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Ar­beits­un­fä­hig­keit we­gen psy­chi­scher Lei­den steigt wei­ter

Fehl­ta­ge im Job we­gen psy­chi­scher Lei­den seit 2000 fast ver­dop­pelt

07.06.2012 (dpa) - See­li­sche Lei­den sind zur neu­en Volks­krank­heit ge­wor­den - auf ihr Kon­to geht an­nä­hernd ei­ne Ver­dop­pe­lung der Ar­beits­un­fä­hig­keits­ta­ge seit dem Jahr 2000.

Das sag­te der Prä­si­dent der Bun­des­psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer (BPtK), Rai­ner Rich­ter, am Mitt­woch in Ber­lin. Ak­tu­ell sei­en 12,5 Pro­zent al­ler be­trieb­li­chen Fehl­ta­ge auf see­li­sche Er­kran­kun­gen zu­rück­zu­füh­ren. "Der Trend ist un­ge­bro­chen."

Rich­ter sieht die Ur­sa­che da­für vor al­lem in wach­sen­dem Druck am Ar­beits­platz. Er ver­wahr­te sich ge­gen den Vor­wurf der Kran­ken­kas­sen, dass im­mer mehr Ar­beit­neh­mer we­gen see­li­scher Lei­den krank­ge­schrie­ben wür­den, weil auch die Zahl der Psy­cho­the­ra­peu­ten - der­zeit knapp 22.000 mit Kas­sen­zu­las­sung - stei­ge. Die­ser Zu­sam­men­hang be­ste­he nicht, weil Psy­cho­the­ra­peu­ten ih­re Pa­ti­en­ten gar nicht krank­schrei­ben dürf­ten. Dies könn­ten nur die Ärz­te selbst.

"Die Zahl der Krank­schrei­bun­gen auf­grund von "Bur­nout"-Sym­pto­men wie Er­schöp­fung und An­triebs­lo­sig­keit ist nach Rich­ters Wor­ten den­noch re­gel­recht ex­plo­diert: Seit 2004 um fast 1.400 Pro­zent - je­doch von ei­nem sehr nied­ri­gen Ni­veau aus. Ha­be es 2004 bei 100 Ver­si­cher­ten we­gen Bur­nouts 0,6 Fehl­ta­ge im Jahr ge­ge­ben, sei­en es 2011 rund 9 Ta­ge ge­we­sen.

"Im Ver­gleich zu psy­chi­schen Er­kran­kun­gen sind neun Ta­ge nicht viel", be­ton­te Rich­ter. De­pres­sio­nen führ­ten da­ge­gen zu­letzt zu 73 Aus­fall­ta­gen. Bur­nout ha­be nur ei­nen An­teil von 4,5 Pro­zent an den Krank­schrei­bun­gen auf­grund psy­chi­scher Er­kran­kun­gen, sag­te Rich­ter. Er be­zog sich da­bei auf ei­ne neue Stu­die sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on.

Der BPtK-Prä­si­dent sieht durch den wach­sen­den Er­folgs­druck in Be­ruf und Pri­vat­le­ben ei­ne "Spi­ra­le von Über­for­de­rung" in Gang ge­setzt, die bis zur De­pres­si­on füh­ren kön­ne. Psy­chi­sche Er­kran­kun­gen führ­ten zu be­son­ders lan­gen Fehl­zei­ten von durch­schnitt­lich 30 Ta­gen im Jahr, bei De­pres­sio­nen sei­en es so­gar 39 Ta­ge. Die volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten be­lie­fen sich auf 26 Mil­li­ar­den EUR.

Die Bun­des­psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer hat für Un­ter­neh­men des­halb ei­ne Lis­te mit Be­ra­tungs­an­ge­bo­ten zur ra­schen Hil­fe für be­trof­fe­ne Mit­ar­bei­ter er­stellt. Bei nie­der­ge­las­se­nen Psy­cho­the­ra­peu­ten ge­be es da­ge­gen meist mo­na­te­lan­ge War­te­zei­ten. Die Ar­beit­ge­ber be­grüß­ten das An­ge­bot zur För­de­rung der psy­chi­schen Ge­sund­heit im Be­trieb.

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