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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Ausbildungsverhältnis, Berufsausbildung, Kündigung: Verdachtskündigung, Verdachtskündigung, Verdachtskündigung: Anhörung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 6 AZR 845/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 12.02.2015
   
Leit­sätze: Der drin­gen­de Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung des Aus­zu­bil­den­den kann ei­nen wich­ti­gen Grund zur Kündi­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses nach § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG dar­stel­len.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 06.09.2012, 2 Ca 994/11
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 18.04.2013, 2 Sa 490/12
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

6 AZR 845/13
2 Sa 490/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Rhein­land-Pfalz

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
12. Fe­bru­ar 2015

UR­TEIL

Gaßmann, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

 

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

 

ge­gen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,


hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12. Fe­bru­ar 20151 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krum­bie­gel so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Jos­tes und Gey­er für Recht er­kannt:

 

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1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 18. April 2013 - 2 Sa 490/12 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung ei­nes Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses so­wie über da­von abhängi­ge Vergütungs­ansprüche des Klägers.

Der 1989 ge­bo­re­ne Kläger nahm zum 1. Au­gust 2010 ei­ne Aus­bil­dung zum Bank­kauf­mann bei der be­klag­ten Bank auf. Die Aus­bil­dungs­zeit soll­te zum 31. Ja­nu­ar 2013 en­den.

Am 11. Fe­bru­ar 2011 und am 30. März 2011 mel­de­te sich der Kläger ar­beits­unfähig und nahm am Be­rufs­schul­un­ter­richt nicht teil. Er be­such­te an die­sen Ta­gen ei­ne Spiel­hal­le, wo er meh­re­re Zah­lun­gen mit sei­ner EC-Kar­te vor­nahm und da­bei sein Kon­to über­zog.

Am 20. Ju­ni 2011 war er mit dem Bank­kauf­mann S in der Fi­lia­le der Be­klag­ten in G tätig. Der Kläger zähl­te an die­sem Tag das sich in den Nacht­tre­sor-Kas­set­ten be­find­li­che Geld mit ei­ner Zähl­ma­schi­ne. Da­bei war Herr S nicht an­we­send. Es ist un­geklärt, ob die Bünde­lung der Geld­schei­ne nach der Zählung durch den Kläger oder Herrn S er­folg­te. Im späte­ren Ver­lauf des Ta­ges schweißte Herr S die Geldbündel zur Wei­ter­lei­tung an die Lan­des­zen­tral­bank ein. Die Zen­tral­bank stell­te ei­nen Kas­sen­fehl­be­stand von 500,00 Eu­ro in Form von zehn feh­len­den 50-Eu­ro-Schei­nen fest. Hier­von er­lang­te die Be­klag­te am 28. Ju­ni 2011 Kennt­nis.

Die Be­klag­te bat den Kläger zu ei­nem Per­so­nal­gespräch am 30. Ju­ni 2011. Die­sen Ter­min nahm der Kläger aus persönli­chen Gründen nicht wahr.



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Es wur­de dar­auf­hin ei­ne Ver­le­gung auf den 4. Ju­li 2011 ver­ein­bart, ob­wohl dem Kläger ab die­sem Tag für zwei Wo­chen Ur­laub be­wil­ligt wor­den war. Am 3. Ju­li 2011 sag­te der Kläger den Ter­min ab, weil er kurz­fris­tig am nächs­ten Tag noch in den Ur­laub flie­ge. Das Gespräch fand schließlich am 21. Ju­li 2011 statt. Dem Kläger wur­den die be­ab­sich­tig­ten Gesprächs­the­men vor­her nicht mit­ge­teilt. An dem Tref­fen nah­men das Vor­stands­mit­glied Si, der Aus­bil­dungs­lei­ter K so­wie der Kläger teil.

Der Kläger räum­te bei der Un­ter­re­dung ein, dass er den Ter­min am 4. Ju­li 2011 nicht we­gen ei­ner Flug­rei­se ab­ge­sagt ha­be. Er ha­be viel­mehr zwei Wo­chen in ei­ner Gießerei ge­ar­bei­tet. Es wur­den so­dann die Fehl­zei­ten des Klägers im Be­rufs­schul­un­ter­richt so­wie sei­ne Spiel­hal­len­be­su­che be­spro­chen. Der Kläger teil­te mit, dass er we­gen des Glück­spiels The­ra­pie­stun­den bei ei­ner Be­ra­tungs­stel­le be­su­che. Über de­ren In­halt und Ziel­set­zung ist nichts Nähe­res be­kannt. Die Ver­tre­ter der Be­klag­ten spra­chen den Kläger auf Kas­sen­fehl­beträge in Fi­lia­len, in de­nen der Kläger ein­ge­setzt wur­de, an. Dies be­traf ei­ne Dif­fe­renz iHv. 50,00 Eu­ro am 3. Ju­ni 2011 in der Fi­lia­le D so­wie die feh­len­den 500,00 Eu­ro am 20. Ju­ni 2011 in G. Der dies­bezügli­che Gesprächs­ver­lauf ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ge­blie­ben.

Mit Schrei­ben vom 22. Ju­li 2011 teil­te die Be­klag­te dem bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat un­ter Nen­nung der So­zi­al­da­ten des Klägers mit, dass sie be­ab­sich­ti­ge das Aus­bil­dungs­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se frist­gemäß zu kündi­gen. Dem Be­triebs­rat wur­de der Kas­sen­fehl­be­trag von 500,00 Eu­ro am 20. Ju­ni 2011 ge­nannt. Da der Kläger al­lei­ne gebündelt ha­be und dies nicht nach­kon­trol­liert wor­den sei, müsse die Be­klag­te „da­von aus­ge­hen, dass er die Dif­fe­renz ‚ver­ur­sacht‘ ha­be“. Im Gespräch mit Herrn Si und Herrn K ha­be der Kläger selbst die Höhe des Fehl­be­trags ge­nannt. Fer­ner ha­be er zu­ge­ge­ben, dass die Dif­fe­renz in D am 3. Ju­ni 2011 von ihm ver­ur­sacht wor­den sei. Der Kläger ha­be wei­ter­hin aus­geführt, dass er spielsüch­tig sei. Zu­dem enthält die Be­triebs­rats­anhörung An­ga­ben zu den Fehl­zei­ten in der Be­rufs­schu­le und zu der nicht ge­neh­mig­ten Ar­beit in ei­ner Gießerei während des Er­ho­lungs­ur­laubs. Ins­ge­samt sei der Kläger für die Bank nicht mehr trag­bar. Die Fortführung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses mit ihm stel­le ein erhöhtes Ri­si­ko dar.



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Der Be­triebs­rat stimm­te der Kündi­gung noch mit Ver­merk vom 22. Ju­li 2011 zu. Dar­auf­hin kündig­te die Be­klag­te das Aus­bil­dungs­verhält­nis mit Schrei­ben vom 22. Ju­li 2011 außer­or­dent­lich frist­los zum 25. Ju­li 2011 und hilfs­wei­se or­dent­lich zum 30. Sep­tem­ber 2011. Dar­in wur­de die Kündi­gung ent­spre­chend der Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats be­gründet. Die für das Aus­bil­dungs­verhält­nis un­ver­zicht­ba­re Ver­trau­ens­ba­sis sei nicht mehr ge­ge­ben und könne auch nicht wie­der her­ge­stellt wer­den. Das Kündi­gungs­schrei­ben ging dem Kläger am 25. Ju­li 2011 zu.

Mit sei­ner am 1. Au­gust 2011 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge vom 29. Ju­li 2011 hat sich der Kläger ge­gen die­se Kündi­gung ge­wandt. Das von ihm mit wei­te­rem Schrei­ben vom 29. Ju­li 2011 be­an­trag­te Ver­fah­ren vor dem Sch­lich­tungs­aus­schuss der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) T en­de­te am 12. Sep­tem­ber 2011 oh­ne Ei­ni­gung. Der Aus­schuss fäll­te al­ler­dings kei­nen Spruch. Er stell­te le­dig­lich das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen fest. Da­mit sei der Rechts­weg zu den Ar­beits­ge­rich­ten eröff­net.

Nach An­sicht des Klägers ist die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung un­wirk­sam. Ei­ne Ver­dachtskündi­gung sei im Aus­bil­dungs­verhält­nis nicht zulässig. Ei­ne sol­che wi­der­spre­che dem Zweck und Cha­rak­ter der Be­rufs­aus­bil­dung. Sie sei auch mit der be­son­de­ren Fürsor­ge­pflicht des Aus­bil­den­den nicht zu ver­ein­ba­ren. Zu­dem be­ste­he kein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht. Er ha­be zwar ent­ge­gen der An­wei­sung, dass ein Aus­zu­bil­den­der bei ei­nem Zähl­vor­gang durch ei­nen Bank­kauf­mann kon­trol­liert wer­den müsse („Vier-Au­gen-Prin­zip“), die Zählun­gen am 20. Ju­ni 2011 in G al­lei­ne vor­ge­nom­men. Die Bünde­lung und das Ein­schweißen der Geld­schei­ne sei je­doch durch Herrn S er­folgt. Die­ser ha­be so­mit eben­so Zu­griff auf das Geld ge­habt wie an­de­re Beschäftig­te der Be­klag­ten in die­ser Fi­lia­le. Die Geld­bestände sei­en nicht durch­ge­hend ge­si­chert ge­we­sen. Die Be­klag­te ha­be sich auch nicht durch ei­ne ent­spre­chen­de Be­fra­gung von Herrn S ei­nen vollständi­gen Über­blick über die Ge­scheh­nis­se ver­schafft.

Die Be­spre­chung am 21. Ju­li 2011 sei kei­ne ord­nungs­gemäße Anhörung ge­we­sen. Da­zu wäre die vor­he­ri­ge Mit­tei­lung des be­ab­sich­tig­ten Ge-



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sprächs­in­halts er­for­der­lich ge­we­sen. Die Be­klag­te hätte ihn dar­auf hin­wei­sen müssen, dass er ei­nen Rechts­an­walt oder ei­ne sons­ti­ge Per­son sei­nes Ver­trau­ens hin­zu­zie­hen könne. Sie stel­le zu­dem den Gesprächs­ver­lauf falsch dar. Er ha­be nicht von sich aus den Fehl­be­trag von 500,00 Eu­ro ge­nannt. Viel­mehr hätten die Ver­tre­ter der Be­klag­ten vor­her erwähnt, dass zehn 50-Eu­ro-Schei­ne ge­fehlt hätten. Da­her sei ihm der Ge­samt­be­trag be­kannt ge­we­sen. Im Übri­gen wäre die Anhörung auch feh­ler­haft, wenn er erst­mals die Sum­me von 500,00 Eu­ro ge­nannt hätte, denn dann hätte die Be­klag­te ihn anläss­lich der Be­gründung ei­nes Ver­dachts we­gen Of­fen­ba­rung von Täter­wis­sen zu ei­ner er­neu­ten Anhörung ein­la­den müssen. Die bloße Fort­set­zung des Gesprächs stel­le kei­ne ord­nungs­gemäße Anhörung bezüglich die­ser neu­en Ver­dacht­stat­sa­chen dar. Zu­dem ha­be die Be­klag­te bei der Anhörung ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Vor­ga­ben (§§ 4, 32 BDSG) ver­s­toßen.

Die Kündi­gung schei­te­re auch an dem Feh­len ei­ner ein­schlägi­gen Ab­mah­nung so­wie an der vor­zu­neh­men­den In­ter­es­sen­abwägung. Bei die­ser sei zu berück­sich­ti­gen, dass er kurz vor Voll­endung sei­nes ers­ten Aus­bil­dungs­jah­res ge­stan­den ha­be und das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis für ihn von exis­ten­zi­el­ler Be­deu­tung sei. Der in Fra­ge ste­hen­de wirt­schaft­li­che Scha­den der Be­klag­ten sei „über­schau­bar“. Sch­ließlich sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te das Ent­ste­hen ei­ner solch un­kla­ren Si­tua­ti­on bei ei­nem Fehl­be­trag maßgeb­lich zu ver­ant­wor­ten ha­be. Wären die Vor­ga­ben hin­sicht­lich des „Vier-Au­gen-Prin­zips“ bei ei­nem Zähl­vor­gang und ei­ner strin­gen­ten Kon­trol­le der Aus­zu­bil­den­den be­ach­tet wor­den, wäre der Ver­dacht ge­gen ihn nicht ent­stan­den. Durch ei­ne kon­se­quen­te An­wen­dung der Si­cher­heits­vor­schrif­ten könne die Be­klag­te künf­tig die Ent­ste­hung ei­ner sol­chen Pro­ble­ma­tik aus­sch­ließen.

