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Ein­grup­pie­rung: Mit­be­stim­mung auch bei Aus­wahl des Ta­rif­ver­trags

Kom­men bei ei­ner Ein­grup­pie­rung meh­re­re Ta­rif­ver­trä­ge mit un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen in Be­tracht, hat der Be­triebs­rat auch hier ein Mit­be­stim­mungs­recht ge­mäß § 99 Be­trVG: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 07.04.2009, 11 TaBV 91/08

01.07.2009. Bei Ein­grup­pie­run­gen geht es dar­um, die rich­ti­ge Ta­rif­grup­pe für ei­nen Ar­beit­neh­mer zu fin­den.

Da­von hängt viel ab, vor al­lem na­tür­lich die Be­zah­lung, wes­halb der Be­triebs­rat hier ge­mäß § 99 Abs.1 Satz 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) mit­zu­be­stim­men hat.

In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen klar­ge­stellt, dass sich das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats bei Ein­grup­pie­run­gen auch auf die Fra­ge er­streckt, wel­cher von ver­schie­de­nen Ta­rif­ver­trä­gen an­zu­wen­den ist: LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 07.04.2009, 11 TaBV 91/08.

Hat der Betriebsrat nur im Rahmen eines vom Arbeitgeber vorgegebenen Tarifvertrags ein Mitbestimmungsrecht bei Eingruppierungen?

In Be­trie­ben mit mehr als zwan­zig Ar­beit­neh­mern braucht der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Rei­he von per­so­nel­len Maßnah­men gemäß § 99 Be­trVG die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats. Da­zu zählt gemäß § 99 Abs. 1 S. 1 Be­trVG auch die Ein­grup­pie­rung.

Bei ei­ner Ein­grup­pie­rung wer­den be­stimm­te Tätig­kei­ten all­ge­mein ei­ner be­stimm­ten Ge­halts­grup­pen zu­ge­ord­net. Ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung ent­hal­ten fast al­le Ta­rif­verträge.

Frag­lich ist, ob sich das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes in per­so­nel­len An­ge­le­gen­hei­ten bei der Ein­grup­pie­rung auch dar­auf er­streckt, wel­chen von meh­re­ren Ta­rif­verträgen mit un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen bezüglich der Vergütung der Ar­beit­ge­ber im kon­kre­ten Fall an­wen­det. Mit die­ser Fra­ge beschäftigt sich ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nie­der­sach­sen (Be­schluss vom 07.04.2009, 11 TaBV 91/08).

Der Fall des LAG Niedersachsen: Streit über die Anwendung des TVöD oder des Normalvertrags (NV) Bühne

Im vor­lie­gen­den Fall ging es um die Ein­grup­pie­rung ei­nes neu ein­ge­stell­ten Be­leuch­tungs­meis­ters in ei­nem Staats­thea­ter. Das Thea­ter beschäftig­te sei­ne Mit­ar­bei­ter auf der Grund­la­ge ver­schie­de­ner Ta­rif­verträge, u.a. des Ta­rif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) und des Nor­mal­ver­trags (NV) Bühne.

Der NV Bühne ist für die künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten an Thea­tern ge­dacht und sieht des­halb an den Spiel­plan ge­bun­de­ne Ar­beits­verträge vor. Da­zu gehört vor al­lem ei­ne zeit­li­che Be­fris­tung der Ar­beits­verträge und ei­ne frei aus­zu­han­deln­de Ga­ge. Zu den künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten zählen auch tech­ni­sche Be­ru­fe, die gleich­wohl über­wie­gend künst­le­risch aus­ge­rich­tet sind, wie z.B. der Be­ruf des Bühnen­tech­ni­kers oder der des Ton­tech­ni­kers.

Der TVöD ist da­ge­gen auf die nicht-künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten aus­ge­rich­tet. Er sieht kei­ne spe­zi­el­len Be­fris­tungs­gründe vor und enthält Re­ge­lun­gen zur Ein­grup­pie­rung.

