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Das Ar­beits­zeug­nis

Schrei­ben, prü­fen, Ge­heim­codes kna­cken: von Clau­dia Wanz­ke, Ver­lag C.H. Beck, Mün­chen 2008, 126 Sei­ten, 6,80 EUR
21.10.2010. Zeug­nis­se be­ein­flus­sen nach wie vor in er­heb­li­chem Ma­ße Ein­stel­lungs­ent­schei­dun­gen. Ein gu­tes Zeug­nis kann da­her ein Tür­öff­ner sein, ein schlech­tes kann zu ei­nem Dau­er­pro­blem für das be­ruf­li­che Fort­kom­men wer­den. Ar­beit­neh­mer soll­ten da­her in der La­ge sein, ein ih­nen er­teil­tes Zeug­nis rasch ein­schät­zen zu kön­nen, um den Ar­beit­ge­ber - falls nö­tig - zu Än­de­run­gen be­we­gen zu kön­nen.

Clau­dia Ki­li­an (geb. Wanz­ke) hat zu die­sem The­ma ei­nen Rat­ge­ber ver­fasst, der bei Beck in der Rat­ge­ber­rei­he Kom­pakt er­schie­nen ist.

Clau­dia Wanz­ke: Das Ar­beits­zeug­nis. Schrei­ben, prü­fen, Ge­heim­codes kna­cken, Ver­lag C.H. Beck, Mün­chen 2008, 1. Auf­la­ge, 126 Sei­ten; 6,80 EUR

Wie lesen Personaler Zeugnisse „auf die Schnelle“?

Gleich zu An­fang ih­res Rat­ge­bers weist die Ver­fas­se­rin zu­recht auf ei­ne we­sent­li­che Funk­ti­on von Zeug­nis­sen hin: Zeug­nis­se die­nen Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen im Rah­men ei­ner ers­ten flüch­ti­gen Lektüre da­zu, in großer Ei­le un­ter vie­len Be­wer­bern ei­ni­ge we­ni­ge her­aus­zu­su­chen, mit de­nen man ein Vor­stel­lungs­gespräch führen möch­te.

Ar­beit­neh­mer, die ein ih­nen er­teil­tes Zeug­nis be­wer­ten möch­ten und an die sich der Rat­ge­ber in ers­ter Li­nie rich­tet, soll­ten da­her zunächst ein­mal ei­nen Per­spek­ti­ven­wech­sel voll­zie­hen und sich in die Rol­le des pro­fes­sio­nel­len „Zeug­nis­kon­su­men­ten“ hin­ein­ver­set­zen.

Um nicht gleich zu An­fang ei­nes Be­wer­bungs­ver­fah­rens aus­sor­tiert zu wer­den, ist ein gu­tes Zeug­nis wich­tig, und „gut“ heißt hier erst ein­mal „for­mal in Ord­nung“. Was hier­zu gehört, erfährt der Le­ser an ver­schie­de­nen Stel­len des Rat­ge­bers in knap­per Form, wo­bei nichts Wich­ti­ges un­ter­schla­gen wird: An­ge­mes­se­ne Länge, rich­ti­ges Aus­stel­lungs­da­tum, kor­rek­te An­ga­ben zur Per­son, freund­li­che Dan­kes- und Be­dau­erns­for­mel am Schluss des Zeug­nis­ses u.a. mehr - dies sind die Eck­punk­te, die der pro­fes­sio­nel­le Le­ser zu­erst ein­mal über­prüft.

Wie lesen Personalverantwortliche Zeugnisse auf den zweiten Blick?

Da Zeug­nis­se natürlich auch bei der Aus­wahl un­ter den­je­ni­gen Be­wer­bern ei­ne Rol­le spie­len, die man be­reits in die en­ge­re Wahl ein­be­zo­gen hat, kom­men Ar­beit­neh­mer nicht um­hin, sich mit al­len De­tails ih­res Zeug­nis­ses aus­ein­an­der­zu­set­zen, an­ge­fan­gen von der Zeug­nis­ein­lei­tung über die Selbst­be­schrei­bung des Ar­beit­ge­bers, die Schil­de­rung der Ar­beits­auf­ga­ben bis hin zu der ei­gent­li­chen Be­wer­tung von Können, Leis­tung und Mo­ti­va­ti­on des Ar­beit­neh­mers.

