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Auf­wen­dungs­er­satz für den Kauf ei­nes Schul­buchs

An­ge­stell­te Leh­rer kön­nen Kos­ten­er­stat­tung für un­ter­richts­not­wen­di­ge Schul­bü­cher ver­lan­gen, die ih­nen die Schu­le nicht zur Ver­fü­gung stellt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.03.2013, 9 AZR 455/11

15.03.2013. Im All­ge­mei­nen müs­sen Ar­beit­neh­mer mit den Sach­mit­teln aus­kom­men, die ih­nen der Ar­beit­ge­ber zur Ver­fü­gung stellt, da­mit sie ih­re Ar­beits­auf­ga­ben er­fül­len kön­nen. Denn Sach­mit­tel kos­ten Geld, und wie viel Geld der Ar­beit­ge­ber an die­ser Stel­le aus­ge­ben möch­te, kann er selbst ent­schei­den.

In Aus­nah­me­fäl­len kann der Ar­beit­neh­mer aber da­zu be­rech­tigt sein, Kos­ten für die An­schaf­fung von Sach­mit­teln für den Ar­beit­ge­ber zu ver­aus­la­gen und spä­ter Er­stat­tung die­ser Kos­ten vom Ar­beit­ge­ber zu ver­lan­gen.

Über ei­nen sol­chen Aus­nah­me­fall muss­te vor kur­zem das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schei­den. Hier hat­te sich das Land Nie­der­sach­sen be­harr­lich ge­wei­gert, ei­nem Leh­rer ein un­ter­richts­not­wen­di­ges Schul­buch zur Ver­fü­gung zu stel­len, wor­auf­hin der ent­nerv­te Leh­rer es schließ­lich auf ei­ge­ne Rech­nung an­schaff­te und spä­ter Kos­ten­er­stat­tung von sei­nem Ar­beit­ge­ber ver­lang­te: BAG, Ur­teil vom 12.03.2013, 9 AZR 455/11

Wann können Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Ersatz von Aufwendungen verlangen?

§ 670 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) gibt dem "Be­auf­trag­ten" ei­nen An­spruch auf Er­satz von Auf­wen­dun­gen, die der Be­auf­trag­te zum Zwe­cke der Durchführung des Auf­trags für er­for­der­lich hal­ten durf­te.

Ein Ar­beits­verhält­nis ist zwar kein Auf­trags­verhält­nis, da der Ar­beit­neh­mer nicht nur ei­nen be­stimm­ten Auf­trag (nach sei­nem Er­mes­sen) aus­zuführen hat, doch gilt § 670 BGB sinn­gemäß ("ana­log") auch im Ar­beits­verhält­nis.

Dem­zu­fol­ge kann der Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber Er­satz sei­ner Aus­la­gen ver­lan­gen, die er im In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers vor­ge­schos­sen hat und die er je den Umständen für er­for­der­lich hal­ten durf­te.

Al­ler­dings gilt die­ser all­ge­mei­ne Grund­satz nur, wenn Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer kei­ne da­von ab­wei­chen­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen ha­ben. Und im All­ge­mei­nen kann der Ar­beit­ge­ber auch vor­ge­ben, dass er für be­stimm­te Kos­ten ge­ne­rell nicht auf­kom­men möch­te. 

Frag­lich ist, wie weit das Recht des Ar­beit­ge­bers geht, "Kos­ten­sper­ren" vor­zu­ge­ben. Je­den­falls dann, wenn er sich da­mit wi­dersprüchlich bzw. "treu­wid­rig" ver­hal­ten würde, ist ein Kos­ten-Ve­to recht­lich nicht ver­bind­lich.

