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Auf­sto­ckun­gen zum Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld sind Net­to­ent­gelt

Ver­pflich­tet sich ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft da­zu, das Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld der bei ihr be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer auf­zu­sto­cken, ist ein Net­to­zu­schuss zu zah­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.12.2015, 5 AZR 567/14

30.03.2016. Bei grö­ße­ren be­triebs­be­ding­ten Ent­las­sungs­wel­len se­hen So­zi­al­plä­ne oft vor, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer frei­wil­lig in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft wech­seln kön­nen.

Wäh­rend der be­fris­te­ten Zu­ge­hö­rig­keit zur Trans­fer­ge­sell­schaft gilt Kurz­ar­beit Null, so dass die Ar­beit­neh­mer Kurz­ar­bei­ter­geld er­hal­ten, des­sen Hö­he dem Ar­beits­lo­sen­geld I ent­spricht. 

Stockt die Trans­fer­ge­sell­schaft zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer das Kurz­ar­bei­ter­geld auf, han­delt es sich da­bei in al­ler Re­gel um ei­nen Net­to­zu­schuss: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.12.2015, 5 AZR 567/14.

Transferkurzarbeitergeld und Aufstockungsleistungen durch die Transfergesellschaft: Netto- oder Bruttozahlungen?

Bei be­triebs­be­ding­ten Kündi­gungs­wel­len se­hen man­che So­zi­alpläne nicht nur Ab­fin­dungs­zah­lun­gen, son­dern auch die Er­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft vor. Statt Trans­fer­ge­sell­schaft wird auch von Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft oder von Beschäfti­gungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ge­sell­schaft ge­spro­chen.

Sieht ein So­zi­al­plan die Er­rich­tung ei­ner sol­chen Ge­sell­schaft vor, dann ha­ben die von der Ent­las­sungs­wel­le be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit, frei­wil­lig für ei­ne be­stimm­te Zeit in die­se Ge­sell­schaft zu wech­seln, d.h. auf der Grund­la­ge ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­trags.

Ver­trags­part­ner die­ses Ver­trags sind

  • der von der Ent­las­sung be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer,
  • der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber, und
  • die Trans­fer­ge­sell­schaft.

Im Verhält­nis zwi­schen dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer ist der Ver­trag ein Auf­he­bungs­ver­trag, denn der Ar­beit­neh­mer schei­det durch die­sen Ver­trag aus dem Ar­beits­verhält­nis aus. Im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Trans­fer­ge­sell­schaft liegt ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag vor, denn nach zwölf oder 18 Mo­na­ten, in sel­te­nen Fällen auch erst nach 24 Mo­na­ten en­det die Be­treu­ung durch die Trans­fer­ge­sell­schaft.

Für den Ar­beit­ge­ber hat ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft den Vor­teil, dass die Ar­beit­neh­mer durch ei­nen ju­ris­tisch was­ser­dich­ten Auf­he­bungs­ver­trag aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den, d.h. hier dro­hen kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­gen. Die Ar­beit­neh­mer können den Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit her­aus­schie­ben und Fort­bil­dungs­maßnah­men in An­spruch neh­men, d.h. für sie gibt es ei­ne Zwi­schenlösung. Und für die An­bie­ter von Trans­fer­ge­sell­schaf­ten ist das Gan­ze ein Geschäft, das sie sich vom Ar­beit­ge­ber be­zah­len las­sen.

Während der be­fris­te­ten Zu­gehörig­keit zur Trans­fer­ge­sell­schaft können die Ar­beit­neh­mer Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld im Sin­ne von § 111 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) be­zie­hen.

Das Kurz­ar­bei­ter­geld ist kein Brut­to­lohn, son­dern ei­ne Lohn­er­satz­leis­tung, die ähn­lich wie das Ar­beits­lo­sen­geld I be­rech­net und da­her als Net­to­zah­lung gewährt wird. Da­her be­kom­men Ar­beit­neh­mer bei „Kurz­ar­beit Null“, d.h. wenn sie in­fol­ge der Kurz­ar­beit gar nicht ar­bei­ten, 67 Pro­zent ih­res pau­schal be­rech­ne­ten Net­to­lohns als Lohn­er­satz­leis­tung.

