Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Auf der Ar­beit be­stoh­len - wer haf­tet?

Ar­beit­ge­ber haf­ten nicht für den Ver­lust von Ar­beit­neh­mer­ei­gen­tum, wenn die­ses oh­ne be­trieb­li­chen An­lass in die Fir­ma ge­bracht wur­de: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Pres­se­mel­dung vom 21.01.2016, 18 Sa 1409/15

02.02.2016. Ar­beit­neh­mer soll­ten sich gut über­le­gen, ob sie Wert­ge­gen­stän­de mit zur Ar­beit brin­gen soll­ten.

Denn ihr Ar­beit­ge­ber haf­tet auf­grund sei­ner Für­sor­ge­pflicht nur dann für den Ver­lust von Sa­chen des Ar­beit­neh­mers im Be­trieb, wenn die­se Sa­chen ei­nen ge­wis­sen Be­zug zum Ar­beits­ver­hält­nis ha­ben.

Wann ein sol­cher Be­zug be­steht und ob ein Roll­con­tai­ner im Bü­ro ein ge­eig­ne­tes Zwi­schen­la­ger für Schmuck und Uh­ren im Wert von et­wa 20.000,00 EUR dar­stellt, muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm in ei­nem ak­tu­ell Fall ent­schei­den: LAG Hamm, Pres­se­mel­dung vom 21.01.2016, 18 Sa 1409/15.

Wie weit reichen die Obhutspflichten des Arbeitgebers?

Ar­beit­ge­ber ha­ben nicht nur Haupt­pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis, d.h. sie sind nicht nur zur Lohn­zah­lung und zur ver­trags­gemäßen Beschäfti­gung ver­pflich­tet, son­dern sie ha­ben auch ge­wis­se Ne­ben- bzw. Fürsor­ge­pflich­ten (§ 241 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Be­son­ders wich­tig sind Aus­kunfts- und Hin­weis­pflich­ten und die Pflicht zur Ge­fah­ren­ver­mei­dung, aber auch Ob­huts- und Ver­wah­rungs­pflich­ten.

Auf­grund ih­rer Ob­huts­pflicht sind Ar­beit­ge­ber ge­hal­ten, für persönli­che Sa­chen des Ar­beit­neh­mers Auf­be­wah­rungsmöglich­kei­ten zur Verfügung zu stel­len, wenn die Mit­nah­me der Sa­chen an den Ar­beits­platz nicht ge­stat­tet oder nicht möglich ist. Kon­kret heißt das, dass im Be­trieb ab­sch­ließba­re Spin­de, Schränke oder ähn­li­che Auf­be­wah­rungsmöglich­kei­ten vor­han­den sein müssen.

Stellt der Ar­beit­ge­ber sol­che ab­ge­si­cher­ten Auf­be­wah­rungsmöglich­kei­ten nicht zur Verfügung, kann der Ar­beit­neh­mer je nach La­ge des Ein­zel­falls Scha­dens­er­satz­ansprüche ge­gen den Ar­beit­ge­ber gel­tend ma­chen, wenn ihm persönli­che Wert­sa­chen im Be­trieb ge­stoh­len wur­den.

Aber gilt das auch, wenn der Ar­beit­neh­mer oh­ne Wis­sen des Ar­beit­ge­bers und oh­ne je­den An­lass aus dem Ar­beits­verhält­nis be­son­ders wert­vol­le Sa­chen wie zum Bei­spiel ei­nen teu­ren Ring oder ei­nen wert­vol­len Fo­to­ap­pa­rat mit zur Ar­beit bringt? Haf­tet der Ar­beit­ge­ber dann auf Scha­dens­er­satz, wenn er die ge­bo­te­nen Schutz­maßnah­men un­terlässt? Wie weit ge­hen in sol­chen Fällen die Ob­huts- und Ver­wah­rungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers? 

Der Streitfall: Arbeitnehmer werden am Arbeitsplatz Uhren und Schmuck im Wert von 20.000,00 EUR gestohlen

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer ar­bei­te­te in ei­nem Kran­ken­haus im Ruhr­ge­biet. Er be­haup­te­te, im Som­mer 2014 Schmuck und Uh­ren im Wert von rund 20.000,00 EUR in den Roll­con­tai­ner des Schreib­ti­sches in sei­nem Büros ge­legt und den Roll­con­tai­ner da­nach ver­schlos­sen zu ha­ben. Die Uh­ren und den Schmuck woll­te er ei­gent­lich noch am sel­ben Abend zur Bank brin­gen und dort in sein Sch­ließfach de­po­nie­ren. Da auf der Ar­beit aber viel zu tun war, ver­gaß er die­ses Vor­ha­ben kurz­fris­tig wie­der.

