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Mehr­fa­cher Ver­stoß ge­gen An­zei­ge­pflicht kann ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung recht­fer­ti­gen

Ver­spä­te­te Krank­mel­dung kann zu ver­hal­tens­be­ding­ter Kün­di­gung füh­ren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt, Ur­teil vom 24.08.2010, 6 Sa 13/10
02.12.2010. Die so ge­nann­te An­zei­ge­pflicht aus § 5 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (Ent­gFG) ist zwar ju­ris­tisch ge­se­hen ei­ne so ge­nann­te "Ne­ben­pflicht" aus dem Ar­beits­ver­hält­nis. Das be­deu­tet aber nur, dass sie ne­ben den Leis­tungs­pflich­ten (al­so ins­be­son­de­re der Pflicht zur Ar­beits­leis­tung) steht und nicht, dass sie ne­ben­säch­lich ist. Tat­säch­lich ha­ben Ar­beit­ge­ber durch­aus ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an den ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen In­for­ma­ti­on. Nur auf die­se Wei­se sind sie in der La­ge, ef­fek­tiv Er­satz für den aus­ge­fal­le­nen Ar­beit­neh­mer fin­den zu kön­nen.

Des­halb ist ein Ver­stoß ge­gen die­se Pflicht durch­aus ge­eig­net, Ab­mah­nun­gen und im Wie­der­ho­lungs­fall so­gar ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen. Das ist ju­ris­tisch zwar nichts Neu­es, wird aber im­mer wie­der von Ar­beit­neh­mern in sei­ner vol­len Trag­wei­te zu spät er­kannt.

In ei­nem kürz­lich vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Sach­sen-An­halt ent­schie­de­nen Fall hat­te bei­spiels­wei­se ein im­mer­hin seit mehr als 15 Jah­ren für sei­nen Ar­beit­ge­ber tä­ti­ger Stap­ler­fah­rer in­ner­halb von zwei Jah­ren vier­mal sei­ner An­zei­ge­pflicht ver­letzt. Je­des Mal wur­de er hier­für ab­ge­mahnt, wo­bei er bei der drit­ten Ab­mah­nung dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass es sich um die "letz­te Ab­mah­nung" han­de­le. Ein wei­te­rer Ver­stoß ge­gen die In­for­ma­ti­ons­pflicht wer­de "un­wei­ger­lich" zur Kün­di­gung füh­ren.

Wäh­rend er bei den ers­ten drei Ma­len sein Ar­beit­ge­ber über­haupt nicht über sei­ne Ar­beits­un­fä­hig­keit in­for­miert hat­te, teil­te er beim vier­ten Mal le­dig­lich ei­nem Kol­le­gen mit, er sei krank und ge­he zum Arzt. Dar­auf­hin er­hielt ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung, ge­gen die er Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­hob.

Da­mit hat­te er je­doch kei­nen Er­folg. Das LAG Sach­sen-An­halt (Ur­teil vom 24.08.2010, 6 Sa 13/10) mein­te über­stim­mend mit sei­ner Vor­in­stanz (Ar­beits­ge­richt Hal­le, Ur­teil vom 25.11.2009, 3 Ca 2010/09 MNB), dass der Klä­ger aus­rei­chend durch die drei im Ton im­mer schär­fer wer­den­den Ab­mah­nun­gen ge­warnt ge­we­sen sei. Er tra­ge für die Über­mitt­lung der nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen das Ri­si­ko. An­ge­sichts der Hart­nä­ckig­keit, mit der die er­teil­ten War­nun­gen miss­ach­tet wur­den, so­wie we­gen der ver­gleichs­wei­se en­gen zeit­li­chen nä­her der Ver­stö­ße konn­te der Ar­beit­ge­ber nach Auf­fas­sung der bei­den mit die­sem Fall be­fass­ten Ge­rich­te zu Recht pro­gnos­ti­zie­ren, dass das es auch künf­tig mit glei­cher Häu­fig­keit zu Re­gel­ver­stö­ßen die­ser Art kom­men wird.

Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Fa­zit: Auch klei­ne und kleins­te Ver­stö­ße ge­gen ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten kön­nen zu ei­ner Ge­fahr für das Ar­beits­ver­hält­nis wer­den, wenn sie sich häu­fen. Ar­beit­neh­mern kann da­her nur emp­foh­len wer­den, auch nach vie­len Jah­ren ei­nes be­ste­hen­den Ar­beits­ver­hält­nis­ses noch al­le ih­re Pflich­ten sorg­sam zu er­fül­len. Da­bei soll­ten Sie sich nicht auf Drit­te ver­las­sen, denn im Zwei­fel steht die ei­ge­ne be­ruf­li­che Zu­kunft, und nicht die des Drit­ten auf dem Spiel.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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