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Dis­kri­mi­nie­rung bei Be­nach­tei­li­gung ei­nes Ar­beits­neh­mers we­gen der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des

Ar­beit­neh­mer wer­den auch dann "we­gen ei­ner Be­hin­de­rung" dis­kri­mi­niert, wenn sie we­gen ei­nes be­hin­der­ten Kin­des be­nach­tei­ligt wer­den: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 17.07.2008, C-303/06 (Cole­man gg. At­triddge Law, Ste­ve Law)

27.08.2008.Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hofs (EuGH) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil den Schutz aus­ge­wei­tet, den die EU-Mit­glied­staa­ten auf­grund der Richt­li­nie 78/2000/EG ge­gen­über be­hin­de­rungs­be­ding­ten Dis­kri­mi­nie­run­gen im Er­werbs­le­ben ge­währ­leis­ten müs­sen.

Denn ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung "we­gen ei­ner Be­hin­de­rung" setzt nicht un­be­dingt vor­aus, dass der be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­mer selbst ei­ne Be­hin­de­rung auf­weist, so der EuGH.

Ei­ne un­zu­läs­si­ge be­hin­de­rungs­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung kann auch vor­lie­gen, wenn ein Ar­beit­neh­mer be­nach­tei­ligt wird, weil er sich um ei­nen be­hin­der­ten na­hen An­ge­hö­ri­gen küm­mern muss: EuGH, Ur­teil vom 17.07.2008, C-303/06 (Cole­man gg. At­triddge Law, Ste­ve Law).

Diskriminierung wegen einer Behinderung - auch bei Nachteilen infolge einer behinderten Kindes?

27.08.2008. Die eu­ropäische Richt­li­nie 2000/78/EG vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf dient dem Zweck, un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu ver­hin­dern und Maßnah­men zur so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Ein­glie­de­rung älte­rer und be­hin­der­ter Men­schen zu er­grei­fen. Die­se ge­nann­ten persönli­chen Merk­ma­le dürfen nicht zu ei­ner un­glei­chen Be­hand­lung bei der Ein­stel­lung, beim be­ruf­li­chen Auf­stieg oder bei der Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen führen. Der auf der Richt­li­nie be­ru­hen­den Norm­set­zungs-Pflicht kam der deut­sche Ge­setz­ge­ber durch die wei­te Fas­sung von § 1 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) nach, der die o.g. Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te in na­tio­na­les Recht der Bun­des­re­pu­blik um­setzt.

Die Richt­li­nie 2000/78/EG ver­bie­tet un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen, "Belästi­gun­gen" so­wie die An­wei­sung zur Dis­kri­mi­nie­rung. Sank­tio­nen für ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen müssen "wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend" sein. Bei Strei­tig­kei­ten muss dem Op­fer ein ef­fek­ti­ver Rechts­schutz zur Verfügung ste­hen, der auch ei­ne Be­weis­last­ver­tei­lung zu sei­nen Guns­ten be­inhal­ten muss.

Da­zu de­fi­niert Art.2 der Richt­li­nie den Be­griff des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes da­hin, dass kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art.1 ge­nann­ten Gründe er­fol­gen darf. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung liegt vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art.1 ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde.

Ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung be­steht dem­ge­genüber dar­in, dass dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung, ei­nes be­stimm­ten Al­ters oder mit ei­ner be­stimm­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, es lie­gen ge­wis­se be­nann­te Recht­fer­ti­gungs­gründe vor.

Art.2 Abs.3 der Richt­li­nie de­fi­niert ei­ne „Belästi­gung“ als un­erwünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen, die mit ei­nem der in Art.1 ge­nann­ten Gründe zu­sam­menhängen und be­zwe­cken oder be­wir­ken, dass die Würde der be­tref­fen­den Per­son ver­letzt und ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird. Ei­ne sol­che Belästi­gung gilt als Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art.2 Abs.1. Den Mit­glied­staa­ten wird die Möglich­keit eröff­net, den Be­griff „Belästi­gung“ im Ein­klang mit den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten zu de­fi­nie­ren.

Im Er­geb­nis die­ser in Art.2 der Richt­li­nie ent­hal­te­nen Vor­schrif­ten ist jeg­li­che un­mit­tel­ba­re oder „mit­tel­ba­re“ Dis­kri­mi­nie­run­gen von Per­so­nen, die selbst be­hin­dert sind, ver­bo­ten.

