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Ein­ma­li­ge Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges im An­schluss an ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung

Ei­ne Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um ge­mäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.2 Tz­B­fG kann nur ein­mal ver­ein­bart wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.10.2007, 7 AZR 795/06
Abrisskalender

27.11.2007. § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) lässt die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags zu, wenn die Be­fris­tung "im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um er­folgt, um den Über­gang des Ar­beit­neh­mers in ei­ne An­schluss­be­schäf­ti­gung zu er­leich­tern".

Frag­lich ist, ob auch wei­te­re (Fol­ge-)Be­fris­tun­gen auf die­se ge­setz­li­che Er­laub­nis ge­stützt wer­den kön­nen. Da­ge­gen spricht, dass die­se wei­te­ren Zeit­ver­trä­ge dann nicht mehr im un­mit­tel­ba­ren An­schluss auf ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um fol­gen wür­den, son­dern im An­schluss an ein "nor­ma­les" Ar­beits­ver­hält­nis.

Die Fra­ge, ob nur ei­ne ein­ma­li­ge oder ob auch wei­te­re (Fol­ge-)Be­fris­tun­gen auf § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.2 Tz­B­fG ge­stützt wer­den kön­nen, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ge­klärt: BAG, Ur­teil vom 10.10.2007, 7 AZR 795/06.

Ist die Befristung im Anschluss an eine Ausbildung nur einmal möglich oder mehrfach?

Die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen be­darf gemäß § 14 Abs.1 S.1 Tz­B­fG zu ih­rer Wirk­sam­keit grundsätz­lich ei­nes sach­li­chen Grun­des. Oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des kann ein Ar­beits­verhält­nis nur bis zur Dau­er von zwei Jah­ren be­fris­tet wer­den, wo­bei die Be­fris­tung in­ner­halb die­ses Zeit­raums drei­mal verlängert wer­den kann, § 14 Abs.2 Tz­B­fG.

§ 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG an­er­kennt ei­nen Sach­grund, wenn die Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um er­folgt, um den Über­gang des Ar­beit­neh­mers in ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu er­leich­tern.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit Ur­teil vom 10.10.2007 (7 AZR 795/06) zu der Fra­ge Stel­lung ge­nom­men, ob ei­ne mehr­fa­che, auf § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG gestütz­te Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges im An­schluss an ein Aus­bil­dungs­verhält­nis recht­lich möglich ist.

Der Streitfall: Kauffrau wird nach ihrem Studium drei mal hintereinander befristet beschäftigt

Die Kläge­rin ab­sol­vier­te an der Fach­hoch­schu­le des Bun­des für öffent­li­che Ver­wal­tung ei­ne Aus­bil­dung zur Büro­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kauf­frau. Die Aus­bil­dung en­de­te am 23.07.2003. An­sch­ließend ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­nen bis zum 23.07.2004 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, und zwar un­ter aus­drück­li­cher Be­zug­nah­me auf § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 Tz­B­fG.

Die­ser Ver­trag wur­de bis zum 26.01.2005 und schließlich bis zum 23.07.2005 je­weils un­ter Hin­weis auf den Be­fris­tungs­grund des § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG verlängert.

Nach Aus­lau­fen der letz­ten Be­fris­tung er­hob die Kläge­rin vor dem Ar­beits­ge­richt Köln Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge mit dem Ziel der Fest­stel­lung des Be­ste­hens ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Das Ar­beits­ge­richt so­wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln wie­sen die Kla­ge ab (LAG Köln vom 13.06.2006, 13 Sa 124/06). Sie hiel­ten die auf § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG gestütz­ten Be­fris­tun­gen für wirk­sam, da sie der Er­leich­te­rung des Über­gangs in ei­ne An­schlusstätig­keit dien­ten.

BAG: Der Sachgrund des Erstvertrags nach Ausbildung oder Studium zieht nur einmal

Das BAG hob die Ent­schei­dung des LAG Köln auf und gab der Kla­ge statt. Es be­gründe­te sei­ne Ent­schei­dung wie folgt:

Ein Zeit­ver­trag un­ter Be­ru­fung auf § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG (Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung zur Er­leich­te­rung des Über­gangs in ei­ne An­schluss­beschäfti­gung) kann nach Auf­fas­sung des BAG nur ein­mal ver­ein­bart wer­den. Wei­te­re (An­schluss-)Be­fris­tun­gen können nicht auf die­se Vor­schrift gestützt wer­den.

Die in dem letz­ten Ände­rungs­ver­trag ent­hal­te­ne Be­fris­tung zum 23.07.2005 war da­nach un­wirk­sam, da - zum ei­nen - ein an­de­rer sach­li­cher Grund hier nicht in Be­tracht kam. Da sich die Par­tei­en in ih­rem Ver­trag aus­drück­lich auf ei­nen Be­fris­tungs­grund (nämlich auf § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG) be­zo­gen hat­ten, kam – zum an­de­ren – auch ei­ne an sich gemäß § 14 Abs.2 Tz­B­fG recht­lich mögli­che sach­grund­lo­se Be­fris­tung über zwei Jah­re im vor­lie­gen­den Fall nicht in Be­tracht:

Mit der ex­pli­zi­ten Be­zug­nah­me auf ei­nen Be­fris­tungs­sach­grund hat­ten die Par­tei­en nämlich - so auch schon die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des BAG - die Be­ru­fung des Ar­beit­ge­bers auf die Möglich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung aus­sch­ließen wol­len. Der zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag be­stand so­mit über den 23.07.2005 un­be­fris­tet fort.

Fa­zit: Ei­ne Be­fris­tung un­ter Be­ru­fung auf § 14 Abs.1 S.2 Nr.2 Tz­B­fG kann le­dig­lich in dem ers­ten auf das Aus­bil­dungs­verhält­nis fol­gen­den Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart wer­den. Später fol­gen­de Be­fris­tun­gen können nicht mehr auf die­sen Grund gestützt wer­den. Der Ar­beit­neh­mer wird in sol­chen Fällen nicht mehr „im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um“ beschäftigt, son­dern viel­mehr im An­schluss an ein „nor­ma­les“ Ar­beits­verhält­nis.

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Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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