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Wer ent­schei­det über eng­lisch im Un­ter­neh­men?

Eng­lisch als Be­triebs­spra­che: Mit­be­stim­mungs­pflicht des Be­triebs­ra­tes: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 09.03.2009, 5 TaBV 114/08

21.09.2009. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat­te sich mit der Fra­ge zu be­fas­sen, ob die Ein­füh­rung von Eng­lisch als Be­triebs­spra­che als Ord­nungs­ver­hal­ten mit­be­stim­mungs­pflich­tig ist, oder ob ei­ne sol­che Um­stel­lung le­dig­lich das Ar­beits­ver­hal­ten be­trifft, LAG Köln, Be­schluss vom 09.03.2009, 5 TaBV 114/08.

Mitbestimmung des Betriebsrats oder Weisungsrecht des Arbeitgebers?

An­ord­nun­gen des Ar­beit­ge­bers, die Fra­gen der „Ord­nung des Be­triebs und des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb“ be­tref­fen, un­ter­lie­gen nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats. Ein­sei­ti­ge Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers sind in die­sem Be­reich der Mit­be­stim­mung in so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten aus­ge­schlos­sen bzw. recht­lich un­zulässig. Können sich Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat in sol­chen Fra­gen nicht auf ei­ne ge­mein­sam ge­tra­ge­ne Re­ge­lung ei­ni­gen, ent­schei­det auf Initia­ti­ve ei­nes oder bei­der Be­triebs­part­ner die Ei­ni­gungs­stel­le. Ihr Spruch er­setzt die Ei­ni­gung der Be­triebs­par­tei­en.

Strei­tig ist im Ein­zel­fall oft, ob be­stimm­te Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers dem gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen „Ord­nungs­ver­hal­ten“ der Ar­beit­neh­mer un­ter­fal­len oder aber als Ar­beitstätig­keit an­zu­se­hen sind und da­her dem mit­be­stim­mungs­frei­en Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers un­ter­ste­hen.

Zum Ord­nungs­ver­hal­ten gehören je­den­falls sol­che Ver­hal­tens­wei­sen der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb, die kei­nen kon­kre­ten Be­zug zur Ar­beits­pflicht ha­ben, al­so z.B. das Rau­chen am Ar­beits­platz oder in Pau­senräum­en, die An­nah­me von Ge­schen­ken oder auch die während im Be­trieb zu be­ach­ten­de Klei­der­ord­nung. In sol­chen und ähn­li­chen Fra­gen hat der Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men. Er­teilt der Ar­beit­ge­ber da­ge­gen sei­nen Ar­beit­neh­mer An­wei­sun­gen in be­zug auf die Ausführung der Ar­beit, ist nicht das Ord­nungs-, son­dern das Ar­beits­ver­hal­ten be­trof­fen. Die­ses un­ter­liegt nicht der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats.

Frag­lich ist, ob die vom Ar­beit­ge­ber mitt­ler­wei­le in vie­len Be­trie­ben erwünsch­te fremd­spra­chi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb und im Um­gang mit Kun­den das Ord­nungs- oder das Ar­beits­ver­hal­ten be­trifft. Zu die­sem Pro­blem muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln kürz­lich Stel­lung neh­men (LAG Köln, Be­schluss vom 09.03.2009, 5 TaBV 114/08).

Der Fall: Großunternehmen stellt auf einheitliche Sprache um

Der Ar­beit­ge­ber ist Großun­ter­neh­men der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che, dem die Ver­wen­dung der eng­li­schen Spra­che am Her­zen liegt. Er stell­te im Sep­tem­ber 2008 Kri­te­ri­en und Re­geln für die Ver­wen­dung des Eng­li­schen auf. In die­sem Zu­sam­men­hang ver­sand­te er ein auf Eng­lisch ab­ge­fass­tes Ar­beits­do­ku­ment mit dem Ti­tel „HR-One Voice Glo­bal Edi­ti­on“, das der in­ter­nen In­for­ma­ti­on der Ar­beit­neh­mer dien­te. Außer­dem äußer­te ein Vor­stands­mit­glied in ei­nem Mit­ar­bei­ter­rund­schrei­ben vom Sep­tem­ber 2008, dass gu­te Eng­lisch­kennt­nis­se vor al­lem bei Mit­ar­bei­tern in Per­so­nal­funk­tio­nen vor­aus­ge­setzt würden. Zu­dem ver­sand­te der Ar­beit­ge­ber ei­ne in eng­lisch ver­faßte Mit­ar­bei­ter­in­for­ma­ti­on für die Ar­beit­neh­mer des IT-Be­reichs.

Vor die­sem Hin­ter­grund ver­lang­te der Ge­samt­be­triebs­rat auf Ba­sis ei­ner Auf­ga­ben­de­le­ga­ti­on durch die ein­zel­nen Be­triebsräte des Un­ter­neh­mens gemäß § 50 Abs. 2 Be­trVG ein Tätig­wer­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu dem The­ma „Be­triebs­spra­che Deutsch und/oder Eng­lisch“. Recht­li­che Grund­la­ge der An­ru­fung der Ei­ni­gungs­stel­le war das aus Sicht des Ge­samt­be­triebs­rats be­ste­hen­de Mit­be­stim­mungs­recht gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG. Der Ar­beit­ge­ber war der Mei­nung, sei­ne Maßnah­men sei­en nicht mit­be­stim­mungs­pflich­tig und sah in­fol­ge­des­sen kei­nen Grund, der Ver­hand­lung vor der Ei­ni­gungs­stel­le zu­zu­stim­men.

