Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Im Zeug­nis er­klär­te Be­reit­schaft, für Nach­fra­gen zur Ar­beits­qua­li­tät zur Ver­fü­gung zu ste­hen, ist zu strei­chen

Er­klärt sich der Ar­beit­ge­ber im Zeug­nis be­reit, Nach­fra­gen zur Qua­li­tät der er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen zu be­ant­wor­ten, ist dies ei­ne Ab­wer­tung der Leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers: Ar­beits­ge­richt Her­ford, Ur­teil vom 01.04.2009, 2 Ca 1502/08

14.05.2009. Über Zeug­nise wird oft ge­strit­ten, so­gar vor Ge­richt. Denn da das Ar­beits­ver­hält­nis be­en­det ist, hat der (Ex-)Ar­beit­neh­mer we­ni­ger Scheu, auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs mit sei­nem (Ex-)Ar­beit­ge­ber zu ge­hen.

Und Zeug­nis­se sind viel­schich­ti­ge Tex­te, aus den man viel her­aus­le­sen kann, und manch­mal ent­hal­ten sie so­gar ge­hei­me (und dann be­son­ders ge­mei­ne) Bot­schaf­ten.

In ei­nem ak­tu­el­len Streit­fall hat das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Her­ford ent­schie­den, dass das in ei­nem Zeug­nis ent­hal­ten An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers, für Nach­fra­gen zur Ar­beits­qua­li­tät des aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mers zur Ver­fü­gung zu ste­hen, als ei­ne ver­steck­te Ab­wer­tung der Leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers zu be­wer­ten ist. Ein sol­cher Hin­weis ist da­her er­satz­los zu strei­chen: Ar­beits­ge­richt Her­ford, Ur­teil vom 01.04.2009, 2 Ca 1502/08.

Ist die im Zeugnis festgehaltene Bereitschaft des Arbeitgebers, für Nachfragen in bezug auf die Arbeitsqualität zur Verfügung zu stehen, eine Abwertung der Leistungen des Arbeitnehmers?

In Zeug­nis­sen fin­den sich im­mer wie­der For­mu­lie­run­gen, de­ren (ab­wer­ten­de oder po­si­ti­ve?) Be­deu­tung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer strei­tig sind.

Da ein Ar­beit­neh­mer, der mit dem ihm er­teil­ten Ar­beits­zeug­nis nicht ein­ver­stan­den ist, vor Ge­richt zie­hen und Abände­rung des Zeug­nis­ses ver­lan­gen kann, wenn die­ses den recht­li­chen (Min­dest-)An­for­de­run­gen nicht ent­spricht, gibt es mitt­ler­wei­le zu vie­len ein­zel­nen For­mu­lie­run­gen Ge­richts­ur­tei­le, d.h. die Be­wer­tung häufig vor­kom­men­der Aus­sa­gen ist oft ar­beits­ge­richt­lich geklärt.

Nicht ent­schie­den wur­de bis­lang über die Fra­ge, was da­von zu hal­ten ist, wenn der Ar­beit­ge­ber in das Zeug­nis die For­mu­lie­rung auf­nimmt, für Nach­fra­gen be­tref­fend die vom Ar­beit­neh­mer er­brach­te Ar­beits­qua­lität zur Verfügung zu ste­hen.

Mit der Fra­ge, ob der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer die Strei­chung ei­nes sol­chen Hin­wei­ses aus dem Ar­beits­zeug­nis ver­lan­gen kann, hat­te sich das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Her­ford mit ei­nem Ur­teil vom 01.04.2009 (2 Ca 1502/08) zu be­fas­sen.

Der Streitfall: Eine fünf Monate lang beschäftigte Büroangestellte wird mit einem Zeugnis entlassen, in dem sich der Arbeitgeber anbietet, Nachfragen zur Arbeitsqualität zu beantworten

Ei­ne von Ju­li bis An­fang De­zem­ber 2008 beschäftig­te kaufmänni­sche Mit­ar­bei­te­rin er­hielt bei Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ein Zeug­nis, in dem sich fol­gen­de Be­mer­kung fand:

„Ger­ne ste­hen wir je­dem zukünf­ti­gen Ar­beit­ge­ber von Frau … hin­sicht­lich Nach­fra­gen über die Qua­lität der von ihr für uns ge­leis­te­ten Ar­beit zur Verfügung.“

Die Ar­beit­neh­me­rin zog vor das Ar­beits­ge­richt und be­an­trag­te, den Ar­beit­ge­ber zu ver­ur­tei­len, das ihr er­teil­te Zeug­nis durch Strei­chung des obi­gen Sat­zes zu ändern.

