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Re­form des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG) in Kraft

Die Re­form­fas­sung des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG) ist am 28.04.2009 in Kraft ge­tre­ten: Ers­tes Ge­setz zur Än­de­rung des Ge­set­zes über die Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen, vom 22.04.2009, BGBl I, S.818 ff.

03.06.2009. Nach­dem die Re­form des Ge­set­zes über die Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen (Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­setz – Mi­ArbG) am 22.01.2009 vom Bun­des­tag be­schlos­sen wur­de und da­mit die par­la­men­ta­ri­schen Hür­den ge­nom­men hat, wur­de sie am 27.04.2009 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det (BGBl I, 818 ff.) und ist da­her seit dem 28.04.2009 in Kraft.

Das re­for­mier­te Mi­ArbG be­hält sei­ne bis­he­ri­ge Be­zeich­nung, ob­wohl Ge­gen­stand der staat­li­chen Re­gu­lie­rung nicht mehr sämt­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen, son­dern nur noch ein (al­ler­dings wich­ti­ger) Teil­be­reich der Ar­beits­be­din­gun­gen ist, näm­lich die Min­dest­löh­ne bzw. Min­dest­ar­beits­ent­gel­te. Von da­her hät­te ei­ne Um­be­nen­nung des Ge­set­zes in „Min­dest­ar­beits­ent­gelt­ge­setz“ oder „Min­dest­l­ohn­ge­setz“ na­he­ge­le­gen.

Um Min­dest­löh­ne fest­zu­set­zen, muss der beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) zu bil­den­de „Haupt­aus­schuss für Min­dest­ar­beits­ent­gel­te“ zu­nächst durch Be­schluss fest­stel­len, dass in ei­nem Wirt­schafts­zweig so­zia­le Ver­wer­fun­gen vor­lie­gen und Min­dest­löh­ne fest­ge­setzt, ge­än­dert oder auf­ge­ho­ben wer­den sol­len (§ 3 Mi­ArbG). Die sechs ein­fa­chen Mit­glie­der des Haupt­aus­schus­ses und sein Vor­sit­zen­der wer­den von der Re­gie­rung er­nannt, wo­bei je­weils zwei ein­fa­che Mit­glie­der auf­grund ei­nes Vor­schlags der Ge­werk­schafts- und Ar­beit­ge­ber­sei­te von der Re­gie­rung er­nannt wer­den.

Auf der Grund­la­ge ei­nes sol­chen Be­schlus­ses wird so­dann ein sog. Fach­aus­schuss tä­tig. Er be­steht aus ei­nem Vor­sit­zen­den und je drei Bei­sit­zern aus Krei­sen der be­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber und setzt die Min­dest­ar­beits­ent­gel­te durch Be­schluss fest (§ 4 Mi­ArbG). Der Haupt­aus­schuss kann da­zu Stel­lung neh­men. Au­ßer­dem muss das BMAS vor der Ent­gelt­fest­set­zung den obers­ten Ar­beits­be­hör­den der be­tei­lig­ten Län­der, den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern so­wie den zu­stän­di­gen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me bzw. Äu­ße­rung in ei­ner öf­fent­li­chen Ver­hand­lung vor dem Fach­aus­schuss ge­ben.

In ei­nem drit­ten Schritt ent­schei­det das BMAS, ob es sich die Fest­set­zun­gen des Fach­aus­schus­ses zu ei­gen macht oder nicht. Ein in­halt­li­ches Än­de­rungs­recht steht dem Mi­nis­te­ri­um nicht zu.

Schließ­lich kann die Bun­des­re­gie­rung, falls sich das BMAS hin­ter die Fest­set­zun­gen des Fach­aus­schus­ses ge­stellt hat, auf Vor­schlag des BMAS die vom Fach­aus­schuss fest­ge­setz­ten Min­dest­ar­beits­ent­gel­te als Rechts­ver­ord­nung er­las­sen (§ 4 Mi­ArbG). Die Rechts­ver­ord­nung kann be­fris­tet wer­den. Sie be­darf nicht der Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes.

