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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Pflegezeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 20 Sa 87/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 31.03.2010
   
Leit­sätze: Das Pfle­ge­zeit­ge­setz lässt nach § 4 Abs. 1 Pfle­geZG nur ei­ne ein­ma­li­ge Pfle­ge­zeit­nah­me mit un­mit­tel­ba­rer an­sch­ließen­der Verlänge­rungsmöglich­keit, nicht aber ei­ne Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in meh­re­re ge­trenn­te Ab­schnit­te zu.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 24.09.2009, 12 Ca 1792/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.11.2011, 9 AZR 348/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

 

Verkündet

am 31.03.2010

Ak­ten­zei­chen:

20 Sa 87/09

12 Ca 1792/09 (ArbG Stutt­gart - Kn. Lud­wigs­burg)

Mat­tel Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit

- Kläger/Be­ru­fungskläger -

Proz.-Bev.:

ge­gen

- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Proz.-Bev.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 20. Kam­mer -durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Au­gen­schein, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rapp und der eh­ren­amt­li­che Rich­ter Zeit­ler auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 31.03.2010

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits-
ge­richts Stutt­gart - Kam­mern Lud­wigs­burg - vom
24.09.2009 - 12 Ca 1792/09 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu
tra­gen.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

- 2 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Pfle­ge­zeit gemäß § 3 Pfle­geZG nur ein­ma­lig oder in meh­re­ren ge­trenn­ten Ab­schnit­ten in An­spruch ge­nom­men wer­den kann.

Der Kläger ist auf­grund schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags vom 23.01.1986 (Bl. 7 ff. der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) seit dem 01.04.1986 als Be­triebs­mit­tel­kon­struk­teur bei der Be­klag­ten beschäftigt. Die Mut­ter des Klägers, Frau A. N., S. Str. 29, xxxxx R., wur­de mit Wir­kung ab 01.02.2005 durch die B. E. - Pfle­ge­kas­se - nach der Pfle­ge­stu­fe I als pfle­ge­bedürf­tig an­er­kannt (Schrei­ben der B. E. - Pfle­ge­kas­se - vom 24.03.2005, Bl. 10 f. der erst­in­stanz­li­chen Ak­te). Un­ter dem 12.02.2009 (Bl. 12 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) teil­te der Kläger der Be­klag­ten die Pfle­ge sei­ner pfle­ge­bedürf­ti­gen Mut­ter für den Zeit­raum vom 15.06. bis 19.06.2009 mit, was die Be­klag­te ihm mit Schrei­ben vom 19.02.2009 (Bl. 13 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) bestätig­te. Mit Schrei­ben vom 09.06.2009 (Bl. 14 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) zeig­te der Kläger an, dass er sei­ne Mut­ter am 28. und 29.12.2009 pfle­gen wer­de, was die Be­klag­te un­ter dem 29.06.2009 (Bl. 15 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) nicht bestätig­te, da der Kläger von sei­nem Recht auf Frei­stel­lung zur Pfle­ge sei­ner Mut­ter be­reits ein­mal Ge­brauch ge­macht ha­be und die­ses da­mit erschöpft sei. Statt des­sen bot sie ihm für den Zeit­raum 28./29.12.2009 ei­ne un­be­zahl­te Frei­stel­lung an.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der An­spruch auf Pfle­ge­zeit für je­den pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen für höchs­tens sechs Mo­na­te be­ste­he. Die­ser könne auch mehr­mals in nicht zu­sam­menhängen­den Ab­schnit­ten bis zur Er­rei­chung der Pfle­gehöchst­dau­er gel­tend ge­macht wer­den.

Der Kläger hat be­an­tragt:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die kläge­ri­sche Par­tei im Zeit­raum vom 28.12.200 bis 29.12.2009 vollständig von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len.

Hilfs­wei­se:

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die kläge­ri­sche Par­tei im Zeit­raum vom 28.12.200 bis ein­sch­ließlich 29.12.2009 nach Maßga­be von § 3 Pfle­ge­zeit­ge­setz vollständig von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len.

 

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Kla­ge für un­be­gründet ge­hal­ten, die Pfle­ge­zeit nur ein Mal gel­tend ge­macht wer­den könne.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge-wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Ter­min­nie­der­schrift Be­zug ge­nom­men.

