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Be­zif­fer­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot bei gleich­zei­ti­gem Ver­weis auf § 1a KSchG

Bei ei­nem Ver­weis auf § 1a KSchG im Kün­di­gungs­schrei­ben ist im All­ge­mei­nen nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ar­beit­ge­ber nur ei­ne ge­rin­ge­re Ab­fin­dung zah­len möch­te: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 807/06

21.01.2008. Be­zif­fert der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gung ein im Kün­di­gungs­schrei­ben un­ter­brei­te­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot, das für den Fall des Un­ter­las­sens ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge gel­ten soll, und ver­weist er zu­gleich auf § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), so ris­kiert er die in­halt­li­che Un­klar­heit sei­nes Ab­fin­dungs­an­ge­bots.

Ist das be­zif­fer­te An­ge­bot da­her ge­rin­ger als die Ab­fin­dung, die sich aus § 1a KSchG er­rech­net, kann das An­ge­bot im Sin­ne von § 1a KSchG, d.h. im Sin­ne ei­ner hö­he­ren Ab­fin­dung aus­zu­le­gen sein.

Un­klar­hei­ten über die Hö­he der Ab­fin­dung ge­hen hier zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 807/06.

Wie hoch ist die Abfindung, wenn im Kündigungsschreiben eine Abfindung gemäß § 1a KSchG angeboten wird und der Abfindungsbetrag gleichzeitig abweichend vom Gesetz beziffert wird?

Gemäß § 1a KSchG hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung, wenn ihm aus be­triebs­be­ding­ten Gründe gekündigt wird und er nicht in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt. Der An­spruch be­steht nach dem Ge­setz aber nur, wenn der Ar­beit­ge­ber in sei­ner Kündi­gungs­erklärung dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass der Ar­beit­neh­mer un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen (= Nicht­er­he­ben ei­ner Kla­ge) die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann.

§ 1a Abs. 2 Satz 1 KSchG setzt die Höhe des Ab­fin­dungs­an­spruchs für die­sen Fall auf 0,5 Mo­nats­ver­diens­te für je­des Jahr des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses fest.

Frag­lich ist, was ei­gent­lich an­ge­bo­ten ist, wenn der Ar­beit­ge­ber im Kündi­gungs­schrei­ben auf § 1a KSchG ver­weist (mit der Fol­ge ei­ner ob­jek­tiv fest­lie­gen­den Ab­fin­dungshöhe), gleich­zei­tig aber die Höhe der Ab­fin­dung kon­kret be­rech­net – und zwar „falsch“ bzw. in ei­ner von § 1a KSchG ab­wei­chen­den Wei­se.

Der Fall des BAG: Im Kündigungsschreiben wird eine Abfindung gemäß § 1a KSchG angeboten, die gut 12.000 EUR betragen würde, und im Begleitschreiben eine Abfindung von 8.000 EUR erwähnt

Im Streit­fall sprach der Ar­beit­ge­ber ei­ne Kündi­gung aus, in der er für den Fall der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist ei­ne Ab­fin­dung gem. § 1a KSchG an­bot. Dem Schrei­ben bei­gefügt war ei­ne Ab­lich­tung der Be­triebs­rats­anhörung, in der hand­schrift­lich vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ein­ge­tra­gen wor­den war, es sei ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 8.000,00 EUR ver­ein­bart wor­den.

Die Ab­fin­dung nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG hätte im Streit­fall al­ler­dings 12.076,16 EUR be­tra­gen. Der Ar­beit­neh­mer er­hob kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge, kas­sier­te die 8.000,00 EUR und klag­te sechs Mo­na­te später auf Zah­lung der Dif­fe­renz.

Das Ar­beits­ge­richt war nach Be­weis­auf­nah­me zu der Über­zeu­gung ge­langt, dass sich die Par­tei­en „über“ den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auf ei­nen Ab­fin­dungs­be­trag von 8.000,00 EUR ge­ei­nigt hätten. § 1a KSchG sei dann nicht mehr an­wend­bar, da dies das Nicht­vor­lie­gen ei­ner Ei­ni­gung vor­aus­set­ze, so das Ar­beits­ge­richt. Die Kla­ge wur­de da­her erst­in­stanz­lich ab­ge­wie­sen.

Auch die Be­ru­fung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nürn­berg blieb er­folg­los (LAG Nürn­berg, Ur­teil vom 04.04.2006, 6 Sa 785/05). Das LAG war zu­dem der Auf­fas­sung, die Be­ru­fung des Klägers auf die Be­rech­nungs­me­tho­de nach § 1a Abs.2 Satz 1 KSchG ver­s­toße ge­gen Treu und Glau­ben gemäß § 242 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB).

