Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitslosengeld, Kündigung: Fristlos, Aufhebungsvertrag, Sperrzeit
   
Gericht: Landessozialgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: L 12 AL 2879/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.10.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Konstanz, Urteil vom 26.02.2009, S 2 AL 1444/07
   

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg

L 12 AL 2879/09

S 2 AL 1444/07

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

 

Der 12. Se­nat des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg in Stutt­gart hat auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21.10.2011 für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Kon­stanz vom 26.02.2009 auf­ge­ho­ben und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Außer­ge­richt­li­che Kos­ten sind in bei­den Rechtszügen nicht zu er­stat­ten.

- 2 -

Tat­be­stand

Zwi­schen den Be­tei­lig­ten sind der Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit für die Zeit vom 1. März bis zum 23. Mai 2007 und ein An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Zeit bis zum 27. März 2007 strei­tig.

Der 1971 ge­bo­re­ne Kläger war vom 1. Au­gust 1998 bis zum 28. Fe­bru­ar 2007 als Kran­ken­pfle­ger bei der V.-Kran­ken­haus AG in K. beschäftigt, die aus ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung her­vor­ge­gan­gen ist. In dem zu­grun­de­lie­gen Dienst­ver­trag vom 27. Ju­li 1998 wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die V.-Kran­ken­haus AG K. dem Deut­schen Ca­ri­tas­ver­band an­ge­schlos­sen ist und Ca­ri­tas ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der ka­tho­li­schen Kir­che ist. Der Dienst­ver­trag nimmt Be­zug auf die Richt­li­ni­en für Ar­beits­verträge in den Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des (AVR). In § 6 des Dienst­ver­tra­ges ist Fol­gen­des be­stimmt: „Die Par­tei­en stim­men dar­in übe­rein, dass ein Ver­s­toß ge­gen Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens-und Sit­ten­leh­re Grund für ei­ne Kündi­gung sein kann.“

Am 7. Fe­bru­ar 2007 schloss der Kläger ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag, nach dem das Dienst­verhält­nis mit Ab­lauf des 28. Fe­bru­ar 2007 en­det. Dar­in erklärte der Kläger, dass er durch die V.-Kran­ken­haus AG „über die Fol­gen die­ser Ver­ein­ba­rung - ins­be­son­de­re be­ste­hend aus Weg­fall der Kündi­gungs­schutz­kla­ge beim Ar­beits­ge­richt, Verfügung ei­ner Sperr­zeit durch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit für den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld - am 06.02.2007 und am 07.02.2007 vor Un­ter­zeich­nung die­ser Ver­ein­ba­rung in­for­miert wor­den ist.“

Am 9. Fe­bru­ar 2007 mel­de­te sich der Kläger bei der Be­klag­ten zum 1. März 2007 ar­beits­los und be­an­trag­te die Gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld. Der Kläger nahm zur Be­en­di­gung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses da­hin­ge­hend Stel­lung, dass es zu unüber­brück­ba­ren Dif­fe­ren­zen zu sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­kom­men sei. Die­ser ha­be ihm Ver­trags­bruch vor­ge­wor­fen, weil er sich pri­vat außer­halb des Be­trie­bes ge­gen den Papst (sa­ti­risch) geäußert ha­be. Sein Ar­beit­ge­ber ha­be ihm die frist­lo­se Kündi­gung so­wie ei­ne „Straf­rechts­kla­ge“ we­gen Ver­s­toßen ge­gen den re­li­giösen Frie­den an­ge­droht. Er ha­be sich das Weih­nachts­geld ge­si­chert und sei­ne Aus­gangs­la­ge bei Be­wer­bun­gen ver­bes­sert.

Die Be­klag­te stell­te mit Be­scheid vom 14. Fe­bru­ar 2007 den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit vom 1. März bis zum 23. Mai 2007, das Ru­hen des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld für die­se Zeit und ei­ne Min­de­rung des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld um 90 Ta­ge fest. Sie be­wil­lig­te dem Kläger ab

- 3 -

1. März 2007 Ar­beits­lo­sen­geld und setz­te den Leis­tungs­be­trag während der Sperr­zeit mit 0 € fest (Be­scheid vom 14. Fe­bru­ar 2007). Am 28. März 2007 nahm der Kläger ei­ne Beschäfti­gung auf. Dar­auf­hin hob die Be­klag­te die Be­wil­li­gung von Ar­beits­lo­sen­geld zum 28. März 2007 auf (Be­scheid vom 28. März 2007).

