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Ver­ab­schie­dung von Haus­halts­ge­setz kei­ne Vor­aus­set­zung für Be­fris­tung

Haus­halts­ge­setz: Kei­ne Vor­aus­set­zung für Be­fris­tung: Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 02.06.2009, 7 Ca 416/09
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05.10.2009. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Düs­sel­dorf be­fasst sich in ei­ner kürz­li­chen Ent­schei­dung mit der Wirk­sam­keit ei­nes aus haus­halts­recht­li­chen Grün­den be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges im öf­fent­li­chen Dienst.

Es stellt sich die Fra­ge, ob ei­ne Be­fris­tung auf­grund be­schränk­ter Haus­halts­mit­tel mög­lich ist, wenn das Haus­halts­ge­setz, in dem für die Ver­tre­tung von Plan­stel­len und für Aus­hilfs­kräf­te Gel­der vor­ge­se­hen sind, für die Zu­kunft noch nicht ver­ab­schie­det ist: ArbG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 02.06.2009, 7 Ca 416/09.

Die Haushaltsmittelbefristung: der hausgemachte Sachgrund?

Wird ein Ar­beits­verhält­nis für ei­ne im vor­aus fest­ge­leg­te Zeit ab­ge­schlos­sen, spricht man von ei­nem be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis. An­ders als un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge, die wenn sie be­stands­geschützt sind für den Ar­beit­ge­ber nur künd­bar sind, so­weit die Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist, en­den be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se in der Re­gel, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf.

Da­mit be­fris­te­te Ar­beits­verträge nicht zum Re­gel­fall wer­den, sind Be­fris­tun­gen oh­ne be­son­de­ren sach­li­chen Grund mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber höchs­tens für die Dau­er von zwei Jah­ren möglich. Kann sich der Ar­beit­ge­ber bei Ver­trags­schluss auf ei­nen der im Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) vor­ge­se­he­nen Sach­gründe be­ru­fen, ist auch ei­ne länge­re und wie­der­hol­te Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen möglich. Von den ver­schie­de­nen, im Ge­setz nicht ab­sch­ließend ge­nann­ten Sach­gründen für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses spie­len im öffent­li­chen Dienst vor al­lem die in § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ge­nann­ten haus­halt­recht­li­chen Be­schränkun­gen ei­ne Rol­le. Da­nach ist ei­ne Be­fris­tung zulässig, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind und er ent­spre­chend, al­so im Rah­men der für die Mit­tel vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben, beschäftigt wird.

In der Recht­spre­chung geklärt ist mitt­ler­wei­le, dass die­se Vor­schrift nicht nur sol­che Haus­halts­mit­tel er­fasst, die durch ein förm­li­ches Haus­halts­ge­setz be­reit­ge­stellt wer­den, son­dern auch Mit­tel gemäß Haus­haltsplänen, die von Selbst­ver­wal­tungskörper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts, al­so zum Bei­spiel von Städten, Ge­mein­den oder Uni­ver­sitäten in An­leh­nung an haus­halts­recht­li­che Grundsätze auf­ge­stellt wer­den.

Im Ein­zel­fall ist im­mer wie­der um­strit­ten, wel­che An­for­de­run­gen an die Be­weg­gründe des öffent­li­chen „Haus­halts­ge­bers“ zu stel­len sind, der be­stimm­te Mit­tel le­dig­lich für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se be­reit­stel­len will. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) müssen die für die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers verfügba­ren Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein (BAG, Ur­teil vom 07.05.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880). Da­her muss der Haus­halts­ge­ber ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Pro­gno­se an­stel­len, nach der die den be­fris­tet ein­zu­stel­len­den Ar­beit­neh­mern zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben nur für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum an­fal­len. Außer­dem dürfen im Rah­men der Be­fris­tung nicht über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den, d.h. Auf­ga­ben, die der Haus­halts­ge­ber ständig zu erfüllen hat (BAG, Ur­teil vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA, 2007, 332).

Frag­lich ist, ob ei­ne Be­fris­tung auf­grund be­schränk­ter Haus­halts­mit­tel möglich ist, wenn das Haus­halts­ge­setz, in dem für die Ver­tre­tung von Plan­stel­len und für Aus­hilfs­kräfte Gel­der vor­ge­se­hen sind, für die Zu­kunft noch nicht ver­ab­schie­det ist.

