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KiK will sein Image ver­bes­sern

KiK - Ein Tex­til­dis­coun­ter sen­det "Si­gna­le": Pres­se­mit­tei­lung vom 23.08.2010
07.09.2010. Das Un­ter­neh­men KiK ("Kun­de ist Kö­nig") hat­te es nicht leicht in den letz­ten Jah­ren. Sein be­mer­kens­wer­ter wirt­schaft­li­cher Er­folg mit Bil­lig­wa­re wur­de über­schat­tet durch ei­ne Rei­he von Skan­da­len.

So be­rich­te­te das öf­fent­lich-recht­li­che Fern­se­hen über die Ket­te un­ter dem rei­ße­ri­schen Ti­tel "Die Kik-Sto­ry - die mie­sen Me­tho­den des Tex­til­dis­coun­ters", der in der Sa­che lei­der be­rech­tigt ist. Bei­spiels­wei­se spio­nier­te die Ge­sell­schaft mit Sitz in Bö­nen of­fen­bar jah­re­lang die wirt­schaft­li­che La­ge sei­ner Mit­ar­bei­ter aus.

Da­bei hat KiK teil­wei­se durch­aus selbst An­teil an et­wai­gen fi­nan­zi­el­len Pro­ble­men sei­ner Be­schäf­tig­ten, da je­den­falls in ein­zel­nen Fäl­len nur sit­ten­wid­rig nied­ri­ge Löh­ne ge­zahlt wur­den. Aus die­sen und an­de­ren Grün­den steht der Dis­coun­ter ge­ra­de nicht sehr hoch in der öf­fent­li­chen Mei­nung und möch­te dies nun mit ei­nem "Stra­te­gie­wech­sel" än­dern.

KiK hat ein Imageproblem

Der Tex­til­dis­coun­ter KiK ex­pan­diert ag­gres­siv. Seit er 1994 als Teil der Ten­gel­mann Grup­pe ge­gründet wur­de, kom­men jähr­lich hun­der­te Fi­lia­len hin­zu. Al­lein in Deutsch­land be­treibt das Un­ter­neh­men mitt­ler­wei­le rund 2.300 Geschäfte und beschäftigt et­wa 15.000 Ar­beit­neh­mer. Ähn­lich wie in an­de­ren Ein­zel­han­dels­ket­ten (z.B. Schle­cker, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/055: Schle­ckers Vor­ge­hen in der Kri­tik) kom­men da­bei teil­wei­se äußerst grenz­wer­ti­ge Me­tho­den zum Ein­satz.

Be­reits im letz­ten Jahr wur­de be­kannt, dass KiK ("Kun­de ist König") meh­re­re Jah­re lang sys­te­ma­tisch die Vermögens­verhält­nis­se sei­ner Mit­ar­bei­ter über­prüfte. Über 49.000 An­fra­gen wur­den an die Wirt­schafts­aus­kunf­tei Credit­re­form ge­stellt. Die­se breit an­ge­leg­te Un­ter­su­chung führ­te zu ei­nem straf­recht­li­chen Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, wel­ches je­doch aus Man­gel an Be­wei­sen für ei­ne Schädi­gungs­ab­sicht ein­ge­stellt wur­de. Durch ei­nen Be­richt des ARD-Ma­ga­zins Pan­ora­ma sind je­doch kürz­lich neue Hin­wei­se auf­ge­taucht. Der ehe­ma­li­ge KiK-Be­zirks­lei­ter Gui­do Ha­gel­ste­de be­rich­te­te, dass Beschäftig­te, die bei­spiels­wei­se durch ei­nen Of­fen­ba­rungs­eid ne­ga­tiv auf­fie­len, ih­ren Ar­beits­platz ver­lo­ren. Ne­ben Pro­be­zeitkündi­gun­gen und dem Aus­lau­fen­las­sen von be­fris­te­ten Verträgen wur­de da­bei au­gen­schein­lich auch ge­zielt Vorwände für die Kündi­gung von Mit­ar­bei­tern mit Kündi­gungs­schutz ge­sucht.