Durch das dem Kläger am 08.10.2009 (Emp­fangs­be­kennt­nis Bl. 45 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te) zu­ge­stell­te Ur­teil vom 24.09.2009 (Bl. 36 ff. der erst­in­stanz­li­chen Ak­te), auf das zur nähe­ren Sach­dar­stel­lung eben­falls Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Der Kläger könne nicht ein zwei­tes Mal Pfle­ge­zeit nach § 3 Pfle­geZG be-nspru­chen. Der An­spruch sei durch die Gel­tend­ma­chung für den Zeit­raum vom 15. bis 19.06.2009 ver­braucht, auch wenn der Kläger die Höchst­dau­er nach § 4 Abs. 1 Satz 1 Pfle­geZG nicht aus­geschöpft ha­be. Ei­ne Ver­tei­lung der Pfle­ge­zeit auf meh­re­re Zeit­ab­schnit­te sei nach dem Pfle­geZG nicht möglich. Dies er­ge­be die Aus­le­gung der ein­schlägi­gen Vor­schrif­ten. So deu­te der Wort­laut des § 4 Abs. 1 Satz 1 Pfle­geZG („längs­tens sechs Mo­na­te“) auf ei­nen ein­heit­li­chen, un­un­ter­bro­che­nen Zeit­raum hin. Das Pfle­geZG ha­be im Un­ter­schied zu den Re­ge­lun­gen der El­tern­zeit die Be­stim­mung nach dem Re­ge­lungs­vor­bild des § 16 Abs. 1 Satz 5 BEEG, wo­nach die El­tern­zeit auf meh­re­re Zeit­ab­schnit­te ver­teilt wer­den kann, nicht über­nom­men. Auch sys­te­ma­ti­sche Über­le­gun­gen bestätig­ten die Rich­tig­keit die­ser Rechts­auf­fas­sung. Das Pfle­geZG se­he zwei­er­lei Ar­beits­frei­stel­lun­gen aus An­lass ei­nes pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen vor: zum ei­nen die kurz­zei­ti­ge Ar­beits­ver­hin­de­rung bis zu 10 Ta­gen gemäß § 2 Pfle­geZG, um für ei­nen pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen in ei­ner akut auf­ge­tre­te­nen Pfle­ge­si­tua­ti­on ei­ne be­darfs­ge­rech­te Pfle­ge zu or­ga­ni­sie­ren oder ei­ne pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung in die­ser Zeit si­cher­zu­stel­len. Da­ne­ben be­ste­he die auf längs­tens sechs Mo­na­te be­fris­te­te Pfle­ge­zeit gemäß § 3 Pfle­geZG, in der der Beschäftig­te von der Ar­beits­leis­tung vollständig oder teil­wei­se frei­zu­stel­len sei, wenn er in die­ser Zeit ei­nen pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen in häus­li­cher Um­ge­bung pfle­ge. Wer­de für ei­nen kürze­ren Zeit­raum ei­ne Pfle­ge­zeit in An­spruch ge­nom­men, könne sie bis zur Höchst­dau­er verlängert wer­den, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­stim­me. Die­se Verlänge­rung könne je­doch nur dann ver­langt wer­den, wenn ein vor­ge­se­he­ner Wech­sel in der Per­son des Pfle­gen­den aus ei­nem wich­ti­gen Grund nicht er­fol­gen könne. Dar­aus fol­ge,

 

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dass der kurz­zei­ti­ge Pfle­ge­be­darf ab­sch­ließend in § 2 Pfle­geZG ge­re­gelt sei, während die ei­gent­li­che Pfle­ge­zeit gemäß § 3 Pfle­geZG auf ei­ne länger­fris­tig an­ge­leg­te, ein­ma­li­ge und un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen bis zur Höchst­gren­ze verlänger­ba­re Frei­stel­lung von der Ar­beits­ver­pflich­tung aus­ge­rich­tet sei. Dafür spre­che auch § 5 Abs. 1 Pfle­geZG, wo­nach der Ar­beit­ge­ber das Beschäfti­gungs­verhält­nis von der Ankündi­gung bis zur Be­en­di­gung der kurz­zei­ti­gen Ar­beits­ver­hin­de­rung nach § 2 Pfle­geZG oder der Pfle­ge­zeit nach § 3 Pfle­geZG nicht kündi­gen darf und gemäß § 5 Abs. 2 Pfle­geZG ei­ne Kündi­gung nur in be­son­de­ren Fällen vom Ge­wer­be­auf­sichts­amt für zulässig er­ach­tet wer­den könne. Ein wei­ter­ge­hen­der Kündi­gungs­schutz ha­be da­durch nicht be­wirkt wer­den sol­len. Dies wäre bei Zu­grun­de­le­gung der kläge­ri­schen Auf­fas­sung je­doch der Fall. Denn bei ei­ner be­lie­bi­gen Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit und ei­ner ge­schick­ten zeit­li­chen Ver­tei­lung von Ankündi­gung und Durchführung der ein­zel­nen Pfle­ge­zeit­ab­schnit­te ließe sich ge­wis­ser­maßen - bis zur Gren­ze des Rechts­miss­brauchs - ein durch­ge­hen­der be­son­de­rer Kündi­gungs­schutz er­rei­chen. Der Hilfs­an­trag sei iden­tisch mit dem Haupt­an­trag und des­halb nicht ei­genständig zu ver­be­schei­den.