Ei­nen ver­gleich­ba­ren Fall hat­te zu­vor be­reits das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm in sei­nem Ur­teil vom 23.08.2007 (AZ: 11 Sa 348/07) ent­schie­den und war zum dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass ei­ne Be­fris­tung längs­tens bis zur Verkündung des fol­gen­den Haus­halts­ge­set­zes zulässig sei, wenn die Re­ge­lun­gen des vor­he­ri­gen Haus­halts­ge­set­zes bis zur Verkündung ei­nes neu­en Ge­set­zes gel­ten sol­len. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 22.04.2009, 7 AZR 743/07) hin­ge­gen ver­wies in der Re­vi­si­ons­in­stanz die Ent­schei­dung an das LAG zurück und gab ihm mit auf den Weg, dass es aus­reicht, wenn man für die er­for­der­li­che Pro­gno­se auf­grund nach­prüfba­rer Tat­sa­chen da­von aus­ge­hen kann, dass für die ge­sam­te Ver­trags­lauf­zeit aus­rei­chen­de Haus­halts­mit­tel für die Vergütung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers be­reit­ste­hen wer­den.

Das ArbG Düssel­dorf (Ur­teil vom 02.06.2009, 7 Ca 416/09) wand­te sich im vor­lie­gen­den Fall aus­drück­lich ge­gen die Recht­spre­chung des LAG und ori­en­tier­te sich an der Ent­schei­dung der Er­fur­ter Rich­ter.

Der Fall: Jahrelange Hangelei von einer Befristung zur nächsten

Die kla­gen­de Ar­beit­neh­me­rin war seit dem Jahr 2000 für die Be­klag­te im öffent­li­chen Dienst tätig und han­gel­te sich von Be­fris­tung zu Be­fris­tung. Nach­dem Sie zum En­de der letz­ten Be­fris­tung er­krank­te, stell­te die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne an­de­re Ar­beit­neh­me­rin als be­fris­te­te Aus­hilfs­kraft ein. Mit ih­rer Kla­ge woll­te die Ar­beit­neh­me­rin die Ent­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­rei­chen.

ArbG Düsseldorf: Ist das letzte Glied der Befristungskette erreicht?

Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf wies die Kla­ge ab. Nach der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts kommt es nicht dar­auf an, dass zum Zeit­punkt der Be­fris­tungs­ab­re­de noch kein Haus­halts­ge­setz für das Jahr 2009 vor­lag. An­ders als das LAG Hamm in sei­nem Ur­teil vom 23.08.2007, hielt es das Ar­beits­ge­richt für hin­rei­chend wahr­schein­lich, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber auch für das auf die Ver­ein­ba­rung der Be­fris­tung fol­gen­de Haus­halts­jahr ei­ne Fort­gel­tung der bis­he­ri­gen Re­geln bis zur Ver­ab­schie­dung ei­nes neu­es Haus­halts­ge­set­zes in das Ge­setz auf­neh­men wer­de. Dies schloss das Ar­beits­ge­richt dar­aus, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber be­reits in den letz­ten vier Jahr ver­gleich­ba­re Ge­set­zes­re­ge­lun­gen ver­ab­schie­det hat­te.

Fa­zit: Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts führt da­zu, dass die von Dienst­her­ren im öffent­li­chen Dienst an­zu­stel­len­den Pro­gno­sen bei Ver­ein­ba­rung ei­ner Haus­halts­mit­tel­be­fris­tung zu­neh­mend als Ein­z­elfälle ent­schie­den wer­den dürf­ten. Wel­che Tat­sa­chen nämlich aus­rei­chend sind, da­mit man be­rech­tig­ter­wei­se da­von aus­ge­hen kann, dass aus­rei­chen­de Mit­tel für die Beschäfti­gung bis zum En­de der Be­fris­tung zur Verfügung ste­hen wer­den, wird je­des Ge­richt aufs Neue zu ent­schei­den ha­ben. Ar­beit­neh­mern ist da­her an­zu­ra­ten, in Fällen von Be­fris­tun­gen auf­grund be­grenzt verfügba­rer Haus­halts­mit­tel vor dem Ab­lauf der Be­fris­tung ge­nau zu prüfen, ob die Pro­gno­se zu­tref­fend ge­we­sen ist. Für den öffent­li­chen Dienst­herr be­deu­tet die von den Ar­beits­ge­rich­ten zu er­war­ten­de Pra­xis ei­ne Ver­größerung sei­nes Spiel­raums beim Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge.

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Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2016

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