Der Wi­der­spruch des Klägers (Schrei­ben sei­ner Be­vollmäch­tig­ten vom 5. März 2007) ge­gen den Sperr­zeit­be­scheid blieb er­folg­los (Wi­der­spruchs­be­scheid vom 27. April 2007).

Hier­ge­gen hat der Kläger am 23. Mai 2007 Kla­ge zum So­zi­al­ge­richt Kon­stanz (SG) er­ho­ben. Er ha­be den Auf­he­bungs­ver­trag nur ab­ge­schlos­sen, weil ihm an­de­ren­falls ei­ne frist­lo­se Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­ge­droht wor­den sei. Grund hierfür sei ge­we­sen, dass dem Ar­beit­ge­ber durch Hin­wei­se sei­tens der Mal­te­ser, bei de­nen der Kläger eh­ren­amt­lich als Pres­se­spre­cher tätig war, be­kannt ge­wor­den sei, dass der Kläger in sei­ner Frei­zeit un­ter ei­nem Pseud­onym Sa­ti­ren, die sich mit dem Papst kri­tisch beschäftig­ten, schrei­be und im In­ter­net pu­bli­zie­re. Die bei­den Sa­ti­ren be­weg­ten sich im Be­reich der Mei­nungsäußerungs­frei­heit und wären kein Grund ge­we­sen, der ei­ne frist­lo­se oder nur frist­gemäße Kündi­gung ge­recht­fer­tigt hätte. Der Kläger sei mas­siv un­ter Druck ge­setzt wor­den, den Auf­he­bungs­ver­tag zu un­ter­schrei­ben. Ihm sei auch mit ei­ner Straf­an­zei­ge ge­droht wor­den. Der Kläger leg­te die von ihm un­ter Pseud­onym „W.“ im In­ter­net-Ma­ga­zin „Z.“, auf das der Kläger auf sei­ner Home­page durch ei­nen Link ver­wie­sen hat, veröffent­lich­ten Beiträge „R. Re­li­qui­en“ und „Papst B. ...Sta­tio­nen sei­nes Le­bens“ vor (Bl. 23/30 der SG-Ak­ten).

Das SG hat durch Ur­teil vom 26. Fe­bru­ar 2009 den Sperr­zeit­be­scheid der Be­klag­ten vom 14. Fe­bru­ar 2007 in Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids vom 27. April 2007 auf­ge­ho­ben und die Be­klag­te un­ter Abände­rung des Be­scheids vom 14. Fe­bru­ar 2007 ver­ur­teilt, dem Kläger für die Zeit vom 1. März bis zum 27. März 2007 Ar­beits­lo­sen­geld zu gewähren. Ei­ne Sperr­zeit sei nicht ein­ge­tre­ten. Für die Dau­er der Ar­beits­lo­sig­keit sei Ar­beits­lo­sen­geld zu zah­len. Der Kläger sei ar­beits­los ge­we­sen, ha­be sich ar­beits­los ge­mel­det und die An­wart­schafts­zeit erfüllt. Sein An­spruch ru­he auch nicht we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit. Der Kläger ha­be sich nicht ver­si­che­rungs­wid­rig i.S. des § 144 Abs. 1 S. 1 SGB III ver­hal­ten. Zwar ha­be der Kläger sein Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und da­durch grob fahrlässig sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit ab 1. März 2007 her­bei­geführt, je­doch ha­be er für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund ge­habt. Dem Kläger sei die Fort­set­zung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nicht mehr zu­mut­bar ge­we­sen. Die ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin des Klägers sei als frühe­re kirch­li­che Ein­rich­tung wei­ter­hin ei­nem

