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Ma­na­ger­ge­häl­ter und Bun­des­tags­wahl 2009

Be­gren­zung der Ma­na­ger­ge­häl­ter: Viel Dampf um we­nig Bra­ten?
Taschenrechner auf Geldscheinen

10.09.2009. Ge­häl­ter und Ab­fin­dun­gen für Top­ma­na­ger sind seit der „Fi­nanz­kri­se“ ein The­ma, das die Öf­fent­lich­keit in­ter­es­siert und des­halb auch Ein­gang in den Wahl­kampf ge­fun­den hat. Als ei­ne - an­geb­lich we­sent­li­che - Ur­sa­che der Re­zes­si­on der ver­gan­ge­nen Quar­ta­le wird das durch fal­sche Ge­halts­an­rei­ze sti­mu­lier­te ris­kan­te Ver­hal­ten von Bank­vor­stän­den an­ge­se­hen. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass durch Fehl­ent­schei­dun­gen von Ma­na­gern in Be­dräng­nis ge­ra­te­ne Ban­ken durch staat­li­che Hil­fen ge­ret­tet wer­den, lö­sen ex­or­bi­tant ho­he Ma­na­ger­ge­häl­ter und Bo­ni­fi­ka­tio­nen im sechs- oder sie­ben­stel­li­gen Be­reich, die trotz die­ser Fehl­ent­schei­dun­gen ge­zahlt wer­den, viel­fach Em­pö­rung aus. Kein Wun­der, dass Re­form­vor­schlä­ge oft po­pu­lis­tisch da­her­kom­men und we­nig durch­dacht sind.

Vor kur­zem erst, am 18.06.2009, ver­ab­schie­de­te der Bun­des­tag das „Ge­setz zur An­ge­mes­sen­heit der Vor­stands­vergütung (Vors­tAG)“, das durch verstärk­te Rech­te von Auf­sichtsräten „an­ge­mes­se­ne Gehälter“ für Ma­na­ger gewähr­leis­ten soll und zu­dem die persönli­che Haf­tung von Ma­na­gern für Fehl­ent­schei­dun­gen re­gelt (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/116). Da­mit ist das The­ma je­doch an­schei­nend noch lan­ge nicht vom Tisch.

Die Par­tei­en bemängeln nämlich wei­ter­hin einmütig „viel zu ho­he“ Gehälter und Ab­fin­dun­gen für Ma­na­ger und kri­ti­sie­ren, dass Bo­ni­fi­ka­tio­nen nicht aus­rei­chend an den lang­fris­ti­gen Er­folg ge­knüpft wer­den.

Im Wahl­pro­gramm der CDU fin­den sich hier­zu al­ler­dings nur va­ge bzw. „grundsätz­li­che“ Aus­sa­gen. Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit dürfe nicht mit schwin­del­er­re­gen­den Sum­men be­lohnt wer­den, es sei ei­ne in­ter­na­tio­na­le Wirt­schafts­ord­nung er­for­der­lich, die von Ver­ant­wor­tungs­be­wußtsein ge­tra­gen wer­de und sich am Bild des „ehr­ba­ren Kauf­manns“ ori­en­tie­re (Wir ha­ben die Kraft. Ge­mein­sam für un­ser Land. Re­gie­rungs­pro­gramm 2009 - 2013).

Bei ei­nem Tref­fen der G20-Staa­ten, in de­nen über das The­ma der Ma­na­ger­bo­ni eben­falls dis­ku­tiert wur­de, trat Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel für ei­ne Be­gren­zung von Bo­nus­zah­lun­gen ein. Sie dürf­ten erst nach dau­er­haf­ten Er­fol­gen ge­zahlt wer­den, es dürfe kei­ne Bo­nus­sys­te­me ge­ben, die kurz­fris­ti­ge Er­fol­ge be­lohn­ten und lang­fris­ti­ge Ri­si­ken außer Acht ließen. Es müsse hierfür je­doch ei­ne in­ter­na­tio­na­le Lösung ge­fun­den wer­den, um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zu ver­hin­dern (RP On­line, 30.08.2009).

