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Ta­ges­schau­spre­cher sind kei­ne Ar­beit­neh­mer:

Wer­den Dienst­plä­ne für Nach­rich­ten­spre­cher auf­grund von Vor­ga­ben der Spre­cher er­stellt und kön­nen die­se ge­plan­te Ein­sät­ze tau­schen oder ab­ge­ben, liegt kein Ar­beits­ver­hält­nis vor: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 01.04.2009, 3 Sa 58/08 (Eva Her­man)

12.06.2009. Die Ab­set­zung Eva Her­m­ans als Ta­ges­schau­spre­che­rin im Jah­re 2006 wur­de von vie­len Kom­men­ta­to­ren auf­grund der ex­trem kon­se­va­ti­ven Äu­ße­run­gen Frau Her­m­ans zur Rol­le der Frau in der Fa­mi­lie be­grüßt.

Auf­grund wei­te­rer, noch we­ni­ger trag­ba­rer öf­fent­li­cher Äu­ße­re­run­gen im Jah­re 2007, bei de­nen es dann um die Rol­le der Frau im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ging, zog der Nord­deut­sche Rund­funk (NDR) die Not­brem­se und be­en­de­te das Ver­trags­ver­hält­nis mit Frau Her­man frist­los.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ham­burg muss­te sich vor kur­zem mit der ar­beits­recht­li­chen Sei­te die­ses Vor­falls aus­ein­an­der set­zen. Da­bei ging es im we­sent­li­chen um die Fra­ge, ob die Nach­rich­ten­spre­cher der ARD Ar­beit­neh­mer oder Selb­stän­di­ge sind: LAG Ham­burg, Ur­teil vom 01.04.2009, 3 Sa 58/08.

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Nach­dem die Ta­ges­schau­spre­che­rin und Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Eva Her­man auf der Grund­la­ge be­fris­te­ter Verträge von 1988 bis 2006 beim NDR im Sta­tus der frei­en Mit­ar­beit beschäftigt war und das Bild der Ta­ges­schau (mit-)prägte, ließ der Sen­der ab Au­gust 2006 den Ein­satz als Ta­ges­schau­spre­che­rin ru­hen.

Die Gründe dafür la­gen in ei­ner um­strit­te­nen Buch­veröffent­li­chung („Das Eva-Prin­zip“) bzw. in den dar­in ver­tre­te­nen The­sen zur Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Mann und Frau.

Im Jahr 2007 leg­te Frau Her­man eins drauf und veröffent­lich­te zwei wei­te­re Bücher zu „ih­rem“ The­ma des Mut­ter­seins. Am 06.09.2007 kam es bei der öffent­li­chen Präsen­ta­ti­on ei­ner Buch­veröffent­li­chung zum Eklat, als Her­man über die zu­sam­men mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus an­geb­lich ab­ge­schaff­ten gu­ten Wer­te - Kin­der, Mütter und Fa­mi­li­en - schwa­dro­nier­te und über die­se Äußerun­gen in den Me­di­en prompt breit be­rich­tet wur­de.

Dem Sen­der wur­de es dar­auf­hin zu bunt. Am 11.09.2007 hörte er Frau Her­man im Bei­sein ih­res An­walts an und bestätig­te so­dann mit Schrei­ben vom 13.09.2007 das Aus­lau­fen der Verträge zum 31.12.2007.

So­dann kündig­te der NDR am 18.09.2007 die be­ste­hen­den, oh­ne­hin auf­grund Be­fris­tung zum 31.12.2007 aus­lau­fen­den Verträge aus wich­ti­gem Grun­de frist­los.

Von der Kündi­gung be­trof­fen wa­ren die Ver­ein­ba­rung über die Tätig­keit als Nach­rich­ten­spre­che­rin im Fern­se­hen und als Mo­de­ra­to­rin für die Sen­dung „Her­man und Ti­et­jen“. Für den Fall des Be­ste­hens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses wur­de auch die­ses frist­los gekündigt. Um auf Num­mer Si­cher zu ge­hen, schob der Sen­der am 25.09.2007 vor­sorg­lich für den Fall des Be­ste­hens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne wei­te­re frist­ge­rech­te Kündi­gung zum 31.12.2007 nach.

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Ge­gen die­se Kündi­gun­gen er­hob Frau Her­man Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Ham­burg und stell­te, da Selbständi­ge kei­nen Kündi­gungs­schutz ge­nießen, ih­ren Sta­tus als freie Mit­ar­bei­te­rin in Ab­re­de.

Ent­ge­gen den schrift­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit dem NDR sei sie als Ar­beit­neh­me­rin tätig ge­we­sen. Ins­be­son­de­re bei ih­rer Tätig­keit als Spre­che­rin der „Ta­ges­schau“ und der „Ta­ges­the­men“ ha­be sie den Wei­sun­gen des Sen­ders un­ter­le­gen, auch bezüglich der Zei­ten ih­rer Tätig­keit. Sie ha­be kei­nen Ein­fluss auf die Tex­te ge­habt, die sie ha­be vor­le­sen müssen. Die Dienst­pläne sei­en vom Chef­spre­cher er­stellt wor­den.

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg wies den ge­gen die Wirk­sam­keit der Kündi­gun­gen ge­rich­te­ten Kündi­gungs­schutz­an­trag Frau Her­m­ans und ih­ren An­trag auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.12.2007 ab, da es der Mei­nung war, Frau Her­man sei kei­ne Ar­beit­neh­me­rin, son­dern ei­ne pro­gramm­ge­stal­ten­de freie Mit­ar­bei­te­rin (Ur­teil vom 29.04.2008, 1 Ca 424/07).

