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Re­form des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes 2001

Das neue Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) - die Än­de­run­gen im Über­blick: Ge­set­zes­no­vel­lie­rung des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes vom 28.07.2001

22.12.2001. Seit En­de Ju­li 2001 ist das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) in re­for­mier­ter Fas­sung nun schon in Gel­tung.

Das Re­form­ge­setz wur­de am 23.07.2001 vom Bun­des­tag be­schlos­sen und wur­de am 27.07.2001 ver­kün­det. Am Ta­ge nach der Ver­kün­dung des Re­form­ge­set­zes tra­ten die be­schlos­se­nen Än­de­run­gen in Kraft, d.h. am 28.07.2001.

Ei­nen voll­stän­di­ge Fas­sung des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes in sei­ner ak­tu­el­len Fas­sung kön­nen sie hier auf un­se­rer Web­sei­te nach­le­sen.

Im fol­gen­den fin­den Sie ei­nen kur­zen Über­blick über die we­sent­li­chen Än­de­run­gen, die die Ge­set­zes­re­form ge­bracht hat.

Durch die Ge­set­zes­no­vel­lie­rung wur­de das Be­trVG vor al­lem in fol­gen­den Punk­ten geändert:

Ar­bei­ter und An­ge­stell­te: Das Grup­pen­prin­zip, dem zu­fol­ge bis­her bei der Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer durch den Be­triebs­rat zwi­schen Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten säuber­lich zu un­ter­schei­den war, wur­de auf­ge­ho­ben.

Frei­ge­stell­te: Die Ver­pflich­tung zur Frei­stel­lung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern be­steht nach der neu­en Ge­set­zes­la­ge nicht erst ab 300, son­dern be­reits ab 200 im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern (§ 38 Be­trVG neue Fas­sung).

Be­triebs­rats­wahl: Das Ver­fah­ren zur Wahl des Be­triebs­rats in Klein­be­trie­ben wur­de ver­ein­facht: In Be­trie­ben mit bis zu 50 wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern wird nach neu­em Recht auf ei­ner ers­ten Wahl­ver­samm­lung der Wahl­vor­stand gewählt und auf ei­ner zwei­ten Wahl­ver­samm­lung der Be­triebs­rat in ge­hei­mer und un­mit­tel­ba­rer Wahl. Die­se zwei­te Wahl­ver­samm­lung fin­det ei­ne Wo­che nach der Wahl des Wahl­vor­stan­des statt (§ 14 a Be­trVG neue Fas­sung).

Kon­zern­be­triebs­rat: Die Bil­dung ei­nes Kon­zern­be­triebs­ra­tes wur­de er­leich­tert. Sei­ne Er­rich­tung er­for­dert gemäß § 54 Abs.1 Be­trVG neue Fas­sung nur noch die Zu­stim­mung der Ge­samt­be­triebsräte der Kon­zern­un­ter­neh­men, in de­nen ins­ge­samt mehr als 50 vom Hun­dert der Ar­beit­neh­mer der Kon­zern­un­ter­neh­men beschäftigt sind (bis­her: 75 vom Hun­dert).

Ar­beit­neh­merüber­las­sung: Die Leih- und Te­le­ar­beit­neh­mer wer­den verstärkt in die Be­triebs­ver­fas­sung ein­be­zo­gen. Wer­den Leih­ar­beit­neh­mer im Be­trieb des Ent­lei­hers ein­ge­setzt, so sind sie dort nach drei Mo­na­ten für die Wahl des Be­triebs­rats wahl­be­rech­tigt (§ 7 Satz 2 Be­trVG neue Fas­sung). Auch Ar­beit­neh­mer, die mit Te­le­ar­beit beschäftigt sind oder in Heim­ar­beit hauptsächlich für den Be­trieb ar­bei­ten, gel­ten als im Be­trieb beschäftig­te Ar­beit­neh­mer (§ 5 Abs.1 Be­trVG neue Fas­sung).

Werk­verträge: Gemäß § 80 Abs.2 Satz 1 Be­trVG neue Fas­sung er­streckt sich die Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats auch auf die Beschäfti­gung von Per­so­nen, die nicht in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber ste­hen. Da­mit kann der Be­triebs­rat künf­tig bes­ser den Ein­satz von Werk­ver­trags­neh­mern und (Schein-)Selbständi­gen über­wa­chen.

Gre­mi­en: Die Ar­beits­be­din­gun­gen der Be­triebsräte wur­den durch die Möglich­keit der De­le­ga­ti­on von Be­tei­li­gungs­rech­ten ver­bes­sert. Gem. § 28 a Be­trVG neue Fas­sung kann der Be­triebs­rat in Be­trie­ben mit mehr als 100 Ar­beit­neh­mern be­stimm­te Auf­ga­ben auf Ar­beits­grup­pen über­tra­gen, die mit dem Ar­beit­ge­ber Ver­ein­ba­run­gen tref­fen können.