Frag­lich ist al­ler­dings, ob der Schutz der Richt­li­nie stets vor­aus­setzt, dass die von der Richt­li­nie begüns­tig­te Per­son selbst, d.h. in ih­rer Per­son ei­ne Be­hin­de­rung auf­weist, oder ob auch ei­ne Si­tua­ti­on, in der zwar nicht der Ar­beit­neh­mer selbst ei­ne Be­hin­de­rung auf­weist, er aber auf­grund sei­ner ver­wandt­schaft­lich na­hen Be­zie­hung zu ei­nem be­hin­der­ten Men­schen be­nach­tei­ligt wird, als der Richt­li­nie zu­wi­der­lau­fen­de Be­hand­lung, et­wa als „Belästi­gung“ oder als „mit­tel­ba­re“ Dis­kri­mi­nie­rung, an­zu­se­hen ist.

Über die­se Fra­ge hat­te der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) mit Ur­teil vom 17.07.2008, Rs. C-303/06 (Cole­man gg. At­triddge Law, Ste­ve Law) zu ent­schei­den.

Der Streitfall aus England: Anwaltssekretärin muss für behindertes Kleinkind sorgen

In dem vom EuGH zu ent­schei­den­den, bri­ti­schen Aus­gangs­fall war nicht die Kläge­rin, ei­ne seit An­fang 2001 als An­walts­se­kretärin täti­ge Ar­beit­neh­me­rin, selbst be­hin­dert, son­dern ihr Sohn, den sie im Jahr 2002 ge­bar. Er litt un­ter apnoi­schen Anfällen so­wie an an­ge­bo­re­ner La­ryn­go­ma­la­zie und Bron­cho­ma­la­zie. Die da­her in in­ten­si­vem Um­fang er­for­der­li­che Pfle­ge des Kin­des wur­de im We­sent­li­chen von der Kläge­rin aus­geführt.

Am 04.03.2005 stimm­te sie ei­ner frei­wil­li­gen Ent­las­sung aus dem Ar­beits­verhält­nis zu. Am 30.08.2005 er­hob sie Kla­ge mit dem Vor­brin­gen, sie sei „Op­fer ei­ner er­zwun­ge­nen so­zi­al­wid­ri­gen Kündi­gung“ ge­we­sen und ha­be, weil sie die hauptsächli­che Be­treu­ung des be­hin­der­ten Soh­nes leis­te, ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren als die an­de­ren Ar­beit­neh­mer. In­fol­ge die­ser Be­hand­lung sei sie ge­zwun­gen ge­we­sen, das mit dem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis zu be­en­den.

Der EuGH berück­sich­tig­te bei sei­ner Ent­schei­dung un­ter an­de­rem auch das strei­ti­ge Vor­brin­gen der Kläge­rin. Die­sem zu­fol­ge wei­ger­te sich der ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­ber der Kläge­rin nach ih­rer Rück­kehr aus dem Mut­ter­schafts­ur­laub, sie an ih­rem frühe­ren Ar­beits­platz wei­ter zu beschäfti­gen. Dem­ge­genüber konn­ten an­de­re Mit­ar­bei­ter, die kein be­hin­der­tes Kind hat­ten, an ih­ren al­ten Ar­beits­platz zurück­keh­ren. Zu­dem ge­stand der Ar­beit­ge­ber der Kläge­rin nicht die­sel­ben va­ria­blen Ar­beits­zei­ten und die glei­chen Ar­beits­be­din­gun­gen zu wie Ar­beit­neh­mern, de­ren Kind nicht be­hin­dert war.

Die Kläge­rin war außer­dem vom Ar­beit­ge­ber als „faul“ be­ti­telt wor­den, als sie we­gen der Be­treu­ung des be­hin­der­ten Kin­des um Frei­stel­lung ge­be­ten hat­te, während die El­tern nicht be­hin­der­ter Kin­der an­stands­los Frei­stel­lungs­ge­le­gen­heit er­hiel­ten. Zu­dem sah sich die Kläge­rin ver­let­zen­den und un­an­ge­mes­se­nen Be­mer­kun­gen so­wohl mit Be­zug auf sie selbst als auch bezüglich ih­res be­hin­der­ten Sohns aus­ge­setzt, während El­tern nicht be­hin­der­ter Kin­der kei­ne ver­gleich­ba­ren Äußerun­gen hin­neh­men muss­ten, wenn sie um ar­beits­zeit­be­zo­ge­ne Zu­geständ­nis­se zum Zwe­cke der Be­treu­ung ih­rer Kin­der ba­ten.