- 4 -

christ­li­chen Leit­bild ver­pflich­tet und for­de­re von ih­ren Mit­ar­bei­tern Loya­lität ge­genüber der ka­tho­li­schen Kir­che. Die sich hier­aus er­ge­ben­den Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten ha­be der Kläger mit sei­nen „sa­ti­ri­schen“ Ausfällen ge­gen Papst Be­ne­dikt XVI. nicht ver­letzt. Zwar sei­en die Ar­ti­kel grundsätz­lich für je­der­mann zugäng­lich, ih­re Ver­brei­tungs­form aus­sch­ließlich im In­ter­net schränke den Kreis po­ten­ti­el­ler Le­ser aber von vorn­her­ein ein. Ent­schei­dend sei aus Sicht der Kam­mer, dass die Ar­ti­kel auf­grund der Ver­wen­dung ei­nes Pseud­onyms nur schwer dem Kläger als Beschäftig­ten ei­ner Ein­rich­tung mit christ­li­chem Leit­bild zu­ge­ord­net wer­den könn­ten. Wenn es, wie im vor­lie­gen­den Fall, ge­ra­de­zu de­tek­ti­vi­scher An­stren­gun­gen bedürfe, den Kläger als Au­tor der in­kri­mi­nier­ten Tex­te zu iden­ti­fi­zie­ren, han­de­le es sich um ei­ne dem pri­va­ten Le­bens­be­reich zu­zu­ord­nen­de Äußerung, die die Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten des Klägers nicht tan­giert ha­be. Die ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin hätte dies berück­sich­ti­gen müssen. Die An­dro­hung ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung so­wie die An­dro­hung, den Kläger der Straf­ver­fol­gung aus­zu­set­zen, stel­le aus Sicht der Kam­mer ei­nen mas­si­ven Ver­s­toß ge­gen die Pflich­ten ei­nes Ar­beit­ge­bers dar. Dem Kläger sei die Fort­set­zung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ob­jek­tiv nicht zu­mut­bar ge­we­sen.

Ge­gen das ihr am 2. Ju­ni 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 24. Ju­ni 2009 ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin des Klägers sei dem christ­li­chen Leit­bild ver­pflich­tet und for­de­re von ih­ren Mit­ar­bei­tern Loya­lität ge­genüber der ka­tho­li­schen Kir­che. Die sich dar­aus er­ge­ben­den Ob­lie­gen­heits­ver­pflich­tun­gen ha­be der Kläger mit sei­nen „sa­ti­ri­schen“ Ausfällen ge­gen Papst Be­ne­dikt XVI. ver­letzt. Es gehöre zu den Loya­litäts­pflich­ten, öffent­li­che Schmähkri­tik ge­genüber dem am­tie­ren­den Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che zu un­ter­las­sen. Die im In­ter­net ver­brei­te­ten Ar­ti­kel sei­en für je­der­mann zugäng­lich. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on des Klägers sei nach dem Vor­trag des Klägers sei­tens der Mal­te­ser und der ka­tho­li­schen Kir­che möglich ge­we­sen. Durch den Link auf sei­ner Home­page zu den von ihm im In­ter­net veröffent­li­chen Ar­ti­keln ha­be er sich mit dem In­halt der Sa­ti­re­sei­ten iden­ti­fi­ziert. Es sei durch­aus nach­voll­zieh­bar, dass aus Sicht der Ar­beit­ge­be­rin das Ver­trau­ens­verhält­nis zerstört ge­we­sen sei und die­se auf ei­ne so­for­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­drängt ha­be. Auch das In­aus­sicht­stel­len ei­ner Straf­an­zei­ge we­gen Störung des re­li­giösen Frie­dens er­schei­ne nach­voll­zieh­bar. Nicht dem Kläger, son­dern sei­ner Ar­beit­ge­be­rin sei es un­zu­mut­bar ge­we­sen, das Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

- 5 -

das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Kon­stanz vom 26. Fe­bru­ar 2009 auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger ver­weist zur Be­gründung auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils.

Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach­ver­halts und des Vor­trags der Be­tei­lig­ten wird auf die Ge­richts­ak­ten bei­der In­stan­zen und die Ver­wal­tungs­ak­ten der Be­klag­ten Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig und be­gründet.

Die form- und frist­ge­recht (§ 151 Abs. 1 SGG) ein­ge­leg­te Be­ru­fung ist statt­haft (§ 143 SGG) und zulässig, da der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 750,-- € über­steigt (§ 144 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGG).

Die Be­ru­fung ist be­gründet. Der Sperr­zeit­be­scheid des Be­klag­ten vom 14. Fe­bru­ar 2007 in Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids vom 27. April 2007 stellt sich als rechtmäßig dar und ver­letzt den Kläger nicht in sei­nen Rech­ten. Die Be­klag­te hat zu­tref­fend den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit vom 1. März bis zum 23. Mai 2007, das Ru­hen des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld für die­se Zeit und ei­ne Min­de­rung des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld um 90 Ta­ge fest­ge­stellt. Der An­spruch des Klägers auf Ar­beits­lo­sen­geld hat für die Zeit sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit vom 1. bis zum 27. März 2007 we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be ge­ruht (§ 144 Abs. 1 Satz 1 SGB III).