Für die bis­her bei dem Thea­ter beschäftig­ten zehn Be­leuch­tungs­meis­ter war, so­weit sie nicht als freie Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wa­ren, die Gel­tung des TVöD ver­ein­bart. Für den neu ein­ge­stell­ten Be­leuch­tungs­meis­ter ver­ein­bar­te das Thea­ter da­ge­gen die Gel­tung des NV Bühne, da sei­ne Tätig­keit über­wie­gend künst­le­risch sei. Dem­ent­spre­chend ver­ein­bar­te das Staats­thea­ter ein Ge­halt, dass nicht dem Ge­halt ei­nes Be­leuch­tungs­meis­ters nach dem TVöD ent­sprach.

Der Be­triebs­rat ver­wei­ger­te dar­auf­hin sei­ne Zu­stim­mung zu der Ein­grup­pie­rung. Hier­ge­gen ging der Ar­beit­ge­ber ge­richt­lich vor und be­an­trag­te

  • die Er­set­zung der ver­wei­ger­ten Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes zu der Ein­grup­pie­rung,
  • die Fest­stel­lung, dass die von dem Ar­beit­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Ein­grup­pie­rung als vorläufi­ge Maßnah­me zulässig sei, so­wie
  • die Fest­stel­lung, dass der Be­triebs­rat ge­ne­rell kein Mit­be­stim­mungs­recht darüber hat, wel­chen Ta­rif­ver­trag der Ar­beit­ge­ber auf den Ar­beit­neh­mer an­wen­det.

Das Ar­beits­ge­richt gab al­len drei Anträgen des Ar­beit­ge­bers statt. Es fehl­te, so das Ar­beits­ge­richt, der für ein Mit­be­stim­mungs­recht not­wen­di­ge kol­lek­ti­ve Be­zug.

LAG Niedersachsen: Kommen bei einer Eingruppierung mehrere Tarifverträge mit unterschiedlichen Regelungen in Betracht, hat der Betriebsrat auch hier ein Mitbestimmungsrecht gemäß § 99 BetrVG

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen war an­de­rer An­sicht.

Da sich die ers­ten bei­den Anträge des Ar­beit­ge­bers aus nicht ge­nann­ten Gründen im Ver­lauf des Pro­zes­ses er­le­digt hat­ten, be­fass­te sich das LAG nur noch mit der Fra­ge, ob der Be­triebs­rat ge­ne­rell ein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Fra­ge hat­te, wel­chen der bei­den Ta­rif­verträge der Ar­beit­ge­ber je­weils auf sei­ne Beschäftig­ten an­wen­de­te.

Nach­dem das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Zulässig­keit des An­tra­ges pro­ble­ma­ti­siert und letzt­lich be­jaht, ge­langt es zu dem Er­geb­nis, dass dem Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht zu­steht.

Mit der An­wen­dung des TVöD, der ja Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen trifft, wen­det der Ar­beit­ge­ber all­ge­mei­ne Vergütungs­re­ge­lun­gen an. Ent­schei­det sich der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem Beschäftig­ten je­doch ge­gen die An­wen­dung des TVöD, liegt dar­in auch die Ent­schei­dung, das an­sons­ten in dem Be­trieb an­ge­wand­te all­ge­mei­ne Vergütungs­sche­ma auf die­sen Beschäftig­ten nicht an­zu­wen­den, so das Ar­gu­ment des LAG. Denn der statt­des­sen ver­ein­bar­te NV Bühne be­ruht auf dem Grund­satz der frei aus­han­del­ba­ren Ga­ge und enthält des­halb sel­ber über­haupt kei­ne abs­trak­ten Re­ge­lun­gen bezüglich der Vergütung. Da­mit ist der Fall ver­gleich­bar mit der eben­falls mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, ei­nen Ar­beit­neh­mer als außer­ta­rif­li­chen Beschäftig­ten zu führen.

Fa­zit: Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes gemäß § 99 Abs.1 Be­trVG (Ein­grup­pie­rung) be­steht auch, wenn der Ar­beit­ge­ber zwi­schen der An­wen­dung meh­re­rer Ta­rif­verträge ent­schei­den muss.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 9. August 2015

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