Wei­ter­hin sei die Zwei-Wo­chen-Frist des § 22 Abs. 4 BBiG versäumt. An­ge­sichts ei­ner Kennt­nis­er­lan­gung von dem Fehl­be­trag am 28. Ju­ni 2011 und ei­nem be­wil­lig­ten Er­ho­lungs­ur­laub vom 4. Ju­li bis zum 18. Ju­li 2011 hätte die Be­klag­te ihn ent­we­der noch in der Wo­che bis zum 1. Ju­li 2011 oder schrift­lich anhören müssen.

Die Kündi­gung sei außer­dem man­gels ord­nungs­gemäßer Anhörung des Be­triebs­rats un­wirk­sam. Der Anhörung sei nicht zu ent­neh­men, wel­che kon­kre­te Hand­lung ihm vor­ge­wor­fen wer­de. Es wer­de nicht deut­lich, dass es sich um ei­ne Ver­dachtskündi­gung han­deln sol­le. Zu­dem sei der Be­triebs­rat in­halt­lich falsch un­ter­rich­tet wor­den. Er, der Kläger, ha­be nie erklärt, den Fehl­be­trag von 50,00 Eu­ro in D ver­ur­sacht zu ha­ben und spielsüch­tig zu sein.



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Die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung sei un­wirk­sam, da ein Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis nach Ab­lauf der Pro­be­zeit nur außer­or­dent­lich gekündigt wer­den könne. Die Be­klag­te sei zur Nach­zah­lung der Aus­bil­dungs­vergütung iHv. mo­nat­lich 907,00 Eu­ro für die Zeit von Au­gust 2011 bis ein­sch­ließlich No­vem­ber 2011 so­wie des an­tei­li­gen drei­zehn­ten Mo­nats­ein­kom­mens iHv. 1.360,50 Eu­ro brut­to ver­pflich­tet.

Der Kläger hat da­her zu­letzt be­an­tragt

  1. fest­zu­stel­len, dass das Aus­bil­dungs­verhält­nis durch die frist­lo­se Kündi­gung vom 22. Ju­li 2011, zu­ge­gan­gen am 25. Ju­li 2011, nicht auf­gelöst wor­den ist;
  2. fest­zu­stel­len, dass das Aus­bil­dungs­verhält­nis durch die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung zum 30. Sep­tem­ber 2011 nicht auf­gelöst wor­den ist;
  3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn wei­te­re 907,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit dem 1. Sep­tem­ber 2011 zu zah­len;
  4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn wei­te­re 907,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit dem 1. Ok­to­ber 2011 zu zah­len;
  5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn wei­te­re 907,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit dem 1. No­vem­ber 2011 zu zah­len;
  6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn wei­te­re 1.360,50 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit dem 1. De­zem­ber 2011 zu zah­len.


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Die Be­klag­te hat ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag mit der Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 22. Ju­li 2011 be­gründet. Die Ver­dachtskündi­gung ei­nes Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses sei je­den­falls dann möglich, wenn des­sen be­son­de­rer Cha­rak­ter ei­ne ver­tief­te Ver­trau­ens­ba­sis er­for­de­re. Dies sei bei der Aus­bil­dung zum Bank­kauf­mann der Fall. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner wirk­sa­men Ver­dachtskündi­gung sei­en hier erfüllt. Die Anhörung des Klägers am 21. Ju­li 2011 sei ord­nungs­gemäß er­folgt. Die The­men der Be­spre­chung hätten dem Kläger vor­her nicht be­kannt ge­ge­ben wer­den müssen. Zu­dem ha­be sich der Ver­dacht ei­nes Vermögens­de­lik­tes erst im Ver­lauf des Gesprächs er­ge­ben. Der Kläger ha­be von sich aus ei­nen Fehl­be­trag von 500,00 Eu­ro ge­nannt, oh­ne dass die­se Sum­me oder feh­len­de Ein­zel­beträge zu­vor erwähnt wor­den sei­en.

Es sei­en al­le mögli­chen und er­for­der­li­chen Aufklärungs­maßnah­men durch­geführt wor­den. Nach­dem der Kläger im Gespräch am 21. Ju­li 2011 durch Preis­ga­be sei­nes Täter­wis­sens den Ver­dacht be­gründet ha­be, wäre ei­ne wei­te­re Anhörung bloße Förme­lei ge­we­sen. Der Aus­bil­dungs­lei­ter K ha­be auch Herrn S te­le­fo­nisch be­fragt. Die­ser ha­be mit ei­ner E-Mail noch am 21. Ju­li 2011 mit­ge­teilt, dass der Kläger das Geld am 20. Ju­ni 2011 so­wohl gezählt als auch gebündelt ha­be.

Der be­gründe­te Ver­dacht der Un­ter­schla­gung von 500,00 Eu­ro ha­be das er­for­der­li­che Ver­trau­en zu dem Kläger zerstört. Da­bei sei auch die Spiel­sucht zu berück­sich­tig­ten, wel­che der Kläger am 21. Ju­li 2011 aus­drück­lich ein­geräumt ha­be. Des­halb ha­be er sich in The­ra­pie be­fun­den. Der Be­triebs­rat sei auch in die­sem Punkt ord­nungs­gemäß un­ter­rich­tet wor­den.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge nach Be­weis­auf­nah­me ab­ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­ne Kla­ge­zie­le wei­ter.



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Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis wur­de durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 22. Ju­li 2011 gemäß § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG mit ih­rem Zu­gang am 25. Ju­li 2011 be­en­det. Man­gels ei­nes darüber hin­aus­ge­hen­den Be­stands des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ist die Kla­ge auch un­be­gründet, so­weit sie sich ge­gen die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung zum 30. Sep­tem­ber 2011 rich­tet und Vergütungs­ansprüche für die Zeit ab dem 1. Au­gust 2011 zum Ge­gen­stand hat.

I. Die Kla­ge ist zulässig.

1. Die nach § 111 Abs. 2 Satz 5 ArbGG er­for­der­li­che Ver­hand­lung vor dem bei der IHK T ge­bil­de­ten Sch­lich­tungs­aus­schuss ist er­folgt.

a) Die nach § 111 Abs. 2 Satz 5 ArbGG er­for­der­li­che An­ru­fung ei­nes be­ste­hen­den Sch­lich­tungs­aus­schus­ses ist ei­ne von Amts we­gen zu be­ach­ten­de Pro­zess­vor­aus­set­zung für ar­beits­ge­richt­li­che Kla­gen in Aus­bil­dungs­strei­tig­kei­ten. Nach § 111 Abs. 2 Satz 5 ArbGG muss der Kla­ge in al­len Fällen die Ver­hand­lung vor dem Aus­schuss vor­an­ge­gan­gen sein. Der Man­gel der Nicht­an­ru­fung des Sch­lich­tungs­aus­schus­ses kann je­doch nach Kla­ge­ein­rei­chung noch ge­heilt wer­den, wenn das Sch­lich­tungs­ver­fah­ren gemäß § 111 Abs. 2 ArbGG nach­ge­holt wird. Die Kla­ge wird dann nachträglich zulässig (vgl. BAG 13. März 2007 - 9 AZR 494/06 - Rn. 10).

b) Die Par­tei­en ver­han­del­ten vor dem Sch­lich­tungs­aus­schuss der IHK T am 5. Sep­tem­ber 2011. Aus­weis­lich des Pro­to­kolls er­ging je­doch ent­ge­gen § 111 Abs. 2 Satz 3 ArbGG kein Spruch. Es fand nur ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung statt (§ 111 Abs. 2 Satz 2 ArbGG). Dies ist grundsätz­lich un­zu­rei­chend für die Erfüllung der Pro­zess­vor­aus­set­zung (vgl. GMP/Prütting ArbGG 8. Aufl. § 111 Rn. 19; GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­ni 2014 § 111 Rn. 24). Aus-


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weis­lich des Pro­to­kolls er­ging je­doch ent­ge­gen § 111 Abs. 2 Satz 3 ArbGG kein Spruch. Es fand nur ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung statt (§ 111 Abs. 2 Satz 2 ArbGG). Dies ist grundsätz­lich un­zu­rei­chend für die Erfüllung der Pro­zess­vor­aus­set­zung (vgl. GMP/Prütting ArbGG 8. Aufl. § 111 Rn. 19; GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­ni 2014 § 111 Rn. 24). Aus­weis­lich des Pro­to­kolls wur­de al­ler­dings fest­ge­stellt, dass man­gels ei­ner Ei­ni­gungsmöglich­keit die Ver­hand­lung ge­schei­tert und den Par­tei­en der Weg zum Ar­beits­ge­richt eröff­net sei. Hier­durch hat der Aus­schuss den Ab­schluss des Ver­fah­rens zum Aus­druck ge­bracht. Der Pro­zess­vor­aus­set­zung des § 111 Abs. 2 Satz 5 ArbGG ist da­mit Genüge ge­tan. Ver­wei­gert der Aus­schuss den ord­nungs­gemäßen Ab­schluss des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens, ist der be­trof­fe­ne An­trag­stel­ler pro­zes­su­al nicht schlech­ter zu stel­len, als wenn der Aus­schuss die Durchführung des Ver­fah­rens gänz­lich ver­wei­gert oder mit­ge­teilt hätte, dass ein Spruch nicht möglich sei. Auch in die­sen Fällen kann die Kla­ge er­ho­ben wer­den (vgl. Zim­mer­mann in Nat­ter/Gross ArbGG 2. Aufl. § 111 Rn. 28; HWK/Kalb 6. Aufl. § 111 ArbGG Rn. 22; GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­ni 2014 § 111 Rn. 21). Das Un­ter­blei­ben ei­ner Ent­schei­dung kann dem An­trag­stel­ler nicht an­ge­las­tet wer­den (BAG 27. No­vem­ber 1991 - 2 AZR 263/91 - zu B I der Gründe).

2. Für die bei­den Fest­stel­lungs­anträge ist das gemäß § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ge­ge­ben, ob­wohl die Aus­bil­dungs­zeit und da­mit das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis man­gels Erfüllung ei­nes Verlänge­rungs­tat­be­stands spätes­tens zum 31. Ja­nu­ar 2013 ge­en­det hat (§ 21 Abs. 1 Satz 1 BBiG). Wäre die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung un­wirk­sam, so hätte dies Kon­se­quen­zen für den In­halt des nach § 16 BBiG zu er­tei­len­den Zeug­nis­ses. Der Kläger könn­te zu­dem ggf. wei­te­re Vergütung so­wie Scha­dens­er­satz nach § 23 BBiG ver­lan­gen (vgl. BAG 13. März 2007 - 9 AZR 494/06 - Rn. 12; 17. Ju­li 2007 - 9 AZR 103/07 - Rn. 11, BA­GE 123, 247 zu § 16 Abs. 1 BBiG aF).

II. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet. Die Be­klag­te hat das Aus­bil­dungs­verhält­nis we­gen des drin­gen­den Ver­dachts der rechts­wid­ri­gen Zu­eig­nung von 500,00 Eu­ro Bar­geld wirk­sam zum 25. Ju­li 2011 gekündigt.