Hier­ge­gen rich­tet sich die am 04.11.2009 (Bl. 1 der Be­ru­fungs­ak­te) ein­ge­gan­ge­ne und am 04.12.2009 (Bl. 6 der Be­ru­fungs­ak­te) be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers. Der Kläger rügt, das Ar­beits­ge­richt ha­be den vom Ge­setz­ge­ber aus­drück­lich be­ton­ten Sinn und Zweck des Pfle­geZG, die Pfle­ge­ver­si­che­rung noch bes­ser auf die Bedürf­nis­se und Wünsche der Pfle­ge­bedürf­ti­gen so­wie ih­rer An­gehöri­ger aus­zu­rich­ten, den Grund­satz „am­bu­lant vor sta­ti­onär“ stärker als bis­her zu ver­wirk­li­chen und so die Pfle­ge­kas­sen zu ent­las­ten, nicht hin­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen. Denn dar­aus fol­ge zwin­gend das Ge­bot, auch ei­ne et­wai­ge Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in die Ge­stal­tungs­macht des Pfle­gen­den zu le­gen und Be­lan­ge des Ar­beit­ge­bers da­hin­ter zurück­tre­ten zu las­sen. Auch die sys­te­ma­ti­schen Über­le­gun­gen des Ar­beits­ge­richts sei­en falsch. Denn § 2 Pfle­geZG reg­le die akut auf­tre­ten­den und § 3 Pfle­geZG die „ge­plan­ten“ Pfle­ge­zei­ten, und zwar un­abhängig von der zeit­li­chen La­ge und der An­zahl der Ab­schnit­te der Pfle­ge­zeit(en) in­ner­halb des Rah­mens der sechs­mo­na­ti­gen Höchst­dau­er. Die Ar­gu­men­ta­ti­on be­tref­fend § 5 Pfle­geZG sei rein spe­ku­la­tiv. Auch der Wort­laut des § 4 Abs. 1 Pfle­geZG le­ge das ar­beits­ge­richt­li­che Er­geb­nis nicht na­he, son­dern sei in­so­weit bes­ten­falls neu­tral.

Mit Schrei­ben vom 04.12.2009 (Bl. 26 der Be­ru­fungs­ak­te) teil­te der Kläger mit, sei­ne Mut­ter in der Zeit vom 27. bis 31.12.2010 pfle­gen zu wol­len. Die Be­klag­te trat die­sem An­sin­nen un­ter Be­ru­fung auf ih­ren oben ge­nann­ten Stand­punkt ent­ge­gen. Der Kläger hat die­sen Sach­ver­halt mit Schrift­satz vom 12.01.2010 (Bl. 23 ff. der Be­ru­fungs­ak­te) in das Be­ru­fungs­ver­fah­ren ein­geführt. Er be­gehrt nun­mehr im We­ge der Kla­geände­rung die Frei­stel­lung für die Zeit vom 27. bis 31.12.2010 und hilfs­wei­se die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­te ihn für die Zeit vom 28. und

 

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29.12.2009 hätte frei­stel­len müssen. Die Kla­geände­rung sei sach­dien­lich, weil sich der ur-sprüng­li­che Haupt­an­trag durch Zeit­ab­lauf er­le­digt ha­be und zwi­schen den Par­tei­en wei­ter­hin strei­tig sei, ob der Kläger durch die einwöchi­ge Pfle­ge­zeit­nah­me vom 15. bis 19.06.2009 be­reits den ge­sam­ten Pfle­ge­zeit­an­spruch ver­braucht ha­be. Sie sei sach­dien­lich, weil der Streitstoff im We­sent­li­chen iden­tisch ge­blie­ben sei und ein wei­te­rer Pro­zess ver­mie­den wer­de.

Der Kläger be­an­tragt:

1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 24.09.2009, Az: 12 Ca 1792/09 ab­geändert.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die kläge­ri­sche Par­tei im Zeit­raum vom 27.12.2010 bis ein­sch­ließlich 31.12.2010 vollständig von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len.

Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung von Klag­an­trag Zif­fer 1:

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die kläge­ri­sche Par­tei im Zeit­raum vom 27.12.2010 bis ein­sch­ließlich 31.12.2010 nach Maßga­be von § 3 Pfle­ge­zeit­ge­setz vollständig von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len.

Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Kla­geände­rung:

3. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te im Zeit­raum vom 28.12.2009 bis 29.12.2009 die kläge­ri­sche Par­tei vollständig nach Maßga­be von § 3 Pfle­ge­zeit­ge­setz von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len hat­te.

Die Be­klag­te stimmt der Kla­geände­rung zu und be­an­tragt im Übri­gen,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil und tritt den Rechts­ausführun­gen des Klägers ent­ge­gen.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge-wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und auf das Pro­to­koll des Ter­mins zur münd­li­chen Be­ru­fungs­ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.

 

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Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Klägers ist statt­haft (§ 64 Abs. 1 und 2 ArbGG); sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519 Abs. 1 und 2, 520 Abs. 3 ZPO) und auch im Übri­gen zulässig, aber un­be­gründet. Der Kläger kann nach vollständi­ger Frei­stel­lung zur Pfle­ge sei­ner Mut­ter in der Zeit vom 15. bis 19.06.2009 nicht ein zwei­tes Mal Pfle­ge­zeit für die­se na­he An­gehöri­ge nach § 3 Pfle­geZG in An­spruch neh­men. Dies hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt.

I.

Die Kla­geände­rung ist zulässig.

1. Gemäß § 533 ZPO ist ei­ne Kla­geände­rung im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nur zulässig, wenn ers-tens der Kläger ein­wil­ligt oder das Ge­richt dies für sach­dien­lich hält und zwei­tens die­se auf Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, die das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent-schei­dung über die Be­ru­fung oh­ne­hin nach § 529 ZPO zu­grun­de zu le­gen hat.

2. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor.

a) Die Be­klag­te hat in die Kla­geände­rung ein­ge­wil­ligt.

b) Die Kla­geände­rung wäre im Übri­gen auch sach­dien­lich. Maßgeb­li­cher Ge­sichts­punkt ist in­so­weit der Ge­dan­ke der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit, wo­bei es al­lein dar­auf an­kommt, ob und in­wie­weit die Zu­las­sung ge­eig­net ist, den Streitstoff im Rah­men des anhängi­gen Rechts­streits aus­zuräum­en und wei­te­ren Rechts­strei­tig­kei­ten vor­zu­beu­gen. Die Sach­dien­lich­keit ist nur aus­nahms­wei­se zu ver­nei­nen, ins­be­son­de­re wenn die Be­ja­hung zur Be­ur­tei­lung ei­nes völlig neu­en Streitstof­fes nöti­gen würde, oh­ne dass dafür das Er­geb­nis der bis­he­ri­gen Pro­zessführung ver­wer­tet wer­den könn­te (vgl. Zöller/Heßler, ZPO, 28. Auf­la­ge, § 533 Rn. 6 mwN).

c) Die Kla­geände­rung ba­siert auf neu­en un­strei­ti­gen Tat­sa­chen, die das Ge­richt gemäß § 529 Abs. 1 Nr. 2 ZPO i.V.m. § 67 Abs. 4 ArbGG zu­grun­de zu le­gen hat. Die­se sind zwar erst nach Ab­lauf der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist in das Ver­fah­ren ein­geführt wor­den. Sie führen aber nicht zu ei­ner Verzöge­rung der Er­le­di­gung des Rechts­streits.

 

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II.

Die geänder­te Kla­ge ist zulässig, aber un­be­gründet. Das Pfle­geZG sieht ei­ne mehr­fa­che In­an-spruch­nah­me von Pfle­ge­zeit gemäß § 3 Pfle­geZG für ei­nen pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen nicht vor. Dies er­gibt die Aus­le­gung der ein­schlägi­gen Vor­schrif­ten.

