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Streit um Kopf­tü­cher an spa­ni­schen Schu­len

Mo­der­ne Klei­der­ord­nung oder Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on?
30.04.2010. Dis­kri­mi­nie­run­gen, d.h. Be­nach­tei­li­gun­gen oh­ne sach­li­chen Grund, sind in Deutsch­land u.a. auf­grund des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ver­bo­ten. Hit­zig dis­ku­tiert (so­wohl in den Me­di­en als auch von Ge­rich­ten) wur­de da­bei die Fra­ge, ob Leh­re­rin­nen (und an­de­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen) das Tra­gen ei­nes Kopf­tu­ches un­ter­sagt wer­den kann oder ob dies ei­ne un­zu­läs­si­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on dar­stellt.

In Spa­ni­en wird der­zeit dis­ku­tiert, ob auch Schü­le­rin­nen das Tra­gen ei­nes Kopf­tu­ches in der Schu­le ver­bo­ten wer­den kann.

Kopftuchverbot an Spaniens Schulen

Auch an Spa­ni­ens Schu­len sieht man mus­li­mi­sche Schüle­rin­nen, die ih­re Haa­re mit ei­nem Kopf­tuch ver­de­cken. Vor al­lem Töch­ter von Ein­wan­dern aus Nord­afri­ka fal­len da­mit auf - und aus dem Rah­men der an man­chen Schu­len gel­ten­den Schul­ord­nung. Der­zeit sorgt in Spa­ni­en der Fall ei­ner 16-jähri­gen Ma­rok­ka­ne­rin für Streit. Sie wur­de in der Ma­dri­der Vor­stadt Po­zue­lo de Al­arcón in ei­ner staat­li­chen Schu­le vom Un­ter­richt aus­ge­schlos­sen, da sie ihr Kopf­tuch nicht ab­le­gen woll­te. Die Schu­le be­rief sich dar­auf, dass die Schul­ord­nung das Tra­gen von Kopf­be­de­ckun­gen im Un­ter­richt ver­bie­te.

Auf­grund die­ser Ent­schei­dung kündig­ten is­la­mi­sche Verbände Pro­test­ak­tio­nen und ge­richt­li­che Schrit­te an. Ih­rer An­sicht nach verstößt der um­strit­te­ne Aus­schluss vom Un­ter­richt ge­gen die spa­ni­sche Ver­fas­sung, d.h. ge­gen das dort ver­an­ker­te Recht auf Bil­dung.

Situation in Deutschland

In Deutsch­land ist zwar mus­li­mi­schen Schüle­rin­nen das Tra­gen von Kopftüchern nicht un­ter­sagt, doch gel­ten Kopf­tuch­ver­bo­te in man­chen Bun­desländern auf lan­des­ge­setz­li­cher Grund­la­ge für Leh­re­rin­nen. Und die­se sind recht­lich wirk­sam. So hat das Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit Ur­teil vom 20.08.2009, 2AZR 499/08 ent­schie­den, dass das Tra­gen ei­ner Bas­kenmütze, die Haa­re, Haar­an­satz und Oh­ren ei­ner Frau vollständig be­deckt und nach La­ge des Fal­les ein aus Gründen des mos­le­mi­schen Glau­bens ge­tra­ge­nes Kopf­tuch er­setzt, als re­li­giöse Be­kun­dung nach den Vor­schrif­ten des nord­rhein-westfäli­schen Schul­ge­set­zes an­zu­se­hen ist und da­her von der Schul­ver­wal­tung zu­recht un­ter­sagt wer­den kann (wir be­rich­te­ten darüber in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/151 Ab­mah­nung we­gen is­la­mi­scher Bas­kenmütze in der Schu­le rech­tens). So­weit ein sol­ches Kopf­tuch­ver­bot für Leh­re­rin­nen gilt, geht das Prin­zip der Neu­tra­lität des Staa­tes und sei­ner Schu­len dem Schutz der Re­li­gi­ons­frei­heit vor.

Protest gegen die Entscheidung in Spanien

In Spa­ni­en ha­ben sich be­reits Mitschüle­rin­nen mit der aus­ge­schlos­se­nen 16-Jähri­gen so­li­da­ri­siert und sich eben­falls Kopftücher auf­ge­setzt. Während sich kon­ser­va­ti­ve Po­li­ti­ker auf die Sei­te der Schul­lei­tung stell­ten und das Kopf­tuch-Ver­bot recht­fer­tig­ten, sprach sich der spa­ni­sche Vi­ze­re­gie­rungs­chef Ma­nu­el Cha­ves für ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung aus. Bis­her können spa­ni­sche Schu­len selbst ent­schei­den, ob sie das Tra­gen von Kopftüchern zu­las­sen wol­len oder nicht. Die am­tie­ren­de so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung von Mi­nis­ter­präsi­dent José Lu­is Ro­dríguez Za­pa­te­ro ist in die­ser Fra­ge zwie­ge­spal­ten. Während die Mi­nis­te­rin für Gleich­be­rech­ti­gung, Bi­bia­na Ai­do, nach ei­ge­nem Be­kun­den Kopftücher "nicht mag", be­ton­te Bil­dungs­mi­nis­ter An­gel Ga­bi­lon­do den Vor­rang des Rechts auf ei­ne Schul­bil­dung..

Ob ein auch für Schüle­rin­nen gel­ten­des ge­setz­li­ches Kopf­tuch­ver­bot mit den Vor­ga­ben des eu­ropäischen Rechts zu ver­ein­ba­ren wäre, ist zwei­fel­haft. Im­mer­hin ver­langt Art.3 Abs.1 Buch­sta­be b) der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 (Richt­li­nie 2000/78/EG) die Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit in Be­zug auf "den Zu­gang zu al­len For­men und al­len Ebe­nen der Be­rufs­be­ra­tung, der Be­rufs­aus­bil­dung, der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und der Um­schu­lung, ein­sch­ließlich der prak­ti­schen Be­rufs­er­fah­rung". Wenn man den Be­such all­ge­mein­bil­den­der Schu­len auch zur "Be­rufs­aus­bil­dung" im wei­te­ren Sin­ne zählt, darf es auch hier kei­ne Schlech­ter­stel­lung aus re­li­giösen Gründen ge­ben.

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Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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