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Zwi­schen Ar­beits­schutz und Hy­gie­ne-Am­pel - Gas­tro­no­mie in der Zan­ge

Vom Bier­gar­ten bis zur Pom­mes­bu­de - Jobs in der Gas­tro­no­mie sind nichts für Zart­be­sai­te­te: Schwe­re Ar­beit, be­schei­de­ner Lohn, rau­er Ton. Muss der Staat här­ter durch­grei­fen? Dann müs­sen dem­nächst wohl Hoch­zeits­fei­ern aus­fal­len, kon­tert die Bran­che

14.05.2016. (dpa) - Die Gas­tro­no­mie-Bran­che in Nord­rhein-West­fa­len sieht sich der­zeit im Fa­den­kreuz der rot-grü­nen Lan­des­re­gie­rung: Die Ar­beits­schutz­ver­wal­tung und der Zoll sind auf der Su­che nach "schwar­zen Scha­fen", die ge­gen Ar­beits­zei­ten, Min­dest­lohn und Ver­si­che­rungs­pflicht ver­sto­ßen.

Und der grü­ne Ver­brau­cher­mi­nis­ter Jo­han­nes Rem­mel will Gast­stät­ten und Le­bens­mit­tel­un­ter­neh­men mit ei­ner "Hy­gie­ne-Am­peln" ver­se­hen, um un­sau­be­re Be­trie­be sicht­bar zu ma­chen.

Am Frei­tag ver­kün­de­te Lan­des­ar­beits­mi­nis­ter Rai­ner Schmel­tzer (SPD) zu­sam­men mit Deutsch­lands obers­tem Zoll­be­am­ten Uwe Schrö­der, Prä­si­dent der Ge­ne­ral­zoll­di­rek­ti­on, Er­geb­nis­se der ers­ten ge­mein­sa­men Kon­troll­ak­ti­on von Ar­beits­schutz und Zoll in NRW.

Bei ei­ner un­an­ge­mel­de­ten Über­prü­fung von 146 Gas­tro­no­mie­be­trie­ben mit ins­ge­samt über 3200 Be­schäf­tig­ten wur­den - von der Pom­mes­bu­de bis zum Edel-Re­stau­rant - in 4 von 5 Fäl­len Ver­stö­ße ge­gen den Ar­beits­schutz fest­ge­stellt. Am häu­figs­ten: zu lan­ge Ar­beits­ta­ge, kaum oder kei­ne Pau­sen und zu we­nig Ru­he­zeit bis die nächs­te Schicht be­ginnt.

Der Deut­sche Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­band (De­ho­ga) sieht die Bran­che zu Un­recht an den Pran­ger ge­stellt. "80 Pro­zent Ver­stö­ße - das ist kein Spie­gel der Bran­che", sagt der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des NRW-Ver­bands, Klaus Hüben­thal, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Düs­sel­dorf. Da die Kon­trol­leu­re vor al­lem da­hin gin­gen, wo sie Hin­wei­se auf Ver­stö­ße hät­ten, ent­ste­he ein Zerr­bild. Die Mehr­heit der über 44.000 Gas­tro­no­mie­be­trie­be in NRW ar­bei­te se­ri­ös. Das deut­sche Ar­beits­zeit­ge­setz sei aber aus der Zeit ge­fal­len, meint Hüben­thal. 12 St­un­den Ar­beits­zeit müss­ten "auch mal" drin sein.

Doch da spielt der NRW-Ar­beits­mi­nis­ter nicht mit. "Fle­xi­bi­li­tät muss ih­re Gren­ze ha­ben - näm­lich da, wo die Ge­sund­heit der Be­schäf­tig­ten ge­fähr­det wird", be­tont Schmel­tzer. "Dass zu vie­le Ar­beits­plät­ze in der Gas­tro­no­mie un­be­setzt blei­ben, hat Ei­ni­ges mit dem Image der Bran­che zu tun."

Den Vor­halt pa­riert der De­ho­ga-Ver­tre­ter: "Es gibt auch Po­li­zis­ten, die ne­ben­bei kell­nern, um sich was leis­ten zu kön­nen - weil ja die Be­din­gun­gen im Öf­fent­li­chen Dienst so toll sind." Er wünscht sich mehr Ver­ständ­nis für die Be­trie­be, die sich an sai­so­nal höchst un­ter­schied­li­che Nach­fra­ge an­pas­sen müss­ten. "Sie be­kom­men oft kein Per­so­nal für ei­ne zwei­te Schicht. Was sol­len wir ei­nem Braut­va­ter dann sa­gen? Die Hoch­zeits­fei­er ist be­en­det - wir ha­ben kei­ne zwei­te Schicht?" Vie­le Be­schäf­tig­te ar­bei­te­ten zu sol­chen An­läs­sen ger­ne län­ger. "Da gibt es rich­tig Trink­geld."

Für den Ar­beits­mi­nis­ter kein Ar­gu­ment: "Es kann nicht sein, dass ei­ne Ser­vier­kraft acht St­un­den am Tag rennt oder bis 12 St­un­den am Stück in der Kü­che ar­bei­tet." Dies er­hö­he nicht nur Un­fall­ri­si­ken für die Be­schäf­tig­ten, son­dern auch Feh­ler­quo­ten. Wenn es da­bei zu Pfusch in der Pom­mes­bu­de, beim Bur­ger­brä­ter oder auch in der Edel­gas­tro­no­mie kommt, lan­det das Pro­blem auch beim Gast.

Ob Buß­gel­der ab­schre­ckend wir­ken, darf al­ler­dings be­zwei­felt wer­den. Von den ins­ge­samt 304 Ver­stö­ßen, die der Ar­beits­schutz fest­ge­stellt hat, gab es bis­lang erst in 12 Fäl­len Buß­geld­ver­fah­ren über ins­ge­samt 35.000 Eu­ro.

Die "Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit" des Zolls lei­te­te zu­sätz­lich 77 Straf- und Buß­geld­ver­fah­ren ge­gen 32 Ar­beit­ge­ber und 12 Ar­beit­neh­mer ein. Da­bei ging es meist um il­le­ga­le Be­schäf­ti­gung oder Ver­stö­ße ge­gen So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht. "Dar­über hin­aus lie­gen noch meh­re­re Hin­wei­se auf Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten im Zu­sam­men­hang mit Leis­tungs­miss­brauch vor", be­rich­te­te Zoll-Prä­si­dent Schrö­der. Die müss­ten al­ler­dings wei­ter über­prüft wer­den.

Im Zu­sam­men­hang mit dem seit 2015 gel­ten­den Min­dest­l­ohn­ge­setz wur­den nur 7 Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Der ge­setz­lich bis 500.000 Eu­ro rei­chen­de Rah­men wird nach An­ga­ben der Be­am­ten in der Re­gel bei wei­tem nicht aus­ge­schöpft.

Ver­stö­ße ge­gen den Min­dest­lohn sei­en äu­ßerst schwie­rig nach­zu­wei­sen, räumt Schrö­der ein. "Die Leu­te ma­chen oft fal­sche An­ga­ben aus Angst um ih­re Ar­beits­plät­ze." Die FDP-Op­po­si­ti­on sieht da­her kei­nen Wert in der Kon­troll­ak­ti­on. "Viel Auf­wand, we­nig Er­trag", bi­lan­ziert der Ar­beits­ex­per­te der Land­tags­frak­ti­on, Ul­rich Al­da.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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