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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Bewerbung, Schwerbehinderung, Diskriminierung: Behinderung, Diskriminierung: Bewerbung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 5 TaBV 73/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 08.02.2010
   
Leit­sätze: Bei ei­ner in­ter­nen Stel­len­be­set­zung, bei der nach der Aus­schrei­bung nur in­ter­ne Ver­set­zungs- oder Beförde­rungs­be­wer­ber in Be­tracht kom­men können, be­ste­hen kei­ne Prüfungs- und Mel­de­pflich­ten gemäß §§ 81 Abs. 1 Satz 1, 82 Satz 1 SGB IX im Hin­blick auf die Ein­stel­lung ex­ter­ner Schwer­be­hin­der­ter.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Beschluss vom 22.04.2009, 3 BV 81/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 5 TaBV 73/09

 

Te­nor:

1. Die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Köln vom 22.04.2009 – 3 BV 81/09 – wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Be­tei­lig­ten strei­ten um die Reich­wei­te des In­for­ma­ti­ons­rechts des An­trag­stel­lers ge­genüber der An­trags­geg­ne­rin.

Der An­trag­stel­ler ist die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung im De­zer­nat 9 (Um­welt und Kul­tur) des An­trags­geg­ners. Der An­trags­geg­ner ist der L .

Der An­trag­stel­ler be­gehrt von dem An­trags­geg­ner, freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze ihm zeit­nah be­kannt zu ma­chen und die­se der Agen­tur für Ar­beit zu mel­den. Auslöser des Streits zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist

ins­be­son­de­re die Per­so­nal­maßnah­me der in­ter­nen Um­set­zung des Herrn M S auf ei­nen an­de­ren Dienst­pos­ten bei dem An­trags­geg­ner. Der An­trag­stel­ler ver­tritt ins­be­son­de­re die Auf­fas­sung, dass auch dann, wenn ei­ne Stel­le bei dem An­trags­geg­ner nur in­tern aus­ge­schrie­ben und be­setzt wer­den sol­le, ei­ne Mel­dung bei der Agen­tur für Ar­beit zu er­fol­gen ha­be gemäß § 81 Abs. 1 S. 2 SGB IX und § 82 S. 1 SGB IX.

Der An­trags­geg­ner müsse auch dann, wenn nur ei­ne in­ter­ne Stel­len­be­set­zung in Fra­ge kom­me, der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit, der Ar­beits­ge­mein­schaft oder dem zu­ge­las­se­nen kom­mu­na­len Träger mit­tei­len, dass ei­ne Be­set­zung ge­plant wird. Denn die Un­ter­brin­gung ar­beits­lo­ser, schwer­be­hin­der­ter Men­schen sei in je­dem Fall vor­ran­gig. Da

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der An­trags­geg­ner gleich­wohl in­ter­ne Um­set­zun­gen vor­neh­me, oh­ne die er­for­der­li­che An­fra­ge bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor­zu­neh­men, han­de­le er nicht rechts­kon­form.

Da­her sei die Ein­lei­tung ei­nes Be­schluss­ver­fah­rens ge­bo­ten, für das auch ein Rechts­schutz­bedürf­nis be­ste­he.

Der An­trag­stel­ler hat be­an­tragt, 

den An­trags­geg­ner zu ver­pflich­ten, dem An­trag­stel­ler freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze zeit­nah be­kannt zu ge­ben und der Agen­tur für Ar­beit zu mel­den.

Der An­trags­geg­ner hat be­an­tragt, 

den An­trag zurück­zu­wei­sen. 

Der An­trags­geg­ner hat vor­ge­tra­gen, dass der kon­kre­te Dienst­pos­ten, auf den Herr S ver­setzt wor­den sei, kein Dienst­pos­ten sei, der ex­tern aus­ge­schrie­ben wor­den sei. Ei­ne Neu­ein­stel­lung sei – aus haus­halts­recht­li­chen Gründen – nicht be­ab­sich­tigt ge­we­sen. Es ha­be sich le­dig­lich um ei­ne in­ter­ne Stel­len­aus­schrei­bung ge­han­delt, die mit dem be­reits beim An­trags­geg­ner beschäftig­ten Herrn S nach des­sen Be­wer­bung be­setzt wor­den sei. Ei­ne In­for­ma­ti­on der Agen­tur für Ar­beit er­fol­ge nur bei ex­ter­nen Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren.

