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Min­dest­lohn in der Post­bran­che

Post AG und ver.di ha­ben nach­ge­bes­sert: Neu­er Min­dest­lohn-Ta­rif­ver­trag für die Post­bran­che vom 29.11.2007 gilt für "al­le Be­trie­be und selb­stän­di­gen Be­triebs­ab­tei­lun­gen, die über­wie­gend ge­werbs- oder ge­schäfts­mä­ßig Brief­sen­dun­gen für Drit­te be­för­dern“

03.12.2007. Am 20.09.2007 gab die Bun­des­re­gie­rung erst­mals ih­ren Ent­wurf ei­ner Er­wei­te­rung des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes (AEntG) be­kannt, mit dem die sog. „Brief­dienst­leis­tun­gen“ als wei­te­re Bran­che in das AEntG auf­ge­nom­men wer­den soll­te (wir be­rich­te­ten dar­über in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/61 Auf­nah­me der Brief­dienst­leis­tungs­bran­che in das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) ge­plant).

Da der durch das AEntG be­wirk­te Ar­beit­neh­mer­schutz ge­mäß § 1 Abs.1 Satz 1 AEntG (heu­te: § 3 AEntG) in ei­ner Bin­dung aus­län­di­scher Ar­beit­ge­ber an deut­sche, für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klär­te Lohn­ta­rif­ver­trä­ge be­steht, braucht die Po­li­tik ei­nen sol­chen, d.h. all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trag.

Hier hat­te die Bun­des­re­gie­rung zu­nächst den am 04.09.2007 von dem Ar­beit­ge­ber­ver­band Post­diens­te e.V. (bzw. der da­hin­ter ste­hen­den Deut­schen Post AG) und der ver.di ver­ein­bar­ten "Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Min­dest­löh­ne in der Bran­che Post­diens­te (TV Min­dest­lohn)" ins Au­ge ge­fasst. Er sieht ei­nen St­un­den­lohn von 9,80 EUR (West) bzw. 9,00 EUR (Ost) für Brief­zu­stel­ler vor.

Er wur­de al­ler­dings bis­lang nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klärt, da in­ner­halb der Bun­des­re­gie­rung hef­tig dar­über ge­strit­ten wur­de, ob er über­haupt die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­ch­er­klä­rung er­füllt.

Ei­ne der not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­ch­er­klä­rung be­steht näm­lich ge­mäß § 5 Abs.1 Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG) dar­in, dass die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber min­des­tens 50 Pro­zent der un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags fal­len­den Ar­beit­neh­mer be­schäf­ti­gen.

Das Quo­rum war hier aber zwei­fel­haft, da der TV Min­dest­lohn nach sei­nem § 1 für al­le Be­trie­be Gel­tung be­an­sprucht, die ge­werbs- oder ge­schäfts­mä­ßig Brief­sen­dun­gen für Drit­te be­för­dern, „un­ab­hän­gig vom An­teil die­ser Tä­tig­keit an der Ge­samt­tä­tig­keit des Be­triebs“ (§ 1 Abs.1 Satz 1 TV Min­dest­lohn). Au­ßer­dem gilt der TV Min­dest­lohn für al­le Ar­beit­neh­mer, die (ir­gend­wel­che) „Tä­tig­kei­ten in der ge­werbs- oder ge­schäfts­mä­ßi­gen Be­för­de­rung von Brief­sen­dun­gen für Drit­te aus­üben“ (§ 1 Abs.2 Satz 1 TV Min­dest­lohn) so­wie - mit et­was hö­he­rem Min­dest­lohn - für die ei­gent­li­chen Brief­zu­stel­ler.

Im Er­geb­nis wa­ren da­mit nicht nur die ei­gent­li­chen Brief­un­ter­neh­men und die Brief­trä­ger, son­dern ei­ne Viel­zahl an­de­rer Be­trie­be und Ar­beit­neh­mer vom TV Min­dest­lohn er­fasst.

Dar­auf­hin ar­gu­men­tier­ten die Post­kon­kur­ren­ten und Po­li­ti­ker der CDU, dass die Post nicht das 50-Pro­zent-Quo­rum er­fül­le. Der TV Min­dest­lohn er­fas­se näm­lich so vie­le Be­trie­be und Ar­beit­neh­mer (ins­be­son­de­re auch Aus­hilfs­kräf­te), dass der An­teil der bei der Post be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer ins­ge­samt we­ni­ger als 50 Pro­zent be­tra­ge.

Nun­mehr ha­ben Post AG und ver.di nach­ge­bes­sert und ei­nen wei­te­ren, vom An­wen­dungs­be­reich her en­ger ge­fass­ten Ta­rif­ver­trag ver­ein­bart: Der nach­ge­bes­ser­te Min­dest­lohn-Ta­rif­ver­trag vom 29.11.2007 sieht zwar die­sel­ben Min­dest­löh­ne für Aus­hilfs­kräf­te und Brief­trä­ger wie der An­fang Sep­tem­ber ver­ein­bar­te TV Min­dest­lohn vor, doch hat man jetzt vor­sichts­hal­ber klar­ge­stellt, dass der be­trieb­li­che Gel­tungs­be­reich für die „Bran­che Brief­dienst­leis­tun­gen“ gilt (§ 1 Abs.2 Satz 1 des Ta­rif­ver­trags vom 29.11.2007). Dies sind „al­le Be­trie­be und selb­stän­di­gen Be­triebs­ab­tei­lun­gen, die über­wie­gend ge­werbs- oder ge­schäfts­mä­ßig Brief­sen­dun­gen für Drit­te be­för­dern“ (§ 1 Abs.2 Satz 2 des Ta­rif­ver­trags vom 29.11.2007).

Auf die­ser nach­ge­bes­ser­ten ta­rif­li­chen Grund­la­ge ver­laut­bar­te nun­mehr von sei­ten der SPD wie von sei­ten der CDU uni­so­no, nun ha­be man end­lich ei­nen für die All­ge­mein­ver­bind­li­ch­er­klä­rung ge­eig­ne­ten Min­dest­lohn-Ta­rif­ver­trag, so dass der All­ge­mein­ver­bind­li­ch­er­klä­rung und der be­reits En­de Sep­tem­ber ge­plan­ten Er­wei­te­rung des AEntG nichts mehr im We­ge ste­he.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 13. September 2016

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