1. Ein Ge­setz aus­zu­le­gen heißt, sei­nen Sinn zu er­for­schen. Da­bei kommt es nicht auf den sub­jek­ti­ven Wil­len des his­to­ri­schen Ge­setz­ge­bers an. Er lässt sich in der Re­gel auch gar nicht fest­stel­len oder ist durch Ände­rung der Le­bens­verhält­nis­se über­holt. Maßge­bend ist der im Ge­set­zes­wort­laut ob­jek­ti­vier­te Wil­le des Ge­setz­ge­bers, so­ge­nann­te ob­jek­ti­ve Theo-rie. Da­bei ist nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 133 BGB nicht am buchstäbli­chen Aus­druck zu haf­ten, son­dern auf den Sinn der Norm ab­zu­stel­len. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass das Ge­setz ei­ne zweckmäßige, vernünf­ti­ge und ge­rech­te Re­ge­lung tref­fen will (herr­schen­de Mei­nung vgl. Pa­landt/Hein­richs, BGB, 68. Auf­la­ge, Rn. 40 vor § 1 BGB mwN).

a) Aus­gangs­punkt der Aus­le­gung ist die Wort­be­deu­tung, so­ge­nann­te sprach­lich-gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung. Enthält das Ge­setz für den Aus­druck ei­ne ge­setz­li­che Fest­le­gung, ist die­se maßge­bend. Sonst gilt für ju­ris­ti­sche Fach­aus­drücke der Sprach-ge­brauch der Ju­ris­ten, im Übri­gen der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch. Ein ein­deu­ti­ger Wort­sinn, der al­ler­dings durch Aus­le­gung fest­ge­stellt wer­den muss, ist grundsätz­lich bin­dend. Von ihm darf nur ab­ge­wi­chen wer­den, wenn der un­ter Umständen aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te zu er­mit­teln­de Ge­set­zes­zweck ei­ne ab­wei­chen­de Aus­le­gung nicht nur na­he­legt, son­dern ge­bie­tet (all­ge­mei­ne Auf­fas­sung, vgl. Pa­landt/Hein­richs, aaO, Rn. 41 vor § 1 BGB mwN).

b) Die Aus­le­gung nach dem Be­deu­tungs­zu­sam­men­hang, so­ge­nann­te sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung, geht von der Ein­sicht aus, dass der ein­zel­ne Rechts­satz im Ge­samt­zu­sam­men­hang der Rechts­ord­nung zu ver­ste­hen ist. Auch für die sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung gilt, dass ein aus ihr ge­won­ne­nes ein­deu­ti­ges Er­geb­nis grundsätz­lich bin­dend ist. Ab­ge­wi­chen wer­den darf nur, wenn, was nach­ge­wie­sen wer­den muss, die ra­tio le­gis dies er­for­dert. Ein Un­ter­fall der sys­te­ma­ti­schen Aus­le­gung ist die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung, de­ren Haupt­an­wen­dungs­feld je­doch das öffent­li­che Recht ist. Von meh­re­ren Aus­le­gungsmöglich­kei­ten hat die­je­ni­ge den Vor­rang, bei der die Rechts­norm mit der Ver­fas­sung in Ein­klang steht. Sie gilt auch im Zi­vil­recht (all­ge­mei­ne Auf­fas­sung, vgl. Pa­landt/Hein­richs, aaO, Rn. 42 vor § 1 BGB mwN).

 

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c) Ent­schei­dend für das Aus­le­gungs­er­geb­nis ist grundsätz­lich die te­leo­lo­gi­sche Aus­le­gung, die sich am Ge­set­zes­zweck (ra­tio le­gis) ori­en­tiert. Für sie be­steht ge­genüber an­de­ren Aus­le­gungs­me­tho­den ein Pri­mat. Zur ra­tio le­gis gehören die mit der kon­kre­ten Norm ver­folg­ten Zwe­cke. Sie wird aber zu­gleich durch all­ge­mei­ne Ge­rech­tig­keits- und Zweckmäßig­keits­erwägun­gen mit­be­stimmt. Die Norm ist als Teil ei­ner ge­rech­ten und zweckmäßigen Ord­nung zu ver­ste­hen. Bei ernst­haf­ten Zwei­feln sind die Aus­le­gungsal-ter­na­ti­ven und ih­re prak­ti­schen Kon­se­quen­zen her­aus­zu­ar­bei­ten; so­dann ist sorgfältig ab­zuwägen, wel­che der Al­ter­na­ti­ven am zweckmäßigs­ten und ge­rech­tes­ten ist und sich am bes­ten in den Ge­samt­zu­sam­men­hang der Rechts­ord­nung einfügt. Die­se Abwägung führt häufig nicht zu ei­nem ein­deu­ti­gen Er­geb­nis in dem Sin­ne, dass ei­ne Aus­le­gungsmöglich­keit rich­tig ist und die an­de­ren falsch sind. Oft muss von meh­re­ren ver­tret­ba­ren Al­ter­na­ti­ven ei­ne als die sach­ge­rech­tes­te oder plau­si­bels­te aus­gewählt wer­den. Die in­so­weit not­wen­di­ge Pro­ble­ma­ti­sie­rung und Abwägung weist Par­al­le­len zum to­pi­schen Den­ken auf. Der hier frag­li­che Ent­schei­dungs­pro­zess ist aber in Wahr­heit nicht mehr Wis­sen­schaft, son­dern ars ae­qui et bo­ni. Man kann in die­sem Zu­sam­men­hang auch von ei­ner rich­ter­li­chen De­zi­si­on spre­chen. Der Rich­ter hat sich aber nicht an sei­nem sub­jek­ti­ven Ge­rech­tig­keits- und Zweckmäßig­keits­vor­stel­lun­gen zu ori­en­tie­ren, son­dern muss auf die Wer­tent­schei­dung der Rechts­ord­nung, ins­be­son­de­re der Ver­fas­sung ab­stel­len (all­ge­mei­ne Auf­fas­sung, vgl. Plandt/Hein­richts, aaO, Rn. 46 vor § 1 BGB mwN).

