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Pro­zess um Aus­beu­tung ei­ner Haus­an­ge­stell­ten

Sau­di­scher Di­plo­mat muss 35.000 EUR an in­do­ne­si­sche Haus­an­ge­stell­te zah­len: Ver­gleich vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin, AZ: 36 Ca 3627/11

23.03.2013. Im Fe­bru­ar 2011 ver­klag­te ei­ne in­do­ne­si­sche Haus­an­ge­stell­te ei­nen Di­plo­ma­ten aus Sau­di-Ara­bi­en auf Lohn­zah­lung und Scha­dens­er­satz von 70.000,00 EUR (wir be­rich­te­ten über den Fall in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 12/287 Kla­ge ge­gen sau­di­schen Di­plo­ma­ten zu­läs­sig).

Den An­ga­ben der Haus­an­ge­stell­te zu­fol­ge soll sie von April 2009 bis Ok­to­ber 2010 im­mer wie­der miss­han­delt und ge­de­mü­tigt wor­den sein. Für ih­re Ar­beits­leis­tung von bis zu 20 St­un­den pro Tag an sie­ben Ta­gen in der Wo­che hät­te sie kei­nen an­ge­mes­se­nen Lohn er­hal­ten. Bei al­le­dem ha­be sie den Haus­halt des Di­plo­ma­ten nicht ver­las­sen dür­fen und oh­ne Ma­trat­ze und war­me Klei­dung mit ei­ner dün­nen De­cke auf dem Bo­den des Kin­der­zim­mers schla­fen müs­sen. Die ver­spro­che­ne Ver­pfle­gung ha­be aus Es­sens­res­ten be­stan­den. Der Di­plo­mat be­stritt die Vor­wür­fe.

Nach­dem zu­nächst das Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 14.06.2011, 36 Ca 3627/11) und auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kla­ge auf­grund der Im­mu­ni­tät des ver­klag­ten Di­plo­ma­ten ab­ge­wie­sen hat­ten (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.11.2011, 17 Sa 1468/11), er­klär­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die Kla­ge für zu­läs­sig, weil der Di­plo­mat in­zwi­schen Deutsch­land ver­las­sen hat­te und sich da­her nicht mehr auf sei­ne Im­mu­ni­tät be­ru­fen konn­te (BAG, Ur­teil vom 22.08.2012, 5 AZR 949/11, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/287 Kla­ge ge­gen sau­di­schen Di­plo­ma­ten zu­läs­sig).

Am Diens­tag die­ser Wo­che schlos­sen die Par­tei­en dann vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin ei­nen Ver­gleich, dem zu­fol­ge der Di­plo­mat die Hälf­te der Kla­ge­for­de­rung zu be­glei­chen hat, d.h. 35.000,00 EUR (Pres­se­mit­tei­lung des Ar­beits­ge­richts Ber­lin Nr. 10/13 vom 19.03.2013). Bei­de Par­tei­en wa­ren nur durch ih­re An­wäl­te ver­tre­ten, da sich der Di­plo­mat und die Haus­an­ge­stell­te mitt­ler­wei­le wie­der in ih­ren Hei­mat­län­dern be­fin­den. Der Ver­gleich kann bei­der­seits wi­der­ru­fen wer­den und wird hin­fäl­lig, wenn die ver­spro­che­ne Sum­me nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats auf ein Treu­hand­kon­to über­wie­sen wird.

Wie der An­walt des be­klag­ten Di­plo­ma­ten laut Pres­se­be­rich­ten er­klär­te, wird die Sum­me vor­aus­sicht­lich vom sau­di­schen Kö­nig­reich über­nom­men, um das An­se­hen Sau­di-Ara­bi­ens nicht zu be­schä­di­gen. Der Di­plo­mat selbst sei da­zu nicht im­stan­de.

Soll­te der Ver­gleich nicht wi­der­ru­fen wer­den, hät­te der Pro­zess aus Sicht der Klä­ge­rin ei­nen sehr güns­ti­gen Ver­lauf ge­nom­men. Denn ers­tens ist die Klä­ge­rin für al­le von ihr er­ho­be­nen Vor­wür­fe be­weis­pflich­tig, be­fin­det sich aber in ei­ner un­güns­ti­gen Be­weis­la­ge, da als Be­weis­mit­tel nach La­ge der Din­ge wohl nur die Zeu­gen­aus­sa­gen der Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen des Di­plo­ma­ten in Be­tracht kom­men. Und zum an­de­ren wä­re ein vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin er­strit­te­nes Ur­teil we­nig wert, da die­ses so­dann ge­gen den Di­plo­ma­ten in Sau­di-Ara­bi­en voll­streckt wer­den müss­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 3. November 2016

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