Denn der Ar­beit­neh­mer hätte es selbst in der Hand ge­habt, so das LAG, die nied­ri­ge­re Ab­fin­dung aus­zu­schla­gen und statt des­sen Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben. Zu­dem ha­be der Kläger durch die An­nah­me des An­ge­bots den Ein­druck er­weckt, er wer­de sich ent­spre­chend sei­ner Erklärung ver­hal­ten.

BAG: Bei einem Verweis auf § 1a KSchG im Kündigungsschreiben ist im Allgemeinen nicht davon auszugehen, dass der Arbeitgeber nur eine geringere Abfindung zahlen möchte

In der Re­vi­si­on vor dem Bun­des­ar­beit­ge­richt wur­de die Be­klag­te an­trags­gemäß zur Zah­lung des sich nach An­wen­dung des § 1a KSchG er­ge­ben­den Dif­fe­renz­be­tra­ges ver­ur­teilt. Dem Bun­des­ar­beits­ge­richt genügte da­bei der Hin­weis auf § 1a KSchG im Kündi­gungs­schrei­ben.

Aus den Ur­teils­gründen er­gibt sich, dass das BAG die dem Kündi­gungs­schrei­ben bei­gefügte Erklärung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den, man ha­be sich auf ei­ne Ab­fin­dung von 8.000,00 EUR ge­ei­nigt, nicht als ver­bind­li­che Erklärung des Ar­beit­ge­bers be­wer­tet. Die bei­gefügte Mit­tei­lung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den hat­te al­len­falls da­zu geführt, dass das Ab­fin­dungs­an­ge­bot, das im Kündi­gungs­schrei­ben un­ter Hin­weis auf § 1a KSchG ent­hal­ten war, un­klar wur­de. Sol­che Un­klar­hei­ten ge­hen aber, so das BAG, zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers.

Hier­zu heißt es in den Ur­teils­gründen (Rn.25):

"Ein Hin­weis dar­auf, dass die Be­klag­te ei­ne ge­rin­ge­re Ab­fin­dung zah­len woll­te, konn­te sich zwar aus dem bei­gefügten Ver­merk und den zu­vor vom Kläger mit dem Be­triebs­rat geführ­ten Gesprächen er­ge­ben. Ein­deu­tig war dies je­doch aus meh­re­ren Gründen nicht: Zum ei­nen bot sich auch an, das Kündi­gungs­schrei­ben im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­merk des Be­triebs­rats da­hin zu ver­ste­hen, ei­ne Ab­fin­dung von 8.000,00 Eu­ro wer­de in je­dem Fal­le, al­so auch bei Kla­ge­er­he­bung, ge­zahlt. Zum an­de­ren war der Ver­merk aus Sicht des Klägers ei­ne Erklärung des Be­triebs­rats, nicht der Be­klag­ten. Er war auch nicht Teil des Kündi­gungs­schrei­bens."

Da der Ar­beit­ge­ber so­mit nicht mit der er­for­der­li­chen "Ein­deu­tig­keit" ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot ge­macht hat, das ei­ne von § 1a KSchG ab­wei­chen­de, ge­rin­ge­re Ab­fin­dung ent­hielt, muss­te er sich an sei­nem Kündi­gungs­schrei­ben und dem dort ent­hal­te­nen Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG fest­hal­ten las­sen.

Fa­zit: Dem Ur­teil des BAG ist zu­zu­stim­men, da der Ar­beit­neh­mer an­ge­sichts der kur­zen dreiwöchi­gen Frist zur Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge wis­sen muss, wor­an er ist. Denn ist die Kla­ge­frist ein­mal ab­ge­lau­fen, ist ein Nach­ver­han­deln über die Ab­fin­dungshöhe prak­tisch nicht mehr möglich. Und um­ge­kehrt ist es auch un­zu­mut­bar für den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer, trotz ei­nes im Kündi­gungs­schrei­ben ent­hal­te­nen Ab­fin­dungs­an­ge­bots zu kla­gen, da er dann den Ab­fin­dungs­an­spruch ver­liert.

Ar­beit­ge­ber soll­ten sich da­her über­le­gen, bes­ser ein mit der Kündi­gung ver­bun­de­nes Ab­fin­dungs­an­ge­bot oh­ne Ver­weis auf § 1a KSchG zu un­ter­brei­ten und ihr An­ge­bot kon­kret zu be­zif­fern, da dann je­der­zeit Si­cher­heit über die Höhe der Ab­fin­dung be­steht, die bei Ver­zicht auf ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu zah­len ist.

Wie der vor­lie­gen­de Fall nämlich deut­lich macht, kauft der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem abs­trak­ten Ver­weis auf § 1a KSchG "die Kat­ze im Sack", da in je­dem denk­ba­ren Fall Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die ge­naue Höhe der Ab­fin­dung ent­ste­hen können, da das Kündi­gungs­schrei­ben eben kei­ne kon­kre­te Be­zif­fe­rung der Ab­fin­dung enthält.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. Juni 2016

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