2. Dar­an ge­mes­sen lässt das Pfle­geZG nur ei­ne ein­ma­li­ge Pfle­ge­zeit­nah­me mit un­mit­tel­ba­rer an­sch­ließen­der Verlänge­rungsmöglich­keit, nicht aber ei­ne Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in meh­re­re ge­trenn­te Ab­schnit­te zu.

a) § 4 Abs. 1 Satz 2 und 3 Pfle­geZG re­gelt aus­drück­lich nur die Verlänge­rung der Pfle-ge­zeit, nicht die Auf­tei­lung auf meh­re­re Zeit­ab­schnit­te, zwi­schen de­nen ei­ne Un­ter­bre­chung liegt. Der Wort­laut des § 4 Abs. 1 Satz 1 Pfle­geZG („längs­tens 6 Mo­na­te“) deu­tet auf ei­nen ein­heit­li­chen Zeit­raum hin (wie hier auch das Ar­beits­ge­richt in der an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung so­wie ErfK/Gall­ner, 10. Aufl., § 4 Pfle­geZG Rn. 1 mit ei­ner Dar­stel­lung des Mei­nungs­stan­des). Auch die in § 3 Abs. 3 Pfle­geZG ge­re­gel­te Mit­tei­lungs­pflicht, „für wel­chen Zeit­raum“ die Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung in An­spruch ge­nom­men wer­den soll, spricht für ei­ne ein­ma­li­ge Pfle­ge­zeit­nah­me. Wäre der Ge­setz­ge­ber von ei­ner Auf­teil­bar­keit der Pfle­ge­zeit auf meh­re­re Ab­schnit­te aus­ge-

 

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gan­gen, wäre die Ver­wen­dung der Mehr­zahl („für wel­che Zeiträume“) ge­bo­ten ge­we­sen.

b) Auch sys­te­ma­ti­sche Erwägun­gen spre­chen ge­gen die vom Kläger erwünsch­te Aus­le-gung. Aus­weis­lich der Ge­set­zes­be­gründung (BT-Drs. 16/7439 S. 91 f.) sind die Re­ge-lun­gen der Pfle­ge­zeit und der Pfle­ge­teil­zeit an die El­tern­zeit­be­stim­mun­gen der §§ 15 ff. BEEG an­ge­lehnt.

aa) So hat der Ge­setz­ge­ber die in § 16 Abs. 3 Satz 4 BEEG ge­re­gel­te Möglich­keit der Verlänge­rung der El­tern­zeit auch für die Pfle­ge­zeit und die Pfle­ge­teil­zeit vor­ge­se­hen. Hat der Beschäftig­te die Höchst­dau­er gem. § 4 Abs. 1 Satz 1 Pfle­geZG von 6 Mo­na­ten nicht aus­geschöpft, kann die Pfle­ge­zeit re­gelmäßig nur mit form­frei­er und nicht frist­ge­bun­de­ner Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers verlängert wer­den (§ 4 Abs. 1 Satz 2 Pfle­geZG). Der Ar­beit­ge­ber ist in sei­ner Ent­schei­dung frei. Es han­delt sich nicht um die Ausübung ei­nes Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts im Sin­ne des § 315 BGB (ErfK/Gall­ner aaO, § 4 Pfle­geZG Rn. 1). Aus­nahms­wei­se hat der Beschäftig­te An­spruch auf Verlänge­rung der Pfle­ge­zeit, wenn ein vor­ge­se­he­ner Wech­sel in der Per­son des Pfle­gen­den aus ei­nem wich­ti­gen Grund nicht er­fol­gen kann (§ 4 Abs. 1 Satz 3 Pfle­geZG). Die­se Re­ge­lung ist § 16 Abs. 3 Satz 4 BEEG nach­ge­bil­det (ErfK/Gall­ner aaO, § 4 Pfle­geZG Rn. 1). § 16 Abs. 3 Satz 4 BEEG wird in der Ge­set­zes­be­gründung so­gar aus­drück­lich zi­tiert (BT-Drs. 16/7439 S. 92).