1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on kann der drin­gen­de Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung des Aus­zu­bil­den­den ei­nen wich­ti­gen Grund iSd. § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG dar­stel­len.

a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung ei­nen wich­ti­gen Grund



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iSv. § 626 Abs. 1 BGB zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses bil­den (BAG 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 14, BA­GE 145, 278; vgl. auch 21. No­vem­ber 2013 - 2 AZR 797/11 - Rn. 16, BA­GE 146, 303). Ei­ne auf ei­nen sol­chen Ver­dacht gestütz­te Kündi­gung kann ge­recht­fer­tigt sein, wenn sich der Ver­dacht auf ob­jek­ti­ve Tat­sa­chen gründet, die Ver­dachts­mo­men­te ge­eig­net sind, das für die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­for­der­li­che Ver­trau­en zu zerstören, und der Ar­beit­ge­ber al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen zur Aufklärung des Sach­ver­halts un­ter­nom­men, ins­be­son­de­re dem Ar­beit­neh­mer Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ge­ge­ben hat (st. Rspr., vgl. BAG 25. Ok­to­ber 2012 - 2 AZR 700/11 - Rn. 13, BA­GE 143, 244). Der Ver­dacht muss auf kon­kre­te - vom Kündi­gen­den dar­zu­le­gen­de und ggf. zu be­wei­sen­de - Tat­sa­chen gestützt sein. Der Ver­dacht muss fer­ner drin­gend sein. Es muss ei­ne große Wahr­schein­lich­keit dafür be­ste­hen, dass er in der Sa­che zu­trifft (BAG 25. Ok­to­ber 2012 - 2 AZR 700/11 - Rn. 14, aaO; 25. No­vem­ber 2010 - 2 AZR 801/09 - Rn. 16).

b) Die in Art. 6 Abs. 2 MRK ver­an­ker­te Un­schulds­ver­mu­tung steht der Ver­dachtskündi­gung ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht ent­ge­gen. Die Un­schulds­ver­mu­tung bin­det un­mit­tel­bar nur den Rich­ter, der über die Be­gründet­heit der An­kla­ge zu ent­schei­den hat (BAG 14. Sep­tem­ber 1994 - 2 AZR 164/94 - zu II 3 c der Gründe, BA­GE 78, 18). Bei der Ver­dachtskündi­gung geht es nicht um die Verhängung ei­ner Stra­fe, son­dern um die Be­en­di­gung ei­nes pri­vat­recht­li­chen Dau­er­schuld­verhält­nis­ses (vgl. Krau­se in vHH/L 15. Aufl. § 1 Rn. 466; Ha­Ko/Gall­ner 4. Aufl. § 1 Rn. 633; Hoefs Die Ver­dachtskündi­gung S. 92, 93).

c) Der drin­gen­de Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung des Aus­zu­bil­den­den kann auch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ei­nes Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses nach § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG recht­fer­ti­gen.

aa) Dies ist al­ler­dings um­strit­ten.

(1) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln hat mit Ur­teil vom 19. Sep­tem­ber 2006 (- 9 Sa 1555/05 - Rn. 26) ent­schie­den, dass Ver­dachtskündi­gun­gen im Be­rufs-



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aus­bil­dungs­verhält­nis grundsätz­lich nicht zu­zu­las­sen sei­en. Ei­ne nur in ei­nem sehr en­gen Rah­men denk­ba­re Aus­nah­me sei möglich, wenn der be­son­de­re Cha­rak­ter des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ei­ne ver­tief­te Ver­trau­ens­ba­sis zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en er­for­de­re. In ei­nem nor­ma­len Aus­bil­dungs­verhält­nis oh­ne be­son­de­re Ver­trau­ens­si­tua­ti­on stünden dem Aus­bil­den­den nach er­folg­tem Aufklärungs­ver­such die Möglich­kei­ten der Ab­mah­nung, ggf. der Ver­set­zung, weit eher zur Verfügung als bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, des­sen Leis­tung an ei­nem be­stimm­ten Ar­beits­platz be­reits bei der Ein­stel­lung fest ein­ge­plant wor­den sei (zum Er­for­der­nis be­son­de­ren Ver­trau­ens vgl. be­reits Hein­ze Ar­buR 1984, 237, 243).

(2) In der Li­te­ra­tur wird die­se Auf­fas­sung ge­teilt (KR/Wei­gand 10. Aufl. §§ 21 - 23 BBiG Rn. 48; ErfK/Schlach­ter 15. Aufl. § 22 BBiG Rn. 3; APS/Biebl 4. Aufl. § 22 BBiG Rn. 16; HWK/Her­genröder 6. Aufl. § 22 BBiG Rn. 6; Ben­ecke in Ben­ecke/Her­genröder BBiG § 22 Rn. 22; Schieckel/Oe­strei­cher/De­cker/Grüner BBiG Bd. 1 Stand 1. Sep­tem­ber 2013 § 22 Rn. 8; Schu­li­en in Hur­le­baus/Baumstümmler/Schu­li­en Be­rufs­bil­dungs­recht Stand Mai 2014 § 22 Rn. 50c; Lak­ies in Lak­ies/Ma­lott­ke BBiG 4. Aufl. § 22 Rn. 48; Lak­ies/Nehls BBiG 3. Aufl. § 22 Rn. 47a). Es sei zu be­ach­ten, dass es sich beim Aus­bil­dungs­verhält­nis nicht um ein Ar­beits­verhält­nis, son­dern um ein be­son­de­res Rechts­verhält­nis hand­le, bei dem die cha­rak­ter­li­che Förde­rung nach § 14 Abs. 1 Nr. 5 BBiG ei­ne be­son­de­re Rol­le spie­le (Pep­ping in Wohl­ge­muth BBiG § 22 Rn. 23).

(3) Nach an­de­rer An­sicht ist die Ver­dachtskündi­gung we­gen ih­rer erhöhten An­for­de­run­gen auch im Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis zulässig (Schaub/Vo­gel­sang ArbR-HdB 15. Aufl. § 174 Rn. 95; KR/Fi­scher­mei­er 10. Aufl. § 626 BGB Rn. 228; Hoefs Die Ver­dachtskündi­gung S. 318; Stück in Braun/Mühl­hau­sen/Munk/Stück BBiG § 15 Rn. 113; Her­kert/Töltl BBiG Bd. 1 Stand De­zem­ber 2014 § 22 Rn. 95 ff.; dif­fe­ren­zie­rend Lei­ne­mann/Tau­bert BBiG 2. Aufl. § 22 Rn. 62). Die be­son­de­re Be­deu­tung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses könne im kon­kre­ten Ein­zel­fall al­ler­dings wei­ter ge­hen­de Ein­schränkun­gen er­for­dern (HK-ArbR/Herr­mann 3. Aufl. § 22 BBiG Rn. 14).



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bb) Der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung ist zu­zu­stim­men. Der drin­gen­de Tat­ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung des Aus­zu­bil­den­den kann dem Aus­bil­den­den die Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar ma­chen und da­her ei­nen wich­ti­gen Grund zur Kündi­gung nach § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG dar­stel­len. Dem be­son­de­ren Cha­rak­ter des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ist je­doch bei der Prüfung der Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­dachtskündi­gung Rech­nung zu tra­gen.

(1) Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­se und Ar­beits­verhält­nis­se sind nicht ge­ne­rell gleich­zu­set­zen, weil bei­de Ver­trags­verhält­nis­se un­ter­schied­li­che Pflich­ten­bin­dun­gen auf­wei­sen (BAG 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 348/02 - zu 2 a bb der Gründe, BA­GE 107, 72; 16. Ju­li 2013 - 9 AZR 784/11 - Rn. 37, BA­GE 145, 371). In­halt ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist nach § 611 BGB die Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung ge­gen Zah­lung ei­nes Ent­gelts. Dem­ge­genüber schul­det der Aus­zu­bil­den­de, sich aus­bil­den zu las­sen, während die Haupt­pflicht des Aus­bil­den­den nach § 14 BBiG dar­in be­steht, dem Aus­zu­bil­den­den die zum Er­rei­chen des Aus­bil­dungs­ziels er­for­der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten zu ver­mit­teln. Der Aus­zu­bil­den­de schul­det im Ge­gen­satz zu ei­nem Ar­beit­neh­mer kei­ne Ar­beits­leis­tung ge­gen Zah­lung ei­nes Ent­gelts, son­dern hat sich nach § 13 Satz 1 BBiG zu bemühen, die be­ruf­li­che Hand­lungsfähig­keit zu er­wer­ben, die zum Er­rei­chen des Aus­bil­dungs­ziels er­for­der­lich ist (BAG 18. Mai 2011 - 10 AZR 360/10 - Rn. 13 mwN).

(2) An den Vor­schrif­ten des Be­rufs­bil­dungs­ge­set­zes ist er­kenn­bar, dass der Ge­setz­ge­ber es zur Er­rei­chung des Aus­bil­dungs­ziels für er­for­der­lich ge­hal­ten hat, auf ei­nen möglichst lan­ge dau­ern­den Be­stand des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses hin­zu­wir­ken und Kündi­gun­gen zu er­schwe­ren (BAG 16. Ju­li 2013 - 9 AZR 784/11 - Rn. 38, BA­GE 145, 371). Die Erfüllung der Be­rufs­aus­bil­dungs­auf­ga­be ver­langt ei­ne be­son­ders star­ke Bin­dung der Ver­trags­par­tei­en (BT-Drs. V/4260 S. 11 zu § 15 BBiG aF). Kon­se­quen­ter­wei­se ist ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung nach Ab­lauf der Pro­be­zeit durch den Aus­bil­den­den nicht möglich. Es be­darf ei­nes wich­ti­gen Grun­des iSv. § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG. Dies ent­spricht dem all­ge­mei­nen Rechts­grund­satz, dass je­des Dau­er­rechts­verhält­nis



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aus ei­nem wich­ti­gen Grund frist­los gekündigt wer­den kann. Ein wich­ti­ger Grund ist ge­ge­ben, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses­bis zum Ab­lauf der Aus­bil­dungs­zeit nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann (BT-Drs. V/4260 aaO). Das Verständ­nis des wich­ti­gen Grun­des iSv. § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG ent­spricht so­mit dem wich­ti­gen Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB (vgl. hier­zu BAG 8. Mai 2014 - 2 AZR 249/13 - Rn. 16 mwN). Die­se Par­al­le­lität spricht für die grundsätz­li­che Zulässig­keit der Ver­dachtskündi­gung auch im Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis.

(3) § 10 Abs. 2 BBiG steht dem nicht ent­ge­gen. Nach die­ser Vor­schrift sind auf den Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag die für den Ar­beits­ver­trag gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten und Rechts­grundsätze an­zu­wen­den, so­weit sich aus dem We­sen und Zweck des Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trags und aus dem Be­rufs­bil­dungs­ge­setz nichts an­de­res er­gibt. Dies ist be­zo­gen auf die grundsätz­li­che An­er­ken­nung ei­nes Tat­ver­dachts als wich­ti­ger Grund iSv. § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG nicht der Fall. Auch bei Berück­sich­ti­gung der be­son­de­ren Ver­pflich­tun­gen des Aus­bil­den­den, wel­che nach § 14 Abs. 1 Nr. 5 BBiG auch die cha­rak­ter­li­che Förde­rung des Aus­zu­bil­den­den um­fas­sen, be­darf es zur zu­mut­ba­ren Durchführung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ei­ner tragfähi­gen Ver­trau­ens­ba­sis. Ins­be­son­de­re muss der Aus­bil­den­de dar­auf ver­trau­en können, dass der Aus­zu­bil­den­de ihn nicht vorsätz­lich schädigt.

(4) Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln und Tei­len der Li­te­ra­tur ge­for­der­te be­son­de­re Ver­trau­ens­stel­lung bzw. ver­tief­te Ver­trau­ens­ba­sis ist kei­ne Vor­aus­set­zung für die Zulässig­keit ei­ner Ver­dachtskündi­gung. Die Re­vi­si­on führt in­so­weit zu­tref­fend aus, dass ein sol­ches Kri­te­ri­um zu un­be­stimmt wäre. Es lässt sich nicht hin­rei­chend ein­gren­zen, bei wel­chen Aus­bil­dun­gen ei­ne sol­che ver­tief­te Ver­trau­ens­ba­sis ge­ge­ben sein muss. Die­ses Er­for­der­nis kann aus un­ter­schied­li­chen Gründen ge­ge­ben sein. Es gibt Aus­bil­dungs­be­ru­fe, bei de­nen ein ho­hes Maß an Ver­trau­en we­gen der Er­lan­gung der Kennt­nis von Be­triebs­ge­heim­nis­sen er­for­der­lich ist (vgl. § 13 Satz 2 Nr. 6 BBiG). Fer­ner exis­tie­ren Aus-



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bil­dungs­be­ru­fe, bei de­nen ein be­son­de­res Ri­si­ko dar­aus re­sul­tiert, dass der Aus­zu­bil­den­de Um­gang mit gefähr­li­chen Ma­schi­nen hat, wel­che auch Drit­te gefähr­den können. Auch hier muss die ent­spre­chen­de Ver­trau­ens­ba­sis be­ste­hen. Ei­ne sol­che Grund­la­ge muss auch ge­ge­ben sein, wenn der Aus­zu­bil­den­de Zu­gang zu Bar­geld­beständen hat. Dies hängt al­ler­dings nicht von der Aus­bil­dung ab, son­dern von den Verhält­nis­sen im Aus­bil­dungs­be­trieb. Al­le Aus­bil­dun­gen in Be­trie­ben mit nicht hin­rei­chend ge­si­cher­ten Bar­kas­sen wären er­fasst. Un­abhängig von dem Aus­bil­dungs­gang wäre die be­son­de­re Ver­trau­ens­stel­lung des­halb in ei­ner Viel­zahl von Fällen be­zo­gen auf die Umstände im Be­trieb zu prüfen. Dies gilt auch bei Zu­gang zu an­de­ren Wert­ge­genständen. Zu­dem hat schon Hein­ze (Ar­buR 1984, 237, 243) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in größeren Be­trie­ben der Aus­zu­bil­den­de den Ein­satz­ort öfter wech­selt. Hier­bei mag es Be­rei­che ge­ben, in de­nen ei­ne ver­tief­te Ver­trau­ens­ba­sis er­for­der­lich ist, in an­de­ren nicht. In der Ge­samt­schau ist die Un­ter­schei­dung zwi­schen ei­nem „nor­ma­len Aus­bil­dungs­verhält­nis“ und ei­nem mit be­son­de­rer Ver­trau­ens­stel­lung kein taug­li­ches Kri­te­ri­um für die grundsätz­li­che Zulässig­keit der Ver­dachtskündi­gung. Ei­ne be­son­de­re Ver­trau­ens­stel­lung ist viel­mehr bei der Prüfung der Zu­mut­bar­keit der Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses in die In­ter­es­sen­abwägung ein­zu­stel­len.