Sind Min­dest­löh­ne ein­mal fest­ge­setzt, wir­ken sie auf von ih­nen er­fass­ten Ar­beits­ver­hält­nis­se im Prin­zip wie Ta­rif­löh­ne ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trags ein, d.h. sie sind ei­ne zwin­gen­de, auch ab­wei­chen­de Ta­rif­löh­ne ver­drän­gen­de ab­so­lu­te Un­ter­gren­ze. Ein Ver­zicht auf ein Min­dest­ar­beits­ent­gelt ist nur durch ge­richt­li­chen Ver­gleich zu­läs­sig. Die Ver­wir­kung des An­spruchs auf ein Min­dest­ar­beits­ent­gelt ist eben­so aus­ge­schlos­sen wie der Un­ter­gang des An­spruchs in­fol­ge von Aus­schluss­fris­ten.

Die ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­ent­gel­ten sind im Ver­gleich zu den eher kom­pli­zier­ten Ver­fah­rens­re­geln ge­ring. Vor­aus­ge­setzt ist nur, dass in ei­nem Wirt­schafts­zweig bun­des­weit die an Ta­rif­ver­trä­ge ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber we­ni­ger als 50 Pro­zent der un­ter den Gel­tungs­be­reich die­ser Ta­rif­ver­trä­ge fal­len­den Ar­beit­neh­mer be­schäf­ti­gen (§ 1 Abs. 2 Mi­ArbG).

Trotz­dem ist nicht an­zu­neh­men, dass die der­zei­ti­ge oder künf­ti­ge Bun­des­re­gie­run­gen nun be­herzt „los­le­gen“ und ei­ner Bran­che nach der an­de­ren Min­dest­ar­beits­ent­gel­te auf­er­le­gen.

Da­ge­gen spre­chen zu­nächst die bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen mit dem Mi­ArbG 1952, das den Jahr­zehn­ten sei­ner Gel­tung stets „to­ter Buch­sta­be“ ge­blie­ben ist. Und das lag nicht et­wa dar­an, dass die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­le­gung von Min­dest­löh­nen bis zur jet­zi­gen Re­form hö­her ge­we­sen wä­ren. Die Re­form des Mi­ArbG er­leich­tert die staat­li­che Min­dest­lohn­fest­set­zung ent­ge­gen an­ders­lau­ten­den, v.a. re­gie­rungs­amt­li­chen po­li­ti­schen Ein­schät­zun­gen in Wahr­heit kaum (wir be­rich­te­ten hier­über in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/090).

Ge­gen ei­ne In­ge­brauch­nah­me des re­for­mier­ten Mi­ArbG spricht auch ei­ne be­zeich­nen­de Über­gangs­re­ge­lung, die in § 8 Abs. 2 Mi­ArbG ent­hal­ten ist. Da­nach ge­hen Ta­rif­löh­ne, die in ei­nem vor dem 16.07.2008 ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag ent­hal­ten sind, den staat­lich fest­ge­setz­ten Min­dest­löh­nen vor, d.h. sie gel­ten auch dann, wenn sie ge­rin­ger sind. Dies gilt ge­mäß § 8 Abs. 2 Satz 2 Mi­ArbG auch für ei­nen Ta­rif­ver­trag, mit dem die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen sol­chen Ta­rif­ver­trag ab­lö­sen oder die­sen nach sei­nem Ab­lauf durch ei­nen Fol­ge­ta­rif­ver­trag, der mit die­sem in ei­nem zeit­li­chen und sach­li­chen Zu­sam­men­hang steht, er­set­zen.

Das heißt im Er­geb­nis: Wer­den Ta­rif­ver­trä­ge mit „Hun­ger­löh­nen“ von den Ta­rif­par­tei­en kon­ti­nu­ier­lich wei­ter ge­hegt und ge­pflegt, sind sie ei­ne dau­er­haf­te recht­li­che Sper­re für staat­li­che Lohn­fest­set­zun­gen nach dem Mi­ArbG.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 2. Januar 2014

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