bb) Dem­ge­genüber hat das Pfle­geZG die Re­ge­lung des § 16 Abs. 1 Satz 5 BEEG nicht über­nom­men. Da­nach kann die El­tern­zeit auf 2 Zeit­ab­schnit­te ver­teilt wer­den; ei­ne Ver­tei­lung auf wei­te­re Zeit­ab­schnit­te ist nur mit der Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers möglich. Aus dem Feh­len jeg­li­cher, ei­ne Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit ermögli­chen­der Re­ge­lung ist des­halb zu fol­gern, dass nur ei­ne ein­ma­li­ge Pfle­ge­zeit­nah­me pro pfle­ge­bedürf­ti­ger Per­son in Be­tracht kom­men soll­te. An­dern­falls wäre ei­ne dem § 16 Abs. 1 Satz 5 BEEG ent­spre­chen­de Re­ge­lung ge­bo­ten ge­we­sen, um ei­nen Sys­tem­bruch im Verhält­nis der An­for­de­run­gen an die Verlänge­rung der Pfle­ge­zeit ei­ner­seits und die Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit an­de­rer­seits zu ver­mei­den. Denn an­sons­ten könn­te ei­ne Verlänge­rung der Pfle­ge­zeit nur mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers (§ 4 Abs. 1 Satz 2 Pfle­geZG) oder bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 3 Pfle­geZG ver­langt wer­den, während die Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in ei­ne un­be­stimm­te Viel-

 

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zahl von Zeit­ab­schnit­ten bis zur Dau­er der Höchst­gren­ze ein­sei­tig im frei­en Er­mes­sen des Ar­beit­neh­mers läge und nur ei­ne Ankündi­gungs­frist von min­des­tens 10 Ar­beits­ta­gen be­ach­tet wer­den müss­te (§ 3 Abs. 3 Satz 1 Pfle­geZG), ob­wohl ei­ne so ver­stan­de­ne Auf­tei­lungsmöglich­keit im Re­gel­fall we­sent­lich höhe­re An­for­de­run­gen an das Pla­nungs­vermögen des Ar­beit­ge­bers be­tref­fend die Er­satz­be­schaf­fung für den Ar­beit­neh­mer stell­te.

c) Der Sinn und Zweck des Pfle­geZG ge­bie­tet gleich­falls kei­ne Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in meh­re­re ge­trenn­te Zeit­ab­schnit­te. Zwar hat der Ge­setz­ge­ber den Sinn und Zweck des Pfle­geZG aus­weis­lich der BT-Drs. 16/7439 S. 91 f. selbst be­tont, nämlich die Pfle­ge­ver­si­che­rung noch bes­ser auf die Bedürf­nis­se und Wünsche der Pfle­ge­bedürf­ti­gen so­wie ih­rer An­gehöri­gen aus­zu­rich­ten und dem Grund­satz „am­bu­lant vor sta­ti­onär“ stärker als bis­her Rech­nung zu tra­gen. Al­ler­dings folgt dar­aus ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers nicht das Ge­bot, ei­ne Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit in meh­re­re ge­trenn­te Zeit­ab­schnit­te zu sta­tu­ie­ren, die­se in die al­lei­ni­ge Ge­stal­tungs­macht des pfle­gen­den Ar­beit­neh­mers zu le­gen und jeg­li­che Be­lan­ge des Ar­beit­ge­bers da­hin­ter zurück­tre­ten zu las­sen.

aa) Ei­ne solch un­aus­ge­wo­ge­ne Re­ge­lung hat dem Ge­setz­ge­ber zu Recht fern ge­le­gen. So hat er et­wa in § 3 Abs. 1 Satz 2 Pfle­geZG be­stimmt, dass die In­an­spruch­nah­me von Pfle­ge­zei­ten nicht ge­genüber Ar­beit­ge­bern mit in der Re­gel 15 oder we­ni­ger Beschäftig­ten be­steht, weil der Aus­fall ei­nes frei­zu­stel­len­den Ar­beit­neh­mers in Klein­be­trie­ben re­gelmäßig schwie­ri­ger zu kom­pen­sie­ren ist als in größeren. Auch die Verlänge­rung der ein­mal zeitmäßig be­stimm­ten Pfle­ge­zeit gem. § 3 Abs. 3 Pfle­geZG ist gem. § 4 Abs. 1 Satz 2 und 3 Pfle­geZG an die Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers oder an wich­ti­ge Gründe ge­bun­den. Im Übri­gen ist die Pfle­ge­zeit selbst auf 6 Mo­na­te be­grenzt (§ 4 Abs. 1 Satz 1 Pfle­geZG).