(5) Die en­ge Bin­dung der Par­tei­en des Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trags ist bei der Prüfung der Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­dachtskündi­gung im Ein­zel­fall zu berück­sich­ti­gen. Da­bei ist dem Um­stand Sor­ge zu tra­gen, dass es sich bei Aus­zu­bil­den­den ty­pi­scher­wei­se um Per­so­nen mit ge­rin­ger Le­bens- und Be­rufs­er­fah­rung han­delt und den Aus­bil­den­den be­son­de­re Fürsor­ge­pflich­ten so­wohl in cha­rak­ter­li­cher als auch körper­li­cher Hin­sicht tref­fen (vgl. § 14 Abs. 1 Nr. 5, Abs. 2 BBiG). Ein Tat­ver­dacht kann nur dann ei­nen wich­ti­gen Grund iSd. § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG zur Kündi­gung dar­stel­len, wenn der Ver­dacht auch bei Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses dem Aus­bil­den­den die Fort­set­zung der Aus­bil­dung ob­jek­tiv un­zu­mut­bar macht. Dies be­darf ei­ner Würdi­gung der Umstände im Ein­zel­fall.



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(6) Vor die­sem Hin­ter­grund drin­gen die wei­te­ren Einwände der Re­vi­si­on nicht durch.

(a) Es ist zwar zu­tref­fend, dass der mit der Kündi­gung ver­bun­de­ne fak­ti­sche Ab­bruch der Aus­bil­dung und das Ver­strei­chen ei­ner ggf. er­heb­li­chen Zeit­span­ne bis zur Wie­der­auf­nah­me der Aus­bil­dung für den Aus­zu­bil­den­den be­son­ders schwer­wie­gend ist. Dies gilt je­doch auch im Fal­le ei­ner Tatkündi­gung, bei der nach dem Un­ter­lie­gen im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren zu­dem kein Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch in Be­tracht kommt (zu ei­nem sol­chen An­spruch bei ei­ner Ver­dachtskündi­gung vgl. ErfK/Müller-Glöge 15. Aufl. § 626 BGB Rn. 184; KR/Fi­scher­mei­er 10. Aufl. § 626 BGB Rn. 234). Bei der Ver­dachtskündi­gung ist außer­dem ein stren­ger Maßstab an­zu­le­gen. Die be­son­de­re Schutzwürdig­keit des Aus­zu­bil­den­den ist da­bei im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung zu berück­sich­ti­gen. Die grundsätz­li­che Un­zulässig­keit der Ver­dachtskündi­gung ist zur Gewähr­leis­tung des Schutz­ni­veaus nicht er­for­der­lich.

(b) Auch der Hin­weis auf die Möglich­keit ei­ner verstärk­ten Über­wa­chung ei­nes in Ver­dacht ge­ra­te­nen Aus­zu­bil­den­den trägt nicht. Die Rea­li­sier­bar­keit und Zu­mut­bar­keit ei­ner verstärk­ten An­lei­tung und Kon­trol­le muss ein­zel­fall­be­zo­gen be­ur­teilt wer­den. Ei­ne gleich­sam per­ma­nen­te Über­wa­chung des Aus­zu­bil­den­den zur Ver­hin­de­rung von Vermögens­de­lik­ten ist dem Aus­bil­den­den in der Re­gel nicht zu­mut­bar. Dies stünde auch im Wi­der­spruch zum Cha­rak­ter des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses, wel­ches dem Aus­zu­bil­den­den nach § 13 BBiG Pflich­ten auf­er­legt und da­bei die Be­ach­tung ma­te­ri­el­ler In­ter­es­sen des Aus­bil­den­den vor­schreibt (vgl. § 13 Satz 2 Nr. 5, Nr. 6 BBiG).

(c) Sch­ließlich ist die Ver­dachtskündi­gung auch nicht we­gen der Be­fris­tung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses aus­zu­sch­ließen. Dies berück­sich­tigt § 22 Abs. 2 BBiG be­reits mit dem Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung nach der Pro­be­zeit. Zu­dem be­steht in­so­weit kein Un­ter­schied zum be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis.

2. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung vom 22. Ju­li 2011 hat das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis mit ih­rem Zu­gang



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am 25. Ju­li 2011 gemäß § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBiG we­gen des drin­gen­den Ver­dachts des Dieb­stahls bzw. der Un­ter­schla­gung von 500,00 Eu­ro be­en­det.

a) Die Würdi­gung, ob dem Aus­zu­bil­den­den ein Vermögens­de­likt zum Nach­teil sei­nes Aus­bil­den­den oder ei­ne ähn­lich schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung an­zu­las­ten ist oder ob zu­min­dest ein da­hin­ge­hen­der drin­gen­der Ver­dacht be­steht, liegt im We­sent­li­chen auf tatsäch­li­chem Ge­biet und ist Ge­gen­stand der tatrich­ter­li­chen Würdi­gung iSd. § 286 ZPO. Die­se ist re­vi­si­ons­recht­lich nur dar­auf­hin über­prüfbar, ob das Be­ru­fungs­ge­richt den In­halt der Ver­hand­lung berück­sich­tigt und al­le er­ho­be­nen Be­wei­se gewürdigt hat, ob ei­ne Be­weiswürdi­gung in sich wi­der­spruchs­frei, oh­ne Ver­let­zung von Denk­ge­set­zen so­wie all­ge­mei­nen Er­fah­rungssätzen er­folgt und ob sie recht­lich möglich ist (vgl. BAG 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 16, BA­GE 145, 278; 18. Ok­to­ber 2012 - 6 AZR 289/11 - Rn. 43; 24. Mai 2012 - 2 AZR 206/11 - Rn. 29).

b) Bei Berück­sich­ti­gung die­ses re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfungs­maßstabs hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Wirk­sam­keit der streit­ge­genständ­li­chen außer­or­dent­li­chen Kündi­gung rechts­feh­ler­frei be­jaht.

aa) Es ist der drin­gen­de Tat­ver­dacht der Be­ge­hung ei­nes Vermögens­de­likts zu­las­ten der Be­klag­ten ge­ge­ben. Die­ser Ver­dacht ist ge­eig­net, das für die Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses er­for­der­li­che Ver­trau­en zu zerstören.

(1) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist nach Ver­neh­mung des Zeu­gen K zu der Über­zeu­gung ge­langt, dass der Kläger in dem Gespräch am 21. Ju­li 2011 von sich aus den Be­trag von 500,00 Eu­ro ge­nannt hat, wel­cher als Kas­sen­dif­fe­renz der Fi­lia­le G am 20. Ju­ni 2011 fest­ge­stellt wur­de. Dies ha­be der Zeu­ge K wi­der­spruchs­frei im Rah­men sei­ner Dar­stel­lung des Gesprächs­ver­laufs in je­der Hin­sicht glaub­haft aus­ge­sagt. Durch die­se Of­fen­ba­rung von Täter­wis­sen könne mit großer Wahr­schein­lich­keit dar­auf ge­schlos­sen wer­den, dass sich der Kläger und kein an­de­rer Mit­ar­bei­ter den feh­len­den Geld­be­trag zu­ge­eig­net ha­be. Die­se Be­weiswürdi­gung ist so­wohl hin­sicht­lich der Be­wer­tung der Glaubwürdig­keit des Zeu­gen als auch sei­ner in­halt­li­chen Aus­sa­ge nicht zu



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be­an­stan­den. Die Preis­ga­be fun­da­men­ta­len Täter­wis­sens ist oh­ne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstände ge­eig­net, ei­nen drin­gen­den Tat­ver­dacht zu be­gründen.

(2) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Herrn S nicht zu der Fra­ge ver­neh­men, ob er oder der Kläger das Geld gebündelt hat­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt konn­te die Bünde­lung durch Herrn S am 20. Ju­ni 2011 zu­guns­ten des Klägers un­ter­stel­len, eben­so wie Zu­griffsmöglich­kei­ten an­de­rer Mit­ar­bei­ter. In je­dem Fall hätte auch Herr S die Ge­le­gen­heit zur Un­ter­schla­gung von Bar­geld ge­habt, weil er un­strei­tig am En­de des Ar­beits­tags die Geldbündel zum Ver­sand an die Zen­tral­bank ein­ge­schweißt hat. Ent­schei­dend war aber, dass sich der Kreis der Verdäch­ti­gen we­gen der Nen­nung des Geld­be­trags durch den Kläger auf die­sen ein­ge­grenzt hat­te. Ein wei­te­res „Bild von den Ge­sche­hens­abläufen“ durch Ver­neh­mung des Zeu­gen S muss­te sich das Ge­richt ent­ge­gen der Re­vi­si­on nicht ma­chen.

(3) Die­ser Ver­dacht ist ge­eig­net, das für die Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses er­for­der­li­che Ver­trau­en zu zerstören.

(a) Be­geht der Aus­zu­bil­den­de ei­ne rechts­wid­ri­ge und vorsätz­li­che - ggf. straf­ba­re - Hand­lung un­mit­tel­bar ge­gen das Vermögen sei­nes Aus­bil­den­den, ver­letzt er zu­gleich in schwer­wie­gen­der Wei­se sei­ne schuld­recht­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me nach § 10 Abs. 2 BBiG iVm. § 241 Abs. 2 BGB und miss­braucht das in ihn ge­setz­te Ver­trau­en (vgl. BAG 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 26, BA­GE 134, 349). Dies gilt auch dann, wenn die rechts­wid­ri­ge Hand­lung Ge­genstände von ge­rin­gem Wert be­trifft oder zu ei­nem nur ge­ringfügi­gen, mögli­cher­wei­se zu gar kei­nem Scha­den geführt hat. Maßge­bend ist der mit der Pflicht­ver­let­zung ver­bun­de­ne Ver­trau­ens­bruch (BAG 31. Ju­li 2014 - 2 AZR 407/13 - Rn. 27; 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 13, BA­GE 145, 278).

(b) Ein Dieb­stahl bzw. ei­ne Un­ter­schla­gung von 500,00 Eu­ro wäre dem­nach ei­ne schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung, auch wenn es sich mit den Wor­ten der Re­vi­si­on aus Sicht ei­ner Bank um ei­nen „über­schau­ba­ren Be­trag“ han­deln mag.



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bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat rechts­feh­ler­frei an­ge­nom­men, dass die Be­klag­te dem Kläger ord­nungs­gemäß Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ge­ge­ben ha­be. Die von der Re­vi­si­on we­gen ei­ner rechts­wid­ri­gen Anhörung des Klägers an­ge­nom­me­nen Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te be­ste­hen des­halb nicht.