Der Ge­samt­be­triebs­rat zog da­her vor das Ar­beits­ge­richt Bonn und be­an­trag­te gemäß § 98 Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG) die ge­richt­li­che Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le. Das Ar­beits­ge­richt Bonn gab dem An­trag statt, d.h. es setz­te die Ei­ni­gungs­stel­le ein und be­stimm­te die Per­son des Vor­sit­zen­den (Be­schluss vom 28.11.2008, 2 BV 323/08). Da­ge­gen leg­te der Ar­beit­ge­ber Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ein.

LAG Köln: Die im Betrieb allgemein geregelte Sprache betrifft das Ordnungsverhalten

Das LAG bestätig­te die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts, d.h. es gab dem Ge­samt­be­triebs­rat Recht.

In der Be­gründung wi­der­legt das LAG zunächst ei­ni­ge for­mal­ju­ris­ti­sche Einwänden des Ar­beit­ge­bers, mit de­nen die­ser die ord­nungs­gemäße Be­auf­tra­gung des Ge­samt­be­triebs­rats durch die an sich zuständi­gen Be­triebsräte be­strit­ten hat­te. Die­se Einwände be­tra­fen u.a. die Be­schluss­fas­sung der be­tei­lig­ten Be­triebsräte und wa­ren im Er­geb­nis nach An­sicht des LAG un­be­gründet.

Mit Blick auf das strei­ti­ge Mit­be­stim­mungs­recht war das Ge­richt der Mei­nung, dass sich der Ar­beit­ge­ber nicht dar­auf be­schränkt hat­te, An­wei­sun­gen über die bei ein­zel­nen Ar­beits­vorgängen zu ver­wen­den­de Spra­che zu er­tei­len. Viel­mehr hat­te er ei­ne grund­le­gen­de „Er­war­tung“ in be­zug auf die Ver­wen­dung des Eng­li­schen zum Aus­druck ge­bracht hat­te. Wenn der Ar­beit­ge­ber aber die all­ge­mein im Be­trieb zu ver­wen­den­de Spra­che re­geln möch­te, be­trifft dies nach An­sicht des LAG, das da­bei auf die be­reits vom Ar­beits­ge­richt ge­ge­be­ne Be­gründung ver­weist, „in ers­ter Li­nie“ das Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer. Dem­zu­fol­ge kam das Ge­richt zu dem Er­geb­nis, dass der Be­triebs­rat gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG mit­zu­be­stim­men hat­te.
Der Ar­beit­ge­ber konn­te das LAG auch nicht mit dem Ar­gu­ment be­ein­dru­cken, sei­ne die Spra­che be­tref­fen­den An­wei­sun­gen hätten nur Fol­gen für die „Ar­beits­spra­che“, nicht aber für die all­ge­mein im Be­trieb ver­wen­de­te „Be­triebs­spra­che“ (die Deutsch sei und Deutsch blei­ben sol­le). Zu die­ser Un­ter­schei­dung merkt das LAG an, dass eben sie ei­ne Ab­gren­zung bei­der Be­rei­che er­for­der­lich ma­che, so dass je­den­falls hier ein Re­ge­lungs­bedürf­nis be­ste­he.

Im Er­geb­nis ist dem LAG Köln zu­zu­stim­men, ob­wohl der Um­fang der vom Ar­beit­ge­ber gewünsch­ten Ver­wen­dung des Eng­li­schen si­cher­lich ge­nau­er hätte auf­geklärt wer­den können. Wie weit­ge­hend die Ar­beit­neh­mer tatsächlich nach den Vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers auf eng­lisch kom­mu­ni­zie­ren sol­len, bleibt in den Ent­schei­dungs­gründen weit­ge­hend dun­kel.

Für die Ent­schei­dung des LAG Köln spricht aber die Über­le­gung, dass die alltägli­che Spra­che letzt­lich ein al­le Kom­mu­ni­ka­ti­on um­fas­sen­des Me­di­um ist und kein bloßes Ar­beits­in­stru­ment, das punkt­ge­nau an die­ser Stel­le der be­trieb­li­chen Abläufe ein­ge­setzt und an­ders­wo durch ei­ne an­de­re Spra­che er­setzt wer­den kann.

Da­her lässt sich ei­ne mögli­cher­wei­se mit­be­stim­mungs­freie „Ar­beits­spra­che“ nicht oh­ne Schwie­rig­kei­ten von ei­ner mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen „Be­triebs­spra­che“ ab­gren­zen.

Da ein An­trag auf ge­richt­li­che Ei­ni­gungs­stel­len­be­set­zung we­gen Un­zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le aber nur ab­ge­wie­sen wer­den kann, wenn die Ei­ni­gungs­stel­le „of­fen­kun­dig“ un­zuständig ist (§ 98 Abs. 1 Satz 2 ArbGG), war dem An­trag des Ge­samt­be­triebs­rats statt­zu­ge­ben.

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Letzte Überarbeitung: 1. Juli 2016

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