bb) Die Auf­teil­bar­keit der Pfle­ge­zeit in ge­trenn­te Zeit­ab­schnit­te be­wirk­te auch kei­ne bes­se­re Ver­wirk­li­chung des Sinn und Zwecks des Pfle­geZG. So ist ge­ra­de un­ter Berück­sich­ti­gung der As­pek­te der Ent­las­tung der Pfle­ge­kas­sen und des Grund­sat­zes „am­bu­lant vor sta­ti­onär“ nicht er­sicht­lich, wor­in der Vor­teil ei­ner Ver­tei­lung der Pfle­ge­zeit von ei­ner Ge­samt­dau­er von längs­tens 6 Mo­na­ten auf be­lie­big vie­le Zeit­ab­schnit­te von be­lie­big kur­zer in­di­vi­du­el­ler Dau­er ge­genüber ei­ner ein­ma­li­gen Pfle­ge­zeit­nah­me lie­gen soll. Auch das be­son­de­re Schutz­bedürf­nis der Pfle­ge­bedürf­ti­gen er­for­dert ei­ne der­ar­ti­ge Möglich­keit nicht. Soll­te ein un­vor­her­ge­se­he­ner Aus­fall ei­ner außer­fa­mi­liären Pfle­ge­kraft ein­tre­ten, be­steht be­lie­big oft der An­spruch auf die Kurz­zeit­pfle­ge nach § 2 Pfle­geZG. Soll­te hin­ge­gen kein kurz­fris­ti­ger und un­vor-

 

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her­ge­se­he­ner Aus­fall vor­lie­gen, so hat ein Ar­beit­neh­mer stets die Möglich­keit, die Pfle­ge des pfle­ge­bedürf­ti­gen An­gehöri­gen recht­zei­tig auch an­der­wei­tig zu or­ga­ni­sie­ren. War­um es in ei­nem der­ar­ti­gen Fall zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt sein soll, dass aus­ge­rech­net der an­gehöri­ge Ar­beit­neh­mer be­lie­big oft für be­lie­big kur­ze Zeiträume von der Ar­beit frei­zu­stel­len ist, er­sch­ließt sich dem­ge­genüber nicht.

d) Ge­gen die vom Kläger be­gehr­te Aus­le­gung des Pfle­geZG spricht schließlich auch, wie so­wohl vom Ar­beits­ge­richt als auch von der Be­klag­ten zu­tref­fend an­geführt, dass es der Ar­beit­neh­mer je nach Plat­zie­rung der Ankündi­gun­gen und Ver­tei­lun­gen der Pfle­ge­zeit in der Hand hätte, sich ei­nen sich über vie­le Jah­re hin­zie­hen­den be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz nach § 5 Pfle­geZG zu ver­schaf­fen. Dies ent­spricht nicht dem Sinn und Zweck des Pfle­geZG, das den Kündi­gungs­schutz auf das Vor­lie­gen der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der §§ 2 und 3 Pfle­geZG be­schränken will.

III.

Den Hilfs­anträgen des Klägers liegt als Prämis­se je­weils die Auf­tei­lung der Pfle­ge­zeit auf meh­re­re Zeiträume auch nach be­reits ein­ma­li­ger In­an­spruch­nah­me der Pfle­ge­zeit zu­grun­de. Da dies nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts nicht in Be­tracht kommt, er­wei­sen sie sich be­reits aus die­sem Grun­de als un­be­gründet, oh­ne dass es auf die wei­te­ren Zulässig­keits- und/oder Be­gründet­heits­er­for­der­nis­se an­kommt.

IV.

Der Kläger hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­nes er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen.

V.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. nach Maßga­be sei­ner Zu­las­sung im Ur­teils­te­nor schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

a. Rechts­anwälte,
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG er-füllen.

In den Fällen der lit. b und c müssen die han­deln­den Per­so­nen die Befähi­gung zum Rich-ter­amt ha­ben.

2. Für d. Bekl. ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

 

- 13 -

Au­gen­schein

Rapp

Zeit­ler



 

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