Ei­ne Sperr­zeit von 12 Wo­chen we­gen Ar­beits­auf­ga­be tritt nach § 144 Abs. 1 Satz 1 und 2 Nr. 1, Abs. 3 Satz 1 SGB III ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und er da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben. Der Kläger, der kei­ne kon­kre­ten Aus­sich­ten auf

- 6 -

ei­nen An­schluss­ar­beits­platz hat­te, hat durch den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges vom 7. Fe­bru­ar 2007 sein Beschäfti­gungs­verhält­nis mit der V.-Kran­ken­haus AG gelöst und da­durch sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit zu­min­dest grob fahrlässig her­bei­geführt. Un­er­heb­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang, ob die Ar­beits­lo­sig­keit auch un­abhängig vom Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges auf Grund ei­ner an­sons­ten aus­ge­spro­che­nen Ar­beit­ge­berkündi­gung ein­ge­tre­ten wäre. Denn für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ei­ne Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit geführt hat, kommt es al­lein auf den tatsächli­chen Ge­sche­hens­ab­lauf an (BSG SozR 4100 § 119 Nr. 24; BS­GE 77, 48/51; BS­GE 89, 243/245). Kei­ne Be­ach­tung fin­det dem­ge­genüber ein hy­po­the­ti­scher Ge­sche­hens­ab­lauf, zu der die an­ge­droh­te frist­lo­se Kündi­gung gehört (vgl. BS­GE 97, 1).

Dem Kläger stand für sein Ver­hal­ten nach Auf­fas­sung des Se­nats kein wich­ti­ger Grund zur Sei­te. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des BSG ist das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung von Sinn und Zweck der Sperr­zeit­re­ge­lung zu be­ur­tei­len. Sie soll die So­li­dar­ge­mein­schaft vor der In­an­spruch­nah­me durch Leis­tungs­be­rech­tig­te schützen, die den Ein­tritt des ver­si­cher­ten Ri­si­kos der Ar­beits­lo­sig­keit selbst her­bei­geführt oder zu ver­tre­ten ha­ben; ei­ne Sperr­zeit soll nur ein­tre­ten, wenn ei­nem Ar­beit­neh­mer un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen und der In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann. Da­bei genügt es für die Be­ja­hung ei­nes wich­ti­gen Grun­des nicht, dass der Ar­beits­lo­se an­nimmt, er ha­be im Hin­blick auf ei­ne an­sons­ten dro­hen­de rechtmäßige Ar­beit­ge­berkündi­gung ei­nen wich­ti­gen Grund für den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges. Viel­mehr muss der wich­ti­ge Grund ob­jek­tiv vor­ge­le­gen ha­ben (stRspr, vgl. nur BS­GE 66, 94/101 f.; BSG SozR 3-4100 § 119 Nr. 11). Nach der Recht­spre­chung des BSG kann sich ein Ar­beit­neh­mer im Fal­le der Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch Auf­he­bungs­ver­trag auf ei­nen wich­ti­gen Grund be­ru­fen, wenn ihm der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner ob­jek­tiv rechtmäßigen Kündi­gung aus ei­nem von sei­nem Ver­hal­ten un­abhängi­gen Grund (ins­be­son­de­re aus be­triebs­be­ding­ten Gründen) droht und ihm die Hin­nah­me die­ser Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten ist (vgl. BS­GE 89, 243/246 ff; BS­GE 92, 74/81; BSG, Ur­teil vom 17. No­vem­ber 2005 - B 11a/11 AL 69/04 R -; Ur­teil vom 2. Sep­tem­ber 2004 - B 7 AL 18/04 R -). In Ein­z­elfällen kann auf Grund sons­ti­ger Umstände, et­wa des Ver­hal­tens des Ar­beit­ge­bers, ein wich­ti­ger Grund auch bei ei­ner (dro­hen­den oder fest­ste­hen­den, aber noch nicht er­folg­ten) rechts­wid­ri­gen Kündi­gung vor­lie­gen (vgl. BSG, Ur­teil vom 2. Sep­tem­ber 2004 - B 7 AL 18/04 R -; Ur­teil vom 17. Ok­to­ber 2002 - B 7 AL 136/01 -). Vor­lie­gend geht es um ei­ne frist­lo­se ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung, die die V.-Kran­ken­haus AG dem Kläger kon­kret in

- 7 -

Aus­sicht ge­stellt hat, und nicht um ei­ne vom Ver­hal­ten des Klägers un­abhängi­ge Kündi­gung. Hier kommt al­lein ein wich­ti­ger Grund we­gen des Ver­hal­tens der Ar­beit­ge­be­rin bei dro­hen­der rechts­wid­ri­ger Kündi­gung in Be­tracht.