(1) Der Aus­bil­den­de hat erst dann al­les ihm Zu­mut­ba­re zur Aufklärung des Sach­ver­halts ge­tan, wenn er dem Aus­zu­bil­den­den Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ge­ge­ben hat. Die Not­wen­dig­keit der Anhörung vor Erklärung ei­ner Ver­dachtskündi­gung ist Aus­fluss des Verhält­nismäßig­keits­prin­zips. Die Anhörung soll den Aus­bil­den­den vor vor­ei­li­gen Ent­schei­dun­gen be­wah­ren und der Ge­fahr be­geg­nen, dass ein Un­schul­di­ger von der Kündi­gung be­trof­fen wird (vgl. zu § 626 Abs. 1 BGB BAG 23. Mai 2013 - 2 AZR 102/12 - Rn. 31). Der Um­fang der Nach­for­schungs­pflich­ten und da­mit auch die Aus­ge­stal­tung der Anhörung rich­tet sich nach den Umständen des Ein­zel­falls (vgl. BAG 24. Mai 2012 - 2 AZR 206/11 - Rn. 17; 20. März 2014 - 2 AZR 1037/12 - Rn. 24). Die Anhörung muss sich aber im­mer auf ei­nen greif­ba­ren Sach­ver­halt be­zie­hen. Der Aus­zu­bil­den­de muss die Möglich­keit ha­ben, be­stimm­te, zeit­lich und räum­lich ein­ge­grenz­te Tat­sa­chen ggf. zu be­strei­ten oder den Ver­dacht ent­kräften­de Tat­sa­chen auf­zu­zei­gen und so zur Auf­hel­lung der für den Aus­bil­den­den im Dun­keln lie­gen­de Ge­scheh­nis­se bei­zu­tra­gen (vgl. BAG 24. Mai 2012 - 2 AZR 206/11 - Rn. 33).

(2) So­wohl bei der Vor­be­rei­tung als auch bei der Durchführung der Anhörung hat der Aus­bil­den­de auf die ty­pi­scher­wei­se be­ste­hen­de Un­er­fah­ren­heit des Aus­zu­bil­den­den und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Ge­fahr ei­ner Über­for­de­rung gemäß § 10 Abs. 2 BBiG iVm. § 241 Abs. 2 BGB Rück­sicht zu neh­men. Die Anhörung ei­nes psy­chisch blo­ckier­ten Aus­zu­bil­den­den kann ih­ren Zweck nicht er­rei­chen. Zu­dem be­steht bei ei­nem Aus­zu­bil­den­den eher als bei ei­nem be­rufs­er­fah­re­nen Ar­beit­neh­mer das Ri­si­ko der Einräum­ung ei­ner nicht be­gan­ge­nen Tat, um sich da­mit der Si­tua­ti­on zu ent­zie­hen. Auch mag ein Aus­zu­bil­den­der sen­si­bler auf ei­ne Über­zahl an Ver­tre­tern des Aus­bil­dungs­be­triebs re­agie­ren als ein le­bens- und be­rufs­er­fah­re­ner Ar­beit­neh­mer mit größerem Selbst­be­wusst­sein. Maßgeb­lich sind je­doch durch­weg die Umstände des Ein­zel­falls.



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Da­bei ist ein ob­jek­ti­ver Maßstab aus Sicht ei­nes verständi­gen Aus­bil­den­den zu­grun­de zu le­gen.

(3) Hier­von aus­ge­hend ist es ent­ge­gen der Re­vi­si­on grundsätz­lich nicht er­for­der­lich, den Aus­zu­bil­den­den vor Durchführung ei­ner Anhörung über den be­ab­sich­tig­ten Gesprächs­in­halt zu un­ter­rich­ten.

(a) Die Auf­fas­sung der Re­vi­si­on, wo­nach Art. 103 Abs. 1 GG dies im We­ge der mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung ver­lan­ge, ist un­zu­tref­fend. Nach Art. 103 Abs. 1 GG hat je­der­mann vor Ge­richt An­spruch auf recht­li­ches Gehör. Die­se Ga­ran­tie gilt aus­sch­ließlich vor Ge­richt, das heißt bei al­len staat­li­chen Ge­rich­ten iSd. Art. 92 GG (Be­ckOK GG/Rad­t­ke/Ha­ge­mei­er Stand 1. De­zem­ber 2014 GG Art. 103 Rn. 3; Ku­nig in v. Münch/Ku­nig GG 6. Aufl. Art. 103 Rn. 4; Nol­te in v. Man­goldt/Klein/St­arck GG 6. Aufl. Art. 103 Abs. 1 Rn. 16; aA Lembke RdA 2013, 82, 85).

(b) In Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur wird die The­men­be­kannt­ga­be vor der Anhörung ge­for­dert (vgl. LAG Ber­lin-Bran­den­burg 16. De­zem­ber 2010 - 2 Sa 2022/10 - Rn. 31; Ha­Ko/Gie­seler 4. Aufl. § 626 BGB Rn. 52; Lan­ge/Vo­gel DB 2010, 1066, 1069; Klen­ter AiB 2012, 616, 619; vgl. auch Sas­se/Frei­hu­be Ar­bRB 2006, 15, 16). Hierfür spricht, dass ei­ne sol­che In­for­ma­ti­on dem Ar­beit­neh­mer bzw. Aus­zu­bil­den­den die in­halt­li­che und „men­ta­le“ Vor­be­rei­tung auf das Gespräch ermöglicht (vgl. LAG Ber­lin-Bran­den­burg 30. März 2012 - 10 Sa 2272/11 - Rn. 75; Ey­lert NZA-RR 2014, 393, 402; Be­ckOK BGB/Fuchs Stand 1. No­vem­ber 2014 BGB § 626 Rn. 43). Der Be­trof­fe­ne wird da­durch in die La­ge ver­setzt, schon im Vor­feld der Anhörung zu ent­schei­den, ob er sich ein­las­sen will oder nicht (Fi­scher BB 2003, 522, 523; Ey­lert/Fried­richs DB 2007, 2203, 2205). Bei um­fang­rei­chen und kom­ple­xen Sach­ver­hal­ten ermöglicht ei­ne ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tung ei­ne sub­stan­ti­ier­te Ein­las­sung in der Anhörung (vgl. Lücke BB 1998, 2259, 2261). Auch wird dem Ar­beit­neh­mer Ge­le­gen­heit ge­ge­ben, sich schon vor der persönli­chen Kon­fron­ta­ti­on mit Ver­dachts­mo­men­ten an den Be­triebs­rat zu wen­den oder sich Rat bei ei­nem Rechts­an­walt ein­zu­ho­len. Im Fal­le der Anhörung ei­nes Aus­zu­bil­den­den kommt die mögli­che Ein­schal­tung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung hin­zu.



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(c) An­de­rer­seits be­steht je­doch in Fällen des be­gründe­ten Ver­dachts die Ge­fahr ei­ner Ver­dun­ke­lung der Tat (Lembke RdA 2013, 82, 88; Dzi­da NZA 2013, 412, 415; Ey­lert/Fried­richs DB 2007, 2203, 2205; Gaul/Schmidt-Lau­ber Ar­bRB 2012, 18, 19; Lücke BB 1998, 2259, 2261), wel­cher nicht im­mer mit Mit­teln der Be­weis­si­che­rung zu be­geg­nen sein wird (so aber wohl Lan­ge/Vo­gel DB 2010, 1066, 1069). Zu­dem wird dem An­zuhören­den die Ge­le­gen­heit ent­zo­gen, sich möglichst un­be­fan­gen mit den Vorwürfen aus­ein­an­der­zu­set­zen und mögli­cher­wei­se schon mit sei­ner spon­ta­nen Re­ak­ti­on ei­ne Ent­las­tung her­bei­zuführen (BAG 24. Mai 2012 - 2 AZR 206/11 - Rn. 35).

(d) Ei­ne Mit­tei­lung des be­ab­sich­tig­ten Gesprächs­the­mas ist ge­genüber dem Aus­zu­bil­den­den des­halb grundsätz­lich nicht er­for­der­lich (eben­so zur Anhörung ei­nes Ar­beit­neh­mers ErfK/Müller-Glöge 15. Aufl. § 626 BGB Rn. 178b). Die Re­vi­si­on weist al­ler­dings zu­tref­fend dar­auf hin, dass die Gesprächs­si­tua­ti­on den Aus­zu­bil­den­den er­kenn­bar über­for­dern kann, sei es in psy­chi­scher Hin­sicht oder we­gen der Kom­ple­xität des Sach­ver­halts. Es ent­spricht dann der Rück­sicht­nah­me­pflicht des Aus­bil­den­den, das Gespräch von sich aus oder auf Wunsch des Aus­zu­bil­den­den ab­zu­bre­chen und ei­ne er­neu­te Anhörung an­zu­be­rau­men, wenn der Aus­zu­bil­den­de grundsätz­lich zu ei­ner in­halt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ver­dachts­mo­men­ten be­reit ist. Da­mit erhält der Aus­zu­bil­den­de die ggf. er­for­der­li­che Vor­be­rei­tungs­zeit (vgl. Dzi­da NZA 2013, 412, 414; ders. NZA 2014, 809, 814). Die­se muss abhängig von den Umständen des Ein­zel­falls ei­ne an­ge­mes­se­ne Dau­er auf­wei­sen (vgl. KR/Fi­scher­mei­er 10. Aufl. § 626 BGB Rn. 230). Die Un­ter­bre­chung der Anhörung ist auch ge­bo­ten, wenn der Aus­zu­bil­den­de die Be­ra­tung mit ei­ner Ver­trau­ens­per­son ver­langt. Der Aus­bil­den­de ist je­doch nicht ver­pflich­tet, den Aus­zu­bil­den­den auf die Möglich­keit der Kon­tak­tie­rung ei­nes Rechts­an­walts hin­zu­wei­sen (vgl. Lan­ge/Vo­gel DB 2010, 1066, 1069; Ey­lert/Fried­richs DB 2007, 2203, 2205; Lembke RdA 2013, 82, 89; Hunold Anm. NZA-RR 2010, 184). Dies gilt auch bezüglich sons­ti­ger Ver­trau­ens­per­so­nen.

(4) Die Be­klag­te war dem­nach nicht ver­pflich­tet, den Kläger vor der Anhörung am 21. Ju­li 2011 über den be­ab­sich­tig­ten In­halt die­ses Gesprächs zu in-



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for­mie­ren. Von ei­nem 21-jähri­gen Aus­zu­bil­den­den darf oh­ne­hin er­war­tet wer­den, dass er sich zu ei­nem Kas­sen­fehl­be­stand äußern kann und sei es auch nur mit der Aus­sa­ge, dass er ihm nicht erklärlich sei. Für die Be­klag­te war ei­ne Über­for­de­rung des Klägers während der Anhörung nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ob­jek­tiv nicht er­kenn­bar. Der Kläger hat zur Fra­ge der Kas­sen­dif­fe­renz Stel­lung ge­nom­men, oh­ne ei­nen Ab­bruch des Gesprächs zu ver­lan­gen.

(5) Die Durchführung der Anhörung ist auch im Übri­gen nicht zu be­an­stan­den.

(a) Die Be­klag­te muss­te den Kläger nicht wei­ter über ih­ren Kennt­nis­stand bezüglich der Ge­scheh­nis­se am 20. Ju­ni 2011 in der Fi­lia­le G un­ter­rich­ten oder den Kläger mit ei­nem Be­richt der Re­vi­si­ons­ab­tei­lung kon­fron­tie­ren. Es war aus­rei­chend, ihm mit­zu­tei­len, dass an dem be­stimm­ten Tag in der be­stimm­ten Fi­lia­le ein Fehl­be­trag zu ver­zeich­nen war, und ihn zu fra­gen, ob er sich dies erklären könne. Dies war der maßgeb­li­che Sach­ver­halt.

(b) So­weit der Kläger im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren erst­mals vor­bringt, dass er durch wei­te­re Re­cher­chen in Er­fah­rung ge­bracht ha­be, dass sich der Fehl­be­trag ent­ge­gen der Dar­stel­lung der Be­klag­ten­ver­tre­ter in der Anhörung nicht nur auf die von ihm gezähl­ten Gel­der aus dem Nacht­tre­sor, son­dern auch auf von ihm nicht gezähl­tes Geld aus dem Tre­sor und dem Schal­ter­be­reich be­zie­he, han­delt es sich zum ei­nen um neu­es Tat­sa­chen­vor­brin­gen, wel­ches in der Re­vi­si­ons­in­stanz nicht mehr zulässig ist. Zum an­de­ren würde die Ver­men­gung der bei­den Geld­men­gen nichts an dem Fehl­be­trag und an der Be­gründung des Ver­dachts durch die kläger­sei­ti­ge Nen­nung der ge­nau­en Sum­me ändern.

