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(K)ei­ne Be­en­di­gung des un­be­merkt vom Ar­beit­ge­ber ru­hen­den Ar­beits­ver­hält­nis­ses

Zwei Ar­beits­ver­hält­nis­se nach ver­wei­ger­ter Un­ter­schrift un­ter drei­sei­ti­gen Auf­he­bungs­ver­trag: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, 05.10.2010, 2 Sa 136/10
26.11.2010. Ar­beits­ver­hält­nis­se kön­nen auf ver­schie­de­ne Wei­se en­den, wo­bei ne­ben ei­ner ar­beit­ge­ber- oder ar­beit­neh­mer­sei­ti­gen Kün­di­gung ein Auf­he­bungs­ver­trag prak­tisch am häu­figs­ten ist. Auch Be­fris­tun­gen sind all­ge­mein be­kannt und ge­bräuch­lich.

Hin­zu kom­men ei­ni­ge exo­ti­sche­re Va­ri­an­ten der Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses wie bei­spiels­wei­se die An­fech­tung des Ar­beits­ver­tra­ges we­gen Irr­tum, Täu­schung oder Dro­hung (§§ 142, 123, 119 BGB). Sie spie­len in der täg­li­chen Pra­xis aber so gut wie kei­ne Rol­le. Ist kein Be­en­di­gungs­tat­be­stand ge­ge­ben bzw. ver­ein­bart, be­steht das Ar­beits­ver­hält­nis grund­sätz­lich un­be­grenzt wei­ter.

Al­len­falls wä­re noch denk­bar, dass sich ein Ar­beit­neh­mer auf ein lan­ge Zeit "un­ge­nut­zes" Ar­beits­ver­hält­nis nicht mehr be­ru­fen darf. Die­se so ge­nann­te Ver­wir­kung ist ein all­ge­mei­ner Rechts­grund­satz, der das Ver­trau­en des Ver­trags­part­ners schüt­zen soll. Wer sei­ne Rech­te län­ge­re Zeit nicht gel­tend macht (Zeit­mo­ment) und den Ein­druck er­weckt hat, sein Recht auch nicht mehr gel­tend ma­chen zu wol­len (Um­stands­mo­ment) ver­liert da­durch das Recht selbst.

In ei­nem kürz­lich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein ver­han­del­ten Fall war das Ge­richt ge­zwun­gen, sich mit die­sen ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten der Ver­trags­be­en­di­gung aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Ein Fern­mel­de­tech­ni­ker war für ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) be­reits seit 30 Jah­ren tä­tig, als im Rah­men ei­ner Ra­tio­na­li­sie­rungs­maß­nah­me auf das Ar­beits­ver­hält­nis ein Ta­rif­ver­trag "Ra­tio­na­li­sie­rungs­schutz und Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung (TV Ra­tio)" an­ge­wen­det wur­de. Im We­sent­li­chen war dar­in ge­re­gelt, dass sich der Ar­beit­neh­mer an ei­nen an­de­ren zu­mut­ba­ren Ar­beits­platz wei­ter­rei­chen las­sen muss.

Auf die­ser Ba­sis ver­mit­tel­te die AG den Tech­ni­ker an ei­ne Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG), bei der er ab An­fang 2005 tä­tig war. Zu­gleich bo­ten ihm die AG und die KG ei­nen drei­sei­ti­gen (Auf­he­bungs-)Ver­trag an, mit dem das al­te Ar­beits­ver­hält­nis be­en­det und das neue be­grün­det wer­den soll­te. Doch der Tech­ni­ker un­ter­zeich­ne­te nicht. Ein hal­bes Jahr spä­ter dank­te ihm sein ehe­ma­li­ger Ar­beit­ge­ber für sei­ne "bis­he­ri­ge Tä­tig­keit" und teilt mit, die­se ha­be "ihr En­de ge­fun­den".

Als in der KG vier Jah­re spä­ter die Ar­beit knapp wur­de, woll­te der Fern­mel­de­tech­ni­ker ge­richt­lich fest­ge­stellt wis­sen, dass sein al­tes Ar­beits­ver­hält­nis noch be­steht. Da­mit hat­te er so­wohl vor dem Ar­beits­ge­richt Flens­burg (Ur­teil vom 15.01.2010, 1 Ca 1212/08) als auch vor dem LAG Schles­wig-Hol­stein (Ur­teil vom 05.10.2010, 2 Sa 136/10) Er­folg. We­der lag ei­ne Kün­di­gung noch ein Auf­he­bungs­ver­trag vor. Da­für fehl­te es je­den­falls an der zwin­gend ein­zu­hal­ten­den Schrift­form (§ 623 BGB).

Das Schrei­ben der AG hat­te das Ar­beits­ver­hält­nis eben­falls nicht be­en­det, da das Ge­richt ei­nen ent­spre­chen­den Wil­len des­sen Wort­laut nicht ent­neh­men konn­te. Es han­del­te sich nur um ein recht­lich un­be­deu­ten­des Dan­kes­schrei­ben.

Selbst Ver­wir­kung schloss das LAG aus. Der Ar­beit­neh­mer hat­te näm­lich kei­ner­lei Um­stän­de ge­schaf­fen, auf die der Ar­beit­ge­ber ver­trau­en durf­te. Die ein­deu­ti­ge Ab­leh­nung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges hät­te ihm so­weit War­nung ge­nug sein müs­sen. Der Fern­mel­de­tech­ni­ker durf­te sich da­her auf das Fort­be­ste­hen des Ar­beits­ver­hält­nis­ses be­ru­fen.

Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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