Durch Be­schluss vom 22.04.2009 hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag des Klägers zurück­ge­wie­sen.

Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf ab­ge­stellt, der An­trag sei be­reits un­zulässig, weil ein Rechts­schutz­in­ter­es­se des An­trag­stel­lers nicht ge­ge­ben sei. Da­zu hat das Ar­beits­ge­richt auch Be­zug ge­nom­men auf den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Köln in dem Ver­fah­ren 2 BV­Ga 7/08, in dem der An­trag des An­trag­stel­lers auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung in die­ser Streit­sa­che ab­ge­wie­sen wur­de.

Zu­dem be­ste­he in der Sa­che kein An­spruch gemäß § 81 oder § 82 SGB IX, wenn es nicht um die Be­set­zung ei­ner Stel­le mit ei­nem ex­ter­nen Mit­ar­bei­ter ge­he.

Ge­gen die­sen Be­schluss hat der An­trag­stel­ler form- und frist­ge­recht Be­schwer­de ein­le­gen und be­gründen las­sen.

Der An­trag­stel­ler macht gel­tend, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts ste­he ihm im vor­lie­gen­den Fall die An­trags­be­fug­nis zu. Aus § 95 SGB IX fol­ge, dass die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung darüber zu wa­chen ha­be, dass die zu­guns­ten schwer­be­hin­der­ter Men­schen gel­ten­den Ge­set­ze, Ver­ord­nun­gen und Ta­rif­verträge, Be­triebs¬oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen und Ver­wal­tungs­an­ord­nun­gen durch­geführt würden, ins­be­son­de­re auch die Ver­pflich­tun­gen des Ar­beit­ge­bers gemäß §§ 81 – 84 SGB IX erfüllt würden. Da­bei sei die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht nur für die im Be­trieb be­reits be­find­li­chen Schwer­be­hin­der­ten zuständig son­dern auch für je­ne, die sich auf ent­spre­chen­de Stel­len von außen be­wer­ben könn­ten. Denn die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ha­be die Auf­ga­be, die Ein­glie­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen im Be­trieb zu fördern. Der ge­setz­ge­be­ri­sche Zweck wer­de nur er­reicht, wenn der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu­ge­stan­den wer­de, sich auch für die Ein­stel­lung ex­ter­ner Schwer­be­hin­der­ter ein­zu­set­zen. Die In­for­ma­ti­ons­pflicht ge­genüber der Bun­des­agen­tur für Ar­beit be­ste­he nicht nur dann, wenn es sich um die Be­set­zung ei­ner Stel­le mit ei­nem ex­ter­nen Mit­ar­bei­ter han­de­le. Denn § 81 Abs. 1 S. 1 SGB IX se­he vor, dass bei je­der Ein­stel­lung der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich ver­pflich­tet sei, zu prüfen, ob Ar­beitsplätze mit schwer­be­hin­der­ten Men­schen, ins­be­son­de­re mit bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los oder ar­beits­su­chend ge­mel­de­ten schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­setzt wer­den könn­ten.

Der An­trag­stel­ler be­an­tragt un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Köln 

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vom 22.04.2009 – 3 BV 81/08 – den An­trags­geg­ner zu ver­ur­tei­len,

dem An­trag­stel­ler freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue 1Arbeitsplätze zeit­nah be­kannt zu ge­ben und der Agen­tur für Ar­beit zu mel­den.

Der An­trags­geg­ner be­an­tragt, 

die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers zurück­zu­wei­sen. 