(c) Die Anhörung er­weist sich auch nicht als feh­ler­haft, weil dem Kläger kei­ne Ge­le­gen­heit zur Bei­zie­hung ei­nes Rechts­an­walts oder ei­ner sons­ti­gen Ver­trau­ens­per­son ge­ge­ben wur­de. Ei­ne sol­che Be­tei­li­gung hat der Kläger nicht ver­langt. Er kann da­her mit der Re­vi­si­on auch nicht ein­wen­den, dass ihm ein na­he­ste­hen­der Zeu­ge für den Gesprächs­ver­lauf feh­le.



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(6) Ent­ge­gen der Re­vi­si­on han­delt es sich bei der Anhörung nicht um ei­ne nach § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG un­zulässi­ge Da­ten­er­he­bung. Der An­wen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift ist hier nicht eröff­net.

(a) Die ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen an ei­ne zulässi­ge Da­ten­ver­ar­bei­tung im Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz kon­kre­ti­sie­ren und ak­tua­li­sie­ren den Schutz des Rechts auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung als Aus­prägung des durch Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG geschütz­ten all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts und re­geln, in wel­chem Um­fang im An­wen­dungs­be­reich des Ge­set­zes Ein­grif­fe in die­ses Recht zulässig sind (vgl. für das Da­ten­schutz­ge­setz NRW BAG 15. No­vem­ber 2012 - 6 AZR 339/11 - Rn. 16, BA­GE 143, 343). Dies stellt § 1 Abs. 1 BDSG aus­drück­lich klar. Liegt kei­ne Ein­wil­li­gung des Be­trof­fe­nen vor, ist die Da­ten­ver­ar­bei­tung nach dem Ge­samt­kon­zept des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes nur zulässig, wenn ei­ne ver­fas­sungs­gemäße Rechts­vor­schrift die­se er­laubt. Fehlt es an der da­nach er­for­der­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge oder lie­gen de­ren Vor­aus­set­zun­gen nicht vor, ist die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und/oder Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten ver­bo­ten. Die­ser das deut­sche Da­ten­schutz­recht prägen­de Grund­satz ist in § 4 Abs. 1 BDSG ko­di­fi­ziert (BAG 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 22, BA­GE 145, 278).

(b) Gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 BDSG dürfen per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ei­nes Beschäftig­ten für Zwe­cke des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, wenn dies für die Ent­schei­dung über die Be­gründung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses oder nach des­sen Be­gründung für sei­ne Durchführung oder Be­en­di­gung er­for­der­lich ist. Auch Aus­zu­bil­den­de sind gemäß § 3 Abs. 11 Nr. 2 BDSG Beschäftig­te. Nach § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG dürfen zur Auf­de­ckung von Straf­ta­ten per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ei­nes Beschäftig­ten nur dann er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, wenn zu do­ku­men­tie­ren­de tatsächli­che An­halts­punk­te den Ver­dacht be­gründen, dass der Be­trof­fe­ne im Beschäfti­gungs­verhält­nis ei­ne Straf­tat be­gan­gen hat, die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung zur Auf­de­ckung er­for­der­lich ist und das schutzwürdi­ge In­ter­es­se des Beschäftig­ten an dem Aus­schluss der Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung



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oder Nut­zung nicht über­wiegt, ins­be­son­de­re Art und Aus­maß im Hin­blick auf den An­lass nicht un­verhält­nismäßig sind.

(c) Bei der zur Aufklärung von Ver­dachts­mo­men­ten vor­ge­nom­me­nen Anhörung ei­nes Ar­beit­neh­mers bzw. Aus­zu­bil­den­den han­delt es sich um ei­ne Da­ten­er­he­bung iSv. § 32 Abs. 1 BDSG.

(aa) Nach der Be­griffs­be­stim­mung in § 3 Abs. 1 BDSG sind per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten Ein­zel­an­ga­ben über persönli­che und sach­li­che Verhält­nis­se ei­ner be­stimm­ten oder be­stimm­ba­ren natürli­chen Per­son. Persönli­che und sach­li­che Verhält­nis­se sind In­for­ma­tio­nen über die Per­son des Be­trof­fe­nen oder über ei­nen auf die­sen be­zo­ge­nen Sach­ver­halt (Wei­chert in Däubler/Kle­be/Wed­de/Wei­chert BDSG 4. Aufl. § 3 Rn. 19; Go­la/Schome­rus BDSG 11. Aufl. § 3 Rn. 6, 7). Die Anhörung be­zieht sich auf ei­ne be­stimm­te Per­son und de­ren An­ga­ben zu ei­nem Sach­ver­halt, der we­gen des Aufklärungs­zwecks sie selbst be­trifft. Die An­ga­ben wer­den über die be­trof­fe­ne Per­son iSd. § 3 Abs. 3 BDSG be­schafft und da­mit er­ho­ben.

(bb) § 32 BDSG setzt nicht vor­aus, dass die Da­ten­er­he­bung zum Zwe­cke ih­rer Nut­zung und Ver­ar­bei­tung in au­to­ma­ti­sier­ten Da­tei­en er­folgt. Durch § 32 Abs. 2 BDSG wird die grundsätz­li­che Be­schränkung der An­wen­dung des drit­ten Ab­schnitts des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes auf da­tei­ge­bun­de­ne bzw. au­to­ma­ti­sier­te Ver­ar­bei­tun­gen (§ 1 Abs. 2 Nr. 3, § 27 Abs. 1 BDSG) aus­drück­lich auf­ge­ho­ben. Die Vor­schrift er­fasst da­mit so­wohl nach ih­rem Wort­laut als auch nach ih­rem Re­ge­lungs­ge­halt die Da­ten­er­he­bung durch rein tatsächli­che Hand­lun­gen (BAG 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 24, BA­GE 145, 278). Da­mit sind auch Be­fra­gun­gen ei­nes Beschäftig­ten er­fasst (ErfK/Fran­zen 15. Aufl. § 32 BDSG Rn. 2; Sta­mer/Kuhn­ke in Plath BDSG § 32 Rn. 7; Rie­sen­hu­ber NZA 2012, 771, 774).

(d) Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on ist die Anhörung des Klägers am 21. Ju­li 2011 nicht un­ter Ver­let­zung des § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG er­folgt. Zwar stellt sie ei­ne Da­ten­er­he­bung dar, wel­che zur Auf­de­ckung ei­ner Straf­tat vor­ge­nom­men wur­de. Die Be­klag­te hat auch nicht be­haup­tet, dass tatsächli­che An-



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halts­punk­te do­ku­men­tiert wur­den, die den Ver­dacht ge­gen den Kläger im Vor­feld der Anhörung be­gründet und sei­ne Anhörung ver­an­lasst hätten. Die Anhörung ist aber kei­ne Über­wa­chungs­maßnah­me. § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG be­zieht sich nicht auf je­de Aufklärungs­hand­lung, son­dern nur auf Kon­troll- bzw. Über­wa­chungs­maßnah­men zur Auf­de­ckung ei­ner Straf­tat.

(aa) Nach der Ge­set­zes­be­gründung soll­te die Re­ge­lung des § 32 BDSG die bis­lang von der Recht­spre­chung er­ar­bei­te­ten Grundsätze des Da­ten­schut­zes im Beschäfti­gungs­verhält­nis nicht ändern, son­dern le­dig­lich zu­sam­men­fas­sen (BAG 21. No­vem­ber 2013 - 2 AZR 797/11 - Rn. 52, BA­GE 146, 303; 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 546/12 - Rn. 26, BA­GE 145, 278; vgl. auch Go­la/Schome­rus BDSG 11. Aufl. § 32 Rn. 2; HWK/Lembke 6. Aufl. § 32 BDSG Rn. 2; Sei­fert in Si­mi­tis BDSG 8. Aufl. § 32 Rn. 1). § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG ori­en­tiert sich im Wort­laut an § 100 Abs. 3 Satz 1 TKG und in­halt­lich an den An­for­de­run­gen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt ua. in sei­nem Ur­teil vom 27. März 2003 (- 2 AZR 51/02 - BA­GE 105, 356) zur ver­deck­ten Über­wa­chung von Beschäftig­ten auf­ge­stellt hat (BT-Drs. 16/13657 S. 21). Der Tat­be­stand des § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG ist da­her auf die­se oder ver­gleich­ba­re Fälle von Kon­troll­maßnah­men zu be­schränken (ErfK/Fran­zen 15. Aufl. § 32 BDSG Rn. 31). Der Ge­setz­ge­ber ging da­von aus, dass Maßnah­men zur Auf­de­ckung ei­ner Straf­tat in der Re­gel be­son­ders in­ten­siv in das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht ein­grei­fen (BT-Drs. 16/13657 S. 21). Dies ist bei (ver­deck­ter) Über­wa­chung von Beschäftig­ten der Fall, wes­halb die - von der Ge­set­zes­be­gründung in Be­zug ge­nom­me­nen - re­strik­ti­ven Grundsätze der hier­zu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung mit § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG ko­di­fi­ziert wur­den. Die Vor­schrift soll hin­sicht­lich der Ein­griff­s­in­ten­sität ver­gleich­ba­re Maßnah­men er­fas­sen (vgl. Ta­e­ger/Ga­bel/Zöll § 32 BDSG Rn. 41). Die Ge­set­zes­be­gründung lässt um­ge­kehrt dar­auf schließen, dass die erhöhten da­ten­schutz­recht­li­chen An­for­de­run­gen des § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG bei we­ni­ger be­las­ten­den Aufklärungs­maßnah­men, durch wel­che die Beschäftig­ten we­der kon­trol­liert noch über­wacht wer­den, kei­ne Gel­tung be­an­spru­chen sol­len.



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(bb) Dem­nach un­terfällt die Anhörung ei­nes Beschäftig­ten nicht den An­for­de­run­gen des § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG (aA wohl Lembke RdA 2013, 82, 87; ders. in HWK 6. Aufl. § 32 BDSG Rn. 21). Die Anhörung ist we­der Kon­trol­le noch Über­wa­chung. Der Beschäftig­te wird in of­fe­ner Wei­se mit Ver­dachts­mo­men­ten kon­fron­tiert und erhält die Ge­le­gen­heit zu de­ren Ent­kräftung. Er kann sich der Anhörung - im Ge­gen­satz zu ei­ner Über­wa­chungs­maßnah­me - ent­zie­hen, in­dem er ei­ne Ein­las­sung ver­wei­gert. Dem­ent­spre­chend hat die Recht­spre­chung auch kei­nen ei­ner Über­wa­chungs­maßnah­me ver­gleich­ba­ren Ein­griff in das Persönlich­keits­recht er­kannt. Die in § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG vor­ge­se­he­nen An­for­de­run­gen sind da­her nicht ver­an­lasst. Wie dar­ge­legt woll­te der Ge­setz­ge­ber mit § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG nur Aufklärungs­maßnah­men er­fas­sen, die we­gen der In­ten­sität des Ein­griffs in das Persönlich­keits­recht solch erhöhte An­for­de­run­gen ver­lan­gen.

(cc) Die Anhörung des Klägers muss­te auch nicht nach § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG do­ku­men­tiert wer­den. Im Rah­men der Anhörung ent­stand zwar die ver­dachts­be­gründen­de Tat­sa­che der Of­fen­ba­rung von Täter­wis­sen. Die Be­klag­te nahm aber nach der Anhörung des­we­gen kei­ne wei­te­ren Über­wa­chungs­maßnah­men vor. Die Er­mitt­lun­gen ge­gen den Kläger wa­ren mit der Anhörung ab­ge­schlos­sen.

(7) Die Anhörung des Klägers war gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 BDSG zulässig. Die da­mit ver­bun­de­ne Da­ten­er­he­bung und -nut­zung er­folg­te für Zwe­cke des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses und war für die Ent­schei­dung über des­sen wei­te­re Durchführung oder Be­en­di­gung er­for­der­lich. Die Er­for­der­lich­keit er­gibt sich schon aus den Vor­ga­ben der Recht­spre­chung zur Wirk­sam­keit ei­ner et­wai­gen Ver­dachtskündi­gung.

