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Streik für Be­triebs­rat

Be­schäf­tig­te bei ea­sy­Jet kämp­fen für Ta­rif­ver­trag
18.02.2010. Im Ok­to­ber letz­ten Jah­res un­ter­sag­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg (Be­schluss vom 30.10.2009, 6 TaBV­Ga 2284/09) den Be­schäf­tig­ten von ea­sy­Jet, ei­nen Be­triebs­rat für das Ka­bi­nen­per­so­nal zu grün­den, weil kein Ta­rif­ver­trag exis­tiert, der ei­ne Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung für die im Flug­be­trieb Be­schäf­tig­ten vor­sieht.

Hin­ter­grund ist ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­schrift, nach der dem Ka­bi­nen­per­so­nal von Flug­ge­sell­schaf­ten nur bei ei­ner ent­spre­chen­den ta­rif­li­chen Ver­ein­ba­rung das Recht ein­ge­räumt wird, ei­nen Be­triebs­rat zu grün­den.

Für ei­nen sol­chen Mit­be­stim­mungs-Ta­rif­ver­trag strei­ken die Be­schäf­tig­ten von ea­sy­Jet am Flug­ha­fen Ber­lin-Schö­ne­feld. 

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg verneint Recht von easyJet-Beschäftigten, Betriebsrat zu gründen

In Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/032 ("Kein Be­triebs­rat im Flug­zeug") be­rich­te­ten wir über ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg (Be­schluss vom 30.10.2009, 6 TaBV­Ga 2284/09), nach der die Gründung ei­nes Be­triebs­rats bei ea­sy­Jet un­zulässig ist.

Das der „Ba­se“ Flug­ha­fen Ber­lin-Schöne­feld zu­ge­ord­ne­te Per­so­nal hat­te im Som­mer 2009 ver­sucht, ei­nen Be­triebs­rat nicht nur für das Bo­den­per­so­nal (das aus acht Beschäftig­ten be­stand) son­dern auch für die im Flug­ver­kehr ein­ge­setz­ten 299 Beschäftig­ten zu gründen. Ein Wahl­vor­stand, der die Wahl durchführen soll­te, war schon be­stellt. Ea­sy­Jet woll­te die Be­triebs­rats­gründung ver­hin­dern und be­an­trag­te per Eil­ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Cott­bus, dem Wahl­vor­stand die Wahl zu un­ter­sa­gen.

Als das Ar­beits­ge­richt Cott­bus dem Wahl­vor­stand recht gab (Be­schluss vom 24.09.2009 – 1 BV­Ga 7/09), leg­te ea­sy­Jet so­for­ti­ge Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ein, das dem Wahl­vor­stand wie von ea­sy­Jet be­an­tragt, die Durchführung der Wahl un­ter­sag­te.

Der Hintergrund: Sondersituation für im Flugverkehr eingesetzte Beschäftigte

Die Un­ter­sa­gung der Be­triebs­rats­wahl ist auf ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Be­son­der­heit zurück­zuführen. Ei­gent­lich be­steht in Be­trie­ben mit in der Re­gel mehr als fünf Beschäftig­ten nach § 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) das Recht, ei­nen Be­triebs­rat zu gründen. Ein Ar­beit­ge­ber würde dem­ent­spre­chend mit dem Ver­such, die Wahl ge­richt­lich un­ter­sa­gen zu las­sen, schei­tern.

§ 117 Abs. 2 Be­trVG macht hier­von je­doch ei­ne Aus­nah­me. Für im Flug­be­trieb ein­ge­setz­te Ar­beit­neh­mer, al­so das Ka­bi­nen­per­so­nal, be­steht das Recht auf Gründung ei­nes Be­triebs­rats nur dann, wenn ein Ta­rif­ver­trag dies aus­drück­lich vor­sieht. Dem liegt zu­grun­de, dass der Ge­setz­ge­ber der Mei­nung war, dass ein „nor­ma­ler“ Be­triebs­rat für die nicht orts­ge­bun­de­nen im Flug­be­trieb ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer nicht passt und in ei­nem Ta­rif­ver­trag sach­ge­rech­te­re auf die­se Son­der­si­tua­ti­on Rück­sicht neh­men­de Re­ge­lun­gen ge­trof­fen wer­den können.

Um­strit­ten war und ist da­bei al­ler­dings, ob die­se Re­ge­lung nicht ge­gen eu­ropäisches Recht verstößt. Denn die Richt­li­nie 2002/14/EG (so ge­nann­te Mit­be­stim­mungs­richt­li­nie) ver­pflich­tet die Mit­glieds­staa­ten, al­len Ar­beit­neh­mern ein Min­dest­maß an Mit­be­stim­mungs­rech­ten zu ga­ran­tie­ren und nimmt hier­von aus­drück­lich nur die Be­sat­zung von Hoch­see­schif­fen aus.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ent­schied, dass § 117 Abs. 2 Be­trVG nicht ge­gen Eu­ro­pa­recht verstößt und kam kon­se­quen­ter­wei­se zu dem Er­geb­nis, dass ei­ne Be­triebs­rats­wahl man­gels ent­spre­chen­dem Ta­rif­ver­trag für das Ka­bi­nen­per­so­nal von ea­sy­Jet un­zulässig ist.

EasyJet-Beschäftigte streiken für einen Mitbestimmungs-Tarifvertrag

Ei­nen Ta­rif­ver­trag, der die Gründung ei­nes Be­triebs­rats re­gelt („Mit­be­stim­mungs-Ta­rif­ver­trag“) ver­such­te ver.di schon vor der ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit ea­sy­Jet ab­zu­sch­ließen und schei­ter­te. Auch da­nach war ea­sy­Jet zum Ab­schluss ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges nicht be­reit.

Be­reits An­fang De­zem­ber 2009 gab es bei ea­sy­Jet in Ber­lin-Schöne­feld des­halb ei­nen Warn­streik. Jetzt mach­ten die Beschäftig­ten von ea­sy­Jet in Ber­lin-Schöne­feld ernst und streik­ten ei­nen Tag lang er­neut. Meh­re­re Flüge muss­ten ge­stri­chen wer­den und es kam zu er­heb­li­chen Ver­spätun­gen (rbb-on­line, 18.02.2010, „ea­sy­Jet-Flüge we­gen Streik aus­ge­fal­len“).

"Nach sie­ben er­folg­lo­sen Ver­hand­lungs­ta­gen lässt sich die Ge­werk­schaft nicht mehr länger hin­hal­ten. Es reicht!“, sag­te Hol­ger Rößler, Ver.di-Ver­hand­lungsführer und zuständi­ger Be­treu­ungs­se­kretär im Be­reich Luft­fahrt (Ber­li­ner Mor­gen­post, 17.02.2010, „Ea­sy­jet-Mit­ar­bei­ter strei­ken in Schöne­feld“).

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Letzte Überarbeitung: 15. September 2016

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