fall der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­pflich­tet wer­den können, wenn nicht et­wa sie, son­dern viel­mehr der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis be­en­det.

Zu die­sem Pro­blem hat sich kürz­lich das LAG München geäußert (Ur­teil vom 26.05.2009, 6 Sa 1135/08).

Der Fall: Aufrechnung der Weihnachtsgratifikation nach betriebsbedingter Kündigung

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war bei ei­nem Ver­lag seit Mit­te 2004 beschäftigt. Ei­ne als AGB an­zu­se­hen­de, vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Ar­beits­ver­trags­klau­sel lau­te­te:

"Die Zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on er­folgt zu­sam­men mit dem No­vem­ber­ge­halt. Vor­aus­set­zung für die Aus­zah­lung ist, dass der/die Mit­ar­bei­terIN am 30.11. des Jah­res in ei­nem un­gekündig­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis steht. Ein Auf­he­bungs­ver­trag steht ei­ner Kündi­gung gleich ... Der/die Mit­ar­bei­terIN ist ver­pflich­tet, die Gra­ti­fi­ka­ti­on zurück­zu­zah­len, wenn das Beschäfti­gungs­verhält­nis bis zum 31.03. des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res durch Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer oder den Ar­beit­ge­ber oder durch Auf­he­bungs­ver­trag en­det. Der Ver­lag ist be­rech­tigt, mit sei­ner Rück­zah­lungs­for­de­rung ge­gen al­le et­wai­gen noch fälli­gen Zah­lungs­ansprüche des Ar­beit­neh­mers auf­zu­rech­nen."

An­fang 2008 kündig­te der Ver­lag das Ar­beits­verhält­nis aus be­triebs­be­ding­ten Gründen zum 29.02.2008 und ver­rech­ne­te das im Jahr 2007 ge­zahl­te Weih­nachts­geld mit der Vergütung für Fe­bru­ar 2008.

Da­ge­gen klag­te der Ar­beit­neh­mer, d.h. er ver­lang­te Zah­lung des ein­be­hal­te­nen Be­stand­teils des Fe­bru­ar­lohns - und ver­lor vor dem Ar­beits­ge­richt München (Ur­teil vom 25.11.2008, 14 Ca 5790/08). Da­ge­gen ging leg­te er Be­ru­fung zum LAG München ein.

LAG München: Keine Rückzahlung von Weihnachtsgeld nach Arbeitgeberkündigung

Das LAG München gab dem Kläger recht und ver­ur­teil­te den Ar­beit­ge­ber zur Zah­lung.

Zur Be­gründung be­zieht sich das LAG die Recht­spre­chung des BAG zu for­mu­lar­ver­trag­li­chen Klau­seln, die den Ar­beit­neh­mer da­zu ver­pflich­ten, vom Ar­beit­ge­ber ge­tra­ge­ne Kos­ten der be­ruf­li­chen Fort­bil­dung im Fall ei­ner vom Ar­beit­neh­mer ver­ur­sach­ten vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zurück­zu­zah­len. Die­se Recht­spre­chung lässt sich nach An­sicht des LAG auf die hier strei­ti­ge Klau­sel über­tra­gen.

Ver­ein­bart der Ar­beit­ge­ber ei­ne Pflicht zur Rück­zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds für den Fall der Ver­trags­be­en­di­gung, will er da­mit für den Ar­beit­neh­mer ei­nen An­reiz schaf­fen, dem Un­ter­neh­men die Treue zu hal­ten. Ähn­lich wie bei Kos­ten für ei­ne be­ruf­li­che Fort- oder Wei­ter­bil­dung "in­ves­tiert" er da­mit in das Ar­beits­verhält­nis. Des­halb ist es nach­voll­zieh­bar, wenn der Ar­beit­ge­ber auf ei­ne Rück­zah­lungs­pflicht dringt, falls sich die­se "In­ves­ti­ti­on" nicht be­zahlt macht.

Be­steht ei­ne Pflicht zur Weih­nacht­geld­er­stat­tung aber auch für den Fall ei­ner vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­nen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung, hat es der Ar­beit­neh­mer nicht in der Hand, durch sein Ver­hal­ten den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zu si­chern und da­mit der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung zu ent­ge­hen. Selbst bei ei­ner be­rech­tig­ten Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers we­gen ei­nes gra­vie­ren­den Fehl­ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers oder bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers muss der Ar­beit­neh­mer das Weih­nachts­geld zurück­zah­len. Dies be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer, so das LAG München, „un­an­ge­mes­sen“ im Sin­ne von § 307 Abs.1, 2 BGB.

Im Er­geb­nis kann man fest­hal­ten: En­det das Ar­beits­verhält­nis zu An­fang des Jah­res aus Gründen, für die der Ar­beit­neh­mer nicht ver­ant­wort­lich ist, muss er ein im Vor­jahr be­reits er­hal­te­nes Weih­nachts­geld nicht zurück­zah­len bzw. darf es be­hal­ten. Ei­ne dem ent­ge­gen­ste­hen­de for­mu­lar­ver­trag­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel ist recht­lich un­wirk­sam.

Ob auch das BAG die­ser Mei­nung, ist ab­zu­war­ten. Mögli­cher­wei­se wird sich die­ses mit dem Fall be­fas­sen müssen. Das LAG München je­den­falls hat we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der strei­ti­gen Rechts­fra­gen die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen.

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Letzte Überarbeitung: 22. Januar 2014

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