Der An­trags­geg­ner macht gel­tend, so­fern der An­trag­stel­ler ei­ne feh­len­de In­for­ma­ti­on an ihn selbst in Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren rüge, feh­le ihm ein ent­spre­chen­des Rechts­schutz­in­ter­es­se, da er al­le ge­setz­lich ge­for­der­ten In­for­ma­tio­nen er­hal­te, und zu­dem ein Recht gel­tend ma­che, das ihm nicht zu­ste­he. Denn aus § 95 SGB IX fol­ge kein Recht zur Durch­set­zung der ent­spre­chen­den Ansprüche. Die Ein­lei­tung ei­nes Be­schluss­ver­fah­rens sei nicht mehr von der Über­wa­chungs­pflicht des § 95 SGB IX ge­deckt.

Der An­trag­stel­ler sei fer­ner nicht ver­pflich­tet, bei in­ter­nen Be­set­zungs­ver­fah­ren die Agen­tur für Ar­beit zu in­for­mie­ren. Denn wenn aus haus­halts­recht­li­chen Gründen ei­ne Stel­le nur mit in­ter­nen Be­wer­bern be­setzt wer­den könne, könne der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet wer­den, trotz feh­len­der Haus­halts­mit­tel ein Be­wer­bungs­ver­fah­ren auch für ex­ter­ne Be­wer­ber in Gang zu set­zen, ob­wohl kei­ne Ein­stel­lungsmöglich­keit für ex­ter­ne Be­wer­ber be­ste­he.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

II. Die zulässi­ge, ins­be­son­de­re statt­haf­te und form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­schwer­de ist in der Sa­che nicht be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag des An­trag­stel­lers zurück­ge­wie­sen.

Der An­trag des An­trag­stel­lers zerfällt in zwei Tei­le. Zum ei­nen wird be­gehrt, dass der An­trags­geg­ner dem An­trag­stel­ler selbst freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze zeit­nah be­kannt zu ge­ben hat. Zum an­de­ren wird be­gehrt, dass der An­trags­geg­ner eben­falls der Agen­tur für Ar­beit freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze zu mel­den hat. Hin­sicht­lich bei­der Tei­le hat­te der An­trag des An­trag­stel­lers kei­nen Er­folg.

1. So­weit der An­trag­stel­ler be­gehrt, selbst über freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze zeit­nah in­for­miert zu wer­den, fehlt hierfür das Rechts­schutz­bedürf­nis. Denn un­strei­tig ist, dass der An­trags­geg­ner die­sen An­spruch erfüllt. Denn der An­trag­stel­ler wird un­strei­tig über je­de ge­plan­te Be­set­zung, sei es ei­ne in­ter­ne oder ei­ne ex­ter­ne Stel­len­aus­schrei­bung in­for­miert. Auch die Erörte­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt am 08.02.2010 ha­ben er­ge­ben, dass die Erfüllung der In­for­ma­ti­ons­pflich­ten ge­genüber dem An­trag­stel­ler selbst nicht im Streit ste­hen. Der An­trag­stel­ler selbst hat dem­zu­fol­ge auch kei­nen Fall be­nen­nen können, in wel­chem er selbst ent­ge­gen der ge­setz­li­chen Ver­pflich­tung, die den An­trags­geg­ner be­trifft, nicht über ei­ne ge­plan­te Stel­len­be­set­zung, sei es in­ter­ner oder ex­ter­ner Art, in­for­miert wor­den wäre. Im Streit steht zwi­schen den Be­tei­lig­ten al­lein, ob der An­trags­geg­ner in Fällen in­ter­ner Stel­len­aus­schrei­bung gleich­wohl ver­pflich­tet ist, auch die Agen­tur für Ar­beit zu in­for­mie­ren. Dies er­weist sich auch an dem vom An­trag­stel­ler im schriftsätz­li­chen Ver­fah­ren ge­schil­der­ten Be­set­zungs­fall des Herrn S . Auch in je­nem Fall ist der An­trag­stel­ler selbst ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben in­for­miert wor­den. Zu­dem ist dem An­trag­stel­ler die Pra­xis der An­trags­geg­ner­sei­te be­kannt, die Agen­tur für Ar­beit nur dann zu in­for­mie­ren, wenn ei­ne ex­ter­ne Be­set­zung ge­plant ist. Ein In­for­ma­ti­ons­de­fi­zit hin­sicht­lich der dem An­trag­stel­ler selbst ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen ist vor die­sem Hin­ter­grund nicht fest­stell­bar.