Der ver­klag­te Ar­beit­ge­ber mein­te, er ha­be das Zeug­nis kor­rekt er­stellt. In der Ge­samt­kon­zep­ti­on des Zeug­nis­ses sei der strei­ti­ge Hin­weis als po­si­ti­ves Si­gnal für künf­ti­ge Ar­beit­ge­ber zu ver­ste­hen. Im­mer­hin be­kun­de der al­te Ar­beit­ge­ber sei­ne Be­reit­schaft, das von der Kläge­rin im Zeug­nis ge­zeich­ne­te po­si­ti­ve Bild auch te­le­fo­nisch zu bestäti­gen.

Arbeitsgericht Herford: Erklärt sich der Arbeitgeber im Zeugnis bereit, Nachfragen zur Qualität der erbrachten Arbeitsleistungen zu beantworten, ist dies eine Abwertung der Leistungen des Arbeitnehmers

Das Ar­beits­ge­richt gab der Kläge­rin recht und ver­ur­teil­te den Ar­beit­ge­ber, das er­teil­te Zeug­nis so zu ändern, dass die strei­ti­ge Be­mer­kung ge­stri­chen wird. Zur Be­gründung be­ruf sicht das Ge­richt auf § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO).

Nach die­ser Vor­schrift muss ein Zeug­nis klar und verständ­lich for­mu­liert sein. Es darf kei­ne Merk­ma­le oder For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten, die ver­steck­te Bot­schaf­ten ent­hal­ten, d.h. den Zweck ha­ben, ver­deck­te bzw. aus dem Wort­laut nicht er­sicht­li­che Aus­sa­gen über den Ar­beit­neh­mer zu tref­fen. In der strei­ti­gen For­mu­lie­rung sah das Ge­richt ei­ne sol­che ver­steck­te Ab­wer­tung der Leis­tun­gen der Ar­beit­neh­me­rin.

Selbst wenn es die Be­klag­te – nach ih­rem Be­kun­den - nur gut mit der Kläge­rin ge­meint ha­ben soll­te, wäre die ob­jek­ti­ve Aus­sa­ge des strei­ti­gen Sat­zes nach An­sicht des Ge­richts den­noch an­ders zu be­wer­ten. Ein „ob­jek­ti­ver und be­son­ne­ner Le­ser“ des um­strit­te­nen Zeug­nis­ses könne das An­ge­bot der Be­klag­ten, für Nach­fra­gen bezüglich der Qua­lität der von der Kläge­rin ge­leis­te­ten Ar­beit zur Verfügung zu ste­hen, nur als ei­ne ver­deck­te Aus­sa­ge ver­ste­hen, dass die im Zeug­nis ent­hal­te­ne Leis­tungs­be­ur­tei­lung nicht den wirk­li­chen Leis­tun­gen ent­spre­chen soll.

Ergänzend ver­weist das Ge­richt dar­auf, dass die strit­ti­ge For­mu­lie­rung sehr „un­gewöhn­lich und über­ra­schend“ ist und da­her dem Le­ser des Zeug­nis­ses ei­ne an­de­re Aus­sa­ge über die Leis­tungs­qua­lität der Kläge­rin na­he­legt, als sich aus der äußeren Form und dem Wort­laut des Zeug­nis­ses er­gibt.

Dem Ur­teil ist zu­zu­stim­men. Die vom Ar­beit­ge­ber gewähl­te For­mu­lie­rung ist ei­ne kla­re und sehr weit­ge­hen­de Ab­wer­tung der Leis­tun­gen der Ar­beit­neh­me­rin. Sie ent­spricht et­wa der For­mu­lie­rung, der Ar­beit­neh­mer ha­be sich „nach Kräften bemüht, die mit sei­nem Ar­beits­platz ver­bun­de­nen An­for­de­run­gen zu erfüllen“. Ar­beit­ge­ber, die ei­ne sol­che Be­wer­tung für rich­tig hal­ten, soll­ten zu ihr auch ste­hen, d.h. die No­te „man­gel­haft“ of­fen ver­ge­ben.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880