Die dem Kläger von der V.-Kran­ken­haus AG in Aus­sicht ge­stell­te frist­lo­se Kündi­gung we­gen sei­nes außer­dienst­li­chen Ver­hal­tens stellt sich je­doch als rechtmäßig dar. Ein Ar­beit­ge­ber kann das Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist kündi­gen, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann (§ 626 Abs. 1 BGB). Da­bei ist zunächst zu prüfen, ob ein Sach­ver­halt vor­liegt, der an sich ge­eig­net ist, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Frist zu recht­fer­ti­gen. Da­nach ist in ei­nem wei­te­ren Schritt zu über­prüfen, ob die kon­kre­te Kündi­gung un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le ge­recht­fer­tigt ist (vgl. bspw. BAG, Ur­teil vom 17. Mai 1984 - 2 AZR 3/83 -). Ein außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten kann nur dann ein Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung sein, wenn da­durch das Ar­beits­verhält­nis kon­kret be­ein­träch­tigt wird (vgl. z.B. BAG, Ur­teil vom 21. Ju­ni 2001 - 2 AZR 325/00 -; Ur­teil vom 8. Ju­ni 2000 - 2 AZR 638/99 -; Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 1984 - 2 AZR 233/83 -). Dies ist zum ei­nen der Fall, wenn es sich bei dem außer­dienst­li­chen Ver­hal­ten zu­gleich um ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten han­delt. Zum an­de­ren kann aus ei­nem außer­dienst­li­chen Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ge­ge­be­nen­falls ge­schlos­sen wer­den, dass ihm die Eig­nung für die ver­trag­lich ge­schul­de­te Tätig­keit fehlt (vgl. Bel­ling in Er­man, BGB, 13. Aufl. 2011, § 626 Rd­nr. 59). Ei­ne Kündi­gung we­gen außer­dienst­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen kommt nur im Aus­nah­me­fall in Be­tracht, weil die Pri­vat­sphäre vom be­trieb­li­chen Be­reich zu tren­nen ist. Die Kündi­gung kann nur ge­recht­fer­tigt sein, wenn das Ar­beits­verhält­nis kon­kret be­ein­träch­tigt wird (BAG, Ur­teil vom 8. Ju­ni 2000 – 2 AZR 638/99 -). Im Be­reich der Kir­chen und der Ten­denz­be­trie­be ge­hen die Möglich­kei­ten zu ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung we­gen außer­dienst­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen wei­ter als bei an­de­ren Ar­beits­verhält­nis­sen (vgl. Dütz, NZA 2006, 65 ff.). Den Ten­denzträgern bzw. den kirch­li­chen Mit­ar­bei­tern ob­liegt die Pflicht, sich nicht ten­den­z­wid­rig bzw. im Ge­gen­satz zu den tra­gen­den Grundsätzen der kirch­li­chen Glau­bens-und Sit­ten­leh­re zu ver­hal­ten. Die kündi­gungs­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen wer­den von der Ten­denznähe des sich ten­den­z­wid­rig ver­hal­ten­den Ar­beit­neh­mers mit­be­stimmt. Vor­lie­gend hat der Kläger durch die Veröffent­li­chung der zwei Ar­ti­kel in der In­ter­net-Zeit­schrift „Z.“, in de­nen er Papst Be­ne­dikt XVI. in ex­tre­mer Wei­se her­abwürdigt (bspw. Ver­stei­ge­rung ei­nes Bil­des von

