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Eu­ro­pa­recht ver­bie­tet Be­nach­tei­li­gun­gen von Ho­mo­se­xu­el­len beim Be­zug von Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten

EuGH ent­schei­det im Münch­ner Streit­fall Ta­dao Ma­ru­ko für den Klä­ger: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 01.04.2008, C-267/06 (Ta­dao Ma­ru­ko)

28.04.2008. Im Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res sprach sich der Ge­ne­ral­an­walt Dá­ma­so Ruiz-Ja­rabo Co­lo­mer in ei­nem beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) an­hän­gi­gen Vor­la­ge­ver­fah­ren da­für aus, die Schlech­ter­stel­lung hin­ter­blie­be­ner schwu­ler und les­bi­scher Le­bens­part­ner ge­gen­über hin­ter­blie­be­nen Ehe­part­nern als ei­ne eu­ro­pa­rechts­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung zu be­wer­ten (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/66 Wit­wen­ren­ten auf dem Prüf­stand des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots).

Hin­ter­grund des Ver­fah­rens vor dem EuGH und des Vo­tums des Ge­ne­ral­an­walts ist ein beim Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen ge­führ­ter Pro­zess (M 3 K 05.1595), in dem ein hin­ter­blie­be­ner ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner, Herr Ta­dao Ma­ru­ko, ge­gen die Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Büh­nen (VddB) klagt und von die­ser ei­ne Ren­te als Wit­wer be­gehrt.

Sein ver­stor­be­ner gleich­ge­schlecht­li­cher Le­bens­part­ner war als Kos­tüm­bild­ner bei die­ser Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ver­si­chert und ver­starb am 12.01.2005. Die VddB ver­wei­ger­te mit Ver­weis auf die - ein­deu­ti­ge - Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt die Zah­lung ei­ner Ren­te, da die­se sat­zungs­ge­mäß nur hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten zu­ste­he.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen setz­te dar­auf­hin das Ver­fah­ren aus und leg­te dem EuGH die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung ge­mäß Art.234 Ver­trag zur Grün­dung der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft (EGV) vor, ob auch Wit­wen­ren­ten ei­ner be­rufs­stän­di­schen Pflicht­ver­sor­gungs­ein­rich­tung als „Ar­beits­ent­gelt“ im Sin­ne von Art.3 Abs.1 Buch­sta­be c der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Be­schäf­ti­gung und Be­ruf (Richt­li­nie 2000/78/EG) zu ver­ste­hen sind.

Wenn man die­se Fra­ge mit „ja“ be­ant­wor­tet, liegt es mehr als na­he, die her­ge­brach­te Pri­vi­le­gie­rung von Ehe­leu­ten beim Be­zug von Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten aus be­rufs­be­zo­ge­nen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen als Ver­stoß ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG an­zu­se­hen, da die­se al­le For­men der Dis­kri­mi­nie­run­gen „we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung“ be­sei­ti­gen will.

Die­se per­sön­li­chen Merk­ma­le dür­fen in kei­nem Mit­glieds­land der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) zu ei­ner un­glei­chen Be­hand­lung im Zu­sam­men­hang mit dem Er­werbs­le­ben füh­ren.

Wie nun­mehr be­kannt wur­de, ist der EuGH dem Ent­schei­dungs­vor­schlag des Ge­ne­ral­an­walts vom 06.09.2007 ge­folgt (EuGH, Ur­teil vom 01.04.2008, Rs. C- 267/06 - Ta­dao Ma­ru­ko).

In den Ur­teils­grün­den wird zu­nächst fest­ge­stellt, dass die Leis­tun­gen ei­nes be­rufs­stän­di­schen, auf ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ba­sie­ren­den Ver­sor­gungs­werks als „Ar­beits­ent­gelt“ im Sin­ne von Art.141 EGV an­zu­se­hen sind, so dass sie un­ter den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78/EG fal­len.

Die Qua­li­fi­zie­rung der Ren­te als Ar­beits­ent­gelt ist er­for­der­lich, um die Maß­stä­be der Richt­li­nie her­an­zie­hen zu kön­nen, da die­se ins­ge­samt ge­mäß der Prä­am­bel (Er­wä­gungs­grund 13) auf So­zi­al­ver­si­che­rungs- und So­zi­al­schutz­sys­te­me un­an­wend­bar ist, de­ren Leis­tun­gen nicht als Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art.141 EGV an­zu­se­hen sind.

Im üb­ri­gen ver­bie­tet die Richt­li­nie 2000/78/EG aus­drück­lich die Schlech­ter­stel­lung in Be­zug auf das Ar­beits­ent­gelt, falls die­se Schlech­ter­stel­lung auf der se­xu­el­len Aus­rich­tung be­ruht (Art.3 Abs.1 Buch­sta­be c) der Richt­li­nie 2000/78/EG).

Han­delt es sich al­so bei der strei­ti­gen Hin­ter­blie­be­nen­ren­te um „Ar­beits­ent­gelt“ ge­mäß Art.141 EGV, ist ei­ne Schlech­ter­stel­lung ho­mo­se­xu­el­ler ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner ge­gen­über hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten mit der Richt­li­nie un­ver­ein­bar, so der EuGH.

Fa­zit: Schwu­le und les­bi­sche Hin­ter­blie­be­ne, die mit ih­rem ver­stor­be­nen Le­bens­part­ner in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft ge­lebt ha­ben und da­her durch den To­des­fall "ver­wit­wet" sind, kön­nen künf­tig die­sel­ben Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten be­an­spru­chen wie ehe­mals ver­hei­ra­te­te Hin­ter­blie­be­ne. Dass die Ver­sor­gungs­wer­ke durch die zu­sätz­li­chen An­sprü­che stär­ker be­las­tet wer­den, ist im Zu­ge ei­ner "An­glei­chung nach oben" hin­zu­neh­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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