(8) Es kann hier un­ent­schie­den blei­ben, ob § 32 Abs. 1 BDSG auch § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG ver­drängt (vgl. zum Streit­stand Be­ckOK Da­tenSR/Rie­sen­hu­ber Stand 1. No­vem­ber 2014 BDSG § 32 Rn. 25 f.). Die Vor­aus­set­zun­gen des § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG sind erfüllt. Das be­rech­tig­te In­ter­es­se der Be­klag­ten folgt aus ih­rer Ver­pflich­tung zur Durchführung ei­ner Anhörung im Rah­men der ge­bo­te­nen Aufklärungs­bemühun­gen. Das In­ter­es­se des Klägers an dem Aus­schluss der Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung der durch die Anhörung ge­won­ne­nen Da­ten über­wiegt dem­ge­genüber nicht. Die Durchführung der Anhörung dien­te ursprüng­lich ge­ra­de sei­nem In­ter­es­se an ei­ner Stel­lung­nah­me, wel­che die Möglich­keit zur Klärung des Sach­ver­halts in sei­nem Sin­ne gab. Der Um­stand, dass sich erst durch die Anhörung der kündi­gungs­be­gründen­de Tat­ver­dacht er­gab, ändert dar­an nichts. Das In­ter­es­se des Klä-



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gers an der Nicht­ver­wer­tung der be­las­ten­den Aus­sa­gen ist nicht schutzwürdig. An­de­ren­falls könn­ten nur ent­las­ten­de Er­kennt­nis­ge­win­ne iSd. § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG ge­nutzt wer­den, während ver­dachts­be­gründen­de oder -verstärken­de Umstände un­berück­sich­tigt blei­ben müss­ten.

(9) Of­fen­blei­ben kann auch, ob § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG ne­ben § 32 Abs. 1 BDSG zur An­wen­dung kommt. Dies wird trotz der ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­be­gründung, wo­nach § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG ver­drängt wird (BT-Drs. 16/13657 S. 20), we­gen der da­mit ver­bun­de­nen und ge­setz­lich nicht be­ab­sich­tig­ten Ab­sen­kung des Schutz­ni­veaus ver­tre­ten (vgl. Däubler in Däubler/Kle­be/Wed­de/Wei­chert BDSG 4. Aufl. § 32 Rn. 9; Thüsing NZA 2009, 865; ErfK/Fran­zen 15. Aufl. § 28 BDSG Rn. 4). Im vor­lie­gen­den Fall dien­te die Anhörung nach der un­be­strit­te­nen Dar­stel­lung der Be­klag­ten der Aufklärung des Sach­ver­halts, in­dem der Kläger zu der Kas­sen­dif­fe­renz be­fragt wur­de. Da­mit wur­de der Zweck fest­ge­legt. An­de­res be­haup­tet auch der Kläger nicht. Ei­ne schrift­li­che Fest­le­gung des Zwecks ver­langt § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG nicht (Plath in Plath BDSG § 28 Rn. 90; Si­mi­tis in Si­mi­tis BDSG 8. Aufl. § 28 Rn. 43; Ta­e­ger/Ga­bel/Ta­e­ger § 28 BDSG Rn. 111). Ei­ne ge­ne­rel­le Ver­pflich­tung zur schrift­li­chen Fi­xie­rung der Zweck­fest­le­gung lässt sich auch der all­ge­mei­nen Vor­schrift des § 9 BDSG nicht ent­neh­men (aA je­den­falls bei An­wend­bar­keit der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG Go­la/Schome­rus BDSG 11. Aufl. § 28 Rn. 35). Ei­ne schrift­li­che Do­ku­men­ta­ti­on der mit ei­ner Anhörung ver­bun­de­nen Zweck­set­zung wäre iSd. § 9 BDSG nicht er­for­der­lich, da der Aufklärungs­zweck evi­dent ist. Die Un­ter­rich­tungs­pflicht nach § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BDSG kann auch oh­ne ei­ne sol­che schrift­li­che Do­ku­men­ta­ti­on erfüllt wer­den.



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(10) So­weit der Kläger in der Ver­hand­lung vor dem Se­nat ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 4 Abs. 3 BDSG we­gen der feh­len­den The­men­be­kannt­ga­be vor der Anhörung be­haup­tet hat, greift die­se Rüge nicht durch. Et­wai­ge Un­ter­rich­tungs- und Hin­weis­pflich­ten nach § 4 Abs. 3 BDSG müssen nur vor der Da­ten­er­he­bung erfüllt wer­den (Be­ckOK Da­tenSR/Bäcker Stand 1. No­vem­ber 2014 BDSG § 4 Rn. 76). Dies kann auch un­mit­tel­bar vor der Anhörung er­fol­gen. We­der der im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ver­wert­ba­re Tat­sa­chen­vor­trag des Klägers noch die Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts las­sen auf ent­spre­chen­de Pflicht­ver­let­zun­gen schließen.

(11) Die Anhörung des Klägers hat folg­lich we­der da­ten­schutz­recht­li­che Vor­ga­ben noch in sons­ti­ger Wei­se das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht des Klägers ver­letzt. Ein auf die Er­kennt­nis­se der Anhörung be­zo­ge­nes pro­zes­sua­les Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot (vgl. hier­zu BAG 21. No­vem­ber 2013 - 2 AZR 797/11 - Rn. 48 f., BA­GE 146, 303) be­steht da­her nicht.

(12) Nach der Be­gründung des Ver­dachts im Ver­lauf des Gesprächs am 21. Ju­li 2011 war ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on kei­ne er­neu­te Anhörung er­for­der­lich. Die Ver­dachts­be­gründung war mit der Nen­nung des Fehl­be­trags durch den Kläger ab­ge­schlos­sen. Der Kläger war am 21. Ju­li 2011 so­gleich da­mit kon­fron­tiert wor­den. Wei­ter ge­hen­de Er­mitt­lun­gen, die neue ver­dachts­be­gründen­de Tat­sa­chen er­ge­ben hätten, wur­den von der Be­klag­ten nicht durch­geführt (vgl. zu ei­nem sol­chen Fall BAG 13. Sep­tem­ber 1995 - 2 AZR 587/94 - zu II 4 a der Gründe, BA­GE 81, 27). Dies gilt auch, wenn die Be­klag­te sich erst nach der Anhörung des Klägers mit Herrn S am 21. Ju­li 2011 in Ver­bin­dung ge­setzt ha­ben soll­te. Die Stel­lung­nah­me von Herrn S mit sei­ner E-Mail vom sel­ben Tag hat kei­ne neu­en Er­kennt­nis­se ge­bracht, wel­che ei­ne er­neu­te Anhörung er­for­der­lich ge­macht hätten. Herr S hat le­dig­lich an­geführt, dass der Kläger auch die Bünde­lung vor­ge­nom­men ha­be. Wie dar­ge­stellt, ist dies je­doch we­gen der Ver­dachts­be­gründung auf­grund der Nen­nung des Fehl­be­trags nicht aus­schlag­ge­bend.



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cc) Sch­ließlich ist auch die durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei der Prüfung der Zu­mut­bar­keit der Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses vor­ge­nom­me­ne In­ter­es­sen­abwägung nicht zu be­an­stan­den.

(1) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die mit dem Ver­lust des Aus­bil­dungs­plat­zes ver­bun­de­nen er­heb­li­chen Nach­tei­le für die künf­ti­ge be­ruf­li­che Ent­wick­lung des Klägers eben­so wie die im Herbst 2011 er­folg­reich ab­ge­leg­te Zwi­schen­prüfung berück­sich­tigt. Es hat zu­guns­ten des Klägers an­geführt, dass er kurz vor Voll­endung sei­nes ers­ten Aus­bil­dungs­jah­res stand, ob­wohl die­se re­la­tiv kur­ze Dau­er des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses eher zu sei­nen Las­ten hätte ge­wer­tet wer­den können. Fer­ner hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die feh­len­de Ein­hal­tung der Kon­troll­vor­schrif­ten („Vier-Au­gen-Prin­zip“) berück­sich­tigt.

(2) Es über­schrei­tet den tatrich­ter­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum nicht, wenn es den­noch zu der Über­zeu­gung ge­langt ist, dass die In­ter­es­sen der Be­klag­ten an der Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses we­gen des ir­re­pa­ra­blen, dh. auch durch ei­ne Ab­mah­nung nicht mehr aus­zu­glei­chen­den, Ver­trau­ens­ver­lus­tes über­wie­gen.

(a) Da­bei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Kon­takt des Klägers mit ho­hen Geld­beträgen an­geführt. Die Be­klag­te könne nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, den Kläger künf­tig in ge­stei­ger­tem Maße zu über­wa­chen. Dies ist nach­voll­zieh­bar, denn ei­ne sol­che Kon­troll­dich­te würde an­ge­sichts der Zu­griffsmöglich­kei­ten auf Bar­geld in ei­nem Bank­be­trieb ei­ne un­verhält­nismäßige Be­las­tung dar­stel­len. Ge­le­gen­hei­ten des Dieb­stahls oder der Un­ter­schla­gung können bei ent­spre­chen­dem Wil­len ei­nes Beschäftig­ten po­ten­ti­ell auch bei der von der Re­vi­si­on an­ge­mahn­ten kon­se­quen­ten Um­set­zung von An­for­de­run­gen der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht an das Ri­si­ko­ma­nage­ment und Vor­ga­ben der be­rufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Vor­schrif­ten (UVV Kas­sen) ge­schaf­fen wer­den.

(b) Nicht zu be­an­stan­den ist auch das Ab­stel­len auf die Fehl­ta­ge in der Be­rufs­schu­le am 11. Fe­bru­ar 2011 und 30. März 2011. Hier­durch hat der Kläger sei­ne Ver­pflich­tung aus § 13 Satz 2 Nr. 2 iVm. § 15 Satz 1 BBiG ver­letzt und da­mit das Aus­bil­dungs­verhält­nis be­las­tet. Dies steht ent­ge­gen der Re­vi­si­on



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nicht im Wi­der­spruch zu der er­folg­reich ab­ge­leg­ten Zwi­schen­prüfung. Die­se be­zieht sich auf die fach­li­chen In­hal­te der Aus­bil­dung und nicht auf das Ver­hal­ten im Aus­bil­dungs­verhält­nis.

(c) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fer­ner in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se auf die „Spiel­pro­ble­ma­tik“ ab­ge­stellt. Der Re­vi­si­on ist in­so­weit zwar zu­zu­ge­ste­hen, dass man­gels Fest­stel­lung ei­ner Spiel­sucht ein Rück­schluss auf das künf­ti­ge Ver­hal­ten des Klägers in­so­weit schwie­rig ist. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te al­ler­dings auf die un­strei­ti­gen The­ra­pie­stun­den bei der Ca­ri­tas und auf die spiel­be­ding­ten Fehl­zei­ten im Be­rufs­schul­un­ter­richt hin­wei­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­nen un­be­an­stan­de­ten Ver­lauf des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses her­vor­he­ben.