Auch die Ar­beits­be­din­gun­gen bei KiK sind skan­dalträch­tig. Nach Be­rich­ten von Spie­gel und Pana­ro­ma wer­den die bil­li­gen Pro­duk­te un­ter an­de­rem in Ban­gla­desch teil­wei­se von Kin­dern un­ter unwürdi­gen Be­din­gun­gen für et­wa 25 EUR pro Mo­nat her­ge­stellt. Die deut­schen Ar­beits­verhält­nis­se von KiK-Mit­ar­bei­tern sind da­mit zwar nicht ver­gleich­bar, aber auch sie ha­ben mit Über­wa­chung, Druck und nied­ri­gen Löhnen zu kämp­fen. Ex­em­pla­risch zeigt sich das an zwei Ur­tei­len des Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes (LAG) Hamm (West­fa­len), in de­nen im März letz­ten Jah­res zwei Verkäufe­r­in­nen / Pa­cke­rin­nen jah­re­lang le­dig­lich 5,20 Eu­ro St­un­den­lohn ge­zahlt wur­de. Das LAG stuf­te das Ent­gelt als sit­ten­wid­rig ein (LAG Hamm, Ur­tei­le vom 18.03.2009, 6 Sa 1284/08 und 6 Sa 1372/08).

Strategiewechsel bei KiK?

KiK ist sich eben­so wie an­de­re Dis­coun­ter der zu­neh­mend ab­leh­nen­den öffent­li­chen Hal­tung ge­genüber sol­chen Geschäfts­prak­ti­ken durch­aus be­wusst. Die Stra­te­gie der Ver­gan­gen­heit, durch Ge­heim­hal­tung und Un­ter­las­sungs­verfügun­gen die Si­tua­ti­on tot­zu­schwei­gen, ist nicht mehr prak­ti­ka­bel. Die Lösung des Pro­blems ist da­bei eben­so ein­fach, wie schmerz­haft: Mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on und mehr Geld.

Ganz in die­sem Sin­ne führ­te KiK An­fang Au­gust das Geschäftsführer-Res­sort "Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on, Qua­litäts­si­che­rung und CSR" ein. En­de Au­gust folgt dann der zwei­te Streich: Das Un­ter­neh­men teil­te mit, ab 01.10.2010 al­len Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen min­des­tens 7,50 EUR St­un­den­lohn zu zah­len. Dies wir­ke sich in ers­ter Li­nie für Aus­hilfs­kräfte in struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen po­si­tiv aus und sei der ers­te kon­kre­te Schritt des "lang­fris­tig ge­plan­ten Stra­te­gie­wech­sels", mit dem "ein Si­gnal" ge­setzt wer­den sol­le.

Ver.di re­agier­te zu Recht ver­hal­ten auf die­se Ankündi­gung, wies auf die nach wie vor nicht be­ste­hen­de Ta­rif­bin­dung hin und kündig­te an, dar­auf zu ach­ten, dass die Loh­nerhöhung auch tatsächlich ein­ge­hal­ten wer­de.

Der Han­dels­ver­band Deutsch­lands (HDE) re­agier­te eben­falls zurück­hal­tend. Haupt­geschäftsführer Ste­fan Genth sprach von ei­nem rich­ti­gen Schritt. Das von dem Tex­til­dis­coun­ter ge­plan­te Min­des­tent­gelt von 7,50 EUR ori­en­tie­re sich an der in den Ta­rif­verträgen des Ein­zel­han­dels ge­re­gel­ten Lohn­un­ter­gren­ze der un­ters­ten Ta­rif­grup­pe.

In der Tat kann es nur ein An­fang sein, künf­tig kei­ne sit­ten­wid­ri­gen Ent­gel­te mehr zu zah­len. Es bleibt zu hof­fen, dass der an­gekündig­te Stra­te­gie­wech­sel end­lich auch ei­ne ef­fek­ti­ve­re Kon­trol­le der Ar­beits­be­din­gun­gen bei den asia­ti­schen Zu­lie­fe­rern, die Ach­tung der Ar­beit­neh­mer und ih­rer Da­ten­schutz­rech­te so­wie die Förde­rung von Be­triebsräten um­fasst.

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Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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