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Steu­er­frei­heit von Zu­kunfts­si­che­rungs­leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers auf Grund ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klär­ten Ta­rif­ver­tra­ges

Ei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung zu Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung, die die Leis­tun­gen steu­er­frei stellt, kann auch aus ei­nem Ta­rif­ver­trag fol­gen: Bun­des­fi­nanz­hof, Ur­teil vom 13.09.2007, VI R 16/06

04.01.2008. Ein­nah­men, die Ar­beit­neh­mer im Rah­men des Ar­beits­ver­hält­nis­ses vom Ar­beit­ge­ber be­zie­hen, sind im All­ge­mei­nen der Lohn­steu­er zu un­ter­wer­fen.

Zu die­sen lohn­steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men sind nicht nur die mo­nat­li­chen Lohn- bzw. Ge­halts­zah­lun­gen um­fasst, son­dern auch an­de­re Zu­wen­dun­gen, die dem Ar­beit­neh­mer zu­flie­ßen und die durch das Ar­beits­ver­hält­nis "ver­an­lasst" sind.

Leis­tun­gen der sog. Zu­kunfts­si­che­rung, al­so ins­be­son­de­re Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen des Ar­beit­ge­bers zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer, sind da­her in der Re­gel als Ar­beits­lohn zu wer­ten (vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 3 Lohn­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung - LSt­DV). In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung steu­er­frei sind, wenn sie auf­grund ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trags er­bracht wer­den: BFH, Ur­teil vom 13.09.2007, VI R 16/06.

Wann sind Leistungen der Zukunftssicherung steuerfrei?

Wie erwähnt sind im All­ge­mei­nen sämt­li­che Ein­nah­men des Ar­beit­neh­mer aus sei­nem Ar­beits­verhält­nis der Lohn­steu­er un­ter­wor­fen und da­her auch
sog. Zu­kunfts­si­che­rungs­leis­tun­gen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 Nr. 3 LSt­DV.

Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung sind Aus­ga­ben, die der Ar­beit­ge­ber leis­tet, um den Ar­beit­neh­mer oder ihm na­he­ste­hen­de Per­so­nen für den Fall der Krank­heit, des Un­falls, der In­va­li­dität, des Al­ters oder des To­des ab­zu­si­chern.

An­de­rer­seits kennt das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) ei­ne Rei­he von steu­er­frei­en Ein­nah­men. Da­zu gehören nach § 3 Nr.62 EStG Aus­ga­ben des Ar­beit­ge­bers für die Zu­kunfts­si­che­rung des Ar­beit­neh­mers, wenn der Ar­beit­ge­ber zu ih­rer Er­brin­gung ver­pflich­tet ist.

Frag­lich war in dem vom BFH zu ent­schei­den­den Fall, ob die Vor­schrif­ten ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges, die dem Ar­beit­ge­ber Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung vor­ge­ben, ei­ne sol­che Ver­pflich­tung dar­stel­len.

Der Streitfall: Landwirtschaftsbetrieb zahlt aufgrund eines allgemeinverbindlichen Tarifs 1998 bis 2001 monatlich 10 Euro pro Arbeitnehmer in eine Zusatzversorgungskasse ein

Die Kläge­rin be­trieb ei­nen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons- und Han­dels­be­trieb. In den Jah­ren 1998 bis 2001 zahl­te sie zu Guns­ten je­des Ar­beit­neh­mers 10 DM mo­nat­lich in die Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se für Ar­beit­neh­mer in der Land- und Forst­wirt­schaft (ZLF) ein.

Die Kläge­rin gehörte kei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band an, war al­so nicht ta­rif­ge­bun­den. Es be­stand al­ler­dings ein iSv § 5 TVG für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärter Ta­rif­ver­trag, der die Ar­beit­ge­ber ver­pflich­te­te, mo­nat­lich 10 DM an die ZLF zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer zu leis­ten.