3. Die nach § 22 Abs. 3 BBiG zu wah­ren­den For­mer­for­der­nis­se wur­den be­ach­tet. Die Kündi­gung er­folg­te schrift­lich und gab den Kündi­gungs­grund an.

a) Nach § 22 Abs. 3 BBiG muss die Kündi­gung schrift­lich und in den Fällen des § 22 Abs. 2 BBiG un­ter An­ga­be der Kündi­gungs­gründe er­fol­gen. Der Kündi­gen­de muss da­bei die Tat­sa­chen mit­tei­len, die für die Kündi­gung maßge­bend sind (vgl. zu § 15 Abs. 3 BBiG aF BAG 25. No­vem­ber 1976 - 2 AZR 751/75 - zu A III 1 a der Gründe). Pau­scha­le Schlag­wor­te und Wert­ur­tei­le genügen nicht (BAG 10. Fe­bru­ar 1999 - 2 AZR 176/98 - zu II 1 der Gründe). Der Aus­bil­den­de darf sich im Kündi­gungs­schutz­pro­zess nicht auf Gründe stützen, die er im Kündi­gungs­schrei­ben nicht ge­nannt hat (vgl. ErfK/Schlach­ter 15. Aufl. § 22 BBiG Rn. 7).

b) Die­sen An­for­de­run­gen genügt das Kündi­gungs­schrei­ben vom 22. Ju­li 2011. Dort wird so­wohl der Kas­sen­fehl­be­stand als auch die Be­gründung des Ver­dachts ge­gen den Kläger mit­ge­teilt. Es bleibt nicht un­klar, auf wel­che Pflicht­ver­let­zung sich der Ver­dacht rich­tet. Die Be­klag­te hat deut­lich ge­macht, dass sie den Kläger verdäch­tigt, sich den Fehl­be­stand iHv. 500,00 Eu­ro „an­ge­eig­net zu ha­ben“. Deut­lich wird auch, dass die Be­klag­te die für die Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses „un­ver­zicht­ba­re Ver­trau­ens­ba­sis“ als nicht mehr ge­ge­ben und nicht wie­der­her­stell­bar an­sieht. Die Be­klag­te of­fen­bart auch ih­re



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An­nah­me ei­ner Spiel­sucht des Klägers auf­grund der Aus­sa­gen des Klägers in dem Gespräch am 21. Ju­li 2011. Da­mit be­gründet sie die aus ih­rer Sicht be­ste­hen­de Un­zu­mut­bar­keit der Fort­set­zung der Aus­bil­dung. So­weit in dem Kündi­gungs­schrei­ben wei­te­re Pflicht­verstöße an­geführt wer­den (Fehl­zei­ten im Be­rufs­schul­un­ter­richt; Ar­beit in ei­ner Gießerei während des Er­ho­lungs­ur­laubs), wird deut­lich, dass die Be­klag­te das Aus­bil­dungs­verhält­nis ins­ge­samt als be­las­tet an­sieht. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die­se Ver­trags­verstöße für sich ge­nom­men das Ge­wicht ei­nes Kündi­gungs­grun­des zum Aus­druck brin­gen. Die Be­klag­te hat sich im Pro­zess als Kündi­gungs­grund nur auf den - mit­ge­teil­ten - Ver­dacht ei­nes Vermögens­de­likts be­ru­fen.

4. Die Kündi­gung er­folg­te auch un­ter Wah­rung der Frist des § 22 Abs. 4 Satz 1 BBiG.

a) Nach § 22 Abs. 4 Satz 1 BBiG ist ei­ne Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund un­wirk­sam, wenn die ihr zu­grun­de lie­gen­den Tat­sa­chen dem zur Kündi­gung Be­rech­tig­ten länger als zwei Wo­chen be­kannt sind. Die Vor­schrift ent­spricht nach In­halt und Zweck § 626 Abs. 2 BGB. Dem­ent­spre­chend be­ginnt auch die Frist des § 22 Abs. 4 Satz 1 BBiG mit dem Zeit­punkt, in dem der Kündi­gungs­be­rech­tig­te von den für die Kündi­gung maßge­ben­den Tat­sa­chen Kennt­nis er­langt. Dies ist der Fall, so­bald er ei­ne zu­verlässi­ge und möglichst vollständi­ge Kennt­nis der ein­schlägi­gen Tat­sa­chen hat, die ihm die Ent­schei­dung darüber ermöglicht, ob er das Aus­bil­dungs­verhält­nis fort­set­zen soll oder nicht. Zu den maßge­ben­den Tat­sa­chen gehören so­wohl die für als auch die ge­gen ei­ne Kündi­gung spre­chen­den Umstände. Der Kündi­gungs­be­rech­tig­te, der bis­lang nur An­halts­punk­te für ei­nen Sach­ver­halt hat, der zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­rech­ti­gen könn­te, kann nach pflicht­gemäßem Er­mes­sen wei­te­re Er­mitt­lun­gen an­stel­len und den Be­trof­fe­nen anhören, oh­ne dass die Frist zu lau­fen begänne. Dies gilt al­ler­dings nur so lan­ge, wie er aus verständi­gen Gründen mit der ge­bo­te­nen Ei­le Er­mitt­lun­gen durchführt, die ihm ei­ne um­fas­sen­de und zu­verlässi­ge Kennt­nis des Kündi­gungs­sach­ver­halts ver­schaf­fen sol­len. Soll der Kündi­gungs­geg­ner an­gehört wer­den, muss dies in­ner­halb ei­ner kur­zen Frist er­fol­gen. Sie darf im All­ge­mei­nen nicht mehr als ei­ne Wo­che be­tra­gen. Bei Vor­lie­gen be­son-



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de­rer Umstände darf sie auch über­schrit­ten wer­den (vgl. BAG 20. März 2014 - 2 AZR 1037/12 - Rn. 14 mwN; 27. Ja­nu­ar 2011 - 2 AZR 825/09 - Rn. 15, BA­GE 137, 54).

b) Dem­nach hat­te die Be­klag­te von den der Kündi­gung zu­grun­de lie­gen­den Tat­sa­chen zum Zeit­punkt ih­res Zu­gangs am 25. Ju­li 2011 nicht länger als zwei Wo­chen Kennt­nis. Sie wuss­te zwar be­reits seit dem 28. Ju­ni 2011 von dem Kas­sen­fehl­be­stand in G. Die Be­gründung des der Kündi­gung zu­grun­de lie­gen­den Ver­dachts ge­gen den Kläger er­folg­te je­doch erst in des­sen Anhörung am 21. Ju­li 2011. Die Be­klag­te be­trieb die Sach­ver­halts­aufklärung mit der ge­bo­te­nen Ei­le, auch wenn die Anhörung nicht in­ner­halb ei­ner Wo­che ab Kennt­nis von der Kas­sen­dif­fe­renz statt­fand. Ei­ne schrift­li­che Auf­for­de­rung zur Stel­lung­nah­me war nicht ver­an­lasst. Durch die An­be­rau­mung des Gesprächs­ter­mins zunächst auf den 30. Ju­ni 2011 und dann auf den 4. Ju­li 2011 ver­such­te die Be­klag­te ei­ne zeit­na­he Anhörung durch­zuführen. Am 30. Ju­ni 2011 war der Kläger je­doch aus persönli­chen Gründen ver­hin­dert. Den Ter­min am 4. Ju­li 2011 sag­te er we­gen ei­ner an­geb­li­chen Flug­rei­se ab. Nach dem Ur­laubsen­de hat die Be­klag­te die Anhörung so­dann zügig durch­geführt. Sie fand noch in der ers­ten Wo­che nach dem Ur­laub statt. Nach der Ver­dachts­be­gründung am 21. Ju­li 2011 hat die Be­klag­te die Kündi­gung in­ner­halb von zwei Wo­chen, nämlich be­reits am 25. Ju­li 2011, erklärt.

5. Die Kündi­gung ist auch nicht man­gels ord­nungs­gemäßer Anhörung des Be­triebs­rats gemäß § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG un­wirk­sam.

a) Will der Ar­beit­ge­ber sei­ne Kündi­gung auf den drin­gen­den Ver­dacht ei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung stützen, muss er dies dem Be­triebs­rat mit­tei­len und die Umstände an­ge­ben, aus de­nen sich der kon­kre­te Ver­dacht er­ge­ben soll (BAG 23. April 2008 - 2 ABR 71/07 - Rn. 24). Nach dem Grund­satz der sub­jek­ti­ven De­ter­mi­na­ti­on ist der Be­triebs­rat da­bei ord­nungs­gemäß an­gehört, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm die Gründe mit­ge­teilt hat, die nach sei­ner sub­jek­ti­ven Sicht die Kündi­gung recht­fer­ti­gen und die für sei­nen Kündi­gungs­ent­schluss maßgeb­lich sind. Die­sen Kündi­gungs­ent­schluss hat er re­gelmäßig un­ter An­ga­be von Tat­sa­chen so zu be­schrei­ben, dass der Be­triebs­rat oh­ne zusätz­li­che



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ei­ge­ne Nach­for­schun­gen die Stich­hal­tig­keit der Kündi­gungs­gründe prüfen kann (BAG 12. Sep­tem­ber 2013 - 6 AZR 121/12 - Rn. 21).

b) Bei der Be­triebs­rats­anhörung han­delt es sich um ei­ne aty­pi­sche Wil­lens­erklärung, de­ren Aus­le­gung grundsätz­lich Sa­che der Tat­sa­chen­in­stanz ist (BAG 22. Sep­tem­ber 2005 - 6 AZR 607/04 - zu II 4 b bb (1) der Gründe). Die Aus­le­gung aty­pi­scher Wil­lens­erklärun­gen durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Be­ru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt hat oder ge­gen Denk- und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen, we­sent­li­che Tat­sa­chen un­berück­sich­tigt ge­las­sen oder ei­ne ge­bo­te­ne Aus­le­gung un­ter­las­sen hat (vgl. BAG 15. April 2014 - 3 AZR 435/12 - Rn. 18; 25. April 2013 - 8 AZR 453/12 - Rn. 23).

c) Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Anhörung des Be­triebs­rats mit Schrei­ben vom 22. Ju­li 2011 genüge in­halt­lich den An­for­de­run­gen des § 102 Be­trVG, hält den An­grif­fen der Re­vi­si­on stand.

aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend auf den Grund­satz der sub­jek­ti­ven De­ter­mi­na­ti­on ab­ge­stellt und ist in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se zu dem Schluss ge­langt, dass bei Berück­sich­ti­gung der Ge­samt­umstände die be­ab­sich­tig­te Erklärung ei­ner Ver­dachtskündi­gung für den Be­triebs­rat er­kenn­bar ge­we­sen sei. Dem Be­triebs­rat wur­de der Ge­sche­hens­ab­lauf aus Sicht der Be­klag­ten und die we­sent­li­che ver­dachts­be­gründen­de Tat­sa­che (Nen­nung des Fehl­be­trags durch den Kläger) mit­ge­teilt. Der For­mu­lie­rung „müssen wir da­von aus­ge­hen, dass er die Dif­fe­renz ‚ver­ur­sacht‘ hat“, kann mit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt die be­ab­sich­tig­te Erklärung ei­ner Ver­dachtskündi­gung ent­nom­men wer­den. Je­den­falls lässt die­se Wort­laut­in­ter­pre­ta­ti­on kei­ne Tat­sa­chen un­berück­sich­tigt und verstößt nicht ge­gen Denk- und Er­fah­rungssätze. Durch die Be­schrei­bung der Ge­samt­umstände wird dem Be­triebs­rat hin­rei­chend ver­deut­licht, dass die Be­klag­te im Sin­ne ei­nes Ver­dachts von ei­nem Vermögens­de­likt „aus­geht“. Die Dring­lich­keit des Ver­dachts wird mit „müssen wir“ zum Aus­druck ge­bracht.



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bb) Es ist mit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt auch nicht er­sicht­lich, dass die Be­klag­te den Be­triebs­rat be­wusst falsch über die Ver­ur­sa­chung des Fehl­be­trags von 50,00 Eu­ro in D und über ei­ne Spiel­sucht des Klägers in­for­miert hat. Die Be­klag­te ging hier­von aus. We­gen des Grund­sat­zes der sub­jek­ti­ven De­ter­mi­nie­rung der Be­triebs­rats­anhörung ist da­her un­be­acht­lich, ob die­se Vorwürfe ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt sind.

cc) Der Be­triebs­rat wur­de auch nicht feh­ler­haft über den Kündi­gungs­grund des Ver­dachts ei­nes Vermögens­de­likts un­ter­rich­tet, weil in der Anhörung noch wei­te­res Fehl­ver­hal­ten des Klägers an­geführt wur­de (Fehl­zei­ten in der Be­rufs­schu­le; Ar­beit in der Gießerei während des Er­ho­lungs­ur­laubs). Es han­delt sich er­sicht­lich um ei­ne für die In­ter­es­sen­abwägung be­deut­sa­me Dar­stel­lung der aus Sicht der Be­klag­ten be­ste­hen­den Be­las­tun­gen des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses.

6. Die Kla­ge ist auch im Übri­gen un­be­gründet. We­gen der Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses am 25. Ju­li 2011 be­stand zum Zeit­punkt der be­ab­sich­tig­ten Be­en­di­gung durch die or­dent­li­che Kündi­gung am 30. Sep­tem­ber 2011 kein Aus­bil­dungs­verhält­nis mehr. Aus dem­sel­ben Grund kann der Kläger die ein­ge­klag­te Aus­bil­dungs­vergütung für die Zeit ab dem 1. Au­gust 2011 nicht be­an­spru­chen.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Fi­scher­mei­er

Spel­ge

Krum­bie­gel

M. Jos­tes 

M. Gey­er

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