Der Streitfall: Angestellter Mathematiklehrer soll ohne Schulbuch unterrichten

Ein beim Land Nie­der­sach­sen an­ge­stell­ter Haupt­schul­leh­rer muss­te im Schul­jahr 2008/2009 in der fünf­ten Klas­se Ma­the­ma­tik un­ter­rich­ten. Sein Ar­beit­ge­ber stell­te ihm das für den Un­ter­richt be­stimm­te Schul­buch zu Be­ginn des Schul­jah­res trotz ent­spre­chen­der Auf­for­de­rung nicht zur Verfügung.

Denn für Sach­mit­tel, so das Land Nie­der­sach­sen, sei der Schulträger zuständig, d.h. die Ge­mein­de, und nicht das Land als Ar­beit­ge­ber. Der Schulträger stell­te das Buch al­ler­dings nicht zur Verfügung. Und auch in der Schul­bi­blio­thek konn­te sich der Leh­rer das Buch nicht aus­lei­hen.

Sch­ließlich kauf­te der ent­nerv­te Leh­rer das Buch selbst für 14,36 EUR und ver­lang­te vom Land Kos­ten­er­stat­tung. Da­bei bot er dem Land an, ihm das Buch zu übe­reig­nen. Das Land emp­fahl dem Leh­rer dar­auf­hin, sich doch an den Schulträger zu wen­den oder die An­schaf­fungs­kos­ten im Rah­men der Steu­er­erklärung gel­tend ma­chen.

Sch­ließlich ver­klag­te der Leh­rer das Land auf Kos­ten­er­stat­tung. Da­mit hat­te er vor dem Ar­beits­ge­richt Sta­de zunächst kei­nen Er­folg (Ar­beits­ge­richt Sta­de, Ur­teil vom 24.06.2010, 1 Ca 33/10), dafür aber in der Be­ru­fung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen (LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 02.05.2011, 8 Sa 1258/10). Denn das Land als Ar­beit­ge­ber sei auf­grund sei­ner Fürsor­ge­pflicht da­zu ver­pflich­tet, sei­nen an­ge­stell­ten Lehr­kräften die er­for­der­li­chen Lehr- und Un­ter­richts­mit­tel zur Verfügung zu stel­len, so das LAG.

BAG: Ohne Schulbuch kann ein Lehrer nicht unterrichten

Auch vor dem BAG zog das Land Nie­der­sach­sen den kürze­ren. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den BAG-Pres­se­mel­dung heißt es zur Be­gründung:

Das Land als Ar­beit­ge­ber des Klägers und nicht et­wa die Ge­mein­de als Schulträge­rin sei da­zu ver­pflich­tet, dem Kläger den Kauf­preis für das Schul­buch zu er­stat­ten. Mit dem Tipp, der Kläger könne die strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen doch als Wer­bungs­kos­ten steu­er­min­dernd gel­tend ma­chen, könne sich das be­klag­te Land die­ser Ver­pflich­tung nicht ent­zie­hen, so das BAG.

Maßge­bend ist nach An­sicht des BAG, dass der Kläger oh­ne das von den Schülern be­nutz­te Schul­buch nicht in der La­ge war, ord­nungs­gemäß Ma­the­ma­tik­un­ter­richt zu er­tei­len. Und schließlich wa­ren die strei­ti­gen Be­schaf­fungs­kos­ten auch durch das Ge­halt nicht ab­ge­gol­ten.

Fa­zit: Müssen die Schüler im Un­ter­richt be­stimm­te Schulbücher be­nut­zen, un­ter­rich­tet es sich schlecht, wenn die Lehr­kräfte die­se Bücher nicht eben­falls be­nut­zen können. Da­her gilt hier ei­ne Aus­nah­me von der Re­gel, dass der Ar­beit­ge­ber nach sei­nem Er­mes­sen über die Aus­stat­tung des Be­triebs mit Sach­mit­teln ent­schei­den kann: Er ist auf­grund sei­ner Fürsor­ge­pflicht da­zu ver­pflich­tet, den Lehr­kräften un­ter­richts­not­wen­di­ge Schulbücher zur Verfügung zu stel­len.

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Letzte Überarbeitung: 23. Oktober 2014

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