Zu al­len die­sen Fra­gen in­for­miert die Ver­fas­se­rin den Le­ser in knap­per und prägnan­ter Form, d.h. mit vie­len For­mu­lie­rungs­bei­spie­len, Check­lis­ten und am En­de ei­nes Ka­pi­tels ein­ge­scho­be­nen Zu­sam­men­fas­sun­gen. Im Er­geb­nis wird da­mit auch ein ju­ris­tisch nicht vor­ge­bil­de­ter Ar­beit­neh­mer in die La­ge ver­setzt, ein ihm er­teil­tes Zeug­nis in al­len ein­zel­nen Punk­te kri­tisch un­ter die Lu­pe zu neh­men.

Zeugnisse und das juristische Drumherum

Ob­wohl der Rat­ge­ber den Schwer­punkt er­kenn­bar das Haupt­ziel ver­folgt, Ar­beit­neh­mer bei der kri­ti­schen Über­prüfung ih­rer Ar­beits­zeug­nis­se zu un­terstützen, erhält der Le­ser auch wei­terführen­de In­for­ma­tio­nen über die recht­li­chen Grundsätze des Zeug­nis­an­spruchs (Wahr­heits­pflicht, Wohl­wol­lens­pflicht, Verjährung, Ver­wir­kung usw.) und über die ver­schie­de­nen Ar­ten von Zeug­nis­sen (Zwi­schen­zeug­nis, Aus­bil­dungs­zeug­nis usw.). Hin­wei­se und prak­ti­sche Tipps zur Rechts­ver­fol­gung run­den die Dar­stel­lung ab.

Kosten der Rechtsverfolgung

Kri­tisch ist al­len­falls die Auf­mun­te­rung zu se­hen, sich als Ar­beit­neh­mer bei Zeug­nis­kla­gen selbst zu ver­tre­ten. Denn trotz der da­mit ver­bun­de­nen Kos­ten­er­spar­nis ist ein sol­chen Vor­ge­hen meist nicht zu emp­feh­len, gibt es doch kaum ein The­ma, das so sehr der Ge­fahr der Emo­tio­na­li­sie­rung aus­ge­setzt ist wie das The­ma Zeug­nis. Ar­beit­neh­mer, die sich da­bei selbst ver­tre­ten, können da­her leicht über den Tisch ge­zo­gen wer­den.

Und wer sich aus die­sem Grund für ei­ne an­walt­li­che Un­terstützung bei ei­ner Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­kla­ge ent­schei­det, wird bei spe­zia­li­sier­ten Kanz­lei­en meist ein Kos­ten­an­ge­bot er­hal­ten, das deut­lich über den An­walts­gebühren liegt, die sich auf der Grund­la­ge des übli­cher­wei­se fest­ge­setz­ten Zeug­nis­streit­werts (ein Mo­nats­ge­halt) er­rech­nen. Denn Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­kla­gen sind ex­trem ar­beits­auf­wen­dig und wer­den bei­der­seits oft mit großem Ei­fer geführt, so dass ei­ne pro­fes­sio­nel­le an­walt­li­che Ver­tre­tung dem­ent­spre­chend ih­ren Preis hat.

Die Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten bei Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­kla­gen sind da­her in der Re­gel höher als die von der Au­to­rin ge­nann­ten Ge­richts­gebühren, die bei sol­chen Strei­tig­kei­ten oh­ne­hin kaum von Be­deu­tung sind, da man sich in der Re­gel ver­gleicht.

Aber auch beim The­ma Rechts­ver­fol­gung ist dem hier be­spro­che­nen Buch in ei­nem wich­ti­gen Punkt zu­zu­stim­men: Bes­ser als ei­ne Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­kla­ge ist al­le­mal ei­ne ra­sche außer­ge­richt­li­che Verständi­gung mit dem Ar­beit­ge­ber über die ei­ne oder an­de­re Zeug­nis­kor­rek­tur. Und was man hier als Ar­beit­neh­mer sinn­vol­ler­wei­se ver­lan­gen kann, zeigt ei­ne auf­merk­sa­me Lektüre von Ki­li­ans Rat­ge­ber.

Fazit: Viel Wissen auf kleinem Raum

Im Er­geb­nis enthält der Rat­ge­ber an­ge­sichts sei­nes knap­pen Um­fangs und des mo­de­ra­ten Prei­ses (6,80 EUR) er­staun­lich vie­le und präzi­se In­for­ma­tio­nen zu al­len wich­ti­gen Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Zeug­nis­er­tei­lung.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 8. Juni 2014

Bewertung: Das Ar­beits­zeug­nis 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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