Der Kläge­rin wur­de zu­dem in Aus­sicht ge­stellt, man wer­de sie ent­las­sen, wenn sie, was ge­le­gent­lich vor­kam, er­neut we­gen Pro­ble­men im Zu­sam­men­hang mit dem Zu­stand des Kin­des zu spät kom­me, während sich an­de­re Ar­beit­neh­mer, die aus den glei­chen Gründen zu spät ka­men, sol­chen Dro­hun­gen nicht aus­ge­setzt sa­hen. Zu­dem sah sich die Kläge­rin ge­zwun­gen, ih­re of­fi­zi­el­le Be­schwer­de we­gen schlech­ter Be­hand­lung zurück­zu­zie­hen, weil die­se nicht sach­gemäß be­han­delt wur­de.

Das mit der Kla­ge be­fass­te Ge­richt, das Em­ploy­ment Tri­bu­nal Lon­don South, setz­te das Ver­fah­ren aus und leg­te dem EuGH fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor:

„1. Schützt die Richt­li­nie 2000/78 im Rah­men des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung nur Men­schen vor un­mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung und Belästi­gun­gen, die selbst ei­ne Be­hin­de­rung ha­ben?

2. Falls die ers­te Fra­ge ver­neint wird, schützt die Richt­li­nie 2000/78 auch Ar­beit­neh­mer, die zwar nicht selbst ei­ne Be­hin­de­rung ha­ben, aber we­gen ih­rer Be­zie­hung zu ei­nem Men­schen mit Be­hin­de­rung ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren oder belästigt wer­den?

3. Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer we­ni­ger güns­tig be­han­delt, als er an­de­re Ar­beit­neh­mer be­han­delt oder be­han­deln würde, und fest­steht, dass der Grund für die Be­hand­lung des Ar­beit­neh­mers dar­in liegt, dass die­ser ei­nen Sohn mit Be­hin­de­rung hat, den er be­treut, stellt die­se Be­hand­lung dann ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung dar, die den durch die Richt­li­nie 2000/78 fest­ge­leg­ten Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ver­letzt?

4. Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer belästigt und fest­steht, dass der Grund für die Be­hand­lung des Ar­beit­neh­mers dar­in liegt, dass er ei­nen Sohn mit Be­hin­de­rung hat, den er be­treut, stellt die­se Belästi­gung dann ei­ne Ver­let­zung des durch die Richt­li­nie 2000/78 fest­ge­leg­ten Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung dar?“

EuGH: Das EU-Recht verbietet auch Diskriminierungen eines nicht behinderten Arbeitnehmers wegen seiner Beziehung zu einem behinderten Kind

Der EuGH fass­te den ers­ten Teil der ers­ten Fra­ge so­wie die zwei­te und drit­te Fra­ge zu­sam­men und be­ant­wor­te­te die­se un­ter Be­zug­nah­me auf die Art.1, Art.2 Abs.1 und 2 lit.a), Art.3 Abs.1 lit.c) der Richt­li­nie 2000/78/EG wie folgt:

Der Zweck der Richt­li­nie lie­ge in der Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art.1 ge­nann­ten Gründe ein­sch­ließlich der Be­hin­de­rung. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz for­de­re, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Be­hin­de­rung ge­ben dürfe.

Ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung nach Art.2 Abs.2a) sei ge­ge­ben, wenn ei­ne Per­son u.a. we­gen ih­rer Be­hin­de­rung in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­re als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Die Richt­li­nie gel­te außer­dem für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, im Hin­blick auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen so­wie des Ar­beits­ent­gelts.

Kei­ne die­ser Be­stim­mun­gen set­ze vor­aus, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auf Per­so­nen be­schränkt sein soll, die selbst ei­ne Be­hin­de­rung hätten. Der Zweck der Richt­li­nie lie­ge viel­mehr dar­in, jeg­li­che Art der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Be­hin­de­rung zu un­ter­bin­den. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz gel­te nicht für be­stimm­te Per­so­nen, son­dern viel­mehr in Be­zug auf die in Art.1 ge­nann­ten Gründe.

Die Richt­li­nie ent­hal­te zwar ei­ne Rei­he von Re­ge­lun­gen, die wie et­wa Art.5 le­dig­lich für be­hin­der­te Per­so­nen gel­ten könn­ten. Die­ser Vor­schrift zu­fol­ge muss der Ar­beit­ge­ber an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen tref­fen, um be­hin­der­ten Men­schen den Zu­gang zur Beschäfti­gung, die Ausübung des Be­ru­fes etc. zu ermögli­chen. Dar­aus könne aber, so der EuGH, nicht ge­schlos­sen wer­den, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nur (un-) mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen ge­genüber be­hin­der­ten Men­schen ver­bie­te.