Schon aus die­sem Grund be­steht für den An­trag des An­trag­stel­lers, so­weit er auf In­for­ma­tio­nen über freie, frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze an

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den An­trag­stel­ler selbst ge­rich­tet ist, kein Rechts­schutz­bedürf­nis, weil Verstöße in der Ver­gan­gen­heit, die ein sol­ches Rechts­schutz­bedürf­nis be­gründen könn­ten, nicht er­sicht­lich sind.

2. Aber auch hin­sicht­lich des An­tra­ges, so­weit er auf die ent­spre­chen­de In­for­ma­ti­on der Agen­tur für Ar­beit ge­rich­tet ist, hat die Be­ru­fung des An­trag­stel­lers aus meh­re­ren un­abhängig von­ein­an­der be­ste­hen­den Gründen kei­nen Er­folg.

Da­bei ist der An­trag im Kern dar­auf ge­rich­tet, die Agen­tur für Ar­beit auch dann über freie Ar­beitsplätze zu un­ter­rich­ten, wenn der An­trags­geg­ner le­dig­lich ei­ne in­ter­ne Stel­len­be­set­zung plant oder vor­neh­men muss.

a) Für ei­nen sol­chen An­trag be­steht kei­ne An­trags­be­fug­nis. Da­bei kann die ge­ne­rel­le Fra­ge, ob aus der Pflicht der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 95 SGB IX die zu­guns­ten der schwer­be­hin­der­ten Men­schen gel­ten­den Be­stim­mun­gen zu über­wa­chen, ei­ne An­trags­be­fug­nis folgt, da­hin­ge­stellt blei­ben. Denn im vor­lie­gen­den Fall ist zusätz­lich ent­schei­dend, dass der An­trags­geg­ner sei­ne Ver­fah­rens­wei­se mit der Agen­tur für Ar­beit kon­kret ab­ge­stimmt hat. Durch schrift­li­che An­fra­ge vom 26.02.2008 an die Agen­tur für Ar­beit (Bl. 35 f. d. A.) hat der An­trags­geg­ner sei­ne kon­kre­te Vor­ge­hens­wei­se im Hin­blick auf die Be­stim­mun­gen des § 81 und des § 82 SGB IX vor­ge­tra­gen. In je­ner An­fra­ge hat der An­trags­geg­ner deut­lich ge­macht, dass er bei ex­ter­nen Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren die Prüfungs- und Mel­de­pflich­ten gemäß §§ 81, 82 SGB IX voll in­halt­lich durchführe, während dies bei in­ter­nen Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren un­ter­blei­be. Aus der Ant­wort­mail der Agen­tur für Ar­beit vom 16.06.2008 (Bl. 63 d. A.) geht her­vor, dass die Agen­tur für Ar­beit kei­nen An­lass ge­se­hen hat, die­se von der An­trags­geg­ner­sei­te ge­schil­der­te Pra­xis zu be­an­stan­den, son­dern im Ge­gen­teil mit­ge­teilt hat, dass die Agen­tur für Ar­beit in bei ihr selbst auf­tre­ten­den Fällen ähn­lich ver­fah­re, in­dem sie nur bei Ein­stel­lung von für ex­ter­ne Be­set­zung zu­ge­las­se­nen Stel­len die Re­ha-Ver­mitt­lung ein­schal­te, nicht je­doch bei in­ter­nen Stel­len­be­set­zun­gen.

An­spruchs­in­ha­ber der In­for­ma­ti­ons­ansprüche nach § 81 und § 82 SGB IX ist die Agen­tur für Ar­beit. Wenn die­se über das bei dem An­trags­geg­ner prak­ti­zier­te Ver­fah­ren in­for­miert wor­den ist, und kei­nen An­lass zur Be­an­stan­dung sieht, son­dern im Ge­gen­teil mit­teilt, dass sie selbst in gleich­ge­la­ger­ten Fällen eben­so verfährt, heißt dies, dass die Agen­tur für Ar­beit bei in­ter­nen Stel­len­be­set­zun­gen vom Be­ste­hen ei­nes In­for­ma­ti­ons­an­spruchs nach § 81 oder § 82 SGB IX nicht aus­geht.