- 8 -

Ma­ria mit Je­sus-Kind, das Jo­seph Ratz­in­ger als tägli­che Ona­nier­vor­la­ge ge­dient ha­be, Ver­stei­ge­rung ei­ner Au­dio-Tape-Samm­lung mit di­ver­sen Ton­band­auf­nah­men aus dem Beicht­stuhl so­wie ei­ni­ger von Jo­seph Ratz­in­ger an­geb­lich ver­fass­ter Er­pres­ser­brie­fe), ge­gen die ar­beits­ver­trag­lich ver­an­ker­te Loya­litätsob­lie­gen­heit ver­s­toßen. Sei­ne Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten ge­genüber sei­ner Ar­beit­ge­be­rin sind in der Erklärung der deut­schen Bischöfe zum kirch­li­chen Dienst vom 22. Sep­tem­ber 1993 (sog. Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se) kon­kre­ti­siert. Nach Art. 4 Abs. 4 ha­ben al­le Mit­ar­bei­ter, egal ob ka­tho­lisch, nicht­ka­tho­lisch oder nicht­christ­lich, kir­chen­feind­li­ches Ver­hal­ten zu un­ter­las­sen und dürfen in ih­rer persönli­chen Le­bensführung und in ih­rem dienst­li­chen Ver­hal­ten die Glaubwürdig­keit der Kir­che und der Ein­rich­tung, in der sie beschäftigt sind, nicht gefähr­den. Durch sei­ne von ihm selbst als Sa­ti­re an­ge­se­he­ne Kri­tik an Papst Be­ne­dikt XVI. hat der Kläger das Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che und da­mit auch die ka­tho­li­sche Kir­che selbst an­ge­grif­fen und sei­ne Loya­litätsob­lie­gen­heit of­fen­kun­dig ver­letzt. Dass er die bei­den Ar­ti­kel nicht un­ter sei­nem Na­men, son­dern un­ter Pseud­onym ver­fasst und auf der Home­page der Sa­ti­re-Zeit­schrift „Z.“ veröffent­lich hat, steht ei­ner Ver­let­zung sei­ner Loya­litätsob­lie­gen­heit be­reits des­halb nicht ent­ge­gen, weil der Kläger tatsächlich als Au­tor iden­ti­fi­ziert wur­de. Er hat die­se Ar­ti­kel ge­ra­de nicht - bspw. in sein Ta­ge­buch - aus­sch­ließlich für sich ge­schrie­ben, son­dern hat die­se be­wusst ei­ner brei­ten Öffent­lich­keit im In­ter­net zugäng­lich ge­macht und sich dem Ri­si­ko der Ent­schlüsse­lung sei­ner Au­to­ren­schaft aus­ge­setzt. Wei­ter­hin ist zu be­ach­ten, dass der Kläger auf sei­ner ei­ge­nen Home­page durch ei­nen Link auf die Home­page der In­ter­net-Zeit­schrift „Z.“ ver­wie­sen und da­mit für die In­hal­te der von sei­ner Sei­te aus auf­ruf­ba­ren Sei­te ver­ant­wort­lich ist (vgl. OLG Stutt­gart, Ur­teil vom 24. April 2006 - 1 Ss 449/05 -).

Nach Auf­fas­sung des Se­nats war ei­ne Ab­mah­nung vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht er­for­der­lich. Die ver­hal­tens­be­ding­te frist­lo­se Kündi­gung setzt bei ei­nem steu­er­ba­ren Ver­hal­ten in der Re­gel ei­ne Ab­mah­nung vor­aus (ul­ti­ma-ra­tio-Prin­zip), wo­bei kei­ne Un­ter­schei­dung im Hin­blick auf das Er­for­der­nis ei­ner Ab­mah­nung als Kündi­gungs­vor­aus­set­zung zwi­schen Störun­gen im Leis­tungs­be­reich und Störun­gen im Ver­trau­ens­be­reich ge­macht wird (vgl. bspw. BAG, Ur­teil vom 27. No­vem­ber 2003 - 2 AZR 692/02 -; Ur­teil vom 12. Ja­nu­ar 2006 - 2 AZR 21/05 -). Die Ab­mah­nung hat so­wohl Rüge-, Warn- und Hin­weis­funk­ti­on. Nach Er­tei­lung ei­ner Ab­mah­nung muss dem Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich noch aus­rei­chend Zeit ge­ge­ben wer­den, das be­an­stan­de­te Ver­hal­ten auf­zu­ge­ben. Die er­for­der­li­che Ab­mah­nung ist mit kon­sti­tu­tiv für den Kündi­gungs­grund; bei ih­rem Feh­len ist die Kündi­gung un­wirk­sam. Mit dem Er­for­der­nis ei­ner ein­schlägi­gen Ab­mah­nung vor Kündi­gungs­aus­spruch soll vor al­lem dem Ein­wand des