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Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ham­burg hat­te eben­falls kei­nen Er­folg, da das LAG den Sach­ver­halt nach Be­weis­auf­nah­me eben­so be­wer­te­te wie das Ar­beits­ge­richt (LAG Ham­burg, Ur­teil vom 01.04.2009, 3 Sa 58/08).

In Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) stellt das LAG zunächst fest, dass die recht­li­che Ein­ord­nung der be­ste­hen­den Ver­trags­be­zie­hun­gen durch die Ver­trags­par­tei­en nicht we­sent­lich für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge ist, ob ein Ar­beits­verhält­nis oder freie Mit­ar­beit vor­liegt. Ent­schei­dend kommt es viel­mehr auf die prak­ti­sche Durchführung des Ver­trags an.

Da­bei be­tont das Ge­richt, dass Nach­rich­ten­spre­cher im Prin­zip eben­so­gut im Sta­tus der frei­en Mit­ar­bei­ter wie im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ein­ge­setzt wer­den können. Die Be­weis­last für die Umstände, aus de­nen sich ein Ar­beits­verhält­nis her­lei­ten lässt, weist das LAG der Kläge­rin zu, da sie ein Ar­beits­verhält­nis be­haup­tet.

Ent­schei­dend war dann die Ver­neh­mung ver­schie­de­ner Nach­rich­ten­spre­cher der ARD zu der Fra­ge, wie groß der Ein­fluss der Spre­cher auf die Ge­stal­tung der Dienst­pläne und auf die An­zahl ih­rer Einsätze war.

Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me be­wer­te­te das Ge­richt die Be­haup­tung Frau Her­m­ans, die für sie gel­ten­den Dienst­pläne sei­en durch den Chef­spre­cher der Ta­ges­schau ein­sei­tig bzw. oh­ne kon­kre­te vor­he­ri­ge Ab­spra­che mit ihr fest­ge­legt wor­den, als wi­der­legt.

Darüber hin­aus kam das LAG zu der Fest­stel­lung, dass die Nach­rich­ten­spre­cher auch ent­spre­chend ih­ren Bedürf­nis­sen Einsätze ab­sa­gen bzw. sich von Kol­le­gen ver­tre­ten las­sen konn­ten.

Als Re­sul­tat der vom LAG um­fang­reich durch­geführ­ten und aus­ge­wer­te­ten Zeu­gen­ver­neh­mung stand fest, dass die zeit­li­che Fest­le­gung der Spre­che­r­einsätze und de­ren An­zahl im Jah­res­ver­lauf weit­ge­hend von den ein­zel­nen Spre­chern, d.h. ent­spre­chend ih­ren pri­va­ten Pla­nun­gen und an­der­wei­ti­gen be­ruf­li­chen Ver­pflich­tun­gen, fest­ge­legt wur­den, und dass die dar­aus sich er­ge­ben­den Ab­stim­mungs­pro­ble­me „ho­ri­zon­tal“, d.h. un­mit­tel­bar zwi­schen den Spre­chern gelöst wur­den.

Auf die­ser Grund­la­ge konn­te das LAG kein Ar­beits­verhält­nis fest­stel­len, da die Kläge­rin in be­zug auf ih­re Ar­beitseinsätze von den ein­sei­ti­gen Wei­sun­gen des Sen­ders ge­ra­de nicht abhängig war. Da­mit war die Wei­sungs­abhängig­keit, d.h. ei­nes der bei­den we­sent­li­chen Merk­ma­le des Ar­beits­verhält­nis­ses, schwach aus­ge­prägt. Auch von ei­ner „Ein­glie­de­rung“ in die be­trieb­li­chen Abläufe des Sen­ders kann un­ter sol­chen Umständen nur in tech­ni­scher, kaum aber in so­zia­ler Hin­sicht die Re­de sein.

Der ur­teilstra­gen­de Leit­satz der Ent­schei­dung des LAG Ham­burg lau­tet da­her: Wer­den Dienst­pläne für Nach­rich­ten­spre­cher im Fern­se­hen auf­grund ins Ein­zel­ne ge­hen­der Vor­ga­ben der Spre­cher er­stellt und ha­ben die Spre­cher die Möglich­keit, ge­plan­te Einsätze je­der­zeit un­ter­ein­an­der zu tau­schen und ge­plan­te Einsätze er­satz­los ab­zu­ge­ben, spricht dies ge­gen das Vor­lie­gen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

Fa­zit: Wer als fern­seh­pro­mi­nen­te Persönlich­keit die Vorzüge sei­ner deutsch­land­wei­ten Be­kannt­heit in Form von Buch­veröffent­li­chun­gen und an­de­ren lu­kra­ti­ven me­dia­len "Ne­bentägkei­ten" nutzt und da­her ein­sei­ti­ge Ter­min­vor­ga­ben des Sen­ders im (eher schlecht be­zahl­ten) Haupt­be­ruf als Nach­rich­ten­spre­cher schon aus fi­nan­zi­el­len Gründen nicht ak­zep­tie­ren würde, ist kein Ar­beit­neh­mer, son­dern Selbständi­ger. Er kann da­her nicht den Schutz des Ar­beits­rechts in An­spruch neh­men, wenn sei­ne Tätig­keit dem Auf­trag­ge­ber aus po­li­ti­schen Gründen nicht mehr trag­bar er­scheint.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über den Fall Eva Her­mann ent­schie­den und die vom LAG Ham­burg nicht zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on eben­falls nicht zur Ent­schei­dung zu­ge­las­sen. Da­mit ist das Ur­teil des LAG Ham­burg rechts­kräftig. In­for­ma­tio­nen zu der BAG-Ent­schei­dung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 7. Dezember 2014

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