Die SPD äußert sich in ih­rem Wahl­pro­gramm de­tail­lier­ter. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Vergütung von Ma­na­gern soll da­durch si­cher­ge­stellt wer­den, dass sie ober­halb von ei­ner Mil­li­on Eu­ro nur zur Hälf­te steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den kann. Er­folgs­abhängi­ge Bo­ni sol­len mehrjähri­ge Be­zugs­zeiträume ha­ben und erst am En­de die­ser Pe­ri­ode aus­ge­zahlt wer­den (So­zi­al und de­mo­kra­tisch. An­pa­cken. Für Deutsch­land. Das Re­gie­rungs­pro­gramm der SPD). 

Die For­de­run­gen der FDP ähneln hin­ge­gen de­nen der CDU und sind dem­ent­spre­chend va­ge ge­hal­ten: Wer als Ma­na­ger im Fi­nanz­markt ver­ant­wort­lich Ri­si­ken ein­ge­gan­gen ist, soll zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den und persönlich fi­nan­zi­ell die Kon­se­quen­zen tra­gen. Dies soll über ei­nen (veränder­ten) Ver­hal­tens­ko­dex er­fol­gen (Die Mit­te stärken. Deutsch­land­pro­gramm 2009). Die Ak­ti­onäre sol­len künf­tig mehr Rech­te bei der Fest­le­gung der Vergütung und ih­rer Of­fen­le­gung er­hal­ten. So soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass die Ge­samt­bezüge im an­ge­mes­se­nen Verhält­nis zur Auf­ga­be und La­ge der Ge­sell­schaft ste­hen. Da­bei soll die Vergütung stärker am lang­fris­ti­gen Er­folg aus­ge­rich­tet wer­den und Ma­na­ger auch am Miss­er­folg be­tei­ligt wer­den.

Bünd­nis 90 / Die Grünen le­gen den Schwer­punkt auf die Be­schränkung des staat­li­chen An­teils an zu ho­hen Ma­na­ger­bezügen. Sie wol­len nicht, dass „überhöhte Bezüge und Phan­ta­sie­ab­fin­dun­gen durch die Bürge­rin­nen und Bürger fi­nan­ziert“ wer­den (Der Grüne Neue Ge­sell­schafts­ver­trag). Un­ter­neh­men sol­len künf­tig nur noch 500.000 EUR Ge­halts­auf­wen­dun­gen pro Jahr und Ma­na­ger als Be­triebs­aus­ga­be gel­tend ma­chen können. Außer­dem soll die zi­vil­recht­li­che Haf­tung der Ma­na­ger verschärft und ge­setz­lich fest­legt wer­den. Sch­ließlich soll die öffent­li­che Hand dort, wo sie Ein­fluss hat, ei­ne maßvol­le Ent­loh­nung durch­set­zen.

Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Bun­des­tags­frak­ti­on der Grünen Chris­ti­ne Scheel ist al­ler­dings ge­gen ei­ne kon­kre­te Fest­schrei­bung von Gehältern und plädiert für ei­ne Emp­feh­lung im sog. Ver­hal­tens­ko­dex (Ma­na­ger-Gehälter am lang­fris­ti­gen Un­ter­neh­mens­er­folg ori­en­tie­ren).

Die Par­tei Die Lin­ke for­dert ge­ne­rell ei­ne bes­se­re Kon­trol­le und De­mo­kra­ti­sie­rung der Ban­ken und möch­te die­se nach dem Vor­bild von Spar­kas­sen ver­ge­sell­schaf­ten und auf das Ge­mein­wohl ver­pflich­ten (Kon­se­quent so­zi­al. Für De­mo­kra­tie und Frie­den. Bun­des­tags­wahl­pro­gramm 2009 von Die Lin­ke).

Kon­kret sol­len nach ei­nem Bei­trag in dem In­ter­net­auf­tritt der Par­tei vom 09.08.2009 die Gehälter von Ma­na­gern das zwan­zig­fa­che des durch­schnitt­lich im Un­ter­neh­men ge­zahl­ten Ge­halts nicht über­stei­gen (The­men A-Z: Ma­na­ger­gehälter). Ab­fin­dun­gen sol­len auf das zwan­zig­fa­che des Loh­nes ei­nes Fach­ar­bei­ters bei Voll­zeit­beschäfti­gung in der un­ters­ten Lohn­grup­pe be­schränkt wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 15. September 2016

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