Dann aber ist kei­ne An­trags­be­fug­nis für den An­trag­stel­ler als außen­ste­hen­den Drit­ten ge­ge­ben, die Erfüllung ei­nes ver­meint­li­chen In­for­ma­ti­ons­rechts gel­tend zu ma­chen, dass der An­spruchs­in­ha­ber – die Agen­tur für Ar­beit – selbst nicht für ge­ge­ben hält.

Un­abhängig von der ge­ne­rel­len Zwei­fel­haf­tig­keit, ob aus der Über­wa­chungs­pflicht nach § 95 SGB IX das Recht fol­gen könn­te, In­for­ma­ti­ons­rech­te gel­tend ma­chen zu können, die Drit­ten – hier der Bun­des­agen­tur für Ar­beit – zu­ste­hen (s. hier­zu auch die nach­voll­zieh­ba­ren Ar­gu­men­te in dem Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Köln in dem Ver­fah­ren auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung vom 15.02.2008 – 2 BV­Ga 7/08) ist je­den­falls im vor­lie­gen­den Fall fest­zu­hal­ten, dass ei­ne An­trags­be­fug­nis schon dar­an schei­tert, dass der ei­gent­li­che An­spruchs­in­ha­ber, nämlich die Agen­tur für Ar­beit, von ei­nem Be­ste­hen ei­nes In­for­ma­ti­ons­an­spruchs nicht aus­geht und die­sen auch nicht gel­tend ma­chen will.

b) Darüber hin­aus ist nach Über­zeu­gung der Kam­mer auch in der Sa­che bei in­ter­nen Stel­len­be­set­zun­gen kein In­for­ma­ti­ons­recht nach § 81 oder § 82 SGB IX ge­ge­ben. Ein An­spruch schei­tert be­reits dar­an, dass bei vor­ge­ge­be­ner in­ter­ner Stel­len­be­set­zung schon vom Wort­laut her kein frei­er oder frei wer­den­der und neu zu be­set­zen­der oder neu­er Ar­beits­platz im Sin­ne der §§ 81 Abs. 1, 81 S. 1 SGB IX vor­liegt. Denn wenn sich der Ar­beit­ge­ber aus haus­halts­recht­li­chen Gründen ent­schließen muss, ei­ne Stel­le nur in­tern zu

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be­set­zen, liegt kein frei­er, frei wer­den­der, neu zu be­set­zen­der oder neu­er Ar­beits­platz vor. Es han­delt sich bei der Be­set­zung ei­nes sol­chen Ar­beits­plat­zes auch nicht um ei­ne Ein­stel­lung. Denn bei ei­ner in­ter­nen Be­set­zung wird ein Ar­beits­platz nicht durch ei­ne Ein­stel­lung be­setzt, son­dern durch ei­ne Um­set­zung, ggf. Ver­set­zung und/oder Beförde­rung. Dass zwi­schen Ein­stel­lung ei­ner­seits und Ver­set­zung/Um­set­zung so­wie Um-und Höher­grup­pie­rung an­de­rer­seits zu un­ter­schei­den ist, be­legt be­reits die Vor­schrift des § 99 Be­trVG. Ei­ne Be­set­zung des Ar­beits­plat­zes durch ei­nen in­ter­nen Um­set­zungs-, Ver­set­zungs- oder Beförde­rungs­vor­gang kann da­her nicht mit ei­nem Ein­stel­lungs­vor­gang gleich­ge­setzt wer­den.