Die Kläge­rin un­ter­warf die­se mo­nat­li­chen Beiträge nicht der Lohn­steu­er. In­fol­ge ei­ner Lohn­steu­er­außen­prüfung bei der Kläge­rin er­fass­te das zuständi­ge Fi­nanz­amt die Beiträge als steu­er­pflich­ti­gen Ar­beits­lohn und er­hob pau­scha­le Lohn­steu­er nach.

Den da­ge­gen ge­rich­te­ten Ein­spruch der Kläge­rin, den die­se mit der Steu­er­frei­heit der Leis­tun­gen nach § 3 Nr. 62 EStG be­gründe­te, wies das Fi­nanz­amt zurück. Der ge­gen die­se Ent­schei­dung er­ho­be­nen Kla­ge gab das Fi­nanz­ge­richt (FG) statt.

BFH: Eine rechtliche Verpflichtung zu Leistungen der Zukunftssicherung, die die Leistungen steuerfrei stellt, kann auch aus einem Tarifvertrag folgen

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Ent­schei­dung des FG bestätigt und fest­ge­stellt, dass die Bei­trags­leis­tun­gen, die die Kläge­rin zu Guns­ten der Kläger an die ZLF er­brach­te, als steu­er­freie Zu­kunfts­si­che­rungs­leis­tun­gen nach § 3 Nr. 62 EStG ein­zu­ord­nen sind.

§ 3 Nr. 62 EStG er­fasst nicht mehr nur Zah­lun­gen auf Grund so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen des Ar­beit­ge­bers, so der BFH, son­dern auch Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen, die auf an­de­rer ge­setz­li­cher Grund­la­ge oder auf ge­setz­li­cher Ermäch­ti­gung be­ru­hen.

Von der Steu­er­be­frei­ung wei­ter­hin aus­ge­schlos­sen sind dem­ge­genüber auf­grund frei­wil­lig be­gründe­ter Rechts­pflicht ge­leis­te­te Zah­lun­gen für die Zu­kunfts­si­che­rung der Ar­beit­neh­mer.

Der BFH hat of­fen ge­las­sen, ob ei­ne durch Ta­rif­bin­dung ent­stan­de­ne Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­ber, Zu­kunfts­si­che­rung zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer zu leis­ten, als frei­wil­lig ein­zu­stu­fen wäre und da­her die Zah­lun­gen nicht in den Ge­nuss der Steu­er­frei­heit kämen.

Je­den­falls in dem hier ent­schie­de­nen Fall, in dem der Ta­rif­ver­trag für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wur­de und der Kläge­rin kei­ne Ent­schei­dungsmöglich­keit ver­blieb, ob sie die Zah­lun­gen leis­ten woll­te oder, war nach An­sicht des BFH von ei­ner Ver­pflich­tung im Sin­ne von § 3 Nr. 62 EStG aus­zu­ge­hen.

Ei­ne All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung er­folgt nämlich, wenn im Gel­tungs­be­reich ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ein öffent­li­ches In­ter­es­se dar­an be­steht, dass al­le Ar­beits­verhält­nis­se hin­sicht­lich der Min­dest­be­din­gun­gen in­halt­lich gleich aus­ge­stal­tet sind, so der BFH. Wird ein von Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­ge­han­del­ter Ta­rif­ver­trag für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt, ent­fal­tet der Ta­rif­ver­trag ab die­sem Zeit­punkt auch für Nicht­ver­bands­mit­glie­der ("Außen­sei­ter") Bin­dung.

Zwar han­delt es sich bei ei­ner All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung nicht um ein Ge­setz im for­mel­len Sin­ne. Nach Auf­fas­sung des BFH ist dies je­doch un­er­heb­lich, da auch nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber ma­te­ri­ell ge­setz­lich ver­pflich­tet sind, die Zu­kunfts­si­che­rungs­leis­tun­gen zu er­brin­gen. In­fol­ge die­ser Ver­pflich­tung müssen die zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer durch die Kläge­rin ge­leis­te­ten Beiträge eben­falls iSv § 3 Nr. 62 EStG steu­er­frei ge­stellt wer­den.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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