- 9 -

Ar­beit­neh­mers be­geg­net wer­den, er ha­be die Pflicht­wid­rig­keit sei­nes Ver­hal­tens nicht er­ken­nen bzw. nicht da­mit rech­nen können, der Ar­beit­ge­ber wer­de sein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten als so schwer­wie­gend an­se­hen (BAG, Ur­teil vom 7. Ju­li 2005 - 2 AZR 581/04 -). Auch wenn das Ab­mahn­er­forder­nis stets zu prüfen ist, kann die Ab­mah­nung in be­stimm­ten Fällen - auch bei ein­ma­li­gem Fehl­ver­hal­ten - ent­behr­lich sein. Sie kann ins­be­son­de­re dann ent­behr­lich sein, wenn ei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung Grund der Kündi­gung war, dem Ar­beit­neh­mer die Rechts­wid­rig­keit er­kenn­bar und die Hin­nah­me der gro­ben Pflicht­ver­let­zung durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen ist, al­so nicht er­war­tet wer­den kann, dass das Ver­trau­en zwi­schen den Par­tei­en wie­der­her­ge­stellt wird, oder wenn im Ein­zel­fall be­son­de­re Umstände vor­ge­le­gen ha­ben, auf­grund de­rer ei­ne Ab­mah­nung als nicht er­folg­ver­spre­chend an­ge­se­hen wer­den durf­te, so et­wa, wenn auch im Fal­le ei­ner Ab­mah­nung kei­ne Aus­sicht auf ei­ne Rück­kehr des Ver­trags­part­ners zum ver­trags­kon­for­men Ver­hal­ten mehr be­steht (vgl. bspw. BAG, Ur­teil vom 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 -; Ur­teil vom 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 103/08 -; Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2003 - 2 AZR 36/03 -). Bei An­wen­dung die­ser Maßstäbe wäre vor Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung kei­ne Ab­mah­nung er­for­der­lich ge­we­sen. Denn der Kläger hat sich durch sei­ne hef­ti­gen An­grif­fe grob ar­beits­ver­trags­wid­rig ver­hal­ten und konn­te un­ter kei­nen Umständen mit der Hin­nah­me sei­nes Ver­hal­tens durch die V.-Kran­ken­haus AG rech­nen. Zwar berühr­te das mo­nier­te Ver­hal­ten des Klägers nicht sei­ne Ar­beits­leis­tung als Kran­ken­pfle­ger, je­doch hat er durch Art und In­halt sei­ner An­fein­dun­gen ge­gen Papst Be­ne­dikt XVI., das Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che, sich of­fen­sicht­lich kir­chen­feind­lich ver­hal­ten und da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten, de­nen er sich mit Ab­schluss des Dienst­ver­tra­ges mit der V.-Kran­ken­haus AG selbst un­ter­wor­fen hat, gra­vie­rend ver­letzt. Das Ver­hal­ten des Klägers hat­te zur Fol­ge, dass das Ver­trau­ens­verhält­nis zu sei­ner Ar­beit­ge­be­rin dau­er­haft zerstört war. Er selbst hat ge­genüber der Be­klag­ten in sei­ner Stel­lung­nah­me zur Be­en­di­gung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ein­geräumt, dass es we­gen sei­ner Kri­tik am Papst zu unüber­brück­ba­ren Dif­fe­ren­zen ge­kom­men ist. Auch konn­te of­fen­sicht­lich im Rah­men der am 6. und 7. Fe­bru­ar 2007 vor Un­ter­zeich­nung des Auf­he­bungs­ver­tra­ges geführ­ten Per­so­nal­gespräche das Ver­trau­ens­verhält­nis nicht mehr her­ge­stellt wer­den. Auf Grund die­ser Umstände be­stand für die Ar­beit­ge­be­rin An­lass, dem Kläger - auch un­ter Berück­sich­ti­gung des in Art. 5 Abs. 1 der Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se ent­hal­te­nen ab­ge­stuf­tes Sys­tems bei Verstößen ge­gen Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten - ei­ne frist­lo­se Kündi­gung oh­ne Ab­mah­nung in Aus­sicht zu stel­len. Die dem Kläger kon­kret in Aus­sicht ge­stell­te ver­hal­tens­be­ding­te frist­lo­se Kündi­gung er­scheint dem Se­nat un­ter Berück­sich­ti­gung der

- 10 -

be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­recht­fer­tigt.

Dem Kläger war es so­mit zu­mut­bar, die dro­hen­de frist­lo­se ver­hal­tens­be­ding­te rechtmäßige Ar­beit­ge­berkündi­gung ab­zu­war­ten. Der Kläger hat durch sein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten den An­lass für den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges ge­ge­ben. Die Dro­hung mit ei­ner frist­lo­sen ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung, die sich in der Rechtmäßig­keitsprüfung durch den Se­nat als ob­jek­tiv rechtmäßig dar­stellt, und mit ei­ner Straf­an­zei­ge we­gen Be­schimp­fung von Be­kennt­nis­sen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten (§ 166 StGB) stell­te die Re­ak­ti­on des Ar­beit­ge­be­rin dar. Auch wenn der Kläger mit der Veröffent­li­chung der Ar­ti­kel über Papst Be­ne­dikt XVI. die (ob­jek­ti­ven und sub­jek­ti­ven) tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 166 StGB nicht erfüllt ha­ben dürf­te (vgl. Dip­pel in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl. 2009, § 166 Rd­nr. 33 ff. und 108 m.w.N.), so war ihm ein Ab­war­ten zu­mut­bar, ob die V.-Kran­ken­haus AG tatsächlich ih­re Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge um­setzt. Der Se­nat lässt of­fen, ob der Kläger durch sei­ne Äußerun­gen an­de­re Straf­tat­bestände erfüllt hat, weil es hier­auf für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Rechts­streits nicht an­kommt.

