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Im­mer mehr Men­schen in Deutsch­land le­ben in Ar­mut

Je­der Fünf­te arm oder aus­ge­grenzt - Mehr­heit ist fi­nan­zi­ell zu­frie­den

24.10.2012 (dpa) - Fast 20 Pro­zent der Deut­schen sind von Ar­mut oder so­zia­ler Aus­gren­zung be­trof­fen. Den üb­ri­gen 80 Pro­zent der Men­schen im Land geht es da­ge­gen fi­nan­zi­ell gut bis sehr gut.

Das ist nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes das Er­geb­nis der Er­he­bung "Le­ben in Eu­ro­pa 2011", für die in Deutsch­land un­ter an­de­rem rund 13.500 Haus­hal­te be­fragt wur­den.

Rund 16 Mil­lio­nen Men­schen - und da­mit et­wa je­der fünf­te Ein­woh­ner (19,9 Pro­zent) - kön­nen nur ein­ge­schränkt am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben teil­neh­men. Im Ver­gleich zum Vor­jahr (2010) sei dies ein An­stieg um 0,2 Pro­zent­punk­te, be­rich­te­te das Bun­des­amt am Diens­tag. Frau­en wa­ren mit ei­ner Quo­te von 21,3 Pro­zent häu­fi­ger von Ar­mut oder so­zia­ler Aus­gren­zung be­trof­fen als Män­ner (18,5 Pro­zent).

Aus­ge­grenzt sei, wer sei­ne Mie­ten oder Rech­nun­gen nicht recht­zei­tig be­zah­len, die Woh­nung nicht aus­rei­chend hei­zen, sich nicht min­des­tens je­den zwei­ten Tag ei­ne voll­wer­ti­ge Mahl­zeit leis­ten oder nicht in Ur­laub fah­ren kann.

Der So­zia­lin­di­ka­tor wur­de aus der Ar­muts­gefähr­dungs­quo­te nach Ein­kom­men, Er­werbstätig­keit und nach der ei­ge­nen Einschätzung der Be­frag­ten er­rech­net. Dar­in ent­hal­ten sind von Ar­mut Be­droh­te, de­ren Ein­kom­men un­ter 952 EUR mo­nat­lich liegt - das sind 15,8 Pro­zent der Men­schen in Deutsch­land.

Außer­dem wur­den je­ne Bürger ein­be­zo­gen, die in Haus­hal­ten mit sehr ge­rin­ger Er­werbstätig­keit le­ben: In 11,1 Pro­zent der Haus­hal­te wird nur we­ni­ge Mo­na­te im Jahr Ar­beits­lohn be­zo­gen. Ar­mut las­se sich nicht al­lein an ei­ner Ein­kom­mens­schwel­le fest­ma­chen, sag­te De­sta­tis-Ex­per­tin Sil­via Deckl.

Fi­nan­zi­ell gut bis sehr gut kom­men ei­ner an­de­ren Stu­die zu­fol­ge rund vier Fünf­tel der Deut­schen zu­recht. Der An­teil die­ser "fi­nan­zi­ell Zu­frie­de­nen" sei seit der ver­gan­ge­nen Un­ter­su­chung vor zwei Jah­ren so­gar ge­stie­gen, teil­te der Nürn­ber­ger GfK-Ver­ein am Diens­tag un­ter Be­ru­fung auf ei­ne re­präsen­ta­ti­ve Stu­die mit. Laut GfK ha­ben 72 Pro­zent der Beschäftig­ten trotz Eu­ro-Kri­se und schwächeln­der Kon­junk­tur kei­ne Angst um ih­ren Ar­beits­platz.

Ein am Diens­tag veröffent­lich­tes "Vermögens­ba­ro­me­ter" des Spar­kas­sen­ver­ban­des weist die meis­ten Deut­sche als op­ti­mis­tisch und kon­sum­freu­dig aus - trotz Eu­ro-Kri­se. Dem­nach be­ur­teil­ten 57 Pro­zent der Be­frag­ten ih­re persönli­che fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on mit "gut" bis "sehr gut" - ein in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­ge­ner Wert. Nur 9 Pro­zent ga­ben an, es ge­he ih­nen fi­nan­zi­ell "eher schlecht". Für die re­präsen­ta­ti­ve Stu­die wur­den im Ju­li und Au­gust 2.000 Men­schen in Deutsch­land te­le­fo­nisch zu ih­rem Um­gang mit Geld be­fragt.

Die Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes sind aus Sicht des So­zi­al­ver­bands VdK ein Alarm­si­gnal: "Sie sind ja nicht das Er­geb­nis ei­nes dra­ma­ti­schen Wirt­schafts­ein­bru­ches, son­dern die Fol­ge po­li­ti­scher Fehl­ent­wick­lun­gen", sag­te die Ver­bands­vor­sit­zen­de Ul­ri­ke Ma­scher der "Augs­bur­ger All­ge­mei­nen" und ver­wies auf die stei­gen­de Zahl von Bil­liglöhnern und Mi­ni­job­bern.

Das ist auch für SPD-Ge­ne­ral­se­kretärin An­drea Nah­les das Grund­pro­blem: "Vie­le Men­schen ha­ben nicht die Chan­ce, mit gut be­zahl­ter Ar­beit den Le­bens­un­ter­halt für sich und ih­re Fa­mi­li­en zu ver­die­nen." Wer Ar­mut bekämp­fen wol­le, müsse für Min­destlöhne und anständi­ge Be­zah­lung sor­gen, sag­te Nah­les laut Mit­tei­lung.

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