Per­so­nal­pla­nung: Die Mit­wir­kungs- und Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats bei per­so­nel­len Maßnah­men wur­den gestärkt. Dies be­trifft vor al­lem die The­men Wei­ter­bil­dung und Beschäfti­gungs­si­che­rung. Gemäß § 96 Abs.1 Satz 2 Be­trVG neue Fas­sung hat der Ar­beit­ge­ber auf Ver­lan­gen des Be­triebs­rats den Be­rufs­bil­dungs­be­darf zu er­mit­teln und mit ihm Fra­gen der Be­rufs­bil­dung der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs zu be­ra­ten. Nach § 92 a Be­trVG neue Fas­sung kann der Be­triebs­rat dem Ar­beit­ge­ber Vor­schläge zur Si­che­rung und Förde­rung der Beschäfti­gung ma­chen, die der Ar­beit­ge­ber mit dem Be­triebs­rat zu be­ra­ten hat.

Frau­en: Die Möglich­kei­ten des Be­triebs­ra­tes zur Förde­rung der Chan­cen­gleich­heit zwi­schen Männern und Frau­en wur­den ver­bes­sert. Gemäß § 15 Abs.2 Be­trVG neue Fas­sung muß das Ge­schlecht, das in der Be­leg­schaft in der Min­der­heit ist, im Be­triebs­rat min­des­tens ent­spre­chend sei­nem zah­lenmäßigen Verhält­nis im Be­triebs­rat ver­tre­ten sein, wenn die­ser aus drei oder mehr Mit­glie­dern be­steht (Ge­schlech­ter­quo­te im Be­triebs­rat).

Ras­sis­mus: Die Möglich­kei­ten des Be­triebs­ra­tes zur Bekämp­fung von Rechts­ex­tre­mis­mus und Frem­den­feind­lich­keit im Be­trieb wur­den ver­bes­sert. In § 104 Satz 1 Be­trVG neue Fas­sung wird klar­ge­stellt, daß das Recht des Be­triebs­rats, die Ent­las­sung oder Ver­set­zung be­triebsstören­der Ar­beit­neh­mer zu ver­lan­gen, ins­be­son­de­re bei ras­sis­ti­schen oder frem­den­feind­li­chen Betäti­gun­gen des stören­den Ar­beit­neh­mers ge­ge­ben ist.

Um­welt­schutz: Der be­trieb­li­che Um­welt­schutz wird in die Auf­ga­ben des Be­triebs­ra­tes ein­be­zo­gen. So hat sich der Be­triebs­rat z.B. gemäß § 89 Be­trVG neue Fas­sung dafür ein­zu­set­zen, daß ne­ben den Vor­schrif­ten über den Ar­beits­schutz und die Un­fall­verhütung im Be­trieb auch die Be­stim­mun­gen über den be­trieb­li­chen Um­welt­schutz durch­geführt wer­den.

Ar­beit­neh­mer­be­tei­li­gung: Der stärke­ren Be­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer an der Be­triebs­rats­ar­beit dient § 86a Be­trVG neue Fas­sung. Da­nach hat je­der Ar­beit­neh­mer das Recht, dem Be­triebs­rat The­men zur Be­ra­tung vor­zu­schla­gen. Wird ein Vor­schlag von min­des­tens 5 vom Hun­dert der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs un­terstützt, hat der Be­triebs­rat die­sen in­ner­halb von zwei Mo­na­ten auf die Ta­ges­ord­nung ei­ner Be­triebs­rats­sit­zung zu set­zen.

JAV: Die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tun­gen wer­den gestärkt. In die­sem Zu­sam­men­hang gibt es neue Vor­schrif­ten zur Bil­dung ei­ner Kon­zern-Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung (§ 73a Be­trVG neue Fas­sung, § 73b Be­trVG neue Fas­sung).

In­kraft­tre­ten: Ei­ni­ge Be­stim­mun­gen gel­ten für die Be­triebsräte, die im Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens schon be­ste­hen, der­zeit noch nicht. Da­zu heißt es in Art. 14 des Ge­set­zes zur Re­form des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes:

"Art.14 In­kraft­tre­ten. Die­ses Ge­setz tritt am Ta­ge nach der Verkündung in Kraft. Für im Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens be­ste­hen­de Be­triebsräte gilt Art.1 Nr.8, 13 und 35 Buch­sta­be a erst bei de­ren Neu­wahl."

Für am 28.07.2001 be­reits be­ste­hen­den Be­triebsräte gel­ten da­her die fol­gen­den Vor­schrif­ten in der neu­en Fas­sung noch nicht: § 9 Be­trVG neue Fas­sung, § 15 Be­trVG neue Fas­sung und § 47 Abs.2 Be­trVG neue Fas­sung. Die­se Vor­schrif­ten be­tref­fen die geänder­te Zahl der Be­triebs­rats­mit­glie­der, die Zu­sam­men­set­zung ent­spre­chend dem Männer- bzw. Frau­en­an­teil der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb und die Ent­sen­dung von Mit­glie­dern des Be­triebs­rats in den Ge­samt­be­triebs­rat.

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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