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Ver­spä­tun­gen auf­grund des Streiks der Lok­füh­rer

Wel­che ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen ha­ben un­pünkt­li­che Ar­beit­neh­mer zu be­fürch­ten?: Der Ar­beit­ge­ber kann in der Re­gel kei­ne Ab­mah­nung oder gar ei­ne Kün­di­gung aus­spre­chen, aber er kann den Lohn kür­zen

24.08.2007. Die Ge­werk­schaft Deut­scher Lok­füh­rer (GDL) und die Deut­sche Bahn AG ei­nig­ten sich am 10.08.2007 vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg auf ei­ne vor­läu­fi­ge Aus­set­zung von Maß­nah­men des Ar­beits­kamp­fes bis En­de Au­gust. Die Lok­füh­rer wer­den da­her zu­min­dest bis Mon­tag, den 27.08.2007 nicht mehr strei­ken.

Zu­vor hat­ten al­ler­dings bei ei­ner Ur­ab­stim­mung in­ner­halb der GDL 95,8 Pro­zent der Ge­werk­schafts­mit­glie­der für ei­nen Streik aus­ge­spro­chen. Soll­ten die der­zei­ti­gen Ei­ni­gungs­be­mü­hun­gen un­ter Ver­mitt­lung durch Kurt Bie­den­kopf und Hei­ner Geiß­ler kei­nen Er­folg ha­ben, könn­ten strei­ken­de Lok­füh­rer­streik in den nächs­ten Wo­chen man­chen Fahr­plan durch­ein­an­der wir­beln.

Es fragt sich da­her, wel­che ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen un­pünkt­li­che Ar­beit­neh­mer zu be­fürch­ten ha­ben, wenn sie auf­grund von Streik­maß­nah­men der Lok­füh­rer nicht pünkt­lich bei der Ar­beit er­schei­nen

Da das sog. „We­ge­ri­si­ko“ beim Ar­beit­neh­mer liegt, muss der Ar­beit­ge­ber die durch an­fahrts­be­ding­te Pro­ble­me aus­ge­fal­le­ne Ar­beits­zeit nicht et­wa be­zah­len (wie im Fal­le von Ur­laub oder Krank­heit), son­dern kann die Ver­gü­tung an­tei­lig für die Dau­er des Ar­beits­aus­falls kür­zen. Es ist ar­beits­recht­lich al­lein das Pro­blem des Ar­beit­neh­mers, ob und wie er es schafft, pünkt­lich bei der Ar­beit zu er­schei­nen. Ei­nen Scha­den­er­satz für den Ar­beits- bzw. Ver­dienst­aus­fall schul­den die Deut­sche Bahn AG und ih­re Toch­ter­ge­sell­schaf­ten nicht, ab­ge­se­hen von den bis­her schon all­ge­mein zu­ge­stan­de­nen fi­nan­zi­el­len „Zü­cker­chen“ für gra­vie­ren­de Ver­spä­tun­gen.

Muss ein Ar­beit­neh­mer da­her da­mit rech­nen, dass er auf­grund des Aus­falls von Zug­ver­bin­dun­gen für er­heb­li­che Tei­le des Ar­beits­ta­ges nicht bei der Ar­beit er­schei­nen kann, und ist dem Ar­beit­ge­ber der bü­ro­kra­ti­sche Auf­wand für ei­ne Be­rech­nung der sich dar­aus er­ge­ben­den Lohn­kür­zung nicht zu hoch, dann droht ein ef­fek­ti­ver Ver­dienst­aus­fall für die streik­be­ding­ten Ar­beits­aus­fall­zei­ten. Der ein­fachs­te Weg, Lohn­kür­zun­gen zu ver­mei­den, ist im üb­ri­gen na­tür­lich das Nach­ar­bei­ten der aus­ge­fal­le­nen Zei­ten

Zwei­tens fragt sich, ob der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer we­gen streik­be­ding­ter Ver­spä­tun­gen kün­di­gen oder ab­mah­nen kann. Die­se Fra­ge ist im Re­gel­fall zu ver­nei­nen.

Da der Ar­beit­neh­mer näm­lich zu­meist nicht wis­sen kann, ob die von ihm ins Au­ge ge­fass­te Zug­ver­bin­dung streik­be­dingt aus­fal­len wird oder nicht, ist er in al­ler Re­gel von dem Aus­fall eben­so über­rascht wie sein Ar­beit­ge­ber. Für Ab­mah­nun­gen oder Kün­di­gun­gen ist dann kein Raum.

Zwar setzt ei­ne Ab­mah­nung nach der Recht­spre­chung (an­ders als ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung) kein Ver­schul­den vor­aus, doch ist es ei­ne über­mä­ßi­ge Re­ak­ti­on, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne streik­be­ding­te Ver­spä­tung zum An­lass für ei­ne Ab­mah­nung nimmt.

An­ders ist die Sa­che na­tür­lich, wenn der Ar­beit­neh­mer auf­grund von Mel­dun­gen in den Me­di­en schon weiß, dass „sei­ne Zug­ver­bin­dung“ am nächs­ten Tag aus­fal­len wird. Dann wird der Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen kön­nen, dass der Ar­beit­neh­mer al­ter­na­ti­ve Fahrt­mög­lich­kei­ten nutzt. Tut er dies nicht, kann ihm die Ver­spä­tung als Ver­trags­ver­let­zung in Form ei­ner Ab­mah­nung vor­ge­hal­ten wer­den

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Letzte Überarbeitung: 6. Januar 2014

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