Und da be­triebs­be­dingt ent­las­se­ne Ar­beit­neh­mer während der Dau­er ih­rer Be­treu­ung durch ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft dort Kurz­ar­beit Null ver­rich­ten, be­zie­hen sie Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld in vol­ler Höhe, ma­xi­mal bis zur Dau­er von zwölf Mo­na­ten.

An die­ser Stel­le fragt sich, ob ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft, die ar­beits­ver­trag­lich Auf­sto­ckun­gen zum Kurz­ar­bei­ter­geld zu­ge­sagt hat, zur Zah­lung von Brut­to­lohn oder ei­nes Net­to­zu­schus­ses ver­pflich­tet ist.

Im Streit: Aufstockungsvereinbarung im Arbeitsvertrag mit einer Transfergesellschaft

Im Streit­fall hat­te ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft den von ihr für 18 Mo­na­te über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mern ver­trag­lich ver­spro­chen, 75 Pro­zent des bis­he­ri­gen Brut­to­lohns zu zah­len. Gleich­zei­tig hat­te man ver­ein­bart, dass Kurz­ar­beit Null an­ge­ord­net wird und der Beschäfti­gungs­an­spruch entfällt.

Für die zwölf­mo­na­ti­ge Höchst­dau­er des Be­zugs von Kurz­ar­bei­ter­geld ("Kug") galt ei­ne Son­der­re­ge­lung. Sie lau­te­te:

„Während des Zeit­rau­mes des Be­zu­ges von Trans­fer-Kurz­ar­bei­ter­geld be­steht das Ent­gelt aus zwei Aus­zah­lungs­kom­po­nen­ten, der ‚KuG-Leis­tung‘ und dem ‚KuG-Zu­schuss‘, die als Net­to­ent­gelt ge­zahlt wer­den, wel­ches sich aus 75 % des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens er­rech­net.“

Ei­ner der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer mein­te, die Trans­fer­ge­sell­schaft schul­de auch während des Be­zugs von Kurz­ar­bei­ter­geld 75 Pro­zent sei­nes Brut­to­lohns, wor­aus sich ein höhe­rer Zu­schuss er­rech­ne­te als von der Ge­sell­schaft ge­zahlt.

Die Dif­fe­renz klag­te er ein und hat­te da­mit we­der vor dem Ar­beits­ge­richt München (Ur­teil vom 20.02.2014, 12 Ca 2061/13) noch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München Er­folg (LAG München, 23.07.2014, 11 Sa 200/14).

BAG: Aufstockungsleistungen, die eine Transfergesellschaft zum Transferkurzarbeitergeld leistet, sind ein Nettozuschuss

Auch das BAG ent­schied ge­gen den Kläger, der da­mit in al­len drei In­stan­zen den Kürze­ren zog.

Be­gründung des BAG: Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld und Auf­sto­ckungs­leis­tun­gen ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft ha­be die glei­che Lohn­er­satz­funk­ti­on, und da­her ist bei Auf­sto­ckungs­zu­sa­gen re­gelmäßig von ei­nem Zu­schuss zum Net­to­ent­gelt aus­zu­ge­hen. Al­ler­dings ist dies nur ei­ne Aus­le­gungs­re­gel für die In­ter­pre­ta­ti­on von Trans­fer­ar­beits­verträgen, d.h. ei­ne Aus­le­gung, die im Nor­mal­fall dem Wil­len der Ver­trags­part­ner ent­spricht. Ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen sind da­her möglich.

Fa­zit: So­zi­alpläne können Min­dest­be­din­gun­gen für Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se fest­le­gen. Und wenn ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft er­rich­tet wer­den und Zuschüsse zum Kurz­ar­bei­ter­geld gewähren soll, emp­fiehlt sich be­reits im So­zi­al­plan die Klar­stel­lung, dass sol­che Zuschüsse als Net­to­zuschüsse zu zah­len sind.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 10. August 2016

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