Der EuGH be­zieht sich zu sei­ner Be­gründung auf das Ur­teil vom 11.07.2006 in der Sa­che Chacón Na­vas (Rs. C-13/05). Dort wur­de ar­gu­men­tiert, dass der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie nicht über die Dis­kri­mi­nie­run­gen hin­aus­ge­he, die in Art.1 ge­nannt sei­en - mit der Fol­ge, dass sich ei­ne Per­son, die aus­sch­ließlich we­gen Krank­heit gekündigt wer­de, nicht un­ter die Richt­li­nie 2000/78/EG fal­le.

Der EuGH hat­te in die­ser Ent­schei­dung je­doch kei­ne Ausführun­gen da­zu ge­macht, ob der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz so­wie der sach­li­che Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie re­strik­tiv aus­zu­le­gen sei­en. Die Richt­li­nie ver­fol­ge den Zweck, ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf u.a. we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu schaf­fen. Die­ser Zweck würde gefähr­det, wäre es ei­nem Ar­beit­neh­mer wie der Kläge­rin ver­sagt, sich auf das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot zu be­ru­fen.

Dies be­deu­tet für den Fort­gang des Aus­gangs­ver­fah­rens, dass die Kläge­rin im Sin­ne von Art.10 der Richt­li­nie 2000/78/EG Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen muss, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ver­mu­ten las­sen. Die Um­set­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nach der Richt­li­nie würde so­dann ver­lan­gen, dass die Be­weis­last wech­selt und die Be­klag­ten be­wei­sen müss­ten, dass kein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz vor­liegt.

Den zwei­ten Teil der ers­ten Fra­ge und die vier­te Fra­ge fasst der EuGH eben­falls zu­sam­men und prüft, ob die Richt­li­nie 2000/78/EG da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass ei­ne Belästi­gung, wel­che mit ei­ner Be­hin­de­rung zu­sam­menhängt, nur ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer möglich ist, der sei­ner­seits be­hin­dert ist oder ob das Ver­bot der Belästi­gung auch für ei­nen Ar­beits­neh­mer gilt, der nicht selbst be­hin­dert ist, dem ge­genüber aber ein un­erwünsch­tes Ver­hal­ten aus­geübt wird, das ei­ne Belästi­gung dar­stellt und mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des zu­sam­menhängt.

Un­ter Be­zug­nah­me auf die Ausführun­gen zum ers­ten Teil der ers­ten Fra­ge so­wie der zwei­ten und drit­ten Fra­ge erläutert der EuGH, dass ei­ne Belästi­gung nach Art.2 Abs.3 der Richt­li­nie ei­ne Form der Dis­kri­mi­nie­rung i.S.v. Art.2 Abs.1 dar­stellt, mit der Fol­ge, dass die Richt­li­nie aus den glei­chen, be­reits dar­ge­stell­ten Gründen, nicht so aus­zu­le­gen ist, dass das Ver­bot der Belästi­gung nur auf Per­so­nen be­schränkt ist, die ih­rer­seits be­hin­dert sind.

So­fern nach­ge­wie­sen wird, dass das un­erwünsch­te Ver­hal­ten, das den nicht be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer belästigt, mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des zu­sam­menhängt, für das er im we­sent­li­chen die Pfle­ge leis­tet, verstößt die­ses Ver­hal­ten ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, ins­be­son­de­re ge­gen das Belästi­gungs­ver­bot des Art.2 Abs.3 der Richt­li­nie. In­so­weit gel­ten die be­reits dar­ge­stell­ten Be­weis­last­grundsätze. Soll­te die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, wel­che ei­ne Belästi­gung ver­mu­ten las­sen, ver­langt der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, dass die Be­klag­ten be­wei­sen müss­ten, dass ge­ra­de kei­ne Belästi­gung statt­ge­fun­den hat.

Fa­zit: Die Richt­li­nie 2000/78/EG ver­bie­tet auch Dis­kri­mi­nie­run­gen ei­nes nicht be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers we­gen sei­ner Be­zie­hung zu ei­nem be­hin­der­ten Kind. Das in Art.2 Abs.3. der Richt­li­nie ent­hal­te­ne Ver­bot von Belästi­gun­gen ist nicht auf Per­so­nen be­schränkt, die be­hin­dert sind, son­dern er­fasst auch Belästi­gun­gen, die ge­genüber ei­nem nicht be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer verübt wer­den und in Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung des Kin­des ste­hen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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