Zu be­ach­ten ist zu­dem die Or­ga­ni­sa­ti­ons­frei­heit des Ar­beit­ge­bers. In des­sen Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz liegt es, zu ent­schei­den, ob ei­ne Stel­le nur in­tern im We­ge der Um­set­zung, Ver­set­zung und/oder Höher­grup­pie­rung be­setzt wer­den soll, oder ob durch ei­ne Neu­ein­stel­lung der Per­so­nal­be­stand ge­genüber der in­ter­nen Be­set­zung um ei­ne Stel­le ver­größert wird. Im Be­reich öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber ist ein dem Art. 33 Abs. 2 GG ent­spre­chen­des Aus­wahl­ver­fah­ren nur dann durch­zuführen, wenn der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber die zu be­set­zen­de Stel­le un­be­schränkt aus­ge­schrie­ben hat (s. BAG, Urt. v. 23.01.2007 – 9 AZR 492/06).

Auch der Sinn und Zweck der In­for­ma­ti­ons­pflich­ten in §§ 81, 82 SGB IX ge­bie­tet es, ei­ne In­for­ma­ti­ons­pflicht an die Agen­tur für Ar­beit nur an­zu­neh­men, wenn ei­ne ex­ter­ne Stel­len­be­set­zung möglich ist. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt Saar­land (LAG Saar­land, Be­schluss v. 13.02.2008 – 1 TaBV 15/07) ist auch die er­ken­nen­de Kam­mer der Auf­fas­sung, dass die In­for­ma­ti­ons­pflicht nur Sinn macht, wenn frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de Stel­len oder neue Ar­beitsplätze auch tatsächlich mit Ex­ter­nen be­setzt wer­den können. Würde ei­ne In­for­ma­ti­ons­pflicht auch bei in­ter­nen Stel­len­be­set­zun­gen an­ge­nom­men, würde dies be­deu­ten, dass die Agen­tur für Ar­beit die­se In­for­ma­tio­nen an stel­len­su­chen­de schwer­be­hin­der­ten Men­schen wei­ter­lei­ten würde, die­se sich be­wer­ben würden und dar­auf­hin vom Ar­beit­ge­ber die Mit­tei­lung er­hal­ten müss­ten, dass ih­re Be­wer­bung we­gen der Vor­ga­be we­gen der z. B: haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­be, kei­ne ex­ter­ne Stel­len­be­set­zung vor­neh­men zu dürfen, oh­ne­hin nicht berück­sich­tigt wer­den könn­te. Die In­for­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be würde da­her zu Be­wer­bun­gen führen, die von vorn­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt wären. In ei­nem sol­chen Fall kann nicht von ei­ner In­for­ma­ti­ons- und Mel­de­pflicht aus­ge­gan­gen wer­den (sie­he auch Fa­bri­ci­us in Ju­ris-PK SGB IX § 82 SGB IX Rn. 16).

So­weit, wie der An­trag­stel­ler im ein­zel­nen hat ausführen las­sen, in der Li­te­ra­tur auch die ge­gen­tei­li­ge Po­si­ti­on ver­tre­ten wird, ver­mag sich die Kam­mer die­ser Po­si­ti­on nicht an­zu­sch­ließen, zu­mal kei­ne ar­gu­men­ta­tiv über­zeu­gen­de Ant­wort dar­auf ver­tre­ten wird, wel­chen Zweck die Mel­de­pflicht und die da­durch aus­gelösten Be­wer­bun­gen von schwer­be­hin­der­ten Men­schen ha­ben sol­len, wenn im Vor­hin­ein fest­steht, dass die­se we­gen der Be­schränkung auf in­ter­ne Be­wer­ber er­folg­los blei­ben wer­den.

3. Nach al­lem konn­te die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers kei­nen Er­folg ha­ben und muss­te ab­ge­wie­sen wer­den.

Die Rechts­be­schwer­de war nicht zu­zu­las­sen, da es sich schon we­gen der Be­son­der­hei­ten des vor­lie­gen­den Fal­les bei der An­trags­be­fug­nis um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung han­del­te.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung  

Ge­gen die­sen Be­schluss ist kein wei­te­res Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Hin­sicht­lich ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf die in § 92 a) ArbGG ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen hin­ge­wie­sen.

Dr. Grie­se

Fran­ke

Kornmüller

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