Die Dau­er der Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be beträgt nach § 144 Abs. 3 Satz 1 SGB III zwölf Wo­chen. Sie verkürzt sich nach Satz 2 Nr. 2b der Vor­schrift auf sechs Wo­chen, wenn ei­ne Sperr­zeit von zwölf Wo­chen für den Ar­beits­lo­sen nach den für den Ein­tritt der Sperr­zeit maßge­ben­den Tat­sa­chen ei­ne be­son­de­re Härte be­deu­ten würde. Das Vor­lie­gen ei­ner be­son­de­ren Härte ist von Amts we­gen zu prüfen, der Be­klag­ten steht da­bei we­der Er­mes­sen noch ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu, es han­delt sich viel­mehr um ei­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff (vgl. BSG, SozR 4100 § 119 Nrn. 32 und 33; SozR 3-4100 § 119 Nr. 11). Nach dem Ge­set­zes­wort­laut be­ur­teilt sich das Vor­lie­gen ei­ner be­son­de­ren Härte al­lein nach den Umständen, die für den Ein­tritt der Sperr­zeit maßgeb­lich sind, außer­halb des Sperr­zeit­tat­be­stan­des lie­gen­de Umstände können grundsätz­lich nicht berück­sich­tigt wer­den (vgl. BS­GE 77, 61, 63 = SozR 3-4100 § 119a Nr. 3). In Be­tracht kom­men in­so­weit Umstände des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses, aber auch persönli­che und sons­ti­ge Umstände, die zwar von ih­rem Ge­wicht her den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit nicht ver­hin­dern, aber auf­grund der Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­falls den Ein­tritt der Re­gel­sperr­zeit als be­son­ders hart er­schei­nen las­sen (vgl. BS­GE 54, 7, 14 = SozR 4100 § 119 Nrn. 19 und 32; Cur­ko­vic in NK-SGB III, 3. Aufl., § 144 Rd­nr. 192). Die un­mit­tel­ba­ren Fol­gen der Sperr­zeit, die nach dem SGB III bei al­len Be­trof­fe­nen ein­tre­ten wie Ru­hen und Kürzung des Leis­tungs­an­spruchs sol­len nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers ge­ra­de kei­ne Rol­le spie­len.

- 11 -

Mit­tel­ba­re Fol­ge­wir­kun­gen sind nach dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit und des Über­maßver­bots zu berück­sich­ti­gen (vgl. BS­GE 77, 61, 63 = SozR 3-4100 § 119a Nr. 3).

Für den Se­nat sind kei­ne Umstände er­sicht­lich, die von ih­rem Ge­wicht her zwar den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit nicht ver­hin­dern, aber auf­grund der Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­falls den Ein­tritt der Re­gel­sperr­zeit als be­son­ders hart er­schei­nen las­sen. Der Kläger hat durch sein Ver­hal­ten An­lass für die An­dro­hung ei­ner frist­lo­sen ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung ge­ge­ben. Er wur­de mit­hin nicht oh­ne Grund durch sei­ne Ar­beit­ge­be­rin aus dem Ar­beits­verhält­nis ge­drängt (vgl. BSG, Ur­teil vom 10. Au­gust 2000 - B 11 AL 115/99 R -). Auch an­sons­ten lie­gen kei­ne Gründe vor, die das Ver­hal­ten des Klägers, oh­ne dass es als wich­ti­ger Grund an­er­kannt wer­den kann, gleich­wohl als verständ­lich und ver­tret­bar er­schei­nen ließen.

Die Be­klag­te hat den Be­ginn der Sperr­zeit zu­tref­fend auf den 1. März 2007 und das En­de der Sperr­zeit auf den 23. Mai 2007 fest­ge­setzt (§ 144 Abs. 2 Satz 1 SG­BIII) und die An­spruchs­dau­er um 90 Ta­ge ge­min­dert (§ 128 Abs.1 Nr. 4 SG­BIII).

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 193 SGG.

Gründe für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on lie­gen nicht vor.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht L 12 AL 2879/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880