Ei­ni­ge Ta­ge später kam dann der Schock: Der Ar­beit­neh­mer muss­te fest­stel­len, dass die Tür zu sei­nem Büro auf­ge­schlos­sen, der Roll­con­tai­ner auf­ge­bro­chen und Uh­ren und Schmuck ge­stoh­len wor­den wa­ren. Of­fen­bar hat­te je­mand, so je­den­falls die Ver­mu­tung des Ar­beit­neh­mers, ei­nen Ge­ne­ral­schlüssel aus der Kit­tel­ta­sche ei­ner Ar­beits­kol­le­gin ent­wen­det und da­mit sei­ne Bürotür geöff­net.

Der Ar­beit­neh­mer warf dar­auf­hin sei­nem Ar­beit­ge­ber vor, Si­cher­heits­maßnah­men un­ter­las­sen zu ha­ben. Kon­kret hätte er durch kla­re An­wei­sun­gen oder an­de­re Vor­keh­run­gen für ei­ne si­che­re Auf­be­wah­rung des Ge­ne­ral­schlüssels sor­gen sol­len. Dann wäre es nicht zu dem Dieb­stahl sei­ner Wert­sa­chen ge­kom­men.

Der Ar­beit­neh­mer zog vor Ge­richt und ver­lang­te von sei­nem Ar­beit­ge­ber Scha­dens­er­satz für die ge­stoh­le­nen Wert­sa­chen. Das Ar­beits­ge­richt Her­ne wies sei­ne Kla­ge ab (Ur­teil vom 19.08.2015, 5 Ca 965/15). Ge­gen die­ses Ur­teil leg­te der Ar­beit­neh­mer Be­ru­fung ein.  

LAG Hamm: Arbeitgeber haften nicht für den Verlust von Wertsachen des Arbeitnehmers, die dieser ohne jeden betrieblichen Anlass in die Firma bringt

Im Be­ru­fungs­ter­min nahm der Ar­beit­neh­mer sei­ne Be­ru­fung zurück.

Denn die Rich­ter am LAG Hamm hat­ten be­tont, dass sich die Ob­huts­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers im All­ge­mei­nen nur auf sol­che Sa­chen des Ar­beit­neh­mers be­zie­hen, die die­ser re­gelmäßig mit sich führt oder für sei­ne Ar­beit braucht.

Nur kon­kret be­zo­gen auf sol­che Sa­chen muss der Ar­beit­ge­ber Schutz­maßnah­men er­grei­fen, um den Ar­beit­neh­mer vor Ver­lust oder Beschädi­gung zu schützen, d.h. er muss zum Bei­spiel für ab­sch­ließba­rer Spin­de sor­gen.

Be­zo­gen auf an­de­re Sa­chen des Ar­beit­neh­mers be­ste­hen aber, die das LAG Hamm, kei­ne Ob­huts- und Ver­wah­rungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers. Dies gilt ins­be­son­de­re für Ge­genstände, die der Ar­beit­neh­mer oh­ne Kennt­nis des Ar­beit­ge­bers in den Be­trieb bringt. Wäre der Ar­beit­ge­ber auch be­zo­gen auf sol­che Sa­chen zur Ob­hut und Ver­wah­rung ver­pflich­tet, wäre er un­kal­ku­lier­ba­ren und da­mit un­an­ge­mes­se­nen Haf­tungs­ri­si­ken aus­ge­setzt.

Der Ar­beit­neh­mer nahm dar­auf­hin sei­ne Be­ru­fung zurück, wor­auf­hin ihm das Ge­richt die Ver­fah­rens­kos­ten auf­brumm­te.

Fa­zit: Ar­beit­ge­ber müssen da­mit rech­nen, dass Ar­beit­neh­mer Ja­cken, Mäntel, Geldbörsen und Han­dys mit in den Be­trieb neh­men. Können die­se Din­ge nicht di­rekt ne­ben bzw. am Ar­beits­platz auf­be­wahrt wer­den, müssen ge­si­cher­te Ver­wah­rungsmöglich­kei­ten wie ab­sch­ließba­re Schränke oder Spin­de vor­han­den sein.

Ar­beit­ge­ber sind da­ge­gen nicht ver­pflich­tet, Ver­lust­ri­si­ken in dem Um­fang zu tra­gen wie Geschäfts­ban­ken, die ih­ren Kun­den ge­gen Be­zah­lung Bank­schließfächer ver­mie­ten, die sich in spe­zi­ell ge­si­cher­ten Tre­sorräum­en be­fin­den. Ein Roll­con­tai­ner an ei­nem Büroar­beits­platz ist von vorn­her­ein kein ge­eig­ne­ter Ort, Uh­ren und Schmuck im Wert von 20.000,00 EUR auf­zu­be­wah­ren, erst recht nicht, wenn der Ar­beit­ge­ber da­von nichts weiß.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Juli 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880