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Ar­beit­neh­mer­über­las­sung zu Un­ter­richts­ver­tre­tung durch ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ein rechts­wid­rig?

BAG zieht bei Ar­beit­neh­mer­über­las­sung Rechts­si­cher­heit der Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit vor: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 02.06.2010, 7 AZR 946/08

22.11.2010. Ge­mäß § 1 Abs. 1 Satz 1 Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz (AÜG) brau­chen Ar­beit­ge­ber ei­ne Er­laub­nis, wenn sie ge­werbs­mä­ßig als Ver­lei­her tä­tig sein und Ent­lei­hern zur Ar­beits­leis­tung Leih­ar­beit­neh­mer über­las­sen wol­len.

Wenn die­se Er­laub­nis fehlt, ist der Ar­beits­ver­trag zwi­schen Ver­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer un­wirk­sam (§ 9 Nr. 1 AÜG). Dann gilt kraft Ge­set­zes ein Ar­beits­ver­hält­nis zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer als zu­stan­de ge­kom­men, das mit dem vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt der Über­las­sung be­ginnt (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 AÜG).

Die Fra­ge, ob ein Ver­lei­her ge­werbs­mä­ßig han­delt oder nicht, kann da­mit ent­schei­dend für die Fra­ge sein, wer nun tat­säch­lich der "rich­ti­ge" Ar­beit­ge­ber ist. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ist ge­werbs­mä­ßig je­de nicht nur ge­le­gent­li­che, son­dern auf ei­ne ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­te und auf die Er­zie­lung un­mit­tel­ba­rer oder mit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le ge­rich­te­te selbst­stän­di­ge Tä­tig­keit. Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um sei, so das BAG, die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht.

Da Leih­ar­beit be­stimm­te Miss­brauchs­ge­fah­ren birgt (so auch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/199: Ge­set­zes­ent­wurf des BMAS zur Leih­ar­beit), er­wo­gen das Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven (Ur­teil vom 19.04.2007, 9 Ca 9381/06) und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men (Ur­teil vom 11.06.2008, 2 Ca 111/07) die Ge­werbs­mä­ßig­keit an­ders zu be­stim­men.

Es sei ei­ne wer­ten­de Be­trach­tung al­ler Um­stän­de des Ein­zel­falls er­for­der­lich. Da­mit soll Ge­stal­tungs­miss­brauch aus­ge­schlos­sen und si­cher­ge­stellt wer­den, dass nur die­je­ni­gen For­men der Ar­beit­neh­mer­über­las­sung nicht ge­neh­mi­gungs­pflich­tig sind, die un­ter Be­rück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen­la­ge al­ler Be­tei­lig­ten die­ser Er­leich­te­rung be­dür­fen.

In dem zu Grun­de lie­gen­den Fall wur­de ei­ne Leh­re­rin von ei­nem ein­ge­tra­ge­nen, als ge­mein­nüt­zig an­er­kann­ten Ver­ein an ei­ne Schu­le zum Selbst­kos­ten­preis über­las­sen. Das mit dem Fall be­fass­te Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Bre­men mein­te, dar­in lä­ge ei­ne ob­jek­tiv funk­ti­ons­wid­ri­ge Um­ge­hung von ta­rif­li­chen und ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten, die ih­rem Schutz die­nen sol­len (LAG Bre­men, Ur­teil vom 11.06.2008, 2 Sa 111/07). Zu­dem ver­sto­ße die­se Art von Aus­la­ge­rung öf­fent­li­cher Äm­ter je­den­falls im Kern­be­reich schu­li­scher Auf­ga­ben ge­gen Ver­fas­sungs- und Lan­des­schul­recht. Da­her sei zwi­schen der Leh­re­rin und der Schu­le ein Ar­beits­ver­hält­nis zu­stan­de ge­kom­men.

Trotz die­ser Über­le­gun­gen blieb das BAG bei sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung (Ur­teil vom 02.06.2010, 7 AZR 946/08). Die (zu­sätz­li­che) Be­rück­sich­ti­gung al­ler Um­stän­de des Ein­zel­falls kön­ne näm­lich an­sons­ten "zu kaum noch hand­hab­ba­ren Ab­gren­zungs­schwie­rig­kei­ten und Rechts­un­si­cher­hei­ten füh­ren".

Das BAG lehnt es auch ab, § 10 Ab­satz 1 Satz 1 Halb­satz 1 AÜG auf Fäl­le wie den vor­lie­gen­den ent­spre­chend (ana­log) an­zu­wen­den. Denn da­zu bräuch­te es ei­ne "plan­wid­ri­ge Re­ge­lungs­lü­cke" im Ge­setz, die aber hier nicht ge­ge­ben ist.

Im Üb­ri­gen hielt das BAG die Ver­trags­ge­stal­tung im Streit­fall auch nicht für rechts­miss­bräuch­lich. Den Bre­mer lan­des­recht­li­chen Be­stim­mun­gen kom­me "kein ar­beit­neh­mer­be­zo­ge­ner Schutz­zweck da­hin ge­hend zu, dass bei ei­nem Fremd­per­so­nal­ein­satz in den Schu­len der Stadt­ge­mein­de Bre­men ein Ar­beits­ver­hält­nis mit der Schu­le, d.h. dem Ent­lei­her, zu fin­gie­ren wä­re". Ein ent­spre­chen­der Ein­griff in die Ver­trags­frei­heit müs­se hin­rei­chend deut­lich im Ge­setz Aus­druck fin­den. Dies sei bei den hier in Re­de ste­hen­den Vor­schrif